10d ehrt Opfer des Zweiten Weltkrieges in Bergen-Belsen

Für uns Schüler der Klasse 10d der neuen Oberschule Uelzen war der 28. August 2013 nicht einfach bloß ein Tag wie jeder andere. Durch die Unterstützung der Stiftung Theodor-Heuss-Realschule in Uelzen e. V. konnten wir im Rahmen des »Namensziegelprojektes« das einstige Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen besichtigen. Bereits im vergangenen Schuljahr haben wir Schülerinnen und Schüler zusammen mit unserer Kunstlehrerin, unserer Klassenlehrerin und unserem Geschichtslehrer die Namensziegel mit den Namen, Geburts- und Sterbedaten russischer Kriegsgefangener hergestellt. Am besagten Mittwoch unternahmen wir dann eine Tagesfahrt dorthin.

Auf dem Weg zu dem Friedhof mussten wir über die wohl größte umliegende Verhöhnung gegenüber Bergen-Belsen fahren: Über einen Truppenübungsplatz der NATO, noch dazu dem größten in ganz Europa.

Mit den Tonziegeln und je einer Rose in den Händen betraten wir den Friedhof. Die Befürchtung, seinen Ziegel versehentlich fallen zu lassen, machte sich zusamen mit dumpfer Beklemmung breit. Mehrere ‚‚Hügel‘‘, in Anführungszeichen, die mit Blumen gesäumt waren, ließen bereits ahnen, was sich darunter befinden musste.

Unsere Klassenlehrerin Frau Wedel fragte sich: »Wie viele Menschen hier wohl liegen…? Auf diesem kleinen Gelände.« Auf einem sowjetischen Denkmal, auf dem eine weinende Frau abgebildet war, lasen wir die Gravur:

»HIER SIND BEGRABEN 50`000 SOWJETISCHE KRIEGSGEFANGENE ZU TODE GEQUÄLT IN DEUTSCH-FASCHISTISCHER GEFANGENSCHAFT«

Belsen Gedenkfeier2

Als wir an dem einen, bestimmten Massengrab ankamen, begannen wir mit der Ehrung der Kriegsopfer. Millie verlas die Gedenkrede, Igor und Georg trugen ein russisches Gedicht und Maja und Michelle die deutsche Übersetzung vor. Der Rest von uns schwieg. Das einzige, das noch zu vernehmen war, war die stetige Geräuschkulisse des NATO-Truppenübungsplatzes, bestehend aus Maschinengewehrsalven und Explosionen, vermutlich von Granaten. Nach der Schlussrede, die Saskia vorgetragen hatte, traten Schüler und Lehrer nach vorn und lasen die Namen der einzelnen Toten vor. Anschließend legten wir die angefertigten Tafeln und eine Rose nieder. Einige, wenn nicht sogar alle, der Namen wurden an diesem Tag zum ersten Mal seit Kriegsende vor fast 70 Jahren wieder ausgesprochen.Belsen Gedenkfeier
Es folgte eine Führung über das Gelände des damaligen Lagers. Wir fuhren ein Stück weit mit dem Bus, gingen dann zu Fuß weiter, zwischen Stacheldraht und Mais, später zwischen Stacheldraht und Wald. Auf diesem Wege gelangten wir zur sogenannten ‚‚Rampe‘‘. Gefangene, die in Viehwaggons hierher gebracht worden waren, kamen an dieser Stelle an und mussten den Zug verlassen. Was oftmals ziemlich brutal vonstattengegangen war.

Heute gibt es dort nur noch eine Nachbildung eines solchen Waggons. In den durften wir sogar hinein. Jenny und Ilka beschrieben das Gefühl darin als schrecklich: Schon nach wenigen Minuten wurde das Atmen schwerer und die Tür war in unserem Falle noch geöffnet gewesen und im Inneren hatten sich nur 30 Personen befunden, nicht 70 oder NOCH MEHR.

Bis zum Eingangstor des eigentlichen Gefangenenlagers waren es noch gut 6km, die die Gefangenen als Fußmarsch zurücklegen mussten. Die Bewohner haben das definitiv gesehen, und sie haben auch gewusst, was Bergen-Belsen war und was darin vor sich ging.

Wir fuhren mit dem Bus denselben Weg, auf dem im vergangenen Jahrhundert unzählige Menschen ihr Leben gelassen hatten. Dann war es soweit und wir gelangten zum Eingang.

Unsere Gruppe fand sich an den Ruinen der sogenannten ‚‚Entlausung‘‘ wieder. Fassungslosigkeit machte es schwer, dem Erzählten Glauben zu schenken. Aber wir wussten, dass es wahr war. Während wir weitere Distanzen über der riesigen Fläche zurücklegten, ließen sich einige Gedanken festhalten. Damals sind Menschen an Hunger und Krankheiten gestorben – und 68 Jahre später werfen wir ebenso viel Essen weg, wie wir aßen und nehmen schon beim Anflug von Kopfschmerzen ein oder zwei Aspirin® ein. Im heutigen Kampf um die höchsten Gebäude und luxuriösesten Hotels der Welt wurden wir daran erinnert, dass die damaligen Häftlinge in schäbigen Holzbaracken leben mussten – wenn überhaupt.

Foto Waggon

Es ging noch viel, viel weiter, bis wir schließlich an dem jüdischen Mahnmal angelangten. In unserem Blickfeld lag außerdem ein Mahnmal in Form eines Basilisken, der vor einer mit Inschriften übersäten Mauer in den Himmel ragte. Unser Weg in die Gedenkstätte führte vorbei an weiteren Massengräbern, deren Grabsteine Zahlen wie 800, 1000, 2500… aufwiesen.

Auch in der Ausstellung innerhalb der Gedenkstätte konnte man die Beklemmung spüren. Die vielen Bilder, Dokumente und Dokumentationen und daraus stammende Informationen (unter anderem über nie angeklagte SS-Soldaten) trugen unheimlich dazu bei..

Ein Tag voller bewegender Augenblicke ging mit dem Abschluss um 15Uhr zu Ende.
©Tony Timo Schneider, 10d

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