{"id":1175,"date":"2022-09-20T18:25:00","date_gmt":"2022-09-20T16:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/?p=1175"},"modified":"2022-10-09T17:58:31","modified_gmt":"2022-10-09T15:58:31","slug":"besuch-des-autors-und-holocaustueberlebenden-ivar-buterfas-frankental","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/besuch-des-autors-und-holocaustueberlebenden-ivar-buterfas-frankental\/","title":{"rendered":"Besuch des Autors und Holocaust\u00fcberlebenden Ivar Buterfas-Frankental"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 13. September 2022 besuchte auf Einladung des Landkreises Peine der Holocaust\u00fcberlebende Ivar Buterfas-Frankental mit seiner Ehefrau Dagmar das Schulzentrum, um den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen von seinem Leben w\u00e4hrend und nach dem dem Nationalsozialismus zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Aula mit rund 400 Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen der veschiedenen Schulformen besucht war, herrschte absolute Stille. Zus\u00e4tzlich waren weitere 1000 Sch\u00fcler\/Sch\u00fclerinnen per Livestream anderer Schulen des Landkreises zugeschaltet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped is-style-tw-img-rounded wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"1186\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1186\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2-600x400.jpg 600w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2-945x630.jpg 945w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2022\/10\/Bild-NS_2.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Ivar Buterfas-Frankental mit seiner Ehefrau Dagmar<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Der Zeitzeuge erkl\u00e4rte zu Beginn seines Vortrags, dass er nicht zu Besuch sei, um Schuld zuzuweisen, sondern um den Jugendlichen der Gegenwart die Vergangenheit n\u00e4herzubringen. Auch heute sind Themen, wie Akzeptanz, Menschenrechte und Sexualit\u00e4t noch immer keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Herr Buterfas-Frankental wurde im Jahr 1933 in Hamburg als Sohn einer christlichen Mutter und eines j\u00fcdischen Vaters geboren, somit war er ein zur damaligen Zeit genannter &#8222;Halbjude&#8220;. Er wurde im Jahr 1928 eingeschult, allerdings musste er die Schule aufgrund seiner Religion bereits nach sechs Wochen wieder verlassen. In der Grundschule erlebte er die Zeit allerdings mit Hakenkreuz auf dem Schulhof, dem Hitlergru\u00df, milit\u00e4r\u00e4hnlicher Aufstellung und strikter Kleidung &#8211; all das war Vorgabe des faschistischen Regimes. Auch Anfeindungen anderer waren keine Ausnahme. So bekam Herr Buterfas-Frankental beispielsweise eines Tages eine Zigarette in den Oberschenkel gedr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch seine Familie wurde angefeindet. Er berichtete, dass sein j\u00fcdischer Vater zweimal aus einem Lager befreit werden konnte. Allerdings schrie er nachts und verbrachte die Zeit bis zum Ende des Krieges in einem Stammlager. Laut Aussage von Herrn Buterfas-Frankental fand dessen Vater selbst in der Nachkriegszeit nicht mehr in sein altes Familienleben zur\u00fcck und Ivars Eltern lie\u00dfen sich scheiden. Auch seine Geschwister, wie sein Bruder Rolf, der in Folge eines Metallsplitters im Jahr 1967 starb, erlebten den Nationalsozialismus. Im Jahr 1936 mussten sie ihr damaliges Eigenheim verlassen und in ein altes Haus ziehen, was er als schreckliche Lebensumst\u00e4nde beschrieb. Zwei Jahre mussten sie dort leben und ihnen wurden jegliche Rechte entzogen. Laut der N\u00fcrnberger Gesetze vom September 1935, eine juristische Legitimationsgrundlage f\u00fcr die Diskriminierung und Verfolgung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung im Nationalsozialismus, durften sie nach 18 Uhr nicht mehr auf die Stra\u00dfe gehen, keine \u00f6ffentlichen Geb\u00e4ude aufsuchen, keine Haustiere mehr halten und wurden gezwungen den so genannten Judenstern zu tragen. Es war erlaubt sie zu erschie\u00dfen, wenn sie diesen nicht trugen. