Hool – die Inszenierung einer Bewegung und eines Gefühls

Eine Rezension von Emma Zich. 

In dem Sprechtheaterstück, inszeniert nach dem Roman von Philipp Winkler und um verfasst für das Schauspiel Hannover von Lars- Ole Walburg, geht es um Heiko, der sich mit seinen Freunden in der Hooligan Szene aufhält bzw. sie lebt. Die Abkürzung Hool steht für Hooligan.

Bevor ich die Premiere am 23.09.2017 besuchte, überlegte ich mir was ich eigentlich mit Hooligans verbinde und welche Vorurteile ich dieser Bewegung gegenüber habe? Wie sich diese Vorurteile vielleicht bestätigt haben und ob sich das Theaterstück meiner Meinung nach mit Klischees bedient, werde ich versuchen jetzt euch näher zu bringen. Zunächst habe ich Aggression, Wut, Verteidigung der Ehre und schwierige Verhältnisse für die Motive der Hools gehalten. Wir werden sehen wie sich diese Motive in dem Theaterstück Hool wiederfinden lassen.

Zu Beginn wird ein Gespräch vor einer Prügelei gezeigt. Die Bühne ist ein beweglicher und drehbarer, 360° bespielbare Bühne, auf einem Gerüst. Bei fast jedem Szenenwechsel kann der Spielort somit leicht gewechselt werden. Allgemein ist zu sagen, dass die Schauspieler (Philippe Goos, Nicola Fritzen, Carolin Haupt, Sebastian Weiss und Daniel Nerlich) abwechselnd jede Rolle spielen.

Den reellen Bezug zum Stück erhält der Zuschauer indem Hool in Hannover spielt und sich diese Bewegung um den Fußballverein Hannover 96 dreht. Heiko kämpft wortwörtlich unter Anführung seines Onkels Axel und mit der Unterstützung seiner Jugendfreunde für diesen Verein. Eigentlich geht es aber nicht um den Verein und auch nicht um den Fußball.

Es geht um ganz grundlegende Dinge wie das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Liebe und Macht. Heiko hat in seiner Kindheit einige negative Erfahrungen gemacht und diese scheinen als Begründung und Rechtfertigung für sein nun aggressives und gnadenloses Verhalten zu sprechen. Ständig geht es in der komplexen Gruppenkonstellation darum die Treue zum Verein durch jede auch aberwitzige Aktion zu beweisen. Aber auch die Treue zu den Freunden wird ständig hinterfragt. Bei diesen Aktionen wie Prügeleien um die gegnerischen Vereine einzuschüchtern oder Neo- Nazis aus ihrer Stammkneipe zu vertreiben, bleiben diese Bedürfnisse unbeachtet. Der Fokus wird ganz und gar auf die Gewaltbereitschaft und die Aggression gelegt. Diese Szenen werden durch die Musik transportiert und erzeugen ein Gefühl von Druck und stellen die Szenen in den meisten Fällen als Zeitlupe dar.

Durch dieses Stilmittel wird keine Kleinigkeit beschönigt und die Brutalität noch reeller für den Zuschauer. Man sieht also das die schon vermutete Aggression eine große Rolle spielt. Im weiteren Verlauf werden zwischendurch emotionale Hintergründe zu Heikos Person gezeigt. Durch den schnellen Wechsel von Emotionalität und Härte wird der Zuschauer sensibilisiert. Er hat seinen Opa tot im Taubenschlag gefunden als er noch ein Kleinkind war. Er hat eine Bezugsperson in jungen Jahren verloren und hat ein Trauma von diesem Fund im Taubenschlag. Seitdem hat Heiko Angst vor Vögeln. Heiko lebt zu Hause. Sein Vater ist Alkoholiker und seine Schwester will ihrem Vater helfen, ist strebsam und setzt sich und alle Menschen in ihrem Umfeld leicht unter Druck. Aufgrund der Krankheit seines Vaters muss er Aufgaben im Haushalt übernehmen und fühlt sich gezwungen durch Verpflichtungen. Dies schürt seine Aggression. Er hat schon als kleiner Junge miterlebt, wie aggressiv sein Vater war. Ein besonderer Besuch im Fußballstadion wurde schnell zur ersten Begegnung mit den Hools.

Das gesamte Theaterstück spitzt sich dramaturgisch zu und die Kontraste zwischen der real empfundenen Parallelwelt zur Realität kollidieren. Nach und nach steigen immer mehr Freunde von Heiko aus der Bewegung aus, da es ihnen zu extrem wird. Sie setzen andere Prioritäten. Kai, ein Freund von Heiko erblindet kurzzeitig aufgrund einer Verletzung herbeigeführt durch eine Prügelei. Andere wollen ihre Familien nicht verlieren. Heiko jedoch lebt für dieses teilweise kriminelle Leben. Er fühlt sich nicht mehr verstanden  durch seine Freunde. Je extremer es wird, desto mehr merkt auch Heiko wie absurd die Prügeleien und das unhumane Verhalten ist. Spätestens als sein Onkel Axel ihn mit einer Pistole bedroht damit er mit ihm nach Polen fährt, um einen Tiger illegal zu kaufen und abzuholen, wacht Heiko auf.

Jedoch habe ich mich gefragt wo die Begründung für dieses aggressive Verhalten steckt? Man hat immer die Wahl und auch wenn es auch so schwer sein sollte, kann man sich theoretisch immer gegen Gewalt und Verachtung stellen.

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.