Schule für mehr Miteinander 2014

Liebe Schülerinnen und liebe Schüler,

schön, dass ihr unserer Einladung in die Aula gefolgt seid. Dass ihr hier seid, ist eigentlich kein Zufall, sondern die Folge eures Handelns. „Schule für mehr Miteinander“, das ist das Motto, unter dem wir uns hier heute versammelt haben.

Jeden Tag erleben wir in unserer Schule viele Momente des Miteinanders. Die meisten von euch freuen sich in die Schule zu gehen, zwar nicht unbedingt immer, weil sie hier was lernen, sondern weil sie ihre Freunde treffen, miteinander reden und sich für den Nachmittag verabreden können.

Wir erleben in der Schule aber auch die andere Seite. Schüler, die nicht gern in die Schule kommen, weil sie erleben, dass ihr Bemühen nicht ausreicht für gute Noten. Schüler, die aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt werden, weil sie anders sind als die anderen, ihre Kleidung nicht stylisch ist oder sie mit keinem Handy angeben können.  Jeder von euch hat das vielleicht schon mal erlebt oder kann Beispiele dafür bringen. Oft sind es solche Dinge, die zum Unfrieden beitragen, zum Gegeneinander, zur Missachtung.

Unfrieden erleben wir nicht nur in der Schule, sondern überall auf der Welt. Die Nachrichten bringen jeden Tag so viele Meldungen über die Unruhen in der Ukraine, in Syrien, in Afrika, dass man manchmal gar nicht mehr hinhören möchte. Warum ist das eigentlich so und wie geht Frieden überhaupt? Dazu fand ich eine kleine Geschichte:

Der kleine Weg zum Frieden von Bert Losse

Eines Tages beschlossen drei, die sich mehr Gedanken als andere machten, die Welt zu verbessern.

Der erste ging zu den Völkern im Osten und Westen, sprach auf Versammlungen und großen Plätzen über Frieden und Verständigung. Und siehe da: Die Völker im Osten spendeten Beifall, und die Völker im Westen spendeten Beifall – die einen so laut wie die anderen. Doch eine Woche später kam ein Fremder zu den Völkern im Osten und Westen und sprach auf Versammlungen und großen Plätzen von Bedrohung und von Pflichten gegenüber dem Vaterland. Und siehe da: Die Völker im Osten spendeten Beifall, und die Völker im Westen spendeten Beifall – die einen so laut wie die anderen.

Der zweite sammelte Geld. In allen großen und kleinen Städten sammelte er wochenlang, monatelang, jahrelang – bis er einen riesigen Betrag zusammen hatte, den er zu verschenken gedachte. Und er teilte auf: Ein Viertel für die Kirche; ein Viertel für ein Land, das Hunger litt; ein Viertel für die kranke Frau, die er im Treppenhaus getroffen hatte; ein Viertel für Menschen, die Bäume, Wiesen und Tiere zu schützen versuchten.

Die Kirche freute sich über das Geld und bekehrte damit Ungläubige. Das Land, das Hunger litt, freute sich über das Geld, besonders der Präsident, und ganz besonders dessen Frau. Die kranke Frau aus dem Treppenhaus freute sich auch über das Geld und konnte endlich die teure Behandlung bezahlen. Leider war es schon zu spät. Und die Menschen, die Bäume, Wiesen und Tiere zu schützen versuchten, freuten sich ebenfalls über das Geld. Sie konnten damit Millionen von Papieren bedrucken und verteilen, in denen sie alle Bürger des Landes aufforderten, Bäume, Wiesen und Tiere zu schützen. „Recht haben sie, diese Leute“, meinte jemand, verwöhnte seinen Dackel und mähte den Rasen.

Der dritte ging in den nahen Park und setzte sich dort auf eine Bank.

„He, du?“ sagte ein kleiner Mensch von fünf Jahren und kletterte neben ihn.
„Guten Tag“, sagte der dritte.
„Das ist meine Bank!“ sagte der kleine Mensch.
„Hmm“, sagte der dritte und kramte verlegen in seinen Hosentaschen. Zwei vergammelte Bonbons kamen zum Vorschein. „Kannst ja eins haben.“
„Joooh.“
der dritte und der kleine Mensch betrachteten angestrengt ihre Schuhe.
Der kleine Mensch malte mit seinen Zehen Kreise in die Luft:“Kannst auch ein Stück von meiner Bank haben.“
Schweigend saßen sie dann lange Zeit nebeneinander und lutschten leise an ihren Bonbons herum.

 

Vielleicht liegt hier in der Geschichte die Antwort:

Frieden beginnt, wo Menschen von dem teilen, was sie haben. Und sei es nur ein Bonbon oder der Platz auf der Bank.

Ihr habt auch geteilt:

– eure Zeit und euer Zuhause beim Austausch mit den russischen SchülerInnen,

– eure Zeit in der Pause, um Spielgeräte an andere auszuleihen,

– eure Ideen, um euch für eine bessere Klassengemeinschaft einzusetzen,

-eure Aufmerksamkeit, um euch für andere einzusetzen.

Danke für euren Beitrag um dieses Miteinander an unserer Schule!

Monika Hanke
SV-Lehrerin
Hanke

 

 

 

Potentiale entfalten Miteinander gestalten