Kommunikationssperren

Thomas Gordon, Schüler von Carl Rogers, zählt 12 Kommunikationssperren auf. Gordon nennt die Kommunikationssperren auch „Die Sprache der Nicht-Annahme: die zwölf Straßensperren auf dem Weg zur Kommunikation“. Diese Sprachmuster haben die Eigenschaft, weiterführende Gespräche zu blockieren oder zu verlangsamen. Sie behindern oder unterbinden völlig die Kommunikation:

 1. Befehlen, anordnen, auffordern
z.B.: „Hör auf zu jammern und sieh zu, daß du mit deiner Arbeit fertig wirst.“ 2. Warnen, mahnen, drohen
z.B.: „Reiß dich lieber zusammen, wenn du erwartest, in dieser Klasse eine gute Zensur zu bekommen.“

 3. Moralisieren, predigen, beschwören
z.B.: „Du weißt, du mußt lernen, wenn du in die Schule kommst. Deine Probleme kannst du zu Hause 
lassen, wo sie hingehören.“

 4. Beraten, Vorschläge machen, Lösungen liefern
z.B.: „Es ist gut für dich, wenn du dir einen besseren Zeitplan machst. Dann kannst du alle Arbeiten
erledigen.“

 5. Durch Logik überzeugen, Vorträge halten, Gründe anführen, belehren
z.B.: „Wir wollen doch den Tatsachen ins Auge sehen. Erinnere dich lieber daran, daß du nur noch
wenige Schultage hast, um deine Arbeit abzuschließen“

 6. Urteilen, kritisieren, wiedersprechen, Vorwürfe machen, beschuldigen, verurteilen
z.B.: „Entweder du bist einfach faul, oder du bist ein großer Bummelant.“

 7. Loben, zustimmen, schmeicheln, positiv bewerten
z.B.: „Eigentlich bist du doch irgendwie ganz tüchtig. Ich bin sicher du wirst irgendwie dahinterkommen,
wie es gemacht wird.

 8. Beschimpfen, lächerlich machen, beschämen, etikettieren, Klischees verwenden
z.B.: „Du benimmst dich wie ein Schulanfänger und nicht wie jemand der die Schule bald abschließt.“

 9. Interpretieren, analysieren, diagnostizieren
z.B.: „Du versuchst einfach, dich vor der Aufgabe zu drücken.“

10. Beruhigen, Sympathie äußern, trösten, aufrichten, mitfühlen, unterstützen
z.B.: „Du bist nicht der einzige, dem es je so ergangen ist. Bei schweren Aufgaben habe ich das auch
erlebt. Nebenbei bemerkt, wenn du erst mal angefangen hast, wird es nicht mehr schwer sein.“

11. Forschen, fragen, verhören, (sondieren)
z.B.: „Glaubst du diese Aufgabe war zu schwer?“; „Warum hast du so lange gewartet, bevor du um Hilfe
gebeten hast?“

12. Ablenken, ausweichen, aufziehen
z.B.: „Na komm, laß uns über etwas angenehmeres reden.“

Diese Fomulierungen sind besonders störend für eine Kommunikation, wenn der andere das Problem hat:
Bittet Sie beispielsweise eine Schülerin oder eine Kollegin um ein Gespräch, um Ihnen ihr Problem zu schildern, so können Sie dieser Person bei deren Klärung helfen: 
Sie hören aktiv zu, indem Sie das Gesagte inhaltlich zusammenfassen und rückmelden, Sie zeigen nonverbal eine zugewandte Körperhaltung und geben gelegentlich eine emotionale Rückmeldung, wenn Sie die vermuteten Wünsche und Gefühle ihres Gesprächspartners widerspiegeln. 
In diesem Fall werden Kommunikationssperren ihren Gesprächspartner so blockieren, dass der Klärungsprozeß abbricht.
In problemfreien Situationen tut es der Beziehung zu Ihren Schülern oder Kolleginnen meist keinen Abbruch, wenn sie Kommunikationssperren einsetzen. Dann können Sie ruhig Anweisungen geben, belehren, Ratschläge erteilen, Lösungen anbieten, Fragen stellen, urteilen oder ironisch werden. Wenn Sie achtsam sind, merken Sie durch Hinweise und Signale, dass möglicherweise ein Schüler oder ein Kollege ein Problem bekommt. Dann schalten Sie sofort auf aktives Zuhören um und unterlassen Kommunikationssperren.

Arbeitsauftrag:
 Machen Sie sich bewußt, zu welcher Kategorie einige der Äußerungen auf den Karteikarten gehören.
Partnerarbeit: Jeder Partner wählt sich eine Karteikarte mit Aussagen aus.
Lesen Sie ihrem Partner die erste Äußerung auf der Karteikarte laut vor. 
Beide Partner ordnen schriftlich die Aussage einer Kategorie zu (z.B.: Aussage 4 ? Kategorie 3).
Lassen Sie sich jetzt von ihrem Partner eine Aussage vorlesen. … usw.
Haben Sie zwei Karteikarten bearbeitet, vergleichen und besprechen Sie ihre (unterschiedlichen) Antworten.

In welche der zwölf Kategorien paßt häufig ihr eigenes Lehrerverhalten?

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