Zur Entstehung und Bearbeitung des Films „Die Kunst geht auf die Straße“

Die Grundidee zu dem Film stammte von dem Regisseur Horst Latzke, der an die Stadtverwaltung Hannover herantrat und die Idee für einen „Straßenkunst-Film“ vorstellte Die Stadt befand die Idee für gut und bewilligte einen Etat. Ausgehend von einem Konzept, das Latzke entwickelt hatte, begann er gemeinsam mit seinem Kameramann Erhard Meyer-Seweriing und weiteren Mitarbeitern mit den Dreharbeiten. Die meisten AUfnahmen wurden an dem „heißen Wochenende“ – dem ersten Altstadtfest in Hannover – gemacht. An diesem Wochenende arbeiteten die Filmemacher mit drei Teams. Neben vorbereiteten Interviews wurden auch spontan Leute aus der Menge herausgegriffen und befragt. Gedreht wurde auf 16mm-Farbumkehtfilm (Kodak). Die etwa 3,5 Stunden Filmmaterial wurden von latzke, Meyer-Sewerng und einem Tontechniker geschnitten, bearbeitet und zu einem knapp 30minütigen Film zusammengestellt. Begleitet werden die Bilder des Films von damals aktueller Musik, überwiegend vom Dave-Pike-Set, deren jazzige Vibraphoneklänge je nach Einstellung für einen ruhigen oder lebhaften Hintergrund sorgen. Daneben sit mit „Whole lotta Love“ von Led Zeppelin ein großer Hit der Zeit zu hören.

Nach Ablauf des Straßenkunst-Projekts geriet auch der Film zunehmend in Vergessenheit. Mehr oder weniger abgenutzt überlebten das Umkehroriginal (stumm) und einige Vorführkopien in verschiedenen hannoverschen Einrichtungen. Ca. 30 Jahre nach seiner Herstellung wurde der Film in seiner nunmehr historischen Qualität wieder entdeckt. Nach mehreren Anläufen gelang es der Gesellschaft für Filmstudien im Jahr 2004 ein mit Drittmitteln gefördertes Projekt durchzuführen und dabei auch diesen Film zu bearbeiten und zu sichern. Dabei gestalteten sich die notwendigen Arbeiten schwieriger als erwartet. Da das Umkehroriginal und die einzelnen Kopien jeweils verschiedene Längen aufwiesen und keine Produktionsunterlagen mehr vorhanden waren, mussten alle Materialien zunächst aufwändig dokumentiert (Einstellungsprotokoll) und miteinander verglichen werden: Einerseits um eine vollständige Fassung in Bild und Ton zu erlangen, andererseits um die jeweils beste Bild- und Tonqualität sicher zu stellen. Durch das genaue Protokollieren und Vergleichen, ergänzt durch Erinnerungen der Filmemacher, konnte eine damals (1970) „autorisierte“ Fassung rekonstruiert werden. Ein weiteres Problem bestand darin, dass die insgesamt neunzehn Anfangs- und Zwischentitel dieses Films so verblichen waren, dass sie für Kopierschritte nicht mehr benutzt werden konnten. Dementsprechend wurden die Titel in Anlehnung an das originale Schriftbild neu gestaltet, auf passendes Filmmaterial aufgenommen und in den Film eingefügt.

Diese aufwändige Sicherung und Butzbar machung war die Voraussetzung dafür, dass der Film nun auch auf DVD und hier in der Lernwerkstatt präsentiert werden kann.