Bericht über die Erasmus+-Fortbildung „Diverse Society – Diverse Classrooms“ vom 23. – 30. 9. 2018 in Borgarnes / Island

Das Thema der Forbildung, kooperatives und interkulturelles Lernen, wurde gleich ab dem ersten Tag der Projektfortbildung lebhaft umgesetzt. Mit der Methode des Kennenlern-Bingo haben sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenseitig bekannt gemacht, indem möglichst viele Kursteilnehmer vorgegebene Fragen, wie zum Beispiel zu den eigenen Fremdsprachkenntnissen oder nach den bevorzugten Verkehrsmitteln für den täglichen Weg zur Arbeit beantwortet werden mussten.

Anschließend wurden die das Projekt durchführende Organisation sowie das Schulsystem Islands genauer vorgestellt. In einem Fragen-Karussell galt es danach mit jeweils der Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in jeweils 1 Minute weitere Fragen zu klären, etwa darüber, welche Freizeitbeschäftigungen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam haben oder was sie glücklich mache. Es folgte eine grundsätzliche Erarbeitung des Kompetenzbegriffes vor dem Hintergrund interkulturellen Lernens, deren Ergebnisse in Form von Rollenspielen präsentiert wurden.

Ein methodisch komplexes und inhaltlich sehr gehaltvolles Gruppen-Puzzle zu den Vor- und Nachteilen des kooperativen Lernens sowie zu den Vorurteilen beziehungsweise Bedenken gegenüber derartigen schülerorientierten Lernformen bildeten einen weiteren Schwerpunkt der Auseinandersetzung. Weiterhin stand das konkrete nähere Kennenlernen variantenreicher, kooperativer Lernmethoden im Mittelpunkt der Fortbildung. In Form eines so genannten Speed-Dating, bei dem verschiedene kooperative Lernmethoden in kooperativer Art und Weise vorgestellt wurden, entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene kleine Unterrichtseinheiten zu ihren eigenen Fächern, wobei insbesondere von heterogenen Lerngruppen ausgegangen werden sollte.

Hierbei stellte sich immer wieder heraus, dass die erfolgreiche Umsetzung der Idee des kooperativen Lernens eine gewissenhafte Vorbereitung sowohl in Bezug auf die methodische Vorgehensweise als auch auf die Gestaltung des Klassenraumes erfordert. Die Umsetzung erfordert zudem stets eine schülerorientierte Vorgehensweise, wozu auch gehört, dass die Schülerinnen und Schüler immer wissen, was sie tun und warum sie dies tun.

Die Frage, wie eine gerechte und zielorientierte Leistungsmessung im Zusammenhang mit kooperativem Lernen gewährleistet werden kann, wurde durch die Gegenüberstellung der Idee der Leistungsmessung des Lernens und der Idee der Leistungsmessung für das Lernen angegangen. In kooperativen Lernformen steht dabei immer das lebenslange Lernen im Mittelpunkt. Nicht die quittierende Art der Leistungsbeurteilung mit selektiven Charakter wird als wichtig erachtet, sondern die den Lernprozess begleitende und reflektierende Rückkopplung für die Schülerinnen und Schüler, die durch Noten und Leistungsbewertung Anhaltspunkte und Orientierung für den eigenen Lernprozess erhalten sollen. In kooperativen Lernformen stellt Leistungsmessung einen integrativen Bestandteil des selbst reflektierenden Lernprozesses dar, der den Schülerinnen und Schülern zukunftsorientiert den Weg aufweisen soll.

Die Bewusstmachung möglicher unterschiedlicher Lernvoraussetzungen und die sich aus ihnen ergebenden Konsequenzen bildeten die Ausgangslage für die weitere Auseinandersetzung mit einer besonderen Form des kooperativen Lernens: CLIM, kooperatives Lernen in multinationalen Gruppen (Cooperative Learning In Multinational groups). Aufgeteilt in Gruppen bereiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien zum Thema Nachhaltigkeit einen Werbespot, einen Song, ein Rollenspiel, einen Vortrag u. ä. vor. In der Reflexionsphase wurden Vor- und Nachteile dieser Form kooperativen Lernens unter Berücksichtigung von Lerngruppen mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen herausgestellt. Durch ein ausgeklügeltes Rotationsverfahren wird sichergestellt, dass sich Schülerinnen und Schüler mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten, wie zum Beispiel in musikalischen, theatralischen, naturwissenschaftlichen, mathematischen oder anderen Bereichen, je nach ihrem Können einbringen können. Weiterhin wurde eine interessante und sehr umfangreiche kooperative Lerneinheit mit einer Schwerpunktlegung auf interdisziplinäre Inhalte erarbeitet, präsentiert und reflektiert. Hierbei wurde bin besonderem Maß deutlich, wie die im Kurs vorgestellten Ideen in vielen Fächern in den Ursprungsländern der Teilnehmerinnen und Teilnehmer umgesetzt werden können.

Für die weitere Sicherung der Erkenntnisse dieser Fortbildung in den jeweiligen Schulen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde eine Präsentation erarbeitet und vorgestellt, so dass alle mit eindrucksvollen und umsetzbaren, praxisorientierten Ideen nach Hause fahren konnten. Eine interessante Evaluation schloss die intensive und anregende Fortbildung ab.