Kooperation mit den Eltern

1. Die Bedeutung der Elternarbeit
Beide Richtungen des Informationsaustausches sind von gleich grundlegender Bedeutung:
Lehrkräfte bekommen Informationen über das familiäre Umfeld. Das erleichtert, das Kind zu verstehen und bei dessen Förderung bestmöglich anzusetzen.
Eltern bekommen Informationen über das Verhalten des Kindes außerhalb der Familie und auch über die Ziele der Lehrkraft und können fachliche Beratung erhalten.
Lehrkräfte, die eine intensive und positive Elternarbeit pflegen, bekommen weitaus mehr Unterstützung und Anerkennung von den Eltern als die Lehrkräfte, die Elternkontakten aus dem Weg gehen!
Die Zusammenarbeit mit unseren Eltern ist zwiespältig: Einerseits wollen sie das Beste für ihr Kind, andererseits ist die Situation oft schwierig durch eigene oder mit den Kindern gemachte negative Schulerfahrungen, Ohnmachtsgefühle gegenüber „Institutionen“ und Resignation durch die Lebensumstände.

2. Wertschätzung – der Schlüssel zur Partnerschaft
Alle Eltern wollen stolz auf ihr Kind sein, gute Nachrichten über ihr Kind und was ihr Kind gut macht hören, die Zukunft ihrer Kinder besser als die eigene sehen, hoffnungsvoll in Bezug auf ihre Kinder sein. Es besteht ein Wechselwirkungsprozess zwischen Schule und Elternhaus: Die Wertschätzung der Lehrkraft zur Zusammenarbeit schützt das Selbstwertgefühl der Eltern und öffnet sie zum Gespräch. Das Ziel der Elternarbeit ist also: Vertrauen und Offenheit schaffen, um Sachen zu klären und Vereinbarungen zu treffen.

3. Die Haltung der Lehrkraft ist ausschlaggebend für eine gelungene Kooperation
Die Zusammenarbeit mit Eltern erfordert also eine unvoreingenommene Akzeptanz und eine interessierte, wertschätzende Haltung gegenüber jedem Elternteil als Voraussetzung eines die offene Kommunikation fördernden Klimas!
Eine Studie des Erlanger Erziehungswissenschaftlers W. Sacher aus dem Jahr 2005 macht das Problem deutlich: “Nur 17,5 Prozent der Lehrer und 10,3 Prozent der Eltern stuft der Experte als „Aufgeschlossene“ ein, die von sich aus den Kontakt mit der anderen Seite suchen.“ (Das Parlament,S.2)
Die vielfältigen Bezüge, in denen die Eltern stehen, sind für die unterschiedlichen Reaktionen und Verhaltensweisen verantwortlich. Versuchen Sie, den Ist-Zustand zunächst zu akzeptieren. Man wird so gelassener – aber versuchen Sie auch weiterhin die Eltern zur Zusammenarbeit zu motivieren.
Der Anspruch, dass die Zusammenarbeit von Eltern und Lehrkraft dem Wohl der Kinder zu dienen hat, kann auch bedeuten, auf schwierige Eltern immer wieder zugehen zu müssen. Konflikte zwischen Schule und Elternhaus dürfen nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden!
Auf die verschiedenen Lebensumstände der Eltern eingehen, heißt verschiedene Möglichkeiten der Begegnung zu flexiblen Zeiten anbieten: Den Kontakt mündlich über die Schüler, Einladungen, Anrufe, persönliche Begegnungen herstellen.
Die eigenen Erfahrungen der Eltern mit Schule wirken sich auf ihre Erwartungen aus. Die Sichtweisen der Eltern wahrnehmen und ernst nehmen; nicht interpretieren, sondern Fragen stellen. Nicht „ das stimmt nicht“, sondern „Ich sehe das anders als Sie“. Die Erwartungen der Eltern also wahrnehmen, sie aber nicht mit sofortigem „erfüllen müssen“ gleichsetzen. Dies den Eltern auch deutlich machen: Erwartungen annehmen, auf sich wirken lassen, im Dialog mit Kollegen und Eltern entscheiden, was zu tun ist.

