Leichte Sprache: Hilfsmittel und Werkzeuge zur Übersetzung

Zusammenfassung

Ein kleiner Werkzeugkasten

Lexika: OpenThesaurus und Hurraki

Wie bei allen Übersetzungstätigkeiten ist die Nutzung von allen einsprachigen und zweisprachigen Lexika hilfreich und empfehlenswert, die Ihnen Alternativwörter oder Ideen für Übertragungen und Erklärungen anbieten. Für Übersetzungen in Leichte Sprache gibt es neben den Standardwerken der Dudenredation, auch eines zu Leichter Sprache, noch mehrere weitere interessante Angebote:

  • Open Thesaurus bietet als Synonymwörterbuch sehr viele Wortalternativen an, die aber nicht auf Leichte Sprache fokussiert sind. Es sind somit viele Fachwörter enthalten, die nicht erklärt, sondern durch Oberbegriffe und Wortfelder eingeordnet werden und sich somit zur Findung von Übersetzungsalternativen anbieten. Das Wörterbuch kann auf einer Seite mit einer API engebunden werden. https://www.openthesaurus.de/
  • Suchen Sie auch Erklärungen, bietet sich der “Wortschatz Leipzig” an, ein Projekt der dortigen Univerität, das fachsprachliche Erklärungen anbietet. Sie können unter diesem Link die gesuchten Begriffe eingeben und bekommen schnell Erklärungen zu (Fach-)Begriffen aus unterschiedlichsten Sachgebieten. https://corpora.uni-leipzig.de/de?corpusId=deu_news_2022
    Dieses Lexikon können Sie in andere Projekt und Seiten mit Hilfe der “REST API of the Leipzig Corpora Collection / Projekt Deutscher Wortschatz” einbinden, über die Sie Genaueres auf dieser Seite erfahren: api.corpora.uni-leipzig.de/ws/swagger-ui.html
  • Hurraki ist ein Wiki, das viele Worterklärungen in Leichter Sprache enthält. Es ist von seiner Konzeption auf Zusammenarbeit ausgerichtet und bietet auch Platz für Ihre wichtigen Fachbegriffe, ist also weder abgeschlossen noch thematisch festgelegt, sondern offen auch für Ihre Beiträge.
    Hierzu gibt es eine API fürs Mediawiki und ein WordPress-Plugin. Letzteres ist z.B. für Schulhomepages von Interesse, da Hurraki in einem WordPress beim Mouseover automatisch entsprechende Erklärungen anbieten kann und zudem – weil ein Wiki – auch von Ihnen mit den nötigen Fachbegriffen gefüllt werden. Nachteil: Das Wiki gibt aktuell keine Auskunft darüber, welche Begriffe von der Fokusgruppe wie gut verstanden werden, da die eingetragenen  Begriffe nicht mit Klassifizierungen aus der Verständlichkeitsforschung verbunden sind. https://hurraki.de
    Bitte prüfen Sie am Ende, welche Texte erklärt werden. Das System kann doppeldeutige Wörter nicht auseinanderhalten. Im Sinne der Verständlichkeit sollte auf doppeldeutige Wörter verzichtet werden.

Sehr allgemeine Werkzeuge wie ChatGPT oder Deepl eignen sich für solche speziellen Arbeiten nur sehr bedingt, weil sie für einen völlig anderen Zweck programmiert wurden.

Helferlein zu Regeln der Leichten Sprache

Sofern Sie in Leichter Sprache geübt sind und die Regeln grundsätzlich beherrschen, gibt es einige Werkzeuge, die Sie bei der Übersetzungstätigkeit unterstützen können, indem sie Sie auf ggf. noch für Leichte Sprache problematische Textpassagen hinweisen . Gerade hierin sind Computerprogramme sehr gut: Sie können Regeln lernen und damit Regelverstöße schnell und eindeutig identifizieren. Von reiner automatischer Übersetzung ist abzuraten, aber die Hilfsmittel können sich im Alltag als sehr nützlich erweisen, um eine Rohübersetzung zu erstellen.

