Fallbeispiele Schulrecht: Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung

Zusammengestellt sind auf dieser Seite Fallbeispiele, um Vorschriften und Bestimmungen möglichst praxisnah anzuwenden. Die jeweiligen Personen in den Fallbeispielen handeln logisch richtig, ob es denn nun auch den Vorschriften und Bestimmungen entspricht, gilt es heraus zu finden. Entscheidend ist hier nicht die juristisch korrekte Handhabung der Vorschriften, sondern eine Sensibilisierung bzw. Problematisierung für Bestimmungen und ihre Anwendung im pädagogischen Alltag.  Daher werden hier lediglich die Fallbeispiele genannt, ohne Lösungen anzubieten.

Fall 1: Einleitung des Verfahrens gegen den Willen der Eltern
Otto besucht im März 2013 die vierte Klasse einer Grundschule im regionalen Integrationskonzept. Otto hat noch keinen festgestellten Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung. Die Lehrkräfte und insbesondere die Förderschullehrkraft S. sind der Meinung, dass Otto an einer weiterführenden Schule zusätzliche Unterstützung benötigen wird, da er nicht an dem Stoff der Regelschule mithalten kann und ab Klasse 5 zieldifferent unterrichtet werden muss. Die Eltern von Otto wollen nicht, dass ein Überprüfungsverfahren eingeleitet wird. Die Förderschullehrkraft S. möchte über die Schulleitung der zuständigen Förderschule ein Verfahren zur Feststellung eines Bedarfs an sonderpädagogischer Unterstützung einleiten.

Fall 2: Durchführung des Verfahrens kurz nach der Einschulung
Fünf Wochen nach der Einschulung im August 2013 sucht die Klassenlehrerin einer ersten Klasse das Gespräch mit der zuständigen Förderschullehrkraft. Es geht um Samira, die nach Aussage der Klassenlehrerin noch keinen einzigen Buchstaben behalten habe und schon jetzt im Lese- und Rechenlehrgang nicht mithalten können. Die Klassenlehrerin wünscht sich die Feststellung eines Bedarfs an sonderpädagogischer Unterstützung im Bereich Lernen, damit Samira aus dem Lehrgang herausgenommen und zieldifferent unterrichtet werden kann. Es gibt in der Schule zwei erste Klassen, in beiden Klassen werden je 26 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

Fall 3: Übergang an die weiterführende Schule
Max besucht im März 2013 eine vierte Klasse seiner wohnortnahen Grundschule. Max hat einen festgestellten Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung. Die Eltern wünschen sich, dass Max in der 5. Klasse eine integrierte Gesamtschule besucht. Sie melden Max an der weiterführenden Schule an und reichen ein Gutachten ein, das im Februar 2012 erstellt wurde. In dem Gutachten wurde Max ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Bereich geistige Entwicklung bestätigt.

Fall 4: Fördergutachten, Förderkommission
Chiara besucht im Mai 2013 die zweite Klasse ihrer wohnortnahen Grundschule. Ihre Lehrkräfte wünschen sich, dass Chiara zum Übergang in die dritte Klasse einen Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Bereich Lernen erhält, damit sie zieldifferent unterrichtet werden kann. Die zuständige Förderschullehrkraft wird von der Schulleitung der Grundschule mit der Erstellung eines Fördergutachtens beauftragt. Da die Klassenlehrerin stark beansprucht ist, wird sie nicht einbezogen. Die Grundschulleitung möchte auf die Einrichtung einer Förderkommission verzichten, da sich Schulleitung, Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte einig sind, dass ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung besteht.

Fallbeispiele zusammengestellt von: Julia Kühne, Katharina Rohe und  Florian Speiser

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