Kunstprojekt

Sehr geehrte Eltern und Erziehungsberechtigte!

Unsere Kunstaktion hat ganz offensichtlich in der Elternschaft zu Diskussionen geführt und teilweise Unmut ausgelöst. Das bedauern wir sehr. Ein von uns positiv gedachtes Projekt schlägt negative Wellen. Das stimmt uns nachdenklich. Wir danken Ihnen, dass Sie in einen Dialog mit uns getreten sind. Das fördert unsere Reflexion, was immer hilfreich ist.

Bevor wir auf fachdidaktische Begründungen für die Themenwahl eingehen, möchten wir Ihnen sehr gerne von unseren Erfahrungen in den Klassen mit der Aufgabe berichten.Oft wurden die Bilder in den Klassen bei der Aufgabenstellung zunächst in ihrer Vielfalt betrachtet. Dadurch ergaben sich viele wertvolle Gespräche. Manchmal ging es dabei um den Maler des Porträts und seinen Malstil. In anderen Fällen sprachen wir über die dargestellte Persönlichkeit. Immer wieder bot das Alter der Gemälde Anlass für Nachfragen und löste Staunen aus. Insbesondere jüngere SchülerInnen konnten herzlich und anhaltend über das teilweise eigentümliche und fremde Aussehen der porträtierten Menschen lachen. Teilweise durften die SchülerInnen selbst ein Porträt für ihre Bearbeitung wählen. Eine Kollegin berichtete von einem regen Austausch über die getroffene Wahl. Die Bilder wurden miteinander verglichen, über das jeweilige Alter gesprochen, gemeinsam gestaunt und bewundert. Diesen Austausch erlebten wir als wertvoll und für die Klassen sehr anregend.

Es ist richtig, dass das Tragen von Masken für alle – Kinder und Erwachsene – unangenehm ist. Es ist jedoch sehr präsente Realität, genau wie alle anderen pandemiebedingten Einschränkungen überall. Wir müssen mit diesen unangenehmen Regeln leben und uns damit auseinandersetzen. Der Kunstunterricht leistet einen eigenen, spezifischen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der derzeitigen Lebenswirklichkeit. Das Kunstprojekt soll zum Ausdruck bringen, dass wir eine Gemeinschaft sind, die trotz erschwerter Bedingungen zusammenhält, damit sich diese Zeit vielleicht etwas leichter ertragen und verarbeiten lässt.

Inzwischen haben wir die ersten Schülerarbeiten zurückbekommen. Die Kinder haben zu ihren Werken erzählt:

  • „Auf meinem Bild sieht man eine schöne Dame. Sie soll einen ganz besonders eleganten Schutz tragen.“
  • „Der Mann sieht komisch aus. Deshalb habe ich ihm eine komische Maske gebastelt.“
  • „Das Lächeln soll zu sehen sein. Deshalb habe ich einen durchsichtigen Mundschutz gemalt.“
  • „Ich wollte noch ein passendes Armband zur Maske gestalten. Das gefällt mir.“
  • „Gerade habe ich das Stricken gelernt. Deshalb wollte ich Wolle für die Maske nehmen.“

Dabei haben wir Aussagen wie Folgende ebenso gelten lassen.

  • „Masken sind doof. Deshalb wollte ich nicht mitmachen.“

Reaktionen dieser Art waren jedoch selten. Insgesamt wurde die Aktion von den SchülerInnen überwiegend positiv und heiter aufgenommen.

Wie wir mit der Präsentation der Schülerarbeiten umgehen, werden wir neu bedenken. Allerdings erwarten die SchülerInnen aufgrund unserer Ankündigung eine Ausstellung und freuen sich darauf.  Ausnahmslos alle Bilder werden mit einem farbigen Passepartout versehen, und alle Arbeiten stehen selbstverständlich gleichberechtigt nebeneinander. (Es geht also nicht um besonders hübsch oder kunstvoll, so wie von Ihnen befürchtet, sondern ausschließlich um die individuelle Auseinandersetzung.)

Sehr gerne stellen wir Ihnen noch Bezüge zum Kerncurrikulum für das Fach Kunst in der Grundschule her. Dort heißt es: Bilder werden in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und der Schule als Medium der Verständigung eingesetzt. Bilder sind informierende und veranschaulichende Darstellungen, die beim Ausdrücken von Gefühlen behilflich sind. Sie stellen eine Basis für Erinnerungen und Vorstellungen dar. Ausgehend von den Interessen, Erfahrungen und der Lebenswirklichkeit der Kinder stehen Themen im Mittelpunkt des Kunstunterrichts der Grundschule, die sich unter anderem auf die Auseinandersetzung mit der eigenen Person in ihrer Entwicklung mit Träumen, Wünschen und Ängsten, mit Freizeit und Wohnen, mit der Familie und Freunden beziehen. Setzen sich die Kinder mit Kunst auseinander, ist der Kompetenzbereich der Wahrnehmung von Bedeutung, der ihre Aufmerksamkeit erfordert, sowie ein Sich-Einlassen auf das Phänomen. Im Kunstunterricht haben Kinder die Möglichkeit, sich mit dem Spannungsverhältnis von Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinanderzusetzen. Sie werden mit unterschiedlichen Sichtweisen, die sich aus individuellen Wahrnehmungen ergeben, konfrontiert. Das bietet für Schülerinnen und Schüler Raum zum Denken und Kommunizieren.

Folgende Lernbereiche aus unserem schulinternen Arbeitsplan werden außerdem bei diesem Projekt miteinander verbunden:

  • Bildhaftes Gestalten in Flächen (Drucken, Spuren, Frottage usw.)
  • Spielerisch, experimentierender, erfahrungsbildender Umgang mit den grafischen
  • Elementen (z.B. Punkt, Spirale, Linie, Fläche … = Muster)
  • Collagieren / Umdeuten / Umgestalten / Verfremden

Dabei lernen die SchülerInnen künstlerische Repräsentanten vergangener Epochen kennen, wie zum Beispiel Albrecht Dürer, Leonardo da Vinci u.a.

Wir hoffen, dass Sie unsere Aktion nun vielleicht mit etwas anderen Augen sehen können und nicht mehr zu sehr verärgert sind. Sehr gerne starten wir nach einer Weile eine neue Aktion. Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Ideen einzubringen. Diese sind uns sehr willkommen.

Wir bedanken uns ausdrücklich noch einmal für Ihre Anmerkungen, hoffen auf einen weiteren offenen Dialog und verbleiben mit ganz herzlichen Grüßen.

Ihre Fachschaft Kunst

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