{"id":30,"date":"2020-11-25T12:55:00","date_gmt":"2020-11-25T11:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/campegym\/?p=30"},"modified":"2021-10-02T21:59:45","modified_gmt":"2021-10-02T19:59:45","slug":"die-sterne-und-das-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/campegym\/2020\/11\/25\/die-sterne-und-das-leben\/","title":{"rendered":"Die Sterne und das Leben"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-72 aligncenter\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/campegym\/files\/2020\/11\/istockphoto-1273447971-170667a-e1610483916930-203x300.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/campegym\/files\/2020\/11\/istockphoto-1273447971-170667a-e1610483916930-203x300.jpg 203w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/campegym\/files\/2020\/11\/istockphoto-1273447971-170667a-e1610483916930.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Manche w\u00fcrden sie als verloren bezeichnen. Sie, die mit ihrem Van meilenweit von jeglicher Zivilisation entfernt in den Highlands stand, auf dem Dach liegend den Nachthimmel betrachtend.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Das Dach des Vans unter ihrem R\u00fccken f\u00fchlte sich kalt an und dr\u00fcckte an manchen Stellen. Sie hatte ihre H\u00e4nde zu beiden Seiten ausgestreckt, die Beine verschr\u00e4nkt und den Blick in den Sternenhimmel \u00fcber ihr gerichtet.<\/p>\n<p>Sie hatte einmal gelesen, dass Autoren den Sternenhimmel als ,,tiefblaues Kleid mit funkelnden Kristallsplittern\u201c beschrieben haben und fand, dass sich dieser Satz viel zu einfach f\u00fcr eines der gr\u00f6\u00dften Geheimnisse der Menschheit anh\u00f6rte. Aber war die Einfachheit nicht gut?<\/p>\n<p>War es nicht\u2026 erfrischend, Weltwunder als simpel herunterzubrechen, zu l\u00e4cheln und es dabei zu belassen? Sie wusste es nicht.<\/p>\n<p>Manche w\u00fcrden sie als verloren bezeichnen. Sie, die mit ihrem Van meilenweit von jeglicher Zivilisation entfernt in den Highlands stand, auf dem Dach liegend den Nachthimmel betrachtend.<\/p>\n<p>Sie musste grinsen bei dem Gedanken. Sie war nicht verloren, es hatte sie nur noch niemand gefunden. Und vielleicht war das das Sch\u00f6ne daran.<\/p>\n<p>Zu existieren, f\u00fcr sich selbst, ohne jemanden um sich herum. Nur die Weiten der Natur, der glatten Seen, dem Himmel und den Sternen. Wenigstens f\u00fcr eine kurze Zeit, bis sie gefunden werden wollte.<\/p>\n<p>N\u00e4chtelang, eingesperrt zwischen den Fassaden der Stadt, hatte sie sich gefragt, ob es f\u00fcr ihre Gedanken vielleicht einfach keinen Platz gab auf der Welt. Oder ob dieser Platz einfach nicht genug war.<\/p>\n<p>Hier, im Angesicht des Universum dachte sie anders. Wenn jeder Gedanke ein Stern w\u00e4re, w\u00e4re das Universum wirklich unendlich. Aber wer k\u00f6nnte das schon wissen? Sie war froh, mit den Weiten um sich herum. Mit dem Alleinsein in dem Moment, sie f\u00fchlte sich angekommen und verfluchte sich dabei selbst f\u00fcr ihre Undankbarkeit.<\/p>\n<p>Undankbar gegen\u00fcber allen, die ihr ihr gem\u00fctliches, normales, privilegiertes Leben erm\u00f6glicht hatten und sie, die sich nichts davon w\u00fcnschte.<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00fcrde sie anders denken, wenn sie nicht von Anfang an unter diesen Umst\u00e4nden aufgewachsen w\u00e4re. H\u00f6chstwahrscheinlich sogar. Aber das war sie nicht, so aufgewachsen.<\/p>\n<p>Sie, die mehr verliebt in den Sternehimmel war, als in irgendetwas oder jemanden anderen. Sie, die in diesem Moment hinaufstarrte und versuchte, Sternbilder zu erkennen. Eigentlich kannte sie ja nur den gro\u00dfen und kleinen Wagen. Aber in ihrem Kopf f\u00fcgte sich jedes noch so kleine Leuchten ein in eine eigene, wundersch\u00f6ne Konstellation nur f\u00fcr sich selbst ein. Jedes Licht hatte seinen Platz in ihrer Dunkelheit und sie mochte es, die Lichter nach ihren W\u00fcnschen anzuordnen, ohne das je jemand wusste, dass der Stern da, genau dieser da oben, in ihrer Konstellation seinen Platz hatte.<\/p>\n<p>Und grade jetzt, wo sie nach den Sternen griff, hatte sie das Gef\u00fchl, sich selbst n\u00e4her gekommen zu sein als in jedem anderen Moment.<\/p>\n<p>Und oh, was h\u00e4tte sie wohl gedacht, wenn sie gewusst h\u00e4tte, dass in eben dieser Sekunde er dort oben sa\u00df und die Erde als winziges, kleines Licht in die feine Linie seiner eigenen Konstellationen einordnete.<\/p>\n<p><i>Von Jule Budde \ud83d\ude42<\/i><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><\/div><\/div>\n\n\n\n<p align=\"CENTER\">\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Dach des Vans unter ihrem R\u00fccken f\u00fchlte sich kalt an und dr\u00fcckte an manchen Stellen. 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