Ich habe einen Text verfasst. Wie kann ich prüfen lassen, ob ich die Regeln der Leichten Sprache eingehalten habe?
  • LeichtLesen:

    Dieses kostenlose Tool wird vom Land Sachsen angeboten uns markiert Wörter in Texten, um die entsprechenden Regeln dazu anzuzeigen. Sie kopieren den Text in ein Feld auf der Seite, in dem es geprüft wird. Es besteht daher grundsätzlich die Notwendigkeit, sich über die datenschutzrechtlichen Konsequenzen bewusst zu sein. Es sollten nur unbedenkliche Texte eingegeben werden. Zum Online-Prüfer
  • Languagetool für Leichte Sprache:

    Dieses kostenlose Online-Hilfsmittel arbeitet wie eine Rechtschreib- und Grammatikkorrektur, kennt die wichtige Regeln der Leichten Sprache und gibt anhand der Regeln Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten, ohne direkt Lösungen anzubieten. Man kopiert Texte in die entsprechenden Felder. Die Premium-Version von Languagetool (Abonnement) bietet auch die Möglichkeit, eigene stilistische Vorgaben als sog. Style Guide zu speichern. Vorteil: Die Probleme werden im Text gekennzeichnet und mit Hinweisen versehen, so dass die Schwachstellen Schritt für Schritt bearbeitet werden können. Es wird keine, ggf. falsche, eigene Übersetzung vorgegeben. Nachteile: Es ist kein Thesaurus enthalten und eigene Erklärungen für Fachwörter können nicht gespeichert werden. Probleme im Aufbau des Textes (z.B. Chronologie) werden nicht erfasst. Languagetool ist ein europäisches Unternehmen, das sich an unsere Rechtsgrundlagen hält, aber für die Entwicklung US-amerikanische Plugins nutzt. Dies ist in der Datenschutzerklärung auch angegeben. Es besteht daher grundsätzlich die Notwendigkeit, sich über die datenschutzrechtlichen Konsequenzen bewusst zu sein. Es sollten nur unbedenkliche Texte eingegeben werden. Zum languagetool
  • TextLab und Capito

    TextLab und Capito sind kostenpflichtige Tools, die Texte bei der Eingabe auf Sprachniveaus prüfen können. Eine gesonderte Prüfung für Leichte Sprache ist auch möglich. TextLab stützt sich nach eigenen Angaben auf die Ergebnisse der Verständnisforschung.
Allerdings braucht es Übung mit den Regeln der Leichten Sprache, um sinnvoll mit solchen Tools Texte in Leichte Sprache bringen zu können.  
Gibt es kostenfreie deutsche Tools, die mich bei der Vereinfachung meiner Texte untersützem?

Ja, sogar mehrere. Im letzten Eintrag wurden schon einige genannt.

Dazu kommt noch Deepl. Dieses Programm ist ein KI-gestütztes Tool zur Übersetzung. Es ist von sich aus nicht für Leichte Sprache gedacht, kann aber innerhalb seiner Vorschläge sehr wohl Textvereinfachungen anbieten. Allerdings setzt die Nutzung der Umschreibung Erfahrung mit Leichter Sprache voraus, da die Alternativen für einzelne Texte ohne Hinweise zu Sprachform oder Sprachlevel (A1-C2) angeboten werden.

Das Tool der in Deutschland beheimateten Firma kann in der kostenfreien Version auf der Seite https://www.deepl.com/write genutzt werden. Es besteht natürlich die unbedingte Notwendigkeit, sich über die datenschutzrechtlichen Konsequenzen bewusst zu sein. Es sollten nur unbedenkliche Texte eingegeben werden. Das Tool lernt anhand der eingegebenen Texte, so dass auch urheberrechtliche Fragen relevant sein können, wenn Texte mit Zitaten oder Passagen aus Werken Anderer eingegeben werden.

Erst mit einer kostenpflichtigen Version können Komfortfunktionen wie ein Glossar genutzt werden.

Gibt es Tools, die für mich Texte in Leichte Sprache übersetzen können?

