{"id":994,"date":"2026-05-06T18:06:13","date_gmt":"2026-05-06T16:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/georg-bloggt\/?p=994"},"modified":"2026-05-06T18:26:33","modified_gmt":"2026-05-06T16:26:33","slug":"eine-freundschaft-mit-dem-luchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/georg-bloggt\/2026\/05\/06\/eine-freundschaft-mit-dem-luchs\/","title":{"rendered":"Eine Freundschaft mit dem Luchs"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Preistr\u00e4gergeschichte aus dem lila Jahrgang des IGS-Literaturwettbewerbs 2026 von Marlon Borchard <\/h2>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Junge, der hie\u00df Gandalf. Er liebte es, drau\u00dfen zu sein und Abenteuer zu erleben. Sein Vater nahm ihn oft mit auf gro\u00dfe Wildnistouren. Gandalfs gr\u00f6\u00dfter Traum aber war es, allein auf ein Abenteuer zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eines sch\u00f6nen Tages war es dann so weit. Gandalf packte alles ein, was er ben\u00f6tigte. Als er fertig war, brachte ihn sein Vater an einen Fluss, wo ein Kanu lag. Sie verabschiedeten sich und dann stieg Gandalf ins Boot, winkte noch mal zum Abschied und paddelte los. Zwei Tage sollte die Reise dauern und dann wollte ihn sein Vater wieder treffen. Er fuhr den ersten Tag und beobachtete sehr viel \u2013 Eisv\u00f6gel, Biber, Nutrias, Bienenfresser und noch mehr.<\/p>\n<p>Am Abend machte er Halt an einem kleinen, ruhigen Nebenarm des Flusses, der sich durch ein W\u00e4ldchen schl\u00e4ngelte. He legte an, baute sein Zelt am Ufer auf und lief in den Wald, um Feuerholz und Beeren zu sammeln. Als er alles fertig und gut gegessen hatte, setzte er sich neben das Feuer und schaute in die Sterne. Irgendwann schlief er ein. Er schlief tief und fest, als er pl\u00f6tzlich ein lautes Knacken aus dem Wald h\u00f6rte und erschrocken hochfuhr. Gandalf schaute sich um, aber da war nichts. Gerade hatte er sich wieder hingelegt, als es wieder knackte. Er erschrak wieder und z\u00fcndete eine Kerze an, mit der er vorsichtig auf den Wald zuging. Pl\u00f6tzlich blieb er stehen und sah zu einem gro\u00dfen H\u00fcgel, auf dem zwei Augen aufleuchteten. Er erkannte eine Luchsmutter mit ihrem Jungen im Maul. Er blies die Kerze aus und legte sich flach auf den Boden. Die Luchsmutter hatte ihn l\u00e4ngst bemerkt und kam mit langsamen Schritten auf ihn zu. Gandalf hielt den Atem an. Als sie nur noch ein paar Meter von ihm entfernt war, blickten sie sich in die Augen. Sie senkte den Kopf und legte das Junge vor Gandalfs F\u00fc\u00dfe. Sie behielt ihn im Blick und drehte sich w\u00e4hrenddessen bedacht um. Gandalf war sehr \u00fcberrascht und erstaunt, sein Herz schlug schnell und laut vor Aufregung. Er \u00fcberlegte kurz, was das zu bedeuten hat. Doch dann nahm er den Luchswelpen sachte in seine Arme und trug ihn in sein Zelt. Es winselte und zitterte. Beim genauen Hinschauen entdeckte er eine Verletzung an der Pfote. Gandalf reinigte die Wunde und verband sie sorgf\u00e4ltig. Dann gab er ihm ein wenig vom frischen Wasser und legte sich zum Schlafen daneben.<\/p>\n<p>Einige Stunden sp\u00e4ter, kurz vor dem Morgengrauen, kam das Luchsweibchen zur\u00fcck und legte sich vor das Zelt in die N\u00e4he von Gandalf und ihrem Kind. Er bemerkte es nicht, denn er schlief wie ein Stein. Als er am n\u00e4chsten Morgen aufwachte und sich umschaute, erinnerte erst mal nichts an den jungen Luchs, und er wunderte sich im Halbschlaf. Aber als er aus dem Zelt steigen wollte, sah er gerade noch, wie zwei Tiere im Wald verschwanden. Er stand auf, um nachzusehen, ob das alles nur ein Traum war. Aber das war es nicht, denn direkt vor seinem Zelt sah er die Pfotenabdr\u00fccke der Luchse im Sand, gro\u00dfe und kleine. Was f\u00fcr ein Erlebnis! Er konnte es kaum glauben. Er streckte sich in der Morgensonne und lief fr\u00f6hlich zum Fluss, um ein kaltes Bad zu nehmen. Danach a\u00df er etwas, packte seine Sachen zusammen und verstaute sie im Kanu. Er breitete die Feuerstelle aus und achtete darauf, dass alle Glut erloschen war. Es konnte weitergehen!