Beratung – Hilfreiche Gesprächsführung

Sonderpädagogen haben Beratungsaufgaben
Neben den Unterrichtsaufgaben umfasst der Beruf der Förderschullehrkraft bzw. des Sonderpädagogen verschiedene sogenannte Beratungssituationen.
FörderschullehrerInnen beraten Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern.
Beim Einsatz in der Kooperation / Integration / in inklusiven Arbeitsfeldern beraten Sonderpädagogen z.B. LehrerkollegInnen.
Im Rahmen der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs beraten Förderschullehrkräfte KollegInnen, Eltern und verfassen ein Beratungsgutachten.
KollegInnen möchten zu Fällen aus der pädagogischen Praxis beraten werden.
Eine Möglichkeit der professionellen Praxisbewältigung, um Berufsbelastungen besser zu bewältigen ist die Supervision [z.B.: als Selbsthilfemodell Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu)].

Was unterscheidet nun die Verbraucherberatung von der Pädagogischen Beratung?
Bei der Verbraucherberatung gibt es einen Ratschlag vom kompetenten Fachmann als Orientierungs-, Planungs- oder Handlungshilfe. Bei Verkaufsberatungen ist es nicht ausgeschlossen, dass der Verkäufer Eigeninteressen hat.
Beratung als eine Form der sozialen Hilfe gibt eher weniger Lösungsvorschläge oder Empfehlungen. Vielmehr bietet die Beratung der ratsuchenden Person ein Reflexionsverfahren an, das über die Selbstauseinandersetzung einer Hilfe zur Selbsthilfe entspricht.

Diese Hilfe zur Selbsthilfe erfolgt in einem Kommunikationsprozess. Und diesen gilt es als Berater professionell zu gestalten:
Ein günstiger Kommunikationskreislauf besteht aus Aussage, Zuhören und Reaktion. Häufig wird in der alltäglichen Kommunikation das Zuhören ausgelassen und gleich reagiert. Das kann zu Missverständnissen führen. In der Beratung hat das Zuhören einen besonderen Stellenwert.

Das Zuhören,
das aktive Zuhören ist die klassische Methode der Selbstklärungshilfe (Selbstaktualisierung), bekannt aus der Klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers. Es besteht darin, dass der Berater das emotional Wichtige aus der Äußerung der ratsuchenden Person in seiner Sprache zurückgibt. In dem Maß, wie sich die ratsuchende Person verstanden fühlt, wird sie angeregt, sich weiter zu erforschen und hinter die eigenen Kulissen zu sehen. Die Fähigkeit, aktiv zuzuhören, ist das „A“ und „O“ eines Beraters, sein Fundament. Diese Gesprächsfertigkeit lässt sich trainieren. 

Die drei Grundhaltungen: Kongruenz, Akzeptanz, Empathie
Wesentlich ist, dass das aktive Zuhören getragen wird von der Grundhaltung des Beraters, ein Klima zu schaffen, welches den Selbstklärungsprozess unterstützt. Hierzu nennt Carl Rogers drei Grundhaltungen, die allerdings nur bedingt erlernbare Verhaltensweisen darstellen.

Die Echtheit (Kongruenz)
ist die schwierigste Grundhaltung. Der Berater muss eine Einheit in seiner Persönlichkeit und seinem professionellen Verhalten bilden.

Die bedingungsfreie Wertschätzung (Akzeptanz)
bedeutet, dass der Berater der ratsuchenden Person grundlegend positiv entgegentritt und sie ohne Vorbedingungen annimmt. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Berater alle Gedanken, Gefühle und Handlungen der ratsuchenden Person gutheißen, akzeptieren und billigen muss.

Das einfühlende Verstehen (Empathie)
bedeutet, dass sich der Berater bemüht, die Erlebnisse und Gefühle der ratsuchenden Person präzise und sensibel zu erfassen.

An dieser Stelle wird vielleicht deutlich, dass die Beratungsgrundlagen (aktives Zuhören, Grundhaltungen) prinzipiell für alle oben genannten Berufsfelder brauchbar sind. Somit ist der Schritt von der Beratung zur Supervision nur noch graduell.

(Kollegiale) Supervision
Unter Supervison versteht man eine besondere Form der berufspraktischen Beratung in der KollegInnen desselben Berufsfeldes sich über einzelne Aspekte ihrer Arbeit, insbesondere über komplizierte Situationen, schwierige Beziehungsgestaltungen und gefühlsmäßige Belastungen in strukturierter Weise unterhalten. Unter „Kollegialer Supervision“ versteht man, dass es zwischen dem Supervisor und der ratsuchenden Person keine hierarchischen Verhältnisse gibt. In „Unterstützungsgruppen“ können sich KollegInnen untereinander beraten.
(vgl. auch als ein mögliches Selbsthilfemodell für Lehrerinnen und Lehrer die
Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu))

Literatur:
Thomas Gordon: Lehrer-Schüler-Konferenz
Waldemar Pallasch: Pädagogisches Gesprächstraining
Christian-Rainer Weisbach: Professionelle Gesprächsführung
Jög Schlee, Wolfgang Mutzeck (Hrsg.): Kollegiale Supervision

Dieser Beitrag wurde unter 3. Beurteilen, Beraten und Unterstützen, Diagnostizieren und Fördern, Pädagogisches Seminar 4 abgelegt und mit , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.