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter wurden allen Juden so genannte &#8222;Koffernamen&#8220; zugewiesen: Die m\u00e4nnlichen Juden bekamen den Namen &#8222;Israel&#8220; und die weiblichen J\u00fcdinnen bekamen den Namen &#8222;Sarah&#8220;. Im Jahr 1942 verlor die Familie, au\u00dfer der Mutter, die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft und die Deportation drohte. Der sogenannte Fremdenpass, welcher Herr Buterfas als Kopie nach der Veranstaltung verteilte, brachte die Staatenlosigkeit aufs Papier. Sechzehn Jahre nach dem Kriegsende wurde er auch schriftlich wieder eingeb\u00fcrgert, denn in entsprechendem Dokument stand bzw. steht, er <em>\u201e\u2026habe die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft erworben.\u201c<\/em> Er selnst bezeichnete dies w\u00e4hrend seines Vortrags als \u201e<em>eines der entw\u00fcrdigensten Dinge, die ich je erlebt habe; es klingt, als w\u00e4re ich dort hingegangen und h\u00e4tte das Dokument gekauft.\u201c<\/em> Im Alter von 15 Jahren beschloss Ivar, die Familie mit \u00fcber Wasser zu halten und nahm die unm\u00f6glichsten und schwierigsten Jobs an, so reinigte er u.a. die S\u00fc\u00dfwassertanks auf einem gro\u00dfen Tanker \u2013 beschwerlich und lebensgef\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Heutzutage ist der Tr\u00e4ger des Bundesverdienstkreutes erster Klasse (2020) u.a. als Autor t\u00e4tig und seit fast 30 Jahren als Zeitzeuge an Schulen und Universit\u00e4ten unterwegs. In weit \u00fcber 1500 Veranstaltungen gab und gibt er das w\u00e4hrend seines Lebens Erlebte an die Jugend weiter. Dar\u00fcber hinaus setzte sich f\u00fcr eine Gedenkst\u00e4tte des Gefangenen- und Straflager Sandbostel in der N\u00e4he von Bremerv\u00f6rde ein. Das Lager wurde 1939 von den Nazis errichtet und entwickelte sich zu einer Massenvernichtungsst\u00e4tte. Nahezu 40.000 Menschen aus 80 Nationen wurden dort gequ\u00e4lt und umgebracht. Bei der Befreiung im April 1945 lagen die Toten auf der Wiese und in den Baracken. Die aktive Hilfe f\u00fcr den Gedenkst\u00e4ttenverein trug er mit handfesten Morddrohungen gegen sich und seine Ehefrau. <\/p>\n\n\n\n<p>Er berichtete zum Abschluss, dass sein Haus in Hamburg einer Festung gleiche, mit Panzerglas, Scheinwerfern und Kameras. Auch mental hat das Erlebte Spuren hinterlassen. Es ist selten, dass er N\u00e4chte durchschlafen k\u00f6nne. Er wird also noch heute von Albtr\u00e4umen verfolgt. In seinem neusten Buch <em>\u201eVon ganz ganz unten\u201c<\/em>, das im Oktober 2022 erscheint, thematisiert er 40 antisemitistische Aktionen gegen\u00fcber seiner Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr alle Beteiligten war das ein eindrucksvoller und denkw\u00fcrdiger Besuch. Wir danken Herrn Buterfas und seiner Frau f\u00fcr ihr Kommen und hoffen, dass noch viele weitere Schulen die M\u00f6glichkeit bekommen werden, Herrn Buterfas als Gast begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen! <\/p>\n\n\n\n<p>Tabea Pape<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 13. September 2022 besuchte auf Einladung des Landkreises Peine der Holocaust\u00fcberlebende Ivar Buterfas-Frankental mit seiner Ehefrau Dagmar das Schulzentrum, um den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen von seinem Leben w\u00e4hrend und nach dem dem Nationalsozialismus zu erz\u00e4hlen. 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