4. Gemeinsame Informationsgrundlage schaffen
Kernpunkt der Kooperation ist die (Lern-)Entwicklung der Kinder. Die bislang oftmals vorherrschende Defizit- und Problemfokussierung der schulischen Elternarbeit ist dazu ungeeignet. Die in Schulen benutzten Fachbegriffe und das erforderliche Hintergrundwissen über schulische Lehr- und Lernprozesse sind Eltern fremd. Arbeitsprodukte der Kinder zum Ausgangspunkt nehmen! Achten Sie genau auf Ihre Wortwahl!
Zuerst Rückmeldungen über Lernfortschritte und Erfolge geben, dann aber auch mögliche Entwicklungspotenziale und die dazu gehörenden, gemeinsam vereinbarten Fördermaßnahmen besprechen.

5.Rechtliche Grundlagen

5.1.Mitwirkung von Eltern in der Schule
Elterngremien mit Mitwirkungsrechten durch den Gesetzgeber auf Landesebene (NSchG )

§ 88 Allgemeines
Eltern wirken mit durch Klassenelternschaften, Schulelternrat und Vertreter im Schulvorstand, Konferenzen und Ausschüssen

§ 89 Klassenelternschaften
Erziehungsberechtigte einer Klasse wählen Vorsitzenden und Stellvertreter; Vorsitzender lädt mind. zweimal pro Jahr zur Elternversammlung und leitet sie; Vertreter der Eltern sind in der Klassenkonferenz.

§ 91 Wahlen
Wahlberechtigt und wählbar sind Erziehungsberechtigte; Wahl für 2 Jahre; Männer und Frauen; Migranteneltern berücksichtigen.
Die Einladung zur Wahlversammlung muss innerhalb eines Monats nach den Sommerferien mit einer Frist von 10 Tagen durch die Klassenlehrer/in erfolgen. (Elternwahlordnung von 1996) Bei Aushändigung der Einladung über die Schüler ist eine Empfangsbestätigung erforderlich.
Verlauf der Wahlversammlung
Persönliche Begrüßung der Eltern beim Betreten des Raumes durch die Lehrkraft mit Handschlag.
Erstellen einer Anwesenheitsliste (Lehrkraft)
Lehrkraft stellt fest: Ordnungsgemäßheit der Einladung, der Wahlberechtigung und der
Stimmenzahl und Wahl des Wahlvorstandes (Wahlleiter und Schriftführer/ evtl. Lehrkraft) durch Handaufheben.
Aufgabe der Wahlleitung: Wahlvorschläge entgegen nehmen / Wahldurchführung durch
Handaufheben; geheime Wahl nur auf Antrag und pro Kind nur eine Stimme! Wahl mehrerer Ämter in einem Durchgang möglich: gewählt ist, wer die meisten Stimmen hat; Stellvertreter in der Reihenfolge der Stimmenzahl. Niederschrift und Ergebnis der Wahl an die Schulleitung weiterleiten.
Oft ist es so, dass die Gewählten gleich anschließend zur Wahl des Schulelternrates müssen.
( Zeitproblem!)
Sind weniger als 4 Wahlberechtigte erschienen und ist keiner bereit, sich wählen zu lassen, ist eine zweite Einladung erforderlich mit dem Hinweis, dass die Wahl unterbleibt, wenn weniger als 3 Wahlberechtigte erschienen sind.
§ 90 Schulelternrat
Die Vorsitzenden der Klassenelternschaften wählen Vorsitzenden und Vertreter + Vertreter für Gesamtkonferenzen, Teilkonferenzen,…

§ 96 Mitwirkung der Erziehungsberechtigten in der Schule
Erörterung aller schulischen Fragen (private Angelegenheiten von Sch und L dürfen nicht erörtert werden) durch Klassenelternschaften, Schulelternrat oder andere Gremien; Vertreter in Schulvorstand, Konferenzen und Ausschüssen berichten der Klassenelternschaft bzw. dem Schulelternrat über Tätigkeit. Vertreter der Eltern sind bei grundsätzlichen Entscheidungen (v. a. Organisation der Schule zur Leistungsbewertung) grundsätzlich vorher zu hören; Schulleitung und Lehrkräfte müssen entsprechend vorher informieren. Erörterung von Unterrichtsinhalten, -Planung und –Gestaltung, besonders bei Fächern, die das Erziehungsrecht der Eltern besonders berühren (Sexualerziehung).

