Geschichtliches

  1. Geburtstag der GS Am Lindhof (Auszug aus der Festrede der Schulleiterin, Ursula Buchwald-Wachendorf)

Eigentlich ist das ja bei weiblichen Wesen nicht so nett, gleich mit dem Alter anzufangen.
Doch stand ja schon in der Zeitung, dass auch wir uns als Geburtstagskind ein bisschen jünger gemacht haben.
Das kommt bei berühmten Leuten häufiger vor – habe ich mir sagen lassen.

Na ja, was ist schon 40 oder 41.

Im Gegensatz zu anderen Geburtstagskindern kamen wir schon ganz schön komplett auf die Welt.
Um solch ein Wunder zu vollbringen, bedarf es zahlreicher geburtsvorbereitender Maßnahmen.
Bei dem 1. Untersuchungstermin wurde festgestellt, dass der Grundschulbereich aus der damaligen Hauptschule auszugliedern sei.

Beim 2. Termin wurde aufgeschrieben, was zu beachten ist:

„die sozialintegrative und kompensatorische Aufgabe der Grundschule,
… gleichmäßige und individuelle Förderung aller Kinder, die gezielten Hilfen für schwächere Schüler,
die Erprobung von Formen der Differenzierung und Individualisierung usw.

Wir schreiben hier nicht den Start der Inklusion 2012/13 sondern befinden uns noch im Oktober 1974.

Solche Aussagen waren auch damals eher revolutionär. Das war auch die Entscheidung,
den Aufbau der Grundschule in Syke mit einem Schulversuch über 6 Jahre zu begleiten.

Selbst Prof. Hartong, von der Uni Osnabrück, und unser damaliger Schulrat Rudolf Richard, steuerten ihre Kompetenzen zur Entwicklung dieser guten Schule bei.

Um sie jedoch gut zu entwickeln, vernetzte sich der damalige Schulleiter der Grund- und Hauptschule, Martin Erbe, bereits in ganz Deutschland.

Es gibt zwar keine digitalen Nachweise, doch die dünnen brotpapierähnlichen  Durchschläge zeugen von einer Kontaktaufnahme mit Schulen in Weinheim, Hannover und Pfungstadt (bei Darmstadt), mit einem Schulbauinstitut in Berlin, selbst auf internationaler Ebene wurde ein Besuchskontakt zu einer Schule in Malmö, Schweden, vereinbart.
„Comeniusprojekte gab es vielleicht auch schon vor 40 Jahren“, hab ich mir gedacht.

Kurz vor dem errechneten Geburtstermin entstand noch einmal Stress, doch mit der nötigen fachlichen Unterstützung erlangten wir eher  heimlich im Herbst 1975 das Licht der Welt.

Ob wir noch zu schrumpelig ausgesehen haben, noch nicht vollständig genug, weiß ich nicht.
Nachweisbar fehlten nicht nur Haken zum Aufhängen der Büchertaschen, auch die Schubladen an den Lehrertischen mussten noch gängig gemacht werden usw.
Gleichzeitig waren Tische und Stühle zu viel geliefert. Vielleicht war das der Grund.

Tatsache ist jedoch, dass wir offiziell erst am 18. Juni im Jahr darauf gefeiert wurden.

Kurznotizen aus dem bewegten Leben unseres Geburtstagskindes:

Lehrkräfte aus der 1. Generation, die dieses bestimmt auch große Durcheinander, das mit einer solchen umfangreichen Baumaßnahme verbunden war, ausgehalten haben:

Frau Hoffmann, Frau Bohlen, Frau Lösche, Frau Haufe, Herr Hohenkamp, Frau Rathke, Herr Pfannschmidt, Herr und Frau Willenbruch und Frau Linstedt, unsere Kollegin, die ich vor wenigen Jahren selbst pensionieren durfte.

Lehrkräfte der ersten 1. Klassen waren: Frau Gronau, Frau Job, Frau Niewöhner, Frau Ballok und Frau Willenbruch.
Der 1. Elternabend fand am 23. Juni, 1975, statt.
Also am 1. Ferientag 2016 vor 41 Jahren.
Mit dabei war auch der damalige Stadtdirektor Wodtke.
Die Lehrwerke für den Mathematikunterricht waren von Westermann, der Leselehrgang war von CVK mit den Stempelkästen des Beltz-Verlages.
Auch der Antrag des Schulleiters auf Einrichtung einer Schulassistentenstelle, „um die Pädagogen zugunsten der Unterrichtstätigkeit von den technischen Vorbereitungen zu entlasten“ , macht deutlich, dass diese Schule schon damals am Puls der Zeit lag.