Hierauf kann man wie Radio Eriwan antworten: “Im Prinzip ja, aber…”

KI-gestützte Tools lernen dazu. Sie können natürlich Regeln behalten und anwenden und werden, entsprechend ihrer Programmierung, keine davon vergessen. Aber: Sie können kein Sprachgefühl entwickeln wie Muttersprachler.  Getestet wurde im Frühsommer 2023 ausführlich SUMM Ai für Übersetzung in Leichte Sprache.

Dieses kostenpflichtige Tool ist das Weitestgehendste, das aktuell für deutsche Leichte Sprache zur Verfügung steht. Hier erstellt eine KI eine Rohübersetzung in Leichte Sprache, die auf den ersten Blick viel Arbeit abzunehmen scheint. Weitere Hilfsmittel für die Weiterarbeit an der Übersetzung sind direkt mit eingebunden:

  • Hurraki
  • OpenThesaurus
  • ein eigenes Erklärungswörterbuch
  • zetrales Rückmeldungssystem für neue Übersetzungsvorschlägen – dies führt zu Vereinheitlichungen bei Leichter Sprache, was prinzipiell gut ist.

Vorteile:

Die KI kann Texte in Leichter Sprache nach den Regeln des Netzwerks Leichte Sprache erstellen. Gerade für weniger geübte Übersetzerinnen und Übersetzer oder auch für allgemeine Vereinfachungsaufgaben scheint dies ein großer Vorteil.

Probleme:

Aktuell scheint SUMM AI aktuell noch nicht adäquat mit Nominalstil umgehen zu können und auch Probleme im Textaufbau (Chronologie) nicht erkennen zu können. Die KI versteht implizite Subjekte nicht an die Oberfläche zu holen. Daher kann viel Nacharbeit entstehen. Um dies zu vermeiden, sollten die Nutzenden ihre Texte im ersten Schritt noch einmal kritisch lesen und die hier genannten Problemfelder vorab korrigieren, um damit bessere Ergebnisse zu bekommen:

  1. Implizite Subjekte (Nominalstil) in Sätzen mit klaren Akteuren ersetzen
  2. Passiv vermeiden
  3. Texte chronologisch aufbauen und Strukturen mit Partizip Perfekt auflösen (Die Sahne eine halbe Stunde kühlen und anschließend schlagen. Statt: Die gekühlte Sahne schlagen.)

Grundsätzliche Überlegungen:

  • Die Vereinheitlichungen werden von einer Firma in Absprache mit einer bestimmten Fokusgruppe und nicht aufgrund von Verständlichkeitsforschung herbeigeführt. Das bedeutet, dass sie wissenschaftlich so nicht verallgemeinerbar wären, sondern regionale Ausprägungen aufweisen.
  • Eine grundsätzliche Datenschutzkonformität besteht und die Möglichkeit zum Abschluss von Verträgen zur Auftragsdatenverarbeitung besteht. Die Arbeit erfolgt im geschützten Raum nach einem Login. Allerdings sollte nicht vergessen werden: Das Tool lernt anhand der Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann es nach einer Einführung ausprobieren. Kontakt: https://summ-ai.com/summ-ausprobieren/

Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall, dass das Tool immer weiter programmiert wird und damit auch Neuerungen zu erwarten sind, die das Übersetzen mit Hilfe dieses Tools auch für Übersetzerinnen und Übersetzer attraktiv machen könnten, weil die Interaktion mit der Ki bei gleichzeitiger Einbindung von wichtigen Hilfsmitteln wie den beiden Lexika und des Glossars viele wichtige Dinge an einem Ort bündelt.

 

Wenn eine Rohübersetzung in Leichter Sprache entstanden ist, sollten Sie Ihre Texte noch einmal mit anderen in Leichter Sprache geübten Kolleginnen und Kollegen durchgehen. Gemeinsam werden Sie schneller überblicken, ob Sie sprachlich und vom Aufbau her alle Regeln beachten konnten, ohne die Fachlichkeit zu verlieren.