Beiträge und Quellen zur Filmgeschichte 1945 bis 1950

Trotz der sehr unterschiedlichen Bedingungen der Filmwirtschaft in SBZ und Westzonen kann der deutsche Film bis ca. 1949 als Einheit betrachtet werden. Viele deutsche Filmschaffende – Regisseure (G. Lamprecht, H. Deppe, A.M. Rabenalt, Paul Verhoeven, ab 49 Staudte), Drehbuchautoren, Kameramänner, Schauspieler etc.- arbeiten abwechselnd für westliche Filmgesellschaften und für die DEFA, wobei die DEFA schon aufgrund ihrer besseren Arbeitsbedingungen sehr attraktiv ist. Zudem besorgt die DEFA, vor allem in der Anfangsphase Rohfilmmaterial und technisches Gerät für einige westliche Filmfirmen. Viele  der  in  Ost-  und Westdeutschland  fertiggestellten  Filme  werden  von  den jeweiligen  Zonen im Rahmen  eines  Filmaustauschabkommens gegenseitig ausgewertet. Filme 1:1, von den 14 DEFA-Filmen bis 48 waren 8 im Austausch, von den 26 Westproduktionen waren 13 Austauschfilme. Und nicht zuletzt: hier wie dort wird leichte Kost neben ernsthafter filmischer Auseinandersetzung produziert. Bereits in den ersten Nachkriegsjahren wird für die Filme dieser Zeit vom Publikum der Begriff „Trümmerfilm“ geprägt, durchaus abwertend gemeint. Die Bezeichnung „Trümmerfilm“ ist insofern berechtigt, als die physischen und psychischen Trümmer in den meisten dieser Filme eine wichtige Rolle spielen. Der Begriff wird rasch auf alle Zeitfilme ausgedehnt, die entsprechend skeptische betrachtet werden. So bestand in dieser Zeit die wohl extremste Diskrepanz zwischen deutschen Produktionen und Publikumswünschen.

Dennoch finden sich, nicht zuletzt in dem filmisch inszenierten überwinden dieser Trümmer Elemente,   die bereits auf die dominanten Tendenzen der 50er Jahre verweisen: so die häufige Hinwendung und Beschränkung aufs private Glück bzw. auf die Kleinfamilie (ÜBER UNS DER HIMME, LIEBE 47) oder die Abkehr bzw. Dämonisierung der Stadt verbunden mit einer Mythologisierung von Landschaft und Natur (MENSCHEN IN GOTTES HAND,  WEGE IM  ZWIELICHT). Die erfolgreichsten deutschen Produktionen jener Zeit waren denn auch solche, die über die Trümmer hinwegtrösteten:  durch Atelierglanz (ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN) oder durch das Glück einer (neuen) ländlichen Heimat. Die deutschen Produktionen dieser Zeit waren jedoch allesamt nur mäßige Erfolge gemessen an den attraktiven ausländischen, insbesondere amerikanischen Produktionen, die noch 1949 80 – 90% der Spieltermine  in den Theatern belegten Doch bleibt es bemerkenswert, dass von den 40 bis  zur Währungsreform in Deutschland produzierten Filmen rein äußerlich 30 Zeitfilme waren, die in der Nachkriegszeit selbst spielten bzw. durch ihr Thema in umittelbarer Beziehung zur damaligen Gegenwart standen.

Einen derartig hohen Gegenwartsbezug hat es in der Filmproduktion sonst zu keiner Zeit in Deutschland gegeben. Auch filmästhetisch verdient die unmittelbare Nachkriegszeit Beachtung: eine ganze Reihe von Produktionen versuchte an filmästhetische Standards anzuknüpfen, die durch den „unpolitischen“ Unterhaltungsfilm in der Zeit des Nationalsozialismus nicht diskreditiert waren – so Staudte mit DIE MÖRDER SIND UNTER UNS an einen expressionistischen Stil, in LANG IST DER WEG wurden Elemente des dokumentarischen  Films beeindruckend in eine Spielfilmhandlung verwoben, DER RUF, AFFAIRE BLUM und ROTATION  präsentieren analytisch beobachtende

Inszenierungen. Diese realtiv einheitliche Phase gehört ohne Frage zu den interessantesten der   deutschen Filmproduktion, eine Tatsache die häufig nicht gesehen wird. Noch heute wird der frühe deutsche Nachkriegsfilm meist mit den bundesdeutschen Produktionen der 50er Jahre identifiziert   bzw. diesen zugeschlagen und damit filmgeschichtlich beerdigt. In der Folge der Währungsreform,    der Berliner Blockade und der anschließenden Gründung zweier deutscher Staaten 1949 geht diese Interimsphase des deutschen Films zu Ende.

