Expedition Happiness Kritik – Alles gesehen und nix erlebt?

Von Georg Hölting. 

Ein junges Paar kündigt das schicke Loft in Berlin und kauft einen ausrangierten Schulbus in den USA. Diesen wollen sie zum Wohnmobil umbauen, um dann gemeinsam mit Hund Rudi von Alaska bis Argentinien zu fahren und das Glück zu suchen. Sie kommt aus einer Hippie-Familie voll mit Akademikern, er aus der Südpfalz; wo noch wirklich gearbeitet wird und man sich mit 20 schon für einen Bauplatz bewirbt – so stellen Selima Taibi und Felix Starck gleich zu Beginn des Films selber vor.

Selima mag der ein oder andere als Sängerin „Mogli“ kennen. Felix dagegen vielleicht von seiner ersten großen Reise und der dabei entstandenen Doku „Pedal the World“. Bei dieser Reise haben sich die beiden auch kennengelernt und wollten dann gemeinsam los. Obwohl sie, wie sie ebenfalls feststellen, in Berlin eigentlich alles hatten, um glücklich zu sein. Bei dieser Reise ist nun wieder ein Film entstanden.

Ein Film der zeigt, dass es nicht reicht, auf Reisen zu gehen und eine Kamera dabei zu haben, damit dabei eine interessante Dokumentation entsteht.

Der Film, der sich anfühlt wie ein überlanges, zugegeben technisch hochqualitatives, Youtube-Video macht mehr falsch als richtig. Zunächst wäre da die fehlende Behandlung des eigentlichen Themas. „Expedition Happiness“, der Titel soll andeuten, das die beiden Protagonisten und Filmproduzenten auf der Suche nach dem Glück sind. Es bleibt aber immer nur am Rande ein Thema und wird selten von den beiden aufgegriffen. Doch eine Dokumentation muss stets eine (oder auch mehrere) Fragen behandeln. Ansonsten wird es für den Zuschauer schnell langweilig, da der Spannungsbogen fehlt. Genau das ist bei „Expedition Happiness“ leider der Fall. Dieses große Minus hätte eventuell noch durch eine interessante Erzählweise und zwei unterhaltsame Hauptfiguren ausgeglichen werden können. Doch leider wissen die beiden wenig zu berichten. Allzu oft beschreiben sie einfach nur wie „super schön“ und „magisch“ die Landschaft sei. Von welchen Erlebnissen könnten sie auch schon erzählen? Die ersten zwei Drittel des Films fahren sie durch Kanada und die USA, durch Wüsten, Täler und Berge und fangen tolle Bilder ein. Auf Land und Leute wird aber nicht eingegangen. In den großen Städten wird nicht gehalten. Zu schwierig sei es dort mit dem Bus zu rangieren oder einen Parkplatz zu finden. Die wenigen Szenen die dann unterhaltsam sein sollen wirken sehr gestellt und sind fast zum fremdschämen. So z.B. das „Tänzchen“ zur 10. 000 Kilometer Marke.

Erst mit dem Überqueren der mexikanischen Grenze fängt es an interessant zu werden. Gegen die Gastfreundschaft der Mexikaner können sich Felix und Selima nicht wehren. Sie werden eingeladen auf Chilliplantagen und Straßenfeste und auf einmal werden auch die Städte nicht mehr umfahren und es gibt richtig was zu erzählen. Es ergibt sich sogar ungewollt komische Situationen. Die die beiden mal mehr mal weniger wissen gut in Szene zu setzen und zu kommentieren. Doch es ist zu spät. Wir befinden uns mittlerweile im letzten Drittel des Films und auch der ist nicht stark, nicht spannend, absurd oder einfach interessant genug um über die ersten beiden hinweg zu täuschen.

Die Filmmusik kommt selbstverständlich von Selima Taibi aka „Mogli“ und besteht überwiegend aus Songs die auf der Reise entstanden sind. Das funktioniert als musikalische Untermalung der landschaftlichen Eindrücke ganz gut, bleibt aber bei der Vielzahl an Songs, doch wenig abwechslungsreich.

Insgesamt verpasst „Expedition Happiness“ also die vom Titel geforderte Fragestellung zu behandeln und einen Spannungsbogen aufzubauen. Felix und Selima sind begeistert beim Reisen dabei, geben aber doch eher schlechte Entertainer ab. Hund Rudi nervt. Großer Tipp an alle Reisenden: nehmt keinen Hund auf einem mehrmonatigen Roadtrip mit. Wobei man bei dem 13 meterlangen, mit Duschbad, Backofen und Eismaschine ausgestattetem, Bus nicht mehr von einem Roadtrip sprechen kann. Und genau da liegt auch der Hund begraben. Die beiden haben es sich auf ihrer Reise zu bequem gemacht. So bequem, dass nun wirklich jedes Hindernis („Rückschläge“) das beim Reisen mal so aufkommt: Autopannen, Probleme an der Grenze, von den beiden unnötig breitgetreten wird. Die potentiellen kleinen Katastrophen die ein mehrmonatiger Roadtrip bietet entgehen die beiden durch ihre komfortable Art zu reisen. Schade. So hat man am Ende des Films das Gefühl man selbst und auch Felix und Selima haben alles gesehen und nix erlebt.

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