Stundenbesprechung

Ziel:
Entwicklung und Professionalisierung der eigenen Lehrerpersönlichkeit
Gesprächsführung soll Reflexion fördern, nicht vorwiegend belehrend sein
Fachkenntnisse vertiefen / erweitern
Hilfe bei konkreten Praxisfragen
Einschätzung / Bewertung der Ausbilder deutlich machen.
Folgende Kompetenzen der APVO-Lehr sollen dabei erworben werden:
„1.3 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst evaluieren und reflektieren Unterricht.
1.3.1 Sie evaluieren Unterricht und reflektieren ihn, auch mit Kolleginnen und Kollegen, im Hinblick auf Lernwirksamkeit und Nachhaltigkeit für die Schülerinnen und Schüler.
1.3.2 Sie nutzen die aus dem Reflexionsprozess gewonnenen Erkenntnisse für die Optimierung des Unterrichtens, auch in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen. “

Gesprächsvorbereitung: Reflexionszettel
Alle Beteiligten notieren als Gesprächsgrundlage

Gelungenes
Was ist gut gelaufen?
Frag-würdiges
Was ist problematisch
Schritte zur Weiterarbeit
 
Vorsicht! Rückmeldungen können verletzen.

Regeln für hilfreiche Rückmeldungen:
– beschreiben, nicht interpretieren
– konkret, am Beispiel bleiben
– dosiert ( 2 – 3 Punkte),
kein Rundumschlag
 

Gesprächsablauf: Nachbesprechung von Unterricht

1. Stellungnahmen zum Unterricht
– AnwärterIn beginnt meist, kennzeichnet ggf. Gesprächswünsche
– Rückmeldung zur Reflexion durch FSL.
– kurze Stellungnahmen der Anwesenden

2. Schwerpunkte setzen
– AnwärterIn ggf. Ausbilder nennt 3 – 5 Punkte, die für Gespräch wichtig sind

3. Gespräch über Schwerpunkte
– Qualität und Mängel erörtern
– Kompetenzzuwachs berücksichtigen

– Potentiale stärken, konstruktiv begründen problematischer Aspekte: Perspektiven zur  Überwindung entwickeln / anbieten

4.  Auswertung
– Was war Ihnen wichtig?
– Was nehmen Sie sich vor?
– Wie war: Gesprächsklima, Zufriedenheit? 
– Fazit: Ausbilder fasst zusammen, gewichtet Besprechungspunkte

Mögliche Gesprächsschwerpunkte:

In einer Stundenbesprechung kann nicht alles besprochen werden. Schwerpunkte sind daher sinnvoll.
Ein Ansatz, um Schwerpunkte zu erspüren können die Fragen sein: 
Wo habe ich mich wohl gefühlt? Wo(bei) habe ich mich unwohl gefühlt?
Für die Schwerpunktsetzung gelten keine objektiven Kriterien. Letztlich bestimmt die Anwärterin oder der Anwärter sebst, was besprochen werden soll. Die folgende Sammlung möglicher Besprechungspunkte erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Teilweise überschneiden sich Gebiete (bewusst). Die Stichworte sollen zur Themenfindung anregen.

Planung:
Unterrichtsvorbereitung, Themenwahl, Reduktion, Ziele, Methodenwahl

Durchführung:
Zeiteinteilung, Einstieg, Erarbeitung, Abschluss, Auswertung / Ergebnissicherung, Arbeits- und Sozialformen, Differenzierung, Unterrichtsschritte, Material / Medien / Organisation

Lehrerverhalten:
Gesprächsführung, Arbeitsaufträge, Umgang mit Schülern, Unvorhergesehenes / Unterrichtsstörungen

Reflexion: 
Lernzielerreichung, Mitarbeit der Schüler, Lehrerverhalten, Methoden/Medien, Phasen(abweichungen) 

Reflexion der Anwärter – Stellungnahme zum Unterricht
Zu Beginn der gemeinsamen Nachbesprechung hat der Anwärter/ die Anwärterin die Möglichkeit zur eigenen Stunde Stellung zu nehmen.
Bei den ersten Besuchen eignen sich zur Vorbereitung dieser Stellungnahme die Fragestellungen des vorbereitenden Reflexionsblattes (s.o. Gelungenes – Fragwürdiges – Schritte zur Weiterarbeit) mit dem zusätzlichen Hinweis für die
Anwärterin oder den Anwärter, sich ggf. zur Bestimmung von Gesprächspunkten die folgende Fragen zu stellen:
„Wo habe ich mich wohl gefühlt? Wo(bei) habe ich mich unwohl gefühlt?“