<\/p>\n<p>Er paddelte gl\u00fccklich los, gespannt, was er heute noch erleben w\u00fcrde, und sah kurz darauf ein Auerhuhn am Ufer stehen. Er lie\u00df sich treiben und machte Fotos zur Erinnerung. Sein Vater sollte sehen, was er f\u00fcr eine sch\u00f6ne und aufregende Zeit hatte. Einige Stunden sp\u00e4ter \u2013 es war Nachmittag, und er wusste, dass er sich hier einen Platz f\u00fcr die Nacht suchen sollte, um seinen Vater sp\u00e4ter zu treffen \u2013 kam etwas Gro\u00dfes und Lautloses auf ihn zugeflogen. Er traute sich kaum zu atmen, als er einen Uhu darin erkannte. Er wollte ausweichen, doch der Uhu landete auf dem Bug des Bootes und schaute ihn mit seinen gelben, neugierigen Augen an. Gandalf verga\u00df zu paddeln und bemerkte nicht, dass er ans Ufer trieb. Es gab einen \u201eRums\u201c und er lag mit dem Kanu auf dem Trockenen. Er stieg leise aus und wollte den Uhu nicht verschrecken, um ihn genau beobachten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Er erkannte in der Ferne die Stra\u00dfe und die H\u00e4user einer Ortschaft. Hier wollte er bleiben und die letzte Nacht seiner Wildnistour mit seinem Vater verbringen. Ob er ihm das glauben wird? Pl\u00f6tzlich stie\u00df der Uhu einen Laut aus und flog davon. Gandalf schaute ihm hinterher und entdeckte am Waldrand abermals die Luchsin mit ihrem Jungen. Es trug noch den Verband, den er ihm letzte Nacht um seine Pfote machte. Er konnte es sich nicht erkl\u00e4ren. Sie mussten ihm im Schutz der Uferb\u00fcsche gefolgt sein. Als sich Gandalf auf den Boden hockte, kam das Kleine auf leisen Sohlen zu ihm und schleckte ihm die Hand. Gandalf kamen die Tr\u00e4nen vor Freude. So etwas h\u00e4tte er sich nicht gewagt zu tr\u00e4umen. Das Luchskind legte sich zu seinen F\u00fc\u00dfen und lie\u00df sich streicheln, w\u00e4hrend seine Mutter in sicherem Abstand verharrte und die beiden beobachtete.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit begann er, das Zelt aufzubauen und ein Feuer anzumachen, denn es wurde langsam d\u00e4mmrig und k\u00fchl. Der Uhu sa\u00df am Waldrand in einer alten Eiche und schaute zu ihnen hinunter. Einige Zeit sp\u00e4ter h\u00f6rte er erst eine Autot\u00fcr und dann schwere Schritte. Das musste sein Vater sein. Gandalf deutete ihm, dass er ganz leise sein solle, und zeigte mit dem Finger auf den kleinen Luchs, der noch immer bei ihm lag. Der Vater blieb stehen und konnte es nicht glauben. Er war fassungslos und sagte keinen Ton. Als er dann langsam n\u00e4her kam, knurrte vom Waldrand die Luchsmutter und schaute beunruhigt zu ihrem Kind. Das Kleine spitzte die Ohren, als es den Ruf erkannte, drehte seinen Kopf in alle Richtungen, stand auf, streckte sich und sprang vergn\u00fcgt in Richtung des Waldes.<\/p>\n<p>Der Vater fand seine Sprache wieder, begr\u00fc\u00dfte den Sohn voller Freude und setzte sich zu ihm ans Feuer. Lange sa\u00dfen sie dort, grillten W\u00fcrstchen, a\u00dfen frisches Brot und tranken Limonade. Gandalf erz\u00e4hlte ihm von all den unglaublichen Momenten, den vielen Tieren und der Nacht im Wald, als die Luchsmutter das verletzte Kind zu ihm brachte. Es war \u2013 und da war er sich sicher \u2013 das Gr\u00f6\u00dfte, was er je erlebt hat und vielleicht auch, was er jemals erleben wird. Sp\u00e4t in der Nacht legten sie sich am Feuer in ihre Schlafs\u00e4cke und beobachteten schweigend den Himmel. Tausende Sterne und eine Sternschnuppe, hell und lang\u2026 Gandalf w\u00fcnschte sich nat\u00fcrlich ein neues Abenteuer. Drau\u00dfen in der Natur, ohne Stadtl\u00e4rm und viele Menschen. Nur er und die Tiere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Preistr\u00e4gergeschichte aus dem lila Jahrgang des IGS-Literaturwettbewerbs 2026 von Marlon Borchard Es war einmal ein Junge, der hie\u00df Gandalf. Er liebte es, drau\u00dfen zu sein und Abenteuer zu erleben. Sein Vater nahm ihn oft mit auf gro\u00dfe Wildnistouren. 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