5.2. Wer sind die „Erziehungsberechtigten“? BGB § 1626 /1631/1705/1687/ NSchG § 55
Die Eltern bei gesetzlich geschlossenen Ehen: Vater und Mutter
Die leibliche Mutter eines nichtehelichen Kindes
Bei der Geburt nicht verheiratet: Erklären des gemeinsamen Sorgeanspruchs
Wenn getrennt lebend, aber gemeinsame Sorge: Bei alltäglichen Entscheidungen entscheidet der, bei dem das Kind wohnt.

Auch als erziehungsberechtigt gilt im schulischen Bereich:
wer mit einem personensorgeberechtigten Elternteil zusammenlebt, wenn das Kind ständig im gemeinsamen Haushalt wohnt
wer an Stelle des Personensorgeberechtigten das Kind in ständiger Obhut hat
wer bei der Heimunterbringung für die Erziehung des Kindes verantwortlich ist.
Die Personensorgeberechtigten müssen der Schule mitteilen, wer als erziehungsberechtigt gelten soll. Die Schule sollte wissen, wem das Sorgerecht zusteht. Wer ist für die Entscheidungen des täglichen Lebens und in Fragen des Schulverhältnisses (Entschuldigung, Veranstaltungen) zuständig? Die Schule kann eine Erklärung von den Eltern erbitten.

5.3. Elternrecht und staatlicher Erziehungsauftrag der Schule
„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ (Art. 6 Abs. 2 GG)
Eltern dürfen ihre Erziehung nach ihren Vorstellungen im Sinne des Kindeswohls gestalten, aber das Recht ist pflichtgebunden.
§1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes: Anspruch des Kindes auf Erziehung zu einer
selbstständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.
Die staatl. Gemeinschaft wacht über die erzieherische Betätigung der Eltern: Sie unterstützt und ergänzt die pädagogische Verpflichtung, kann unzureichende elterliche Erziehung ersetzen (§1666 BGB)
Im Schulbereich besteht nicht nur ein Wächteramt, sondern ein eigenständiger Erziehungsauftrag des Staates (Art. 7 Abs. 1 GG), welches dem Erziehungsrecht gleichgeordnet ist. (Organisation des Schulwesens nach Schularten und Schulstufen, Festlegung der Unterrichtsinhalte und –methoden, Ausgestaltung des Berechtigungswesens / muss für die Vielfalt der Anschauungen in Erziehungsfragen soweit offen sein, als es sich mit einem geordneten staatlichen Schulsystem verträgt / Eltern bestimmen den Bildungsgang.
Elternrecht und staatlicher Erziehungs- und Bildungsauftrag sind beide dem Leitprinzip des
Kindeswohls verpflichtet (§1KJHG).Eine gemeinsame Aufgabe, die nur durch sinnvolles Zusammenwirken erfüllbar ist.

