Referate

Montag, 29. Juli 2012: 09.30 – 11.00 Uhr
Wohlstand für alle durch Einkommen für alle! Das bedingungslose Grundeinkommen

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein derzeit kontrovers diskutiertes Thema. Häufig mischen sich Vorbehalte mit Halbwissen und führen zu einer ablehnenden Haltung gegenüber dem Thema, ohne es einmal unvoreingenommen wissenschaftlich und mit Blick auf die Chancen für die Zukunft unseres weltweit arbeitsteiligen betrachtet zu haben. Der Vortrag zeigt daher mehrere Begründungslinien auf und leitet die Idee des Grundeinkommens unabhängig von ideologischen Grundhaltungen, Weltanschauungen und Menschenbildern aus den Anforderungen an ein zeitgemäßes, der Arbeitsteilung angemessenes Steuersystem ab.

Dr. Ludwig Paul Häußner, Karlsruhe
geboren 1958 – Vater von vier erwachsenen KindernDiplom-Betriebswirt (BA), Aufbaustudium in London (South Bank University)Diplom-Pädagoge, weiterbildendes Studium in Erziehungswissenschaft, Soziologie, Psychologie und Philosophie (Universität Landau/Pfalz) – Schwerpunkte: Betriebs- und Führungspädagogik Promotion zum Dr. phil. im Jahr 2009. Langjährige Management- und Führungserfahrung in Wirtschaftsunternehmen, einer Schule in freier Trägerschaft und im Hochschul- und Weiterbildungssektor (Universitäten Karlsruhe/Interfakultatives Institut für Entrepreneurship und Landau/Leadership-Kultur-Stiftung)
Mitgesellschafter und Mitgründer von edukativa – Heilpädagogisches Zentrum Karlsruhe – www.edukativa.eu
edukativa-INSTITUT für Agogik & Sozialgestaltung Karlsruhe (in Gründung)

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Dienstag, 30. Juli 2012: 09.00 – 10.30 Uhr
Arm-Reich-Berichterstattung in den Medien

„Unstrittig ist: Private und öffentliche Armut steigen, ebenso wie der private Reichtum. Die soziale Kluft wird auch in Deutschland tiefer. Meinungsumfragen belegen: Die übergroße Mehrheit findet, es gehe nicht mehr gerecht zu. Das findet sie jedoch schon seit Jahren, ohne dass sich an dem Zustand etwas ändert. Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sich diese Mehrheit tatsächlich empören: dass wir auch in Deutschland beides nebeneinander haben – Reichtum und Armut im Überfluss, friedlich vereint.
Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage: Wie berichten Qualitätsmedien, wie „Die Zeit“, der „Spiegel“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Süddeutsche Zeitung“ über Armut und Reichtum?
Ist das für sie überhaupt ein Thema?

Dr. Wolfgang Storz
Publizist, Lehrbeauftragter an den Universitäten Kassel und Frankfurt, Medien- und Kommunikationsberater.
Studium der Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz, Promotion an der Universität Tübingen, politischer Korrespondent in Bonn, Leiter Politik- und Nachrichtenredaktion bei der ˜Badischen Zeitung”, Korrespondent/Autor für ˜Die Woche” und ˜Deutsche Allgemeines Sonntagsblatt”, Chefredakteur der Printmedien und Medienberater bei der IG Metall, stellv. Chefredakteur und Chefredakteur bei der ˜Frankfurter Rundschau˜ (2000 bis 2006)

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Dienstag 30. Juli 2012: 11.00 – 12.30 Uhr
Aus dem Leben ein Kunstwerk machen – Der Wandel der Lebenswelten im letzten halben Jahrhundert

Die modernen Lebenswelten haben sich dramatisch verändert. Der Untertan ist nicht mehr der Leittypus, sondern der mündige Bürger. Die seit Jahrhunderten eingeschränkten Optionen für Frauen werden nicht mehr hingenommen. Minderheiten und Protestbürger treten in die Öffentlichkeit und vertreten ihre Interessen. Das gibt der Demokratie einen partizipatorischen Einschlag. In der Lebenswelt tritt die Verantwortungsethik an die Stelle der Normenethik. Die Zeitgenossen entwickeln neue Lebensformen. Nietzsche hat diese Entwicklung antizipiert, wenn er neue ethische Werte fordert und man aus dem Leben ein Kunstwerk machen soll. Foucault schließt daran an und konzipiert eine Ästhetik der Existenz, bei der die Askese nicht mehr dazu dient, sich einem moralischen Code bzw. einer Gemeinschaft unterzuordnen, sondern dazu nicht Sklave seiner Lüste zu werden, um diese aber fleißig gebrauchen zu können. Aber man kann dieses Szenario auch als Werteverfall begreifen.