Im weiteren Verlauf der Ausbildung wird dann Wert gelegt auf eine strukturierte Stellungnahme, ausgehend von der Erreichung der Lernziele:
Lernzielerreichung: – Wie wurden die Lernziele der Stunde erreicht / nicht erreicht?
Mitarbeit der Schüler: – Wie konnten die Schüler im Sinne der Lernziele mitarbeiten / oder nicht?
Lehrer-/ Erzieherverhalten:
– Wie hat / konnte die Lehrkraft den Lernprozess der Schüler unterstützen?
– Wie hat die Lehrkraft ihre Erziehungsaufgabe wahrgenommen?
Methoden / Medien: Wie konnten die gewählten Methoden/Medien die Zielerreichung unterstützen / behindern?
Phasen(abweichungen): Wie unterstützten die Phasen- bzw. -abweichungen den Lernprozess?

Bei dieser Stellungnahme sollen die Stärken und Schwächen des Unterrichts sichtbar werden. Dabei soll auch deutlich werden, wie sich der Unterricht weiterentwickelt bzw. welche Alternativen zur konkreten Stunde denkbar
sind. Zeitlich sollte die Reflexion / Stellungnahme etwa fünf bis zehn Minuten betragen.
In dieser (kurzen) Zeit kann sicherlich nicht alles gesagt werden. Hier sind Schwerpunkte notwendig. Dabei sind die Teile „Lernzielerreichung“, „Mitarbeit der Schüler“, „Lehrer-/Erzieherverhalten“ am Wichtigsten und
stehen im Mittelpunkt. Darüberhinaus können „Methoden/Medien“ und „Phasen(abweichungen)“ die Stellungnahme abrunden, wenn es zeitlich und inhaltlich passt. 

Leitfragen zur Unterrichtsnachbesprechung
Die Leitfragen zur Nachbesprechung haben die Funktion, sich selbst klar zu machen, um welche Themen es schwerpunktmäßig (aus der Sicht des Pädagogischen Seminares) gehen soll.
Auf der Rückseite der Themenkarten stehen folgende 3 – 4 Leitfragen, die das in das Thema einführen sollen. Diese Fragen dienen der Reflexion und sollen keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Planung
Themenwahl, Reduktion

  • Was ist der didaktische Schwerpunkt der Stunde? 
  • Welche Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten sollten die Kinder in dieser Stunde erreichen? 
  • Welcher Zugang wird den Schülern zum Thema ermöglicht?

Ziele

  • Was beabsichtigt die Lehrkraft in der geplanten Stunde zu tun, um die Ziele zu erreichen?
  • Welche Arbeitstechniken und Lernstrategien sollen als Schlüsselqualifikationen neben dem Sachwissen vermittelt werden?
  • In welcher Weise stehen die gewählten Ziel- Inhalts- und Methodenentscheidungen zueinander?

Unterrichtsvorbereitung

  • Wie lassen sich die einzelnen Lernangebote didaktisch begründen?
  • In welcher Weise führen die Lernangebote zu einem stimmigen Gesamtkonzept?
  • Wie soll jedem Schüler die Erfahrung ermöglicht werden, dass er etwas kann?

Methodenwahl

  • In welchem Verhältnis stehen Methodenwahl und Lernziele zueinander?
  • Warum eignen sich die gewählten Methoden besonders für diesen Unterrichtsgegenstand / Inhalt?
  • Auf welche Weise sollen die Arbeiten der Kinder überprüft, überarbeitet, reflektiert werden?

Durchführung
Einstieg

  • In welcher Weise wurde an das Vorverständnis der Schüler angeknüpft und ein Orientierungsrahmen geschaffen?
  • Wodurch wurde bei den Kindern das Interesse für die Sache / Thema geweckt?
  • In welche zentralen Aspekte des Stundenthemas wurde in der Einstiegsphase eingeführt?

Erarbeitung

  • In welcher Weise hatten die Kinder Gelegenheit, in Lernsituationen mitzudenken, mitzuplanen und mitzugestalten?
  • In welchen für die Schüler sinnvollen Zusammenhängen konnten die Kinder lernen und wie konnte das Gelernte angewendet werden?
  • Wie konnten die Schüler von sich aus Erfahrungen machen und erhielten Raum zum selbständigen Beobachten, Ausprobieren und Entdecken?

