{"id":1844,"date":"2024-04-20T17:39:02","date_gmt":"2024-04-20T15:39:02","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/?p=1844"},"modified":"2024-04-20T17:39:02","modified_gmt":"2024-04-20T15:39:02","slug":"wind-of-change-oder-alles-wie-immer-performance-art-am-ggi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/wind-of-change-oder-alles-wie-immer-performance-art-am-ggi\/","title":{"rendered":"Wind of Change oder alles wie immer? &#8211; Performance Art am GGI"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Woche vom 02. \u2013 05. April hatte unsere Schule das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, eine beeindruckende K\u00fcnstlerin kennenzulernen: Alejandra Herrera. Geb\u00fcrtig aus Chile, jetzt seit 17 Jahren in Los Angeles lebend, ist sie nicht nur eine talentierte Performance-K\u00fcnstlerin, sondern auch eine liebevolle Mutter von drei T\u00f6chtern. Ihre T\u00f6chter wachsen zweisprachig und mit dem Hintergrund zweier unterschiedlicher Kulturen auf. Die Pr\u00e4gung durch die Milit\u00e4rdiktatur von Augusto Pinochet in Chile ist in der Performance ebenso Thema wie die \u201cBalance\u201d mit der v\u00f6llig anderen Lebensweise der US -Amerikaner in North Hollywood, wo die K\u00fcnstlerin nun mit ihren drei T\u00f6chtern und ihrem Mann lebt. Auch der Wechsel von der unabh\u00e4ngigen K\u00fcnstlerin in Chile zur dreifachen Mutter in North Hollywood ist immer wieder pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Freitag, den 05. April, f\u00fchrte Alejandra in der 7.\/8. Stunde eine fesselnde Performance vor, bei der sie die Sch\u00fclerschaft mit ihren tiefen Emotionen zum Staunen brachte. Doch zu ihrer Kunst kam auch etwas Kritik, da nicht jeder etwas mit ihrem Auftritt anfangen konnte und einige diese Art von Kunst nicht verstanden haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum Auftritt (verfasst von Herrn Meyer):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Duo-Performance von Alejandra Herrera Silva und ihrer Tochter Trinidad McMurry geht Einiges zu Bruch! Zuerst einmal die Erwartungen, dass man als Mitglied des Publikums ganz still auf seinem Platz bleiben kann und einer Art Theaterst\u00fcck zusieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00fcnstlerin fordert bereits zu Beginn die etwa 100 Personen im Publikum auf, n\u00e4herzukommen. Vorsichtig wagen sich einige n\u00e4her an die ungew\u00f6hnlichen Aufbauten in der Aula. Geschirr, Teller, Tassen, Untertassen und unz\u00e4hlige Gl\u00e4ser, mit Worten wie \u201eChaos\u201c, \u201eCuriosa\u201c, \u201eFear\u201c usw.\u00a0 beschriftet, werden von zwei Baustrahlern erleuchtet. Die beiden agierenden Frauen werfen gro\u00dfe Schatten an die Vorh\u00e4nge hinter sich. Nachdem sich Alejandra Herrera umgezogen hat, kommunizieren beide Performerinnen immer wieder auf Spanisch miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Aktion in Ilsede werden Tassen, an langen Bindf\u00e4den gebunden, als kraftraubende Glocken von Herrera gestemmt. Jede Zuckung ihrer Arme bringt die aneinanderschlagenden Tassen zum Klingen. Als Tassen zerbrechen, beginnt Trinidad McMurry sie einzusammeln und zusammenzukleben. Ein scheinbar sinnloses Unterfangen, denn Herrera hinterl\u00e4sst im weiteren Verlauf ihrer Performance immer mehr Scherben und die stetig aufr\u00e4umende, ordnende Tochter kommt nicht mehr hinterher: der anfangs fast skulpturhaft ordentliche Aufbau in der Aula versinkt zunehmend im Chaos. Trinidad scheint hier immer wieder mit ruhiger Ausstrahlung und fast besch\u00fctzender Gelassenheit Ordnung schaffen zu wollen. Ein starkes Bild, welches die 16j\u00e4hrige Sch\u00fclerin hier vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped is-style-tw-img-rounded wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" data-id=\"1846\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3-769x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1846\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3-769x1024.jpeg 769w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3-225x300.jpeg 225w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3-768x1023.jpeg 768w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3-1153x1536.jpeg 1153w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3-600x799.jpeg 600w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3-945x1259.jpeg 945w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/7aa96a2d-1c8c-487a-bd04-76f72408bcb3.jpeg 1201w\" sizes=\"auto, (max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"769\" data-id=\"1847\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861-1024x769.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1847\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861-1024x769.jpeg 1024w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861-300x225.jpeg 300w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861-768x576.jpeg 768w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861-1536x1153.jpeg 1536w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861-600x450.jpeg 600w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861-945x709.jpeg 945w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/bloggi\/files\/2024\/04\/8e6bfe29-e351-4e52-b4fc-0108d453f861.