Zwischen Förderung, Kontrolle und Laissez-Faire – Filmpolitik und Produktionsbedingungen im Nachkriegsdeutschland 1945-1949

Nach Kriegsende richtete sich auf der Argwohn der Alliierten auf den Film ebenso wie auf militärische und politische Organisationen. Auch der deutsche Film mußte ungefährlich gemacht und durch etwas Besseres ersetzt werden.

Doch wann und wie dieses Ziel erreicht werden sollte, darüber gingen die Auffassungen in den Militärregierungen der vier Besatzungsmächte auseinander. Die neue deutsche Filmproduktion entwickelte sich deshalb in den vier Zonen Deutschlands ungleichzeitig und unter verschiedenen Voraussetzungen.

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Gemeinsame Vorgaben der alliierten Siegermächte

Alliierte Bestimmungen, die schon während der Besetzung bzw. nach der Kapitulation Deutschlands in Kraft traten.

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Filmpolitik in der Sowjetischen Zone

In der UdSSR wurde der Film bereits seit den zwanziger Jahren als wichtigstes Propagandamedium angesehen. Um sein Beeinflussungspotenzial auch in Deutschland zu nutzen, begann die Sowjetische Militär-Administration (SMA) schon im Juli 1945 mit der Förderung deutscher Filmaktivitäten. Daneben wurden synchronisierte russische und unbedenkliche deutsche Filme aus NS-Produktion in den wenigen unzerstörten Kinos aufgeführt.

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Gemeinsame Vorgaben für das Filmwesen in den Westzonen

Briten und Amerikaner einigten sich vor Kriegsende auf einige gemeinsame Vorgaben, was die politisch/gesellschaftliche Ausrichtung des Filmwesens betraf. Diese Vorgaben wurden allerdings nach Kriegsende allmählich aufgeweicht. Schon bald setzten sich diejenigen Kräfte durch, die den Film primär als kommerzielle Ware mit unterhaltender bzw. zerstreuender Funktion betrachteten. Weiterhin wurde jedoch großer Wert auf die demokratische Gesinnung der Filmschaffenden gelegt, was zu aufwändigen Lizenzierungsverfahren führte und den Aufbau der Fimproduktion verlangsamte.

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Politisch-rechtliche Rahmen-bedingungen für den Aufbau einer Filmproduktion in den westlichen Besatzungszonen nach 1945

Die ersten filmpolitischen Maßnahmen für die westlichen Besatzungszonen gingen im Wesentlichen von drei militärisch-politischen Entscheidungsebenen aus, die teils aufeinander folgten, sich aber auch zeitlich überschnitten. Es waren

  • das alliierte Oberkommando der Expeditionsstreitkräfte (SHAEF) unter General Dwight D. Eisenhower, das am 14. Juli 1945 aufgelöst wurde
  • der alliierte Kontrollrat, der sich (in Folge der Berliner Erklärung/Kontrollverfahrensfeststellung, 5.6.1945) am 30. August 1945 konstituierte und in Angelegenheiten, die ganz Deutschland angingen, fungieren sollte
  • die zonalen Militärregierungen, die sich nach Auflösung des alliierten Oberkommandos bildeten.

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Die Einflussnahme der Film Section am Beispiel der Jungen Film-Union (JFU)

Auf einer Liste, die die britische Film Section im Jahre 1947 über deutsche Dokumentarfilm-Produzenten führte, findet sich die JFU an erster Stelle. Die Filmfirma produzierte insgesamt vier Filme dieser Art: für Großbritannien den Kreis Resident Officer (K.R.O.), den ersten in der britischen Zone in diesem Zusammenhang überhaupt produzierten Dokumentarfilm. Für den deutschen Markt realisierte die JFU die drei Kurzfilme Die Zauberschere, Stadtmeier und Landmeier sowie Sie sind nicht gemeint“. Die Produktion dieser Filme bedeutete eine Förderung der JFU durch die britischen Kontrollbehörden.

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Daten zur Rezeption der neuen deutschen Spielfilme 1946-1950

A) DEFA-PRODUKTIONEN

B) SPIELFILME WESTLICHER PRODUKTIONEN IM SCHORCHT-FILMVERLEIH

C) ZUM VERGLEICH: BESUCHERZAHLEN EINIGER ENGLICHER FILME, DIE IN DEN WESTZONEN UND DEN WESTSEKTOREN BERLINS GEZEIGT WURDEN

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Diskussion um die „Demontage der Traumfabrik“ im Jahr 1947

Helmut Käutner äußert sich zum Neubeginn einer deutschen Filmproduk­tion. Dazu folgen eine kritische Entgegnungen des Geschäftsführenden Direktors des Landesverbandes Hessischer Filmtheater Gustav Zimmermann, von Karl Sabel sowie der „Weltbild“  in ihrer Ausgabe von 2. August 1947.

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