Interview mit Tarek Zaibi
Tarek ist als neuer Lehrer an unsere Schule und in unseren Jahrgang gekommen. Er ist Tutor in der Lila 7 und ich habe ihn für euch interviewt.
Zunächst habe ich ein paar Schnellfragen mit kurzen Antworten gestellt. Daraus ergab sich, dass Tareks Lieblingsfächer Sport und Politik sind und sein ehemals schlechtestes Schulfach Mathe war. Tarek bevorzugt Sommer statt Winter und Cola statt Fanta. Bei der Frage, ob er Filme oder Bücher präferiert, kann er sich nicht entscheiden, dafür ist es für Tarek aber ganz klar, dass es die Nutella und nicht das Nutella heißt. Außerdem ist Tareks Lieblingssport Fußball.
Dann ging es mit den umfangreicheren Fragen los, neun an der Zahl:
Georg bloggt: Wie bist du in unseren Jahrgang bzw. an unsere Schule gekommen?
Tarek: Ich war selbst Schüler an einer IGS, allerdings in Wolfsburg, meiner Heimatsstadt, und bin einfach von dem Konzept überzeugt, dass man gemeinsam lernt und vor allem die Kinder nicht so früh in diversen Schulformen selektiert. Das finde ich ganz gut, weil ich denke, dass wir Raum und Zeit und Beziehungen zum Lernen brauchen und deswegen habe ich mich hier an die Schule versetzen lassen. Dass ich in Lila gekommen bin, war einfach der Tatsache geschuldet, dass noch Tutor*innen für die Lila 7 gesucht wurden und da bin ich dann gelandet.
Georg bloggt: Seit wann arbeitest du schon als Lehrer und an welchen Schulen hast du vorher schon unterrichtet?
Tarek: Ich habe 2009 mein erstes Examen gemacht und dann mein Refendariat in Schkeudiz absolviert, das ist zwischen Halle und Leipzig. Dann habe ich noch ein Jahr an einer Schule in Marienbrunn gearbeitet – das ist auch in Leipzig, wo habe ich auch studiert. Und dann war ich als letztes ca. 12 Jahre an der Gaußschule in Groß Schneen.
Georg bloggt: Hast du dich gut an der IGS eingelebt?
Tarek: Ja, total. Es wird einem aber auch total einfach gemacht, weil alle super herzlich und hilfsbereit sind, sodass das gar nicht lange gebraucht hat, dass ich mich hier wirklich sehr sehr wohl gefühlt habe. Wobei ich sagen muss, dass mich das Schulhaus ab und zu noch orientierungsmäßig überfordert. Ansonsten bin ich aber sehr gut angekommen.
Georg bloggt: Eure Klasse ist zum Anfang des Schuljahres neu in unseren Jahrgang gekommen. Findest du, dass sie sich schon in den Jahrgang integriert hat? Wie seid ihr hier aufgenommen worden?
Tarek: Also so ähnlich wie ich auch aufgenommen wurde, wurde meine Klasse auch aufgenommen. Ich glaube, dass erstmal ganz viel Neugier herrschte, wer da so alles drinsitzt. Aber wenn ich das so beobachte, haben durchaus auch schon viele Schüler*innen unserer Klasse Kontakte zu den anderen geknüpft. Ich stelle mir das aber auch für die anderen Klassen als Herausforderung vor, wenn man schon drei Jahre so in dieser Gemeinschaft war und dann eine neue Klasse kommt. Aber da spüre ich ganz klar den IGS-Spirit, dass alle wirklich willkommen sind. Es ist ein natürlich ein Weg, dass noch mehr diese Vergemeinschaftung stattfindet, aber wir sind auf einem guten Weg.
Georg bloggt: Wieso bist du Lehrer geworden?
Tarek: Ich habe schon früh mit Jugendlichen zusammengearbeitet, ich war Fussballtrainer und habe da schon immer Spaß dran gehabt. Ich habe schon immer gern Sport gemacht und mich total für Politik interessiert. Deswegen lag es auch auf der Hand, dass ich Politik und Sport auf Lehramt studiere.
Georg bloggt: Was gefällt dir an deinem Beruf?
Tarek: Ich finde einfach den Umgang mit Kindern und Jugendlichen total bereichernd, auch für mich persönlich. Ich denke, dieser Lernprozess ist nicht einseitig, sondern wir können auch von euch ganz viel lernen. Ich genieße das einfach, jeden Tag im Unterricht zu sein, mit euch zu lachen und alle sonstigen Gefühle durchzumachen und auch mit den Kolleg*innen im Austausch zu sein und zu gucken, dass es euch gutgeht.
Georg bloggt: Was gefällt dir an deinem Beruf nicht so sehr? Was würdest du gerne ändern?
Tarek: Ich finde, wir müssen ziemlich viele bürokratische Sachen erledigen. Es gibt also ziemlich viel Bürokratie und da würde ich mir wünschen, dass es Stellen an Schulen geben würde, die sich um diese vielen bürokratischen Dinge kümmern würden, die wir Tutor*innen machen müssen.
Georg bloggt: Heutzutage gibt es in Deutschland einen großen Lehrkräftemangel. Was müsste passieren, um mehr Menschen dazu zu motivieren, Lehrer*innen zu werden?
Tarek: Ich glaube, dass das genau das ist, was ich gerade gesagt habe. Die Arbeitsbedingungen müssten sich also einfach verbessern. Es kommt ja dann oft der Vorschlag, dass wir mehr Geld brauchen, damit Lehrer*innen mehr Geld verdienen. Das finde ich persönlich nicht: klar ist Bezahlung eine Form der Wertschätzung, aber ich kann mir vorstellen, dass es sehr viele Lehrkräfte gibt, die sagen, dass das gar nicht das wichtigste in unserem Beruf ist, sondern, dass die Arbeitsbedingungen einfach am wichtigsten sind. Ich glaube, wenn wir die verbessern, können wir auch mehr Menschen dazu motivieren, Lehrkräfte zu werden.
Dafür bräuchte man kleinere Klassen zum Beispiel und mehr Unterstützung beim Bürokratieabbau, bei den ganzen Formalien, die wir so zu erledigen haben. Definitiv braucht man bei der Inklusion mehr Förderschullehrkräfte an Regelschulen und man muss einfach diese multiprofessionellen Teams auszubauen, dass mehr Akteur*innen innerhalb einer Klasse oder einer Schule zusammenarbeiten. Also kurz gesagt: Verbesserungen der Arbeitsbedingungen sind einfach notwendig.
Georg bloggt: Sollten sich Jugendliche deiner Meinung nach politisch engagieren? Warum?
Tarek: Ja, total, weil wir es nicht zulassen sollten, dass nur Erwachsene über die Dinge bestimmen, die ja die Jugendlichen auch angehen. Bei allem, was da bestimmt wird, da seid ihr ja diejenigen, die am längsten damit leben müssen. Ich finde, da solltet ihr definitiv gehört werden und ich finde es super, wenn sich Jugendliche politisch engagieren – was ja nicht immer heißt, dass man in eine Partei eintreten muss. Man kann sich auch in Vereinen oder Initiativen engagieren. Ich finde es super wichtig, dass man das macht, sodass ihr einfach in diesen Diskursen und bei diesen Themen gehört werdet.
Georg bloggt: Danke für das Interview.