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Die Symbole erwecken Assoziationen an die klassische Rollenverteilung in einer Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Und immer wieder die klassische Mutterrolle, die hier aber oft umgekehrt zu laufen scheint. Ein W\u00e4schest\u00e4nder, auf dem s\u00e4uberlich aufgeh\u00e4ngte wei\u00dfe Hemden h\u00e4ngen, verst\u00e4rkt diese Gedanken. Als die K\u00fcnstlerin eine Flasche Wein \u00f6ffnet und sich die rote Fl\u00fcssigkeit \u00fcber ihr wei\u00dfes Hemd ergie\u00dft, erscheint das Wort \u201cequality\u201d auf ihrem Oberk\u00f6rper. Sie fordert das Publikum auf, den deutschen Begriff \u201cGleichberechtigung\u201d laut zu rufen. Zur\u00fcckhaltend fl\u00fcstern vereinzelte G\u00e4ste das Wort, bis endlich eine Sch\u00fclerin das Wort selbstbewusst in die Aula br\u00fcllt! Szenenapplaus und jetzt hat Herrera das Publikum. Die Aufmerksamkeit bleibt, nach anf\u00e4nglicher absoluter Stille, nun positiv gespannt auf die weitere Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die physischen Herausforderungen der Performance steigern sich: Herrera balanciert eine gro\u00dfe Sch\u00fcssel voller Wasser vor ihrem Oberk\u00f6rper. Auf der Sch\u00fcssel steht \u201clooking for balance\u201d! Das Thema zieht sich visuell und inhaltlich durch die gesamte Arbeit: mal balanciert Alejandra Weingl\u00e4ser mit Schlagworten auf zwei Silbertablets, dann ergreift sie die Hand ihrer Tochter und Hand in Hand versenken sie ihre Arme bis zu den Ellenbogen in einem riesigen Glas Milch.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier Symbole, die an Mutterschaft und Weiblichkeit erinnern. Im Publikum sollen, nach Aussage Herreras, eigene Ankn\u00fcpfungspunkte und Erinnerungen ausgel\u00f6st werden. Sie bietet die Bilder, die Interpretation bleibt beim Betrachter. Ein H\u00f6hepunkt der Performance ist sicher, als die K\u00fcnstlerin von Mitgliedern des Publikums gest\u00fctzt, auf einem Stapel Teller balanciert und diese im Wegrutschen lautstark zerbrechen. Immer wieder gibt es ruhige Phasen, dann wieder gef\u00e4hrlich chaotische Balanceakte\u2026ein Auf und Ab an Spannungskurven.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die K\u00fcnstlerin sich bei einem Sturz an Scherben schneidet, beruhigt sie das Publikum: \u201eDo not worry, hands bleed a lot\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat ist dieser ungeplante Unfall f\u00fcr einige Betrachter fast eine Aufforderung, in die Performance einzugreifen. Dies bleibt jedoch aus. Herrera beendet die Performance, vor den Knien ihrer Tochter sitzend, die ihr Wein in den Mund gie\u00dft. Wie durch Blut f\u00e4rbt sich ein weiteres Hemd von Herrera rot, w\u00e4hrend sie mit geschlossenem Mund die Melodie von \u201cWind of Change\u201d summt\u2026das zweite Liedzitat, nachdem vorher bereits Teile der chilenischen Nationalhymne gesungen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine bildgewaltige, physische und gleichzeitig hochpolitische Performance mit viel Stoff zum Nachdenken!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was genau ist Performance-Kunst und warum kann sie f\u00fcr viele zun\u00e4chst fremd erscheinen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Performance-Kunst ist eine Kunstform, die oft au\u00dferhalb traditioneller Grenzen agiert. Anstelle von Gem\u00e4lden oder Skulpturen werden hier K\u00f6rper, Bewegungen und oft auch Worte als Medium genutzt, um Gef\u00fchle, Ideen oder soziale Botschaften zu vermitteln. Alejandra Herreras Performance war ein fesselndes Beispiel daf\u00fcr. Sie integrierte ihren K\u00f6rper, Sprache und sogar visuelle Elemente in ihre Darbietung und schuf so eine ganz eigene Welt vor unseren Augen. Ein spezieller Workshop, den Alejandra am Donnerstag zuvor veranstaltet hat, war eine Gelegenheit, tiefer in die Welt der Performance-Kunst einzutauchen. Mitglieder der Kultur-AG und der Kunstkurs des 12.Jahrgangs wurden inspiriert, ihre eigenen k\u00fcnstlerischen und pers\u00f6nlichen Grenzen zu erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Performance-Kunst so faszinierend und gleichzeitig vielleicht fremd erscheinen l\u00e4sst, ist ihre Unvorhersehbarkeit, ihre Direktheit und vielleicht auch unsere eigene Voreingenommenheit! Anders als bei statischen Kunstwerken ist hier jeder Moment fl\u00fcchtig und einmalig. Es erfordert Offenheit und die Bereitschaft, sich auf das Unbekannte einzulassen. Alejandra selbst sprach am Dienstag \u00fcber die Ver\u00e4nderungen in ihrem Leben \u2013 von Chile nach Amerika, von der Einzelperson zur Mutter \u2013 und wie diese Erfahrungen ihre Kunst gepr\u00e4gt haben. F\u00fcr viele von uns war Alejandras Arbeit ein erster Einblick in eine Kunstform, die wir vielleicht zuvor nicht wirklich verstanden hatten. Ihre leidenschaftliche Darstellung und ihre offene Herangehensweise haben uns gezeigt, dass Kunst nicht nur sch\u00f6n sein muss, sondern auch Fragen aufwerfen und zu Diskussionen anregen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine Freude, Alejandra Herrera und ihrer Familie bei uns am GGI begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>verfasst von Zineb Zaoui (Jahrgang 12) und Herrn Meyer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Woche vom 02. \u2013 05. April hatte unsere Schule das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, eine beeindruckende K\u00fcnstlerin kennenzulernen: Alejandra Herrera. 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