Eine Schülerzeitung gründen

In zehn Schritten zur ersten Ausgabe eurer Schülerzeitung

Schritt 1: Schülerzeitung oder Schulzeitung?

Ihr habt Lust, eine eigene Schülerzeitung herauszugeben? Eine gute Idee. Das Tolle ist, dass ihr den Gesetzgeber auf eurer Seite habt, denn laut Presserecht und Schulgesetz habt ihr das Recht, eine Schülerzeitung in eigener Verantwortung herauszugeben. Das bedeutet, dass weder die Schulleitung noch jemand anders eure Zeitung zensieren darf. Ihr seid in diesem Fall selbst presserechtlich verantwortlich und müsst dies durch ein Impressum dokumentieren. Andererseits soll die Schule euch unterstützen, z.B. durch Beratung.

Es gibt neben dieser Form der Schülerzeitung auch noch andere Formen, z.B. wenn die Verantwortung bei der Schule liegt (vertreten durch den Schulleiter bzw. eine Lehrkraft). Dann ist die Zeitung genau genommen eine Schulzeitung. Am besten besprecht ihr diese Dinge untereinander und mit einer erfahrenen Lehrkraft. Weitere Informationsquellen: siehe unten

Schritt 2: Online oder Offline?

Ein WordPress-Blog aufzusetzen ist nicht besonders kompliziert und vor allem wesentlich billiger als eine gedruckte Zeitung. Tipps dazu findet ihr hier. Eine Zeitung aus Papier empfinden viele aber nach wie vor als edler, werthaltiger, realer. Überlegt euch, was euch an eurer Zeitung besonders wichtig ist. Eine Online-Zeitung lässt sich gut mit anderen (sozialen) Medien verknüpfen, ist schneller produziert und leichter aktuell zu gestalten. Andererseits fällt es vielen Online-Redaktionen schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen. Mit einem schön gestalteten Heft, das auf dem Schulfest verkauft wird, ist das vielleicht etwas einfacher. Da hat man einfach etwas in der Hand …

Schritt 3: Finanzierung / Anzeigenverkauf

Vor allem bei einer gedruckten Zeitung braucht ihr einen tragfähigen Finanzplan. Eine Anschubfinanzierung für Computer und Software kann z.B. vom Förderverein kommen. Die Kosten für den Druck kann man leicht abschätzen, indem man bei Online-Druckereien wie www.wir-machen-druck.de die Produktwünsche eingibt (Umfang, Papierart, Auflage, Farbe/Schwarzweiß uws.). Als Finanzierungsquelle kommen Anzeigen in Frage, die man z.B. bei örtlichen Geschäften, Kleinbetrieben und Sparkassen einwerben kann. Es gibt auch Agenturen wie www.schultopf.de, die Anzeigen vermitteln.

Schritt 4: Wer macht was?

Es gibt verschiedene Aufgaben: Heft planen und Termine setzen, Texte schreiben, Fotos und Videos anfertigen, Texte bearbeiten, Layout gestalten, Finanzen regeln und Anzeigen einwerben. Es muss nicht für jede Aufgabe eine andere Person zuständig sein, aber ihr solltet dahin kommen, dass sich für alle Stationen von der Planung bis zum Drucken jemand verantwortlich fühlt.

Versucht abzuschätzen, was ihr euch auf dem Weg bis zur fertigen Schülerzeitung zutraut. Setzt euch die Ziele für den Anfang nicht zu hoch. Lieber erst einmal mit einer einfach gestalteten Broschüre von 8 Seiten Umfang starten, als in einem Mega-Projekt steckenzubleiben. Dort, wo ihr euch unsicher fühlt, holt ihr euch Hilfe.

Schritt 5: Name und Profil

Eure Schülerzeitung braucht einen Namen. Der kann sich an den Namen der Schule anlehnen oder ganz frei gewählt und auch ein bisschen rätselhaft sein. Achtet darauf, dass euer Name nicht dem Namen einer bereits existierenden (großen) Zeitung zu ähnlich ist. Das gibt im Zweifelsfall Ärger.

Überlegt außerdem, was euch besonders wichtig ist: Wollt ihr vor allem über Ereignisse und Vorkommnisse in der Schule berichten, oder wollt ihr euch auch mit anderen Themen aus Kultur und Politik beschäftigen? Denkt nicht nur an eure eigenen Ideen, sondern versucht, eine Leserperspektive einzunehmen: Was macht eure Zeitung interessant für eure Mitschüler? Wie erreicht ihr sowohl die jüngeren wie auch die älteren Mitschüler? Wie interessiert ihr Mädchen und Jungen?

