Das Herz eines Boxers – eine Rezension

Wir haben das Theaterstück „Das Herz eines Boxers“ im Deutschunterricht behandelt und uns anschließend die Aufführung im Jungen Theater (JT) angesehen. Hier ist unsere Rezension.

Das Theaterstück „Das Herz eines Boxers“ von Lutz Hübner haben wir im Deutschunterricht bearbeitet und uns dann am 27. Januar 2026 im Jungen Theater in Göttingen angesehen. Das Theaterstück ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert.

Die Handlung dreht sich um zwei Menschen, deren Beziehung sich im Laufe des Stücks stark verändert: Jojo, ein etwa 16-jähriger Gefängnisinsasse, dessen Auftreten anfangs respektlos und aufsässig ist, und Leo, ein ehemaliger Profiboxer im Alter von 70 bis 80 Jahren. Leo hat vor kurzem einen Schlaganfall erlitten und wird von dem Altenheimpersonal dementsprechend behandelt. Er verschweigt jedoch, dass es ihm eigentlich gut geht und er fit ist, und spielt den alten, gebrechlichen Mann. Insgeheim plant er, aus dem Heim auszubrechen und zu einem Freund nach Südfrankreich zu reisen. Im Rahmen seiner Jugendstrafe soll Jojo die Wände in Leos Zimmer streichen. Bei ihrer ersten Begegnung redet Jojo ununterbrochen auf Leo ein und verhält sich unfreundlich, während Leo kein Wort sagt. Der Zuschauer erfährt, dass Jojo angeblich ein Mofa (in der Inszenierung im JT ein Auto) gestohlen haben soll. In der zweiten Szene redet Jojo im gleichen Ton weiter und merkt nicht, dass Leo alles mitbekommt. So plaudert er weiter, und die Zuschauer erfahren, dass Jojo das Mofa/Auto nicht gestohlen hat, sondern die Schuld für einen Freund auf sich genommen hat. Aus dieser Situation heraus spricht Leo zum ersten Mal. Er erzählt, dass es eine gute Tat sei, die Schuld für einen Freund auf sich zu nehmen. Daraufhin sagt Jojo, dass der besagte Freund gar kein Freund sei. Leo denkt weiter und kommt schließlich darauf, dass Jojo die Aktion für ein Mädchen durchgezogen habe, um sie zu beeindrucken. Leo fragt Jojo, ob er alte Sachen für ihn verkaufen kann. Dabei erfährt Jojo, dass Leo früher ein Profiboxer war. Leo bringt Jojo das Boxen bei und erzählt ihm einige Lebensweisheiten. In der nächsten Szene berichtet Jojo stolz, dass er Leos Sachen verkauft habe. Leo startet daraufhin seinen ersten Fluchtversuch – und scheitert. Er ist sehr enttäuscht und deprimiert. Entschlossen, sich das Leben zu nehmen, bittet er Jojo, ihm Tabletten zu kaufen, doch Jojo hat eine bessere Idee. Er bringt eine Verkleidung für Leo mit, mit der er schließlich aus dem Heim entkommen kann.

Die beiden Schauspieler (Jonas Biber und Jan Reinartz) haben ihre Rollen sehr gut verkörpert, und auch körperlich haben sie gut in die Rollen gepasst. Die Emotionen wurden überzeugend dargestellt. Besonders die Darstellung von Leos Schlaganfall kam beim Publikum gut an.

Uns ist aufgefallen, dass bei der Aufführung einige Dinge anders waren als im Originaltext des Dramas. Zum Beispiel wurden aktuelle Jugendwörter eingebaut, und das Mofa wurde durch ein Auto ersetzt, da die Strafe für ein geklautes Mofa unrealistisch wäre und nicht mehr zeitgemäß. Außerdem wurde eine imaginäre Wand geschaffen, die gestrichen wurde, und in dieser Wand soll auch ein Fenster sein, aus dem Leo zu Beginn des Stücks Tabletten wirft. Ein zweites Fenster ist hinten an einer Wand aus Karton. Dieses wurde als abgesperrt beschrieben, was zu Verwirrung führen kann, da das imaginäre Fenster ja offen dargestellt wurde. Einige Dinge waren nicht ganz logisch, aber so ist es oft im Theater. Über all diese Punkte konnten wir im Nachgespräch mit den Schauspielern und dem Regisseur (Christian Vilmar) sprechen.

Die Schauspieler haben sich, bis auf das Frauenkostüm in der letzten Szene, auf der Bühne im Black umgezogen und sich für die nächste Szene bereit gemacht. Oft konnte man erkennen, dass Jojo ein Zeichen in Form eines „Schrittes“ an das Technikteam gegeben hat, um in die Szene zu laufen. Das Licht war hell und warm, und es gab nicht viel Hintergrundmusik, außer wenn bewusst welche in der Szene eingesetzt wurde. Darunter war ein Deutschrap, um Jojos Ausstrahlung zu unterstreichen, sowie zweimal das Lied „Das Herz eines Boxers“ von Max Schmeling.

Das Publikum reagierte unterschiedlich. Vor allem in den letzten beiden Szenen war zunächst eine bedrückte Stimmung spürbar, als der Fluchtversuch gescheitert ist, gefolgt von viel Gelächter, als Jojo den neuen Fluchtversuch demonstrierte.

Die schauspielerischen Fähigkeiten, die interessanten Inszenierungen, das kreative Bühnenbild und die erzeugte Atmosphäre zeigen, dass das Stück sehr gut geprobt und aufgeführt wurde. Insgesamt finde ich, sowie viele weitere Schüler*innen, das Stück sehr empfehlenswert. Es richtet sich an alle Altersgruppen, da es spannend ist und viele Altersgruppen es interpretieren können.