Freitags war Lohntütenball. Kneipen in Linden (1992)

Kurzbeschreibung

Im hannoverschen Arbeiterstadtteil Linden hatte fast jede Straße ihre eigene Kneipe. Jeder Lindener ging in „seine“ Stammkneipe. Dies war vor über hundert Jahren bereits so und ist es heute immer noch. Welche Bedeutung hatte die Kneipe, als das Fernsehen noch nicht die Welt in die Wohnstuben holte?

Gaststätte mit ihren Sälen und Clubzimmern sind immer auch Orte kultureller Äußerungen und der Pflege von Traditionen gewesen. Sie waren und sind elementarer Bestandteil von Alltagskultur.

Durch Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse wandeln sich auch Aussehen und Angebote der Lokale. So entstehen „Szenenkneipen“ vor allem für die große Zahl von Studenten, die billiger Wohnraum und Attraktivität des Stadtteils anlockt. Für die vielen ausländischen Bewohner Lindens sind die Kneipen Orte, in denen sie die eigenen Sprache und Kultur pflegen können. Die Kneipe als Zweitheimat?

Der Film beleuchtet die historischen Wurzeln, zeigt viele Gaststätten von außen und innen und lässt einige Kneipenwirte aus Hannnover-Linden ausführlich zu Wort kommen.

Gesprächspartner: Willy Warnecke, Fred und Christa Kornagel, Hermann Vespermann, Axel Becker, Gerd Weiberg, Rainer Grube, Neçmettin Belli. (BW)

Filmographische Angaben:

Regie: Henning Kunze, Bernd Wolter
Kamera: Bernd Wolter, Manuel Rennert
Musik: Michael Letz
Produktion: MedienWerkstatt Linden e.V. in Zusammenarbeit mit BAKU e.V., Freizeitheim Linden, 1992
Länge: 44 Minuten
Format: Video / u-matic

Der Film Freitags war Lohntütenball kann von der Medienwerkstatt Linden als VHS-Digitalisat auf DVD bezogen werden.
Sequenzprotokoll
Nr.
Inhalt
Länge
Zeit im Film
1
Rückblick auf die Geschichte Lindens mit zeitgenössischen Bildern, Fotografien und Dokumenten. Eine historische Spielszene in einer Schankwirtschaft illustriert die Situation der Lindener Arbeiterschaft während der Verbotszeit der Sozialdemokratie 1878-1890.
Vorspann.
4.59
0.00 – 4.59
2
Interviewpartner berichten, wie sie als Kinder den Vätern das Bier aus den Kneipen holten. Die Bedeutung der Kneipen für die Lindener Lebenskultur im frühen 20. Jahrhundert wird geschildert.
4.26
4.59 – 9.25
3
Blick in den Lindener Ratskeller und Ansichten verschiedener Eckkneipen. Freitags, wird berichtet, sei „Lohntütenball“ gewesen, d.h. die Männer zogen mit einem Teil ihres Lohns in die Kneipen.
5.05
9.25 – 14.30
4
In den 50er Jahren ziehen das Fernsehen und der Musikautomat in die Gaststätten ein.
3.32
14.30 – 18.02
5
Eine Köchin berichtet aus ihrem Alltag.
Szenen und Gespräche in der Kneipe von Fred Kornagel, der den Gästerückgang schildert.
7.21
18.02 – 25.23
6
Rückblick auf die Sanierung der Fannystraße, die Gerd Weiberg als „Angriff auf einen gewachsenen proletarischen Stadtteil“ kritisiert. Der Senierung fiel auch die vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund frequentierte Kneipe „Bei Mary“ zum Opfer.
3.02
25.53 – 28.55
7
Impressionen der gegenwärtigen Lindener Nachtlebens. Rainer Grube, Inhaber der Kneipe „Das kleine Museum“, spricht über die Lindener Kneipenszene. Gespräch mit dem Kiosk- und Kneipenbetreiber Neçmettin Belli.
7.14
28.55 – 36.09
8
Gespräche über das jetzige und ehemalige gastronomische Angebot in den Kneipen. Rainer Grube, Axel Becker und Neçmettin Belli sprechen über ihren Arbeitsalltag.
3.55
36.09 – 40.04
9
Fred Kornagel schließt seine Kneipe, im „Gig“ beginnt das Nachtleben, Neçmettin Belli macht Feierabend.
Abspann.
3.56
40.04 – 44.00
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