Prof. Dr. Dr. Hans-Martin Schönherr-Mann, München
geboren 1952, Essayist u. Prof. f. Politische Philosophie, Ludwig-Maximilians-Univ. München; Gastprof., Leopold-Franzens-Univ. Innsbruck; Lehr- und Prüfungsbeauftragter an der Hochschule für Politik, München;
neuere Buchpublikationen: 2012: Vom Nutzen der Philosophie – Pragmatismus als Lebenskunst (S. Hirzel); Philosophie der Liebe – Essay wider den Gemeinspruch ‚Die Lust ist kurz, die Reu’ ist lang’ (Matthes&Seitz Berlin); Was ist politische Philosophie (Campus Studium); 2010: Die Macht der Verantwortung (Karl Alber Spektrum); Globale Normen und individuelles Handeln – Die Idee des Weltethos aus emanzipatorischer Perspektive (Könighausen&Neumann); 2009: Der Übermensch als Lebenskünstlerin – Nietzsche, Foucault und die Ethik (Matthes&Seitz Berlin); 2008: Miteinander leben lernen – Die Philosophie und der Konflikt der Kulturen (Piper); Friedrich Nietzsche (UTB Profile); 2007: Simone de Beauvoir und das andere Geschlecht (dtv); 2006: Hannah Arendt – Wahrheit, Macht, Moral (C.H. Beck); 2005: Sartre – Philosophie als Lebensform (C.H. Beck)

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Donnerstag 1. August 2012: 09.00 – 10.30 Uhr
Gnadennlos erleuchtet. Esoterische Pseudotherapien boomen

Der Markt für esoterische Lebenshilfe boomt: Schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Anbieter absurdester Techniken werben mit dem Versprechen auf Erleuchtung, schnelle Heilung und ewige Glücksseligkeit. Schaden kann’s ja nicht? Das ist leider ein Irrtum. Denn die Szene wird härter. Gerade die zur Zeit populärsten Methoden beruhen auf Ideologien, die direkt aus dem Mittelalter kommen: Schuld und Sühne, höhere Mächte, die über die Menschen richten, Erlösung gegen Ablass. Nicht wenigen Teilnehmern geht es nach einem Eso-Seminar schlechter als vorher.

Heike Dierbach, Hamburg
Jahrgang 1970, ist Diplom-Psychologin und freie Wissenschaftsjournalistin, war Redakteurin der taz und Pressesprecherin von Greenpeace Deutschland. Sie arbeitet unter anderem für den Stern, Zeit Wissen, NDR und Nido. 2009 erschien bei Rowohlt ihr Buch „Die Seelenpfuscher – Pseudotherapien, die krank machen“.

 

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Donnerstag 1. August 2012: 11.00 – 12.30 Uhr
Die Tragflächen verbreitern – Was gibt uns Halt?

Die spirituelle Dimension in der Sterbebegleitung. Die „Medizin der Moderne“ hat für die Bewältigung von schwerer Krankheit und Sterben keine eigenen Konzepte. Ihr genügen die instrumentelle Logik der Neuzeit. Im Lauf der letzten Jahrzehnte jedoch gibt es eine neue Entwicklung. Die Hospiz- und Palliativphilosophie fordern nicht nur die Beachtung der körperlichen, sondern auch die der psychischen, sozialen und spirituellen Dimension bei schwerer Krankheit und Sterben.
Der Referent rückt die Rolle der Spiritualität in den Blick. Es wird heute immer mehr anerkannt, dass diese einen eigenen Beitrag in der Bewältigung von Lebenskrisen leisten kann. Dieser Vortrag geht davon aus, dass jeder Mensch spirituelle Ressourcen in sich trägt, auch Menschen ohne Religionszugehörigkeit und Menschen in klarer Distanz zu jeder Religion. Es werden Konzepte vorgestellt, wie die Begleiter (auch Ärzte, Pflegende, Psychologen) diese spirituelle Ebene im Patienten erreichen und sie darin unterstützen können.

Dr. Erhard Weiher; Mainz
Dipl. Phys. und Dr. theol h.c.
Seit 25 Jahren Pfarrer an der Universitätsmedizin Mainz. Viele Veröffentlichungen zu Sterbebegleitung, zu Trauer und medizinethischen Themen. Fortbildungstätigkeit für therapeutische und seelsorgliche Berufe.
Letzte Veröffentlichung: Das Geheimnis des Lebens berühren. Spiritualität bei Krankheit, Sterben, Tod Eine Grammatik für Helfende, 3. Auflage 2011.

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Freitag 2. August 2012: 09.00 – 10.30 Uhr
Demokratie muss man lernen – Welchen Beitrag leistet die Medienbildung?

In einer Entschließung der Kultusministerkonferenz zur Demokratieerziehung heißt es: „Eines der obersten Ziele schulischer Bildung überhaupt ist es, junge Menschen zu befähigen, sich in der modernen Gesellschaft zu orientieren und politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen. Dabei sollen sie ermuntert werden, für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Gerechtigkeit, wirtschaftliche Sicherheit und Frieden einzutreten.“ Hier ist zwar weder von Medien noch von Medienbildung die Rede, doch in einer modernen Gesellschaft ist Medienkompetenz als „Basisqualifikation demokratischer Bürgerkompetenz“ zu begreifen (Sarcinelli). Bleibt zu fragen, ob bzw. wie der damit verbundene Anspruch an Medien, Bildungssystem und Bürger einzulösen ist.

Dr. Wolf-Rüdiger Wagner, Hannover
studierte an der Universität Marburg Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie. Er arbeitete in unterschiedlichen pädagogischen Tätigkeitsfeldern – Schule, Erwachsenenbildung, Universität und Lehrerfortbildung.
Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift ‘Computer und Unterricht’.