Schritt 6: Themen und Autoren

Jetzt seid ihr wahrscheinlich schon mitten drin in der Entwicklung des ersten Heftes. Stellt eine Liste mit Themen und Autoren zusammen. Ist die Zusammenstellung ausgewogen und abwechslungsreich? Spricht sie verschiedene Interessen und Altersgruppen an? Gibt es unterschiedliche Textarten (Interview, Reportage, Bericht, Rezension, Kommentar, Glosse, Bildstrecke …) Überlegt, welche Veranstaltungen, Entscheidungen und Probleme in den nächsten Wochen und Monaten in der Schule, in eurer Stadt und darüber hinaus interessant sein könnten. Denkt schon bei der Planung von Texten an Fotos.

Schritt 7: Termine festlegen

Wenn die Schülerzeitung zu einem größeren Ereignis (Schulfest, Sportfest, Weihnachtskonzert) herauskommt, habt ihr nicht nur einen Ansporn, sondern auch gleich die Chance, viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Von diesem Tag an solltet ihr rückwärts planen und die Termine gut sichtbar in eurem Redaktionstreffpunkt aufhängen: Abgabe in der Druckerei, Abschluss des Layouts, Abschluss der Textüberarbeitung, Abgabe von Anzeigen, Abgabe von Texten und Fotos … Es wird nicht gleich beim ersten Durchgang alles klappen, aber daraus kann man viel lernen.

Schritt 8: Redaktion und Layout

Es ist in jeder Zeitung so, dass Texte von mehreren Personen gelesen und in Abstimmung mit den Autoren auch bearbeitet werden. Der Blick von außen führt oft zu Verbesserungen. Wichtig ist, dass ihr dabei fair miteinander umgeht und die Redaktion Entscheidungen begründet.

Layout bedeutet nicht nur, eine nette Schrift zu wählen – es soll den Lesern vor allem bei der Orientierung helfen – durch gute Überschriften und Zwischenüberschriften, einen knappen Textvorspann, sinnvolle Absätze, aussagekräftige Bildunterschriften.

Sprecht rechtzeitig mit der Druckerei, welche Art von Daten sie benötigt: PDF- oder Word-Dateien? Bestimmte Bildformate? Oft werden Innenteil und Umschlag in zwei getrennten Dateien angelegt. Dann kann z.B. der Umschlag auf dickeres Papier und in Farbe gedruckt werden.

Schritt 9: Vermarktet eure Zeitung

Ihr steckt viel Mühe in eure Schülerzeitung – und auch eure Leser sollten die Chance bekommen, das zu erkennen. Leider passiert das meist nicht von selbst, und viele Redaktionen sind erst einmal etwas ernüchtert über die ausbleibende Resonanz. Aber ihr könnt auch etwas tun: Bringt euch ins Gespräch, wo immer es geht. Wirkt an Diskussionen in der Schule und drumherum mit. Versteckt euch nicht, sondern stellt euch mit einem Verkaufstisch einfach mal vor den Haupteingang der Schule. Nutzt eure guten Inhalte für Werbung in eigener Sache. Bietet die Schülerzeitung auch als Diskussions- und Informationsplattform an.

Schritt 10: Das Heft ist raus – das nächste wartet schon …

Ihr habt es geschafft, die Zeitschrift noch vor den Sommerferien herauszubringen? Herzlichen Glückwunsch! Jetzt heißt es, den nächsten Schritt zu gehen. Ein besseres Gesamtkonzept, ein klareres Layout, noch mehr spritzige Texte zu aktuellen Themen. Überlegt selbstkritisch, aber auch selbstbewusst, was ihr noch besser machen könnt. Und tut es.

Tipps, Informationen und Weiterbildung:

Das Schülerzeitungs-Handbuch, herausgegeben von der Jugendpresse Deutschland e.V., kostet 12,90 und enthält Tipps zu allen wichtigen Themen rund um die Schülerzeitung. Die Texte finden sich auch online und der folgenden Adresse: schuelerzeitung.de/unterstuetzung-und-service/handbuch

Die Junge Presse Niedersachsen (www.deinejpn.de) ist ein Verband junger Medienmacher und bietet Seminare und Camps zur Fortbildung und zum gegenseitigen Kennenlernen.

Der Verband Niedersächsischer Jugendredakteure (www.vnj.de) ist ebenfalls in diesem Feld aktiv und richtet den Junioren-Presse-Preis auf Länderebene aus.

Was machen die anderen? Auf dieser Seite des Niedersächsischen Kultusministeriums findet ihr Links zu anderen Schülerzeitungen und Schülerblogs aus Niedersachsen.