Allerdings hat keiner meiner Vorgänger oder meine Vorgängerin jemals diesen Kollegen an unserer Schule begrüßen dürfen.

Schade!

1976 wird aber erst einmal der Architekturpreis für das vorbildliche Bauen in der Zeit von 1946 bis 1976 gefeiert – und zwar für das Objekt:
„Grundschule Syke mit Vorschulbereich, Sporthalle und Hausmeisterhaus.“

Davon zeugt noch immer der Erinnerungsstein vor dem Haupteingangsbereich auf der linken Seite in der Wand.
Am  4. November 1976 wurde eingeladen.

Heute blicken wir auf ein bewegtes Leben zurück:

So wurde in der Bauzeit des neuen Rathauses (1977/78) die Stadtbücherei im Schulkindergarten untergebracht.
Zwei Jahre später wurde die Grundschule in Okel geschlossen und diese Kinder im Lindhof aufgenommen.
Die Busaufsicht vor dem Gymnasium zu organisieren, war ein Meisterstück, denn es waren alle anderen Schulen auch daran beteiligt.
1991 wurde die 5-Tage-Woche eingeführt.
In diesem Jahr besuchten 34 Kinder den Schulkindergarten, heute Basisklasse.
Die Schülerzahl vergrößerte sich auf 431.
Ungefähr um das Jahr 1988 wurde der 1. Jahrgang am Lindhof mit Schülern aus der 10. Klasse des Gymnasiums belegt.
Auf dem Sommerfest 1995 wurde unser heutiger Name von einer Jury proklamiert.
Die Namensvorschläge gibt es immer noch.
In der Jury saßen damals Eltern, LK und der damalige Stadtdirektor Peter Schnabel.
1998/99 wurde die neue Grundschule an der Gesseler Straße eingeweiht.

Mit dem Neubau der Gebrüder-Grimmschule wechselte ein Teil des Kollegiums in die neue Schule.
Ab diesem Jahr waren die Sprachheilklassen (2-3 Klassen) im Lindhof untergebracht.
Auch die Zeit, in der die Sportklassen der Realschule mit in unserer Sporthalle waren, bleibt in aufregender Erinnerung.
2008/09 wurden beide Schulen wieder zusammengelegt. Eine unruhige Zeit ging zu Ende.

Wir feiern heute unser Geburtstagskind. Wie sieht es denn heute aus?

Ins neue Schuljahr werden wir mit 49 Lehrkräften und päd. Mitarbeitern gehen. Unterstützt werden wir von mehreren Erziehern und Erzieherinnen, deren Personalkosten für den Ganztagsbereich vom Schulträger übernommen werden, genau wie durch die halben Stelle Schulsozialarbeit.
Das Land unterstützt uns mit einer halben Sozialpädagogenstelle.
Das ist schon etwas Besonderes.
Wir betreuen zurzeit 33 Sprachanfänger/innen, die in der Statistik ca. 50 Kinder  bedeuten, weil die Begleitung in bestimmten Fällen besonders intensiv erfolgen muss.
Wir schulen 6 neue erste Klassen inkl. Basisklasse ein. Der neue 3. Jahrgang wird 5-zügig.

In den vergangenen 3 Jahren haben wir ein Konzept für eine teilgebundene Ganztagsschule entwickelt.
Wir sind in der Zielgeraden.
Schule ist für uns mehr als Unterricht.
Das, was bei der Konzeptionierung der Grundschule damals im Blick war, haben wir umgesetzt.
Wir wollen, dass unsere Kinder sich nach ihren Möglichkeiten entwickeln können.

Dabei kann es ganz schnell oder langsam gehen. Differenzierung und Inklusion und Ganztagsschule gehören für uns zusammen.
Wir strukturieren unseren Vormittag um. Kinder können und sollen sich ausprobieren.
Deshalb haben wir uns auch für die teilgebundene Ganztagsschule entschieden.

Wir sind für alle Kinder da. Jeder ist uns willkommen.

Wir bilden uns fort und überlegen, an welchen Stellen wir besser werden können.

