Referate

Gutes Leben in Zeiten der Hetze

Montag, 04.08.2014    10:00 Uhr
Die Welt wird immer kurzatmiger; die Gegenwart scheint zu schrumpfen; der 24-Stunden-Tag reicht nicht mehr für die vielfältigen Aufgaben, Termine, Verpflichtungen; Arbeitsverdichtung und fehlende Pausen führen zur Erschöpfung, schlimmstenfalls zum Burnout. Keine Zeit mehr, sich mit weiter reichenden und wertetragenden Gedanken, Plänen, Konzepten zu befassen.Wie ist unter diesen (kapitalistischen / ökonomisch dominierten) Umständen und Bedingungen ein gutes Leben möglich? Und wenn ja, welche Voraussetzungen müssen existieren, bzw. geschaffen werden;  was muß der Einzelne tun, was kann und muß die Gesellschaft, die Politik dazu beitragen? Wie gelingt der Wechsel vom kapitalistischen Paradigma des „Immer mehr vom Gleichen“ zu einem Grundsatz des „Hin zum qualitativ Besseren?“ Fragen, mit denen sich Prof. Marianne Gronemeyer in Ihrem Referat befassen wird; Fragen, für die es sicherlich keine leichtfüßigen Antworten geben kann.
Prof. Dr. Marianne Gronemeyer,
geboren 1941 ist eine deutsche Erziehungswissenschaftlerin und Autorin. Sie arbeitete acht Jahre als Lehrerin an einer Haupt- und Realschule. Nach einem Zweitstudium der Sozialwissenschaften an den Universitäten Hamburg, Mainz und Bochum promovierte sie 1976 in Hamburg zum Thema Motivation und politisches Handeln. Von 1987 bis 2006 war sie Professorin für Erziehungswissenschaft an der Fachhochschule Wiesbaden.

2011 erhielt sie den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung, 2013 den Preis der Dr. Margrit Egnér-Stiftung.

Wahrheit und Erfindung – Wie sollen wir die Wirklichkeit erzählen?

Montag, 4. August 2014: 16.00 Uhr
Anders als Dichter sind Journalisten gehalten, die Wahrheit zu berichten. Aber auch Journalisten müssen ihre Texte erzählerisch gestalten, Zusammenhänge herstellen und Sachverhalte für den Leser lebendig werden lassen. Wo liegt die Grenze zwischen zulässiger erzählerischer Kreativität und verbotener Erfindung? Diese Frage haben Journalisten zu unterschiedlichen Zeiten ganz unterschiedlich beantwortet. Der Vortrag stellt einige einflussreiche Auffassungen über die nach wie vor umstrittene Grenzlinie zwischen Journalismus und Literatur vor
Prof. Dr. Matias Martinez
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Bergischen Universität Wuppertal

Erzählprozesse

Dienstag, 05.08.2014    09:00 Uhr
Jörg Armbruster ist ein Journalistenveteran. Er war viele Jahre im Nahen Osten und hat u.a. aus dem Irak, Syrien und Ägypten berichtet. Dabei wagte er sich immer ganz nah heran, an gefährliche Orte. Im vergangenen Jahr kostete ihn sein Einsatz beinahe das Leben. Jörg Armbruster redet nicht gerne darüber, über die Schüsse aus dem Hinterhalt und was sie für ihn bedeuten. Für den Journalisten sind die Menschen, denen er begegnet und deren Schicksale wichtiger. Viele Jahre hat er Geschichten vom Krieg erzählt und von den Menschen, die durch dessen Gewalt Fürchterliches ertragen müssen, von der Rebellion der arabischen Jugend, die den Reporter mit Hoffnung erfüllt hat und dabei die Länder lieben gelernt, die ihn, den Veteranen nicht mehr loslassen. Wie haben ihn die neun Jahre im Nahen Osten verändert? Wie hat sich seine Art zu berichten gewandelt? Wie nah sind seine Fernsehsehbilder der Wirklichkeit gekommen? Nur einige wenige Fragen, die er in seinem Vortrag beantworten wird.
Jörg Armbruster
am 22. November 1947 in Tübingen geboren. Er hat u.a. Politik-, Sozial- und Theaterwissenschaft an der Universität in Köln studiert und als Reporter, Moderator und Redakteur bei WDR und SWR gearbeitet. Seit 1999 war Jörg Armbruster  viele Jahre lang als Auslandskorrespondent der ARD im Nahen Osten tätig. Ende März 2013 wurde er in nordsyrischen Aleppo angeschossen und überlebte nur Dank der Hilfe seines Kollegen Martin Durm und eines syrischen Arztes. Über den Nahem Osten hat Jörg Armbruster auch Bücher geschrieben: Brennpunkt Nahost. Die Zerstörung Syriens und das Versagen des Westens (2013) und Der Arabische Frühling Als die arabische Jugend begann, die Welt zu verändern (2011). Seit Ende 2012 ist Jörg Armbruster pensioniert, aber weiterhin als Reporter im Nahen Osten unterwegs

