Filme im Dienst der NS-Propaganda

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die inhalts- und formalanalytische Auseinandersetzung mit dem filmischen Material (Filmrealität)

Ziel der Arbeit muss sein, Schülerinnen und Schüler über die Propaganda des Naziregimes aufzuklären und für Werte einer demokratischen Gesellschaft wie Toleranz und Menschenrechte zu sensibilisieren. Der Fokus liegt auf der Analyse der Machart und den Intentionen der jeweils rassistischen, volksverhetzenden und kriegsverherrlichenden NS-Filme.

Propaganda versucht, den Zuschauer durch das Hervorrufen von Emotionen und Ressentiments gezielt zu manipulieren. D.h. es müssen Materialien und Aufgaben zur Auseinandersetzung mit den Inhalten und Filmbildern erstellt werden anhand derer Beschäftigung möglich ist mit: Erzählperspektive, Handlung/ Dramaturgie, Inszenierung/ Mise en scène, Kamera, Schnitt/ Montage und Musik/ Geräuschen.

Schlüsselfragen für die Analyse der Filmrealität können sein:

  • Was wird durch die Auswahl der Figuren deutlich?
  • Was wird durch den Aufbau der Handlung deutlich?
  • Was wird durch das Bild hervorgehoben?
  • Was wird durch den Ton hervorgehoben?

Dabei ist zu beachten, was eine Inhaltsanalyse zu leisten in der Lage ist und was nicht: „Sie stellt die Aussagen der Medien fest, nicht deren Wirkungen. Sie erfaßt allenfalls die Wirkungsmöglichkeiten; es liegt an den Rezipienten, welche davon sie in ihrer jeweiligen Situation realisieren.“ (Albrecht 1981: 31)

Doppelte Kontextualisierung der Filme

Die Filme der NS-Zeit müssen zum einen im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption gesehen werden. Neben der Frage, was man über die Entstehung und die Bedeutung der Filme, über die Absichten und Überzeugungen der Hersteller weiß (Bedingungsrealität – Produktion des Films) müssen auch die NS-Filmpolitik und die Bedeutung von Propaganda für die nationalsozialistische Herrschaftsausübung beachtet werden.

Darüber hinaus muss die filmische Darstellung auf den jeweils dargestellten historischen Hintergrund Bezugsrealität (vorfilmische Realität) bezogen werden: In welcher Zeit und in welchem Raum spielt der Film? Dies ist bedeutsam, um Film als spezifische Form der Geschichtsschreibung – im Fall der NS-Propagandafilme der Geschichtsverfälschung zu dekonstruieren. In Zeiten der Instrumentalisierung von Geschichte für alternativen Wahrheiten und Fake News ist dies von besonderer Bedeutung.

Auseinandersetzung mit Wirkungsfragen – damals und heute

Die Beschäftigung mit den ideologischen, inhaltlichen und ästhetischen Merkmalen der filmischen Darstellung darf nicht dazu führen, vorschnell von einer Identität von Propaganda und Wirkung auszugehen

Propagandafilme versuchen, eine Botschaft zu vermitteln, die im Rahmen der Analyse des filmischen Materials zu bestimmen sind. Zu fragen ist dann, ob und gegebenenfalls wie diese Botschaften vom Publikum rezipiert werden. Von daher ist die Auseinandersetzung mit Fragen zur Filmwirkung wichtig.

Diese Auseinandersetzung betrifft einerseits die Beschäftigung mit der zeitgenössischen und retrospektiven Rezeption der Filme vor allem aber mit der Wahrnehmung der Filme durch die jeweiligen Lerngruppen. Schülerinnen und Schüler sollen sich ihre subjektive Wahrnehmung vergegenwärtigen und darüber miteinander kommunizieren um mögliche verallgemeinernde Wirkungen diskutieren zu können.

Auf diese Weise wird deutlich, dass Filmwahrnehmung immer ein subjektiver Akt ist. Jeder Zuschauer ist anders, sieht anders und versteht Filme anders. Der persönliche Blickwinkel, die persönliche Haltung bestimmen die Wahrnehmung mit. Aufgaben zur persönlichen Stellungnahme und zur Bewertung der Filme, zur Auseinandersetzung mit den Figuren/ Figurenkonstellation sowie der Erzählperspektive sind erforderlich. Fragen nach Wahrnehmungsschwerpunkten, Gefühlen, Erinnerungen und Einsichten müssen gestellt werden. (so bereits v. Borries 1984)

Auf diese Weise ermöglichen die Materialien, sinnstiftend mit Subjektivität umzugehen.

Verantwortung der Mitwirkenden an den Filmen – Aufzeigen von Brüchen und Kontinuitäten 

Im Zusammenhang mit der jeweiligen Produktionsgeschichte sollte ein besonderer Blick auf die Hauptverantwortlichen für die jeweiligen Filme geworfen werden: Regisseure, Drehbuchautoren und Hauptdarsteller/innen. Ihre Beweggründen bzw. Rechtfertigungen an den Filmen mitzuwirken, dürfte Rückschlüsse auf subjektive Dispositionen (wahrscheinlich nicht nur) der Filmmacher ermöglichen. Die Einbeziehung der weiteren Lebenswege (Karrieren) über 1945 ermöglicht wohl auch Rückschlüsse auf Kontinuitäten im Kulturbereich und auf Verdrängungsmechanismen im Nachkriegsdeutschland.

Filmauswahl

Die Auswahl der Filme aus dem Bestand der Stiftung orientiert sich an zentralen Propaganda-Motiven der NS-Ideologie. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Denkfiguren der NS-Ideologie ist – wie oben ausgeführt – im schulischen Kontext angesichts zunehmend wahrnehmbarer völkischer und nationalistischer Tendenzen in der Bevölkerung bedeutsam.

Kleinhans (2004) differenziert folgende Inhalte und Themen der Propaganda im Film des Dritten Reiches. Für jeden Themenbereich wird exemplarisch ein Film ausgewählt:

Partei- und Propagandafilme im engeren Sinne – Filmbeispiel: Hitlerjunge Quex (1933)

Antisemitismus – Filmbeispiel: Jud Süß (1940)

Euthanasie – Filmbeispiel: Ich klage an (1941)[1]

Feindpropaganda und Kriegspropaganda – Filmbeispiel: Stukas (1941)

Durchhaltefilme –Filmbeispiel: Kolberg (1944/45)