5.4. Auszug aus Erlass Sonderpädagogische Förderung
1.12.: Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten
RdErl. D. MK v.1.2.2005-32-81027VORIS 22410 (SVBl. Nr.2/2005 S.55)
„Für die Qualität und die Wirksamkeit der sonderpädagogischen Förderung von Schülerinnen und Schülern ist eine vertrauensvolle, partnerschaftliche und intensive Zusammenarbeit von Erziehungsberechtigten und Lehrkräften von entscheidender Bedeutung.
Die Schule benötigt, wenn sie in Anforderungen und Beurteilungen der einzelnen Schülerin und dem einzelnen Schüler gerecht werden will, Informationen der Erziehungsberechtigten über ihre Kinder. Die Lehrkräfte profitieren bei der Entwicklung ihres pädagogischen Angebots von der Mitwirkung der Erziehungsberechtigten.
Es ist davon auszugehen, dass manche Erziehungsberechtigte ein weit reichendes Expertenwissen erworben haben, andere Erziehungsberechtigte dagegen der Unterstützung und Aktivierung bedürfen.
Die Erziehungsberechtigten müssen über die Entwicklung ihres Kindes in der Schule, über sein Lern- und Sozialverhalten und über Lernerfolge und –erschwernisse informiert werden. Die gegenseitige Information ist erforderlich, um den Bildungsprozess angemessen begleiten und unterstützen zu können.
Der notwendigen Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule dienen u.a. Elternabende, Teilnahme der Erziehungsberechtigten an Veranstaltungen der Schule und Besuche im Unterricht. Beratungsstunden für Erziehungsberechtigte und Besuche der Lehrkräfte im Elternhaus können das Verständnis der Erziehungsberechtigten für die Bemühungen der Schule wecken und deren Unterstützung bewirken.
Darüber hinaus verständigen sich die Lehrkräfte mit den Erziehungsberechtigten über weiterführende Hilfen, therapeutische Angebote und Familien unterstützende Maßnahmen außerschulischer Träger sowie über andere Möglichkeiten der Förderung der Kinder und Jugendlichen.“

5.5. Pflichten der Lehrkräfte
§ 96 NSchG : Die Lehrkräfte haben Inhalt, Planung und Gestaltung des Unterrichts mit den Klassenelternschaften zu erörtern.

§ 55 (2)NSchG : Die Schule führt den Dialog mit den Erziehungsberechtigten sowohl bezüglich der schulischen Entwicklung als auch des Leistungsstandes des Kindes, um entwicklungsspezifische Problemstellungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten zu bewältigen.
Erlass zur Sonderpädagogischen Förderung:
Die Lehrkräfte sollen den Eltern zu Beginn des Schuljahres mitteilen, was sie pädagogisch vorhaben; Anregungen der Eltern sollen in Überlegungen einbezogen werden. Eltern sollen am Unterricht und an Schulveranstaltungen teilnehmen, Eltern sollen über Lern-, Leistungs- und Sozialverhalten des Kindes informieren beraten werden.

5.6. Pflichten der Erziehungsberechtigten NSchG § 71
Zweckentsprechende Ausstattung des Kindes für den Schulbesuch (auch Kosten für Fahrten)
Die Eltern sind verantwortlich für die regelmäßige Teilnahme des Kindes am Unterricht, anderen verbindlichen Veranstaltungen und der Schulgesundheitspflege.
Sie tragen Sorge, dass die Kinder die ihnen obliegenden Pflichten erfüllen, d.h.sich auf den Unterricht vorbereiten, aktiv im Unterricht mitarbeiten, gestellte Aufgaben erledigen, die für den Unterricht benötigten Lern- und Arbeitsmittel mitbringen, Ordnung in der Schule einhalten, Anordnungen der Schulleitung und der Lehrkräfte folgen.

6. Kontinuierliche Elternarbeit
Eine gute Zusammenarbeit muss wachsen und braucht Zeit und vor allem Regelmäßigkeit. Elternarbeit ist zeitaufwändig und es erfolgt keine Gelderstattung für die Fahrkosten bei Hausbesuchen oder Klassenfesten. Deshalb gemeinsame Absprachen mit Kolleginnen führen und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Elemente der Elternarbeit sind: Elternabende, Elternsprechtage, Elternbriefe, Telefonkontakte, Hausbesuche oder gemeinsame Unternehmungen.