Auswertung, Ergebnissicherung

  • Welcher Aspekt der Stunde wurde schwerpunktmäßig vertieft?
  • Wie stand der Auswertungsaspekt in Korrespondenz zu den Intentionen (Zielen) der Stunde / der Einheit?
  • Wodurch wird das Interesse der Schüler für die Auswertung geweckt und aufrecht erhalten?

Arbeitsformen, Sozialformen

  • Welche Funktion erfüllten die Arbeits- und Sozialformen?
  • In welcher Weise unterstützen Visualisierungen den Lernprozess?
  • Welche Vor- und Nachteile hatten die gewählten Arbeits- und/oder Sozialformen für die Stunde?

Differenzierung

  • Welche Differenzierungsmaßnahmen wurden angeboten?
  • In welcher Weise orientieren sich die Aufgabenstellungen an den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder? Musste sich jedes Kind anstrengen?
  • Welche Formen der Differenzierung wurden geplant, um zu verhindern, dass Kinder weder über- noch unterfordert werden?
  • In welchen Bereichen wurden die einzelnen Schüler gezielt gefördert?

Zeiteinteilung

  • Welche Funktion hatten die einzelnen Unterrichtsschritte im Hinblick auf das Lernziel? 
  • An welchen Stellen entstand Zeitdruck? Wie könnte alternativ mit der Situation umgegangen werden?
  • Wie wurden die Phasen mit Blick auf die Zeitressourcen gestaltet bzw. verändert?
  • In welchen Phasen konnte sich die Lehrkraft entspannen und hatte Zeit für individuelle Hilfe?

Material, Medien, Organisation

  • In welcher Weise unterstützten Material, Medien und Organisation
  • a) den Lernprozess
  • b) die selbständige Bewältigung des Arbeitsauftrages?
  • Standen Aufwand und Gewinn in einem sinnvollen Verhältnis? (Ökonomie)

Lehrerverhalten

Arbeitsaufträge 

  • Wie wurden Kommunikationssituationen gestaltet, die der Orientierung oder Auswertung dienten?
  • Wie wurden Arbeitsaufträge erteilt? Gab es Hilfen für das Behalten? 
  • Wodurch ist die Lehrkraft sicher, dass die Arbeitsaufträge von den Schülern verstanden wurden? 

Lernprozesssteuerung

  • L ermuntert Schüler zum Beobachten, Erkunden, Probieren, Vermuten, Fragen ODER L. erarbeitet Inhalt durch Darbietung bzw. gelenktes Unterrichtsgespräch?
  • L organisiert den Lernprozess als Berater ODER L lenkt das Geschehen als Stoffvermittler?
  • L bietet offenen Lernprozess für Ideen der Schüler ODER L bietet genau geplanten Lernprozess in kleinen Schritten?
  • L fördert selbständige Lösungskontrolle und Überarbeitung ODER L bewertet / kontrolliert Lösungsvorschläge und qualifiziert Schülerbeiträge?

Gesprächsführung

  • Welche Gesprächsformen setzt die Lehrkraft ein?
  • Welche Gesprächsregeln sind den Schülern bekannt und stützen damit den Prozess?
  • Welche Freiheitsgrade haben die Schüler, sich am Gespräch zu beteiligen?

Umgang mit Schülern

  • Wie erfolgt der Kontakt zu (den) einzelnen Schülern?
  • Welche Hilfe, Unterstützung erhalten die (einzelnen) Schüler, für eine erfolgreiche Mitarbeit?
  • Welche Möglichkeiten der individuellen Förderung wurden gefunden?

Störungen, Unvorhergesehenes 

  • Welche Situationen wurden als „störend“ erlebt?
  • Welche Regeln und Rituale hätten die Situation von vornherein entspannen können?
  • Wie wurden Bitten und Anweisungen formuliert? Welche Grenzen wurden wann und wie gesetzt?
  • Welche Interventionen erfolgten aktiv, um Verhaltensfähigkeiten aufzubauen?

Leitfragen angeregt durch:
Sabine Simon, Hauptseminar des Studienseminars der Primarstufe Köln


Aufsatz: „Unterrichtsbesprechungen mit Leitfragen“ zum Herunterladen.

 

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