Studienwoche 2013

Gemeinsam stark!?
Soziale Bindung und Solidarität in einer Gesellschaft der Individuen

An kritischen, zeitnahen Themen für unsere kommende Studienwoche fehlt es sicher nicht. Weit schwieriger ist es, sie im Einzelfall so zu konfigurieren, dass es über die gediegene Information hinaus zu Denkanstössen und Handlungsimpulsen kommt. Umdenken und Lernprozesse beruhen bisweilen auf Verunsicherung. Auch das gehört zum „hidden curriculum“ unserer Veranstaltung.

Unser Tagungsthema schließt an die Schwerpunkte der vergangenen Jahre an, die sich um Stärken und Krisen der Individualität, neue Kompetenzen im Medienwandel und Fragen der Lebensgestaltung drehten. Worte wie „gemeinsam“ oder „Gemeinschaft“ gelten in Zeiten individualistischer Lebensorientierung als rückwärtsgewandt. Sie sollen jedoch keine sozial homogene, stark werteintegrierte und von den Brandungswellen des Individualismus verschonte Traditionswelt suggerieren. Die Sphäre des Gemeinsamen ist selten noch naturwüchsig, sie muss mehr denn je hergestellt werden und hat geringere Halbwertzeiten. Die Idee der gesellschaftlichen Einbindung und sozialen Verantwortung, welche die Selbstachtung und das Gefühl, für die Gemeinschaft nützlich zu sein, so ungemein befördert, findet immer wieder zu neuen Ausdrucksformen. In einer starken Formulierung hat der polnische Soziologe Zygmunt Bauman dies auf den Punkt gebracht:

„Identität wächst auf dem Grab der Gemeinschaft, sie gedeiht nur, wenn sie die Auferstehung der Toten verspricht.“

Auch in Zeiten des Rückzugs und einer Ego-Gesellschaft suchen viele nach einem „Wir“, das die Kräfte des sozialen Zusammenhalts freisetzt und der Solidarität diesseits der Solidarsysteme und jenseits des Konsumenten-individualismus’ Impuls verleiht.

Diese natürliche Tendenz zeigt sich manifest in sozialen Aktivitäten ohne Glamour und mannigfachen Zusammenschlüssen mit gesellschaftlichen und politischen Zielsetzungen. Denn in einer Welt, in der sich alles verändert und bewegt, suchen Menschen nach Gruppen und tragfähigen Sozialbeziehungen, denen sie sich zuverlässig zugehörig fühlen und wo sie für ihr Engagement eine Heimat finden. Fragen wir uns bei unserer Tagung nach Orten und Konstellationen, wo die Substanz des Sozialen nachwächst und neue Solidaritäten sich formieren.

Zu dieser Studienwoche vom 28. Juli bis zum 3. August 2013 in Bad Alexandersbad lädt Sie / Euch das Präsidium der IAKM herzlich ein