Konflikte zwischen Schülern – erste Bearbeitungsschritte

Konflikte sind normal und zwangsläufig zwischen Menschen. Daher ist es wichtig, günstige Bedingungen zu schaffen für eine Lösung bzw. Regelung von Konflikten, statt Konflikte zu vermeiden. 
Es gibt verschiedene Modelle um auch im (Förder-)schulbereich Konflikte zu bearbeiten. Diese Modelle erfordern meist eine umfangreiche Fortbildung für KollegInnen und daran beteiligte Schüler. Hier soll ein Modell vorgestellt werden, was auch in der (Förder-)schulpraxis Erfolg verspricht und ausbaufähig ist.

Konfliktbearbeitungsmodelle vermitteln den beiden Konfliktparteien die Gefühle, Wünsche, Interessen und Bedürfnisse des jeweiligen Konfliktgegners, um aus dem Verständnis für die Konfliktgegner eine Abmilderung bzw. Auflösung des Konfliktes zu erreichen.

Günstig, um sich in die Rolle des Konfliktvermittlers einzuüben ist folgendes Vorgehen: 

1. Unterbrechen Sie das direkte Gespräch zwischen den Konfliktpartnern. Das Gespräch läuft über die Moderation.

2. Als Konfliktvermittler übersetzten Sie Zorn, Wut und Ärger in die Sprache der Anteilnahme. 
 (Was steckt hinter Zorn, Wut, Ärger – Stichwort: Selbstkundgabe) (Du fühlst dich …;)
 Sie spiegeln den Konfliktpartnern deren Wünsche und Interessen und 
 (Du möchtest…; Du wünschst dir…; Am liebsten willst du…) zum erstem Konfliktpartner.

 dann übersetzen Sie Befinden, die Wünsche und Interessen dem zweiten Konfliktpartner:
 (sie/er fühlt sich…; sie/er möchte…; sie/er wünscht sich…; Am liebsten will sie/er…)

Eine Konfliktvermittlung hat keine Chance auf eine Schlichtung, wenn die Konfliktpartner auf ihren Positionen verharren. Sie können Verhärtungen nur allmählich durch aktives Zuhören erweichen.

3. Aufeinander zugehen: Behutsam können Sie die ersten – auch noch so kleinen – Schritte bestätigen
(Ein erster kleiner Schritt kann … aussehen. Konfliktpartner XY kann gerade noch damit leben, wenn …)

Arbeitsauftrag:
Dreiergruppen: Üben Sie sich in der Vermittlerrolle. Vermitteln Sie den zwei Streitparteien gegenseitig deren Interessen und Wünsche. Wählen Sie möglichst kleine Alltagskonflikte aus der Schule. 
Die Konfliktpartner sollen sich so gut wie möglich in einen ihnen bekannten Schüler hineinversetzen und diesen spielen. Führen Sie als Streitvermittler ggf. ein Einzelgespräch „vor der Tür“. 
Besprechen Sie nach der Streitvermittlung, wie es allen Gesprächspartnern erging. 
Wechseln Sie für den nächsten Konflikt die Rollen.

Mögliche Situationen:

  • Leo nimmt Anna einen Bleistift weg und bricht ihn kaputt.
  • Jan schubst Vanessa in eine Pfütze. Die Hose ist kaputt, ihr Knie blutet.
  • Silvia spuckt auf Steffis Tisch.
  • Mike fällt über das Bein von Kai. Mike unterstellt Absicht, aus Kais Sicht war es ein Versehen.
  • Ein Schüler schlägt einem Mitschüler das Pausenbrot aus der Hand. 
  • Ina kommt zu Ihnen: „Der da hat mich gehauen, ohne Grund.“
    Marvin:“Ja die kuckt immer so blöd.“

 

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