Mediale Erzählprozesse

Dienstag, 05.08.2014 10:00 Uhr
Früher hat man vor dem Fernseher gesessen und sich angehört, was Journalisten dort erzählten, auch das Radio und die Zeitung „bedienten“ ihre Hörer und Leser mit Informationen. Auch heute werden Nachrichten noch über die „klassischen“ Medien vermittelt, ergänzend nehmen die Neuen Medien (Soziale Netzwerke, YouTube etc.) einen festen Platz bei der Informationsvermittlung ein und stehen damit auch in Konkurrenz zum klassischen Journalismus. Wenn ein Soldat direkt von der Front seine Eindrücke beschreibt oder Teilnehmer einer Demonstration aus erster Quelle berichten, hat der Korrespondent, dessen Standort womöglich viele Kilometer entfernt liegt, das Nachsehen. Die ehemals „nur“ passiven Rezipienten sind heute (inter-)aktive Nutzer, sie produzieren inzwischen vielfach selbst  Nachrichten und stellen Informationen zur Verfügung. Aber diese Berichte sind subjektiv, erfüllen in vielen Fällen nicht die journalistischen Qualitätskriterien. Kein sachkundiger Beobachter ordnet die Lage ein. Wer kontrolliert, wer reg-lementiert das, was in den Neuen Medien „gesendet“ wird? Wie muss eine neue Generation von Nutzern ausgebildet sein, um einerseits Informationen sachgerecht online zu verbreiten und andererseits den Realitätsgehalt von Infor-mationen beurteilen zu können? Welche Rolle spielt der „klassische“ Journalismus in Zukunft und wie geht man mit Formen „unprofessioneller“ Berichterstattung um? Das sind Fragen, auf die Medienethikerin Nina Köberer Antworten sucht.
Dr. Nina Köberer
Jg. 1982, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften an der Universität Tübingen. Sie hat Germanistik, Philosophie, Geographie und Erziehungswissenschaft studiert und Ihre Doktorarbeit zum Thema: „Trojanische Pferde“ – Advertorials in Jugendprintmedien als medienethisches Problem – geschrieben. Seit 2009 lehrt sie an der PH Ludwigsburg Philosophie und ist dort Mitglied der Forschungsstelle Jugend – Medien – Bildung sowie der Forschungsgruppe Medienethik. Zudem bildet sie Journalisten im Bereich Medienethik aus. Seit 2012 ist sie Sprecherin der Nachwuchsgruppe Kommunikations- und Medienethik der DGPuK, seit 2014 sitzt sie im Vorstand des Vereins zur Förderung publizistischer Selbstkontrolle und ist dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen u.a. im Bereich Medienethik, journalistische Ethik, Werbeethik, narrative Ethik und Medienbildung.

Manipulation mit Methode – Interessengeleitete mediale Steuerung von Wissenschaftsinformation

Donnerstag, 07.08.2014 09:00 Uhr
Was der Öffentlichkeit als wissenschaftliche Erkenntnis vermittelt wird, ist in Wahrheit oft lediglich Marketing. Vor allem bezüglich Medizin und Ernährungswissenschaft – zwei  verbrauchernahe Disziplinen, die im Endkundengeschäft mit dreistelligen Milliardenumsätzen aufwarten – werden Presse, Funk, TV und Internet zu Des-Informationsschleudern, die bewährte Geschäftsmodelle gegen echte Wissenschaft schützen und neue Wirtschaftsräume mit Pseudowissenschaft erschließen. Vitamine, Cholesterin, Omega3-Fettsäuren, Krebsfrüherkennung – Medienkampagnen werden betrachtet

Dr. Frank Wittig
arbeitet seit 28 Jahren als Wissenschaftsjournalist. Zunächst zehn Jahre im Print-Bereich, seit 1996 in der Abteilung Wissenschaft im SWR-Fernsehen. Seine journalistische Arbeit wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Frank Wittig hat Lehraufträge für Wissenschaftsjournalismus an den Universitäten in Mainz und in Kaiserslautern und moderiert Wissenschaftsveranstaltungen. 2013 veröffentliche er das medizin-kritische Sachbuch: „Die weiße Mafia“, das zum Spiegel-Bestseller wurde.  

Consumer Neuroscience Wie die Werbung unser Gehirn manipuliert

Donerstag, 07.08.14 11:00 Uhr

In dem Vortrag soll es um die Bedeutung der Hirnforschung für das Verständnis von Verbraucherverhalten gehen. Wie treffen Konsumenten Kaufentscheidungen, wie werden diese von externen und individuellen Faktoren beeinflusst? Die Gehirnforschung hilft hier die zu Grunde liegenden Prozesse besser zu verstehen und damit auch Maßnahmen, welche diese beeinflussen. Implikationen für Marketing, Marktforschung und Verbraucherschutz werden diskutiert.

Prof. Dr. Bernd Weber
studierte Humanmedizin in Bonn und promovierte zur Untersuchung pathologischer Ursachen
zentralnervöser Erkrankungen. Seit dem Jahr 2005 leitet er am Life&Brain Center die Abteilung für strukturelle und funktionelle Bildgebung des Gehirns. Neben der Erforschung der neuronalen Grundlagen von Gedächtnis- und Sprachprozessen, beschäftigt er sich seit einigen Jahren intensiv zusammen mit Psychologen und Ökonomen mit der neuen Disziplin Neuroökonomie, d.h. den biologischen Grundlagen ökonomischen Entscheidungsverhaltens und ihren praxisrelevanten Fragestellungen. Er ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied der zentralen Einrichtung Center for Economics and Neuroscience an der Universität Bonn, Herausgeber der Zeitschrift Journal for Neuroscience Psychology and Economics und Chair für Deutschland der Neuromarketing Business Association. Seit Juli 2010 hat er eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Heisenbergprofessur für Neuroökonomie an der medizinischen Fakultät der Universität Bonn inne.