Mögliche Formen der Elternarbeit

Elternabende: Der Elternabend ist keine ungeliebte Pflichtübung, sondern eine Chance. Genauso wie die Schüler im Unterricht merken, ob Ihnen eine Sache „ am Herzen liegt“, spüren die Eltern auch, ob Ihr Bemühen und Interesse an einer Zusammenarbeit echt ist. Und das beginnt bei der Vorbereitung. Den Eltern muss das Gefühl vermittelt werden, dass sie etwas verpassen, wenn sie den Elternabend nicht besuchen.
Zur Vorbereitung:
Beziehen Sie bereits bei der Vorplanung die Elternvertreter der Klassenelternschaft mit ein. Damit soll deutlich werden, dass es eine gemeinsame Verantwortung ist. Einladung gemeinsam mit einer anderen Klasse? ( Entlastung durch die Fachkompetenz und die Ideen anderer Kollegen oder bei geringer Klassengröße ).
Mit der Schulleitung Absprache treffen und den Hausmeister informieren. Rechtzeitiges Versenden der Einladungen an die Eltern und eine 2. persönliche Erinnerung (telefonisch /Zettel auf der Brotdose) kurz vor dem Termin. Beachten Sie bei der Terminsetzung: Wochentag (Fußballübertragungen) / Uhrzeit / Jahreszeit / Busfahrzeiten/ Mitfahrgelegenheiten / parallel Kinderbetreuung anbieten?
Atmosphäre herstellen: Raumgestaltung, Belüftung, Licht, Sitzordnung, Getränke.
Was ist die Zielsetzung des Abends? Information? Erfahrungsaustausch? Vereinbarungen? Die Themen betreffen die ganze Klasse: z.B. pädagogische und didaktische Vorstellungen des Unterrichts (Ausprobieren von Stationslernen), Infos zur Klassenfahrt oder Umgang mit Ansprüchen der Jugendlichen, Aufklärung usw. Jeder muss zu Wort kommen. Oft ist es sinnvoll, zum Schluss des Abends die wichtigsten Gesprächsinhalte kurz zusammenzufassen.

Elterngespräche in der Schule: Unterscheidung zwischen „Tür und Angel-Gesprächen“ und „vorbereiteten Gesprächen“, die einen Grund haben: Hier an den Interessen von Eltern ansetzen, indem es konkrete Bezüge zum Werdegang des eigenen Kindes gibt. Arbeitsproben sind anschaulicher als Worte. Kernpunkt der Kooperation ist die (Lern-)Entwicklung der Kinder.
Schulen haben die Verpflichtung, Elternsprechtage durchzuführen. Eine terminliche und zahlenmäßige Festlegung erfolgt nicht. Zeitpunkt ist Sonnabend oder in der unterrichtsfreien Zeit. (Erl. d. MK vom 11.09.1996 – 306-82019 (SVBI. S. 438)
Elternbriefe: Trennung zwischen Standardformularen und besonderen Anlässen; feste Zeiten, um mit den Schülern „Zettelwirtschaft“ zu erledigen; Schüler am Herstellungsprozess beteiligen.
Mitteilungshefte: Die Eltern am Schulleben teilhaben lassen; Vermittlung von Informationen, die das Kind nicht behalten oder verstehen kann/ Dringendes auf die Brotdose kleben/ Fotos mitgeben/ Auch Positives schreiben, nicht nur Forderungen stellen.

Hausbesuche: Elterngespräche finden in der Regel in der Schule statt. Das bedeutet für die Eltern, dass sie ihre gewohnte Umgebung verlassen und in die für den Lehrer gewohnte Umgebung überwechseln. Der Lehrer hat also immer dem Heimvorteil für sich. Dieses Hindernis könnte durch Hausbesuche abgebaut werden.
Ein Hausbesuch gibt der Lehrkraft Anregungen für die schulische Förderung durch Einblick in das Zuhause bzw. die Familie des Kindes; die Eltern fühlen sich geborgen, sicher und erzählen eher von sich. Sieht das Kind, dass die Lehrerin seine Familie wertschätzt, wird es eher Selbstachtung entwickeln. Merkt es, dass seine Eltern die Lehrerin respektieren, fördert dies den pädagogischen Bezug und die Lernmotivation.

7. Das Rollenverständnis der Lehrkraft in der Elternarbeit
Oft bestehen falsche Erwartungen: Die Lehrkraft sucht Lob und Anerkennung für ihre gute Arbeit; die Eltern wollen Bestätigung, Ermunterung und Zustimmung. Als Lehrkraft muss ich mir über meine Rolle in der Elternarbeit klar sein. Das heißt: Eine Neudefinition der Rolle.

