Zehn Peiner Schulleiter wollen ins Szenario B wechseln

Das gemeinsame Schreiben der Schulleiter geht an die Stadt Peine. Der übergeordnete Landkreis versteht das Ansinnen, sieht aber keine Chance dafür.

So läuft derzeit der Unterricht in der Peiner Burgschule ab.

Große Verunsicherung herrscht in den Peiner Schulen wegen der aktuellen Corona-Situation. Die Infektionszahlen sind sehr hoch, die Schulen müssen öfter die Betreuungszenarien wechseln: Das führt zu Ängsten und Unsicherheit bei Schülern, Eltern und Lehrern. Deswegen haben die zehn städtischen Schulleiter jetzt einen gemeinsamen Brief verfasst, in dem sie einen kompletten Wechsel ab kommender Woche ins das Szenario B fordern. 

Der Schulleiter der Grundschule Rosenthal-Schwicheldt, Dirk Osburg, sagt: „Ich bin derzeit der Vorsitzende der Peiner Schulleiter und habe das Schreiben verfasst. Wir wollen raus aus der Passivität und nicht mehr länger nur auf die äußeren Umstände reagieren.“ Man habe keine Planungssicherheit und keine ausreichenden Ressourcen an den Schulen, „um zum einen den qualitativen Ansprüchen aller am System Schule Beteiligten gerecht zu werden und zum anderen, die Sicherheit aller adäquat zu gewährleisten“. 

Dirk Osburg

Dirk Osburg Quelle: Privat

Dies bestätigt Osburgs Kollege Jan-Philipp Schönaich von der Burgschule und betont, dass es im Szenario A neuerdings auch keine Doppelkohorten mehr in den Nachmittags-AGs und in der Mensa geben dürfe. „Das bedeutet, dass nur noch einzelne Jahrgänge an den AGs teilnehmen und in der Mensa essen dürfen. Das können wir organisatorisch und personell nicht mehr stemmen.“ Und ja, es stimme, dass es im Szenario B keine Ganztagsbetreuung mehr für die Kinder gebe, „aber eine feste tägliche Beschulung zwischen 8 und etwa 13 Uhr – unterbrochen durch Homeschooling – ist für die Eltern verlässlicher als das ständige Hin und Her“. Daher fordern die Schulleiter jetzt gemeinsam, dass man so wie in Salzgitter komplett ins Szenario B wechselt – möglichst bis Weihnachten. 

Zum Hintergrund: Als Modelle sind im Szenario B möglich ein wöchentlich wechselnder Präsenzunterricht der geteilten Schüler-Lerngruppen, die Aufteilung drei Tage Unterricht in der Schule und zwei Tage Zuhause und umgekehrt sowie täglich wechselnder Unterricht Zuhause und in der Schule. Über das favorisierte Modell kann die jeweilige Schulleitung bestimmen. 

„Ich habe den Brief bekommen, mit dem alle unsere Schulleitungen den Wechsel in das Szenario B anregen“, bestätigt Henrik Kühn, städtischer Amtsleiter für Bildung und Kultur, „nachdem bereits fünf von elf unserer Schulen zeitweise in das Szenario B wechseln mussten und der übereinstimmenden Aussage zufolge die Grenzen der Organisations- und Leistungsfähigkeit offenbar erreicht werden, habe ich in der Sache großes Verständnis für die Anregung der Schulleitungen.“ 

Das besagen Szenario A und B

Nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums beschreibt Szenario A einen eingeschränkten Regelbetrieb. Um einen weitgehend normalen Unterrichtsbetrieb in der Schule zu gewährleisten, wird das Abstandsgebot unter den Schülern zugunsten eines Kohorten-Prinzips aufgehoben. Unter Kohorten werden festgelegte Gruppen verstanden, die aus mehreren Lerngruppen bestehen können und in ihrer Personenzusammensetzung möglichst unverändert bleiben. Dadurch lassen sich im Infektionsfall die Kontakte und Infektionswege wirksam nachverfolgen. Überschreitet ein Landkreis oder eine Stadt den Inzidenzwert von 50 Neuinfizierten je 100 000 Einwohner, ist das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung im Unterricht verpflichtend. Im Kreis Peine hat man auch die Grundschüler zum Maskentragen aufgefordert. 

Und wenn es zu deutlich erhöhten Infektionszahlen kommt und das örtliche Gesundheitsamt feststellt, dass das regionale Infektionsgeschehen einen eingeschränkten Regelbetrieb (Szenario A) nicht mehr zulässt, wird in Abstimmung mit dem örtlichen Gesundheitsamt in Szenario B gewechselt, die eine Kombination aus Präsenzunterricht und Lernen Zuhause vorsieht. Voraussetzung dafür ist eine Siebentage-Inzidenz ab 100 in Kombination mit einem Infektionsfall an einer Schule. Es gilt dann an dieser Schule: maximal 16 Personen im Präsenzunterricht, ein Mindestabstand von 1,5 Metern auch innerhalb der Lerngruppen und ein Wechsel von Präsenzunterricht und verpflichtendem „Lernen zu Hause“.

Allerdings habe die Stadt als Schulträger hier nicht die rechtliche Kompetenz, für den Grundschulbereich einen Wechsel des Szenarios anordnen zu können. „Hier ist der Landkreis Peine mit seinem Gesundheitsamt die zuständige Behörde. Im dortigen Krisenstab ist Stadtrat Christian Axmann vertreten. Er wird das Schreiben dort in geeigneter Weise einbringen und entsprechend inhaltlich flankieren“, so Kühn. 

Unterricht unter Coronabedingungen in der Grundschule Rosenthal-Schwicheldt.

Unterricht unter Coronabedingungen in der Grundschule Rosenthal-Schwicheldt. Quelle: Privat

Kreissprecher Fabian Laaß erklärt jedoch: „Wir können das Ansinnen der zehn Schulleiter zwar verstehen, aber wir sind angehalten, den Präsenzunterricht so weit wie möglich trotz der Pandemie sicherzustellen. Daher können wir kein flächendeckendes Szenario B einführen.“ Aktuell würden auch die Corona-Infektionszahlen wieder fallen, daher sei ein Wechsel ins Szenario B vorerst unrealistisch. Außerdem gibt es laut Laaß auch andere Stimmen. Er betont: „Bei uns haben sich Schulleiter aus dem Kreis gemeldet, die anders denken und unbedingt im Szenario A bleiben wollen.“ Trotzdem hat der Landkreis Peine als Schulträger präventiv ein Schreiben an alle heimischen Schulen verschickt, in dem erklärt wird, dass bei einem Anstieg der Fallzahlen ein schnelles Wechseln in Szenario B möglich sei. Weiter heißt es: Man wolle jetzt schon über diese Möglichkeit informieren, „um im Bedarfsfall handlungsfähig zu sein“. 

Von Thomas Kröger

Peiner Allgemeine Zeitung vom 20.11.2021

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