Unsere Schule verfügt über ein ausgeklügeltes Förderkonzept zur sprachlichen Frühförderung der Kindergartenkinder im letzten Kindergartenjahr, über umfangreiche Materialien und Kompetenzen für die Förderung von Kindern aus Migrationsfamilien, über ein aktuelles fundiertes Konzept zur Eingliederung und Förderung der Sprachanfänger aus dem Flüchtlingsbereich.

Wir arbeiten mit mehreren Vollassistenzen der Lebenshilfe zusammen, um bestimmten Kindern das Lernen und Leben in unserer Schule zu erleichtern.

So werden wir im neuen Schuljahr für die neuen ersten Klassen Sprachentwicklung und Musik verbinden.
Unser Geburtstag ist ein Einschnitt für unsere künftigen Aufgaben.

In unserem neuen Anbau wird eine Frischküche integriert, in der jeden Tag ein frisches Mittagessen für Ihre Kinder gekocht wird.

Seitlich angeschlossen befindet sich der neue Bibliotheksraum mit diversen Möglichkeiten des Lernens und der Recherche.

Davor entsteht ein Bewegungsraum, in dem unsere Kinder sowohl motorisch gefördert werden können  als auch die Möglichkeit erhalten, nach dem Unterricht sich frei zu bewegen oder zu spielen.

Für diejenigen, die von dem ganzen Trubel Ruhe haben wollen, gestalten wir einen Stille- und einen Ruheraum. Ein bisheriger Hortraum wird zum Forscherraum usw.

Schule hat sich verändert.

Konnte man vor einigen Jahren noch zwischen dem Schulbereich und Betreuungsbereich für Kinder und Familien unterscheiden, so sind diese Teile längst zusammengewachsen.

Mit dem Start in die Ganztagsschule verdoppelt sich nicht nur die Anwesenheitszeit vieler Kinder, sondern die Schule übernimmt Erziehungsaufgaben, verlässt den reinen Lehr- und Lernbereich.

Schule begleitet die Hausaufgaben, das Mittagessen, ist Ansprechpartner für Kinder und Familien mit Problemen.

Viele Menschen haben auf ihrem Weg mitgearbeitet und mitentwickelt.

Ohne sie wäre der Lindhof nicht, was er heute ist. Als erster Schulleiter ist hier Herr Wilhelm Hohenkamp zu nennen, gefolgt von Herrn Hubert Schulten und Frau Brigitte Horndasch.

Wir haben eine tolle Schule.
Wir haben tolle Schüler und Schülerinnen.
Es lohnt sich, hier zu investieren, gesellschaftliche Chancen für unsere Eltern und Kinder in Syke zu ermöglichen.

Aber welche Aufgaben hat unser Geburtstagskind in der Zukunft?

Ich glaube, dass eine Schule, unsere Schule, einen ganz wichtigen Teil für die Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft übernehmen muss.

Es hängt auch von uns ab, wie gut wir die verschiedenen Kulturen miteinander verbinden können, wie viele Chancen wir unseren Kindern und ihren Familien in unserer gemeinsamen Gesellschaft bereiten können.

Bei uns müssen die Kinder lernen, keine Angst vor dem Fremden zu haben.
Hier sind alle zusammen. Sie lernen sich kennen, erfahren voneinander, wachsen zusammen.
Das ist eine  der Grundlagen, damit wir alle in Frieden und gerne zusammen leben.
Unsere Schule war damals schon besonders. Sie ist es heute auch noch.
Sie hatte damals schon besondere Menschen. Sie hat sie heute immer noch.
Danke an dieses tolle Kollegium.
Danke an unsere tollen Eltern.
Danke an unsere tollen Schüler und Schülerinnen.
Danke an alle Unterstützer aus Politik, aus Vereinen, Einrichtungen und privatem Ehrenamt und Engagement.
Sie alle gestalten Schule mit. Ich wünsche mir für die GS Am Lindhof, die bald auch den Zusatz „teilgebunde Ganztagsschule“ tragen wird, dass wir weiter auf Sie zählen können.

Wir gehen im Landkreis Diepholz als erste Schule einen neuen Weg, genau wir vor ca. 40 Jahren.
Das ist wohl das Besondere am Lindhof, eine der 0817-Schulen im Land.
Ohne diese große Unterstützung von allen Seiten, ohne den Einsatz für bessere Rahmenbedingungen entstehen keine solchen Schulen.

Herzlichen Glückwunsch, Grundschule Am Lindhof