Lehrkraft als Initiator und Motor
Den Prozess der Elternarbeit in Gang setzen und halten. Tut die Lehrkraft nichts, sendet sie auch Signale aus. Eltern von Anfang an persönlich ansprechen und falls nötig individuell betreuen. Damit sie gerne zu Elternabenden kommen, z.B. bei der Wahl der Elternvertretung zusätzlich noch Fotos oder ein Video vom Schulalltag zeigen. Innerhalb des Schuljahres immer wieder für neue Höhepunkte sorgen (Feste, Klassenausflüge). Das Interesse der Eltern darf nicht erlahmen, die Verbindungen nicht abreißen.

Lehrkraft als Kooperationspartner
Eine ernst gemeinte Kooperation bedingt gleichgestellte Partner, andererseits müssen auch Entwicklungen vorangetrieben werden.

Lehrkraft als Vermittler
Kontakte der Eltern untereinander anregen(Telefonlisten, gemeinsame Interessen herausstellen), Eltern und andere Institutionen zusammenführen: Jugendamt, Kontaktbeamter der Polizei, Lebenshilfe, Therapie); Eltern und Kinder einander näher bringen: Hilfen für häusliches Lernen geben.

Lehrkraft als Berater und Ratgeber
Ratgeber: Eigene Sichtweisen zur Beurteilung einer Sachlage stehen im Mittelpunkt; Tipps für erste Schritte und Maßnahmen werden gegeben.
Berater: Probleme werden herausgearbeitet und aufgearbeitet, ohne wertend und beeinflussend zu sein.

Leider ist auch das manchmal erforderlich: Lehrkraft als „Hardliner“
Dringliches Anliegen hartnäckig verfolgen, auch wenn dies schwierig ist. Zum Schutz des Kindes eindeutig, aber freundlich, Stellung beziehen. Team und Schulleitung einbeziehen.

DAS WICHTIGSTE BLEIBT ABER:

Die Eltern immer wieder spüren lassen:
Die Zusammenarbeit ist mir viel wert und für alle Beteiligten gewinnbringend.

Literatur:

Cohrs,A.: Mit Eltern kooperieren In: Pädagogik, Heft 2/2002 S.17 f
Dank, S./ Schimke, Ute: Die ganz normale Elternarbeit; In: Lernen Konkret 4/1994, S. 12
Eine oft schwierige Partnerschaft. In: Das Parlament. Nr.30/31, 25.07.05, S.2
Erlass Sonderpädagogische Förderung : RdErl. D. MK v.1.2.2005-32-81027VORIS 22410 (SVBl. Nr.2/05)
Keck, W./Kirk ,S. : Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus. Bd.5, Hohengehren 2001.
Knapp, R. : Elternarbeit in der Grundschule. Berlin 2001.
Kriechbaum, G.: Die acht Rollen von Eltern.In. Zeitschrift Grundschule 10/1998, S.8-11
Miller, R.: „Mit Lehrern kann man ja doch nicht reden.“ – „Eltern wissen immer alles besser“; In: Zeitschrift Pädagogik 5/1992, S. 21-25
Neue Wege der Elternarbeit: Pägagogik Heft 9/2006
Niedersächsisches Kultusministerium: Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG)
Nischak,A./Koch-Burmeister,W.: Hausbesuche? In: Pädagogik, Heft 3/2005, S.50f
Sodoge,A./Eckert,A.: Kooperation mit Eltern in der Sonderschule? In: Zeitschrift für Heilpädagogik, Heft 10/2004, S. 453 – 461.
Rademacher,B.: Eltern und Lehrer in konstruktiver Zusammenarbeit. AOL -Verlag 2004
Internetadressen: www.Eltern-stark-machen / www.familiehandbuch.de /www.ies.uni-hannover.

Dieses Lernskript wurde 2006 verfasst von: Renate Dera, Pädagogisches Seminar 7, Studienseminar Lüneburg für das Lehramt für Sonderpädagogik

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