Stille

Im April 2021 sind die Teilnehmer des WPU Jg.10 am heimischen Schreibtisch kreativ geworden: Entstanden sind Poetry Slams, Gedichte, Kurzgeschichten und tiefgründige Texte zum Thema „Stille“:

Tunnelblick
von Emily M.

Schon seit gefühlten Stunden laufe ich den immer gleichen Weg entlang. Um mich herum nur Glas, das mich von der Außenwelt abschirmt. Dahinter geht das Leben weiter. Alle scheinen Spaß zu haben, während ich hier eingesperrt bin.

Ich möchte mich auf den Boden setzen und sehnsüchtig den Kindern draußen beim Spielen zusehen, in der Hoffnung, dass ich mich , wie durch Zauberhand, neben ihnen wiederfinde. Stattdessen gehe ich weiter.

Langsam verliere ich die Hoffnung, irgendwann aus dieser Glasröhre herauszukommen. Es scheint, als würde mein Leben für immer so trist und einsam weitergehen. Aber ich darf die Hoffnung nicht aufgeben! Irgendwann werde ich diesem gläsernen Tunnel verlassen und endlich wieder richtig leben können. Ich muss nur weiterlaufen.

Es fühlt sich an, als würde mein Leben aus nichts anderem mehr als diesem eintönigen Tunnel bestehen. Ereignislos laufe ich seit Stunden in dieselbe Richtung, ohne auch nur auf eine Menschenseele zu treffen. Doch plötzlich erkenne ich eine Tür in der Ferne. Je näher ich an sie herankomme, desto mehr Details erkenne ich.

Der Türrahmen ist aus schwerem Holz, welches wie ein weiteres Hindernis in der Gegend herumsteht, während die goldene Klinke in der Ferne glänzt, als würde sie nur darauf warten, geöffnet zu werden.

Mit viel Mühe schiebe ich die Tür auf und kann meinen Augen kaum trauen, als ich sehe, was dahinter ist.

Überall laufen Menschen herum – vollbepackt mit Einkaufstüten, lachend und sich ausgelassen amüsierend. Es scheint fast, als sei das Vergangene nur ein schrecklicher Alptraum gewesen…

Die falsche Selbstwahrnehmung der Stille

Gespräch/ Theaterstück von Theresa M.

Personen: Stille, Mensch

Mensch sitzt allein im Wald auf einer Sitzbank. Kein Geräusch ist zu hören.

Die Stille schleicht sich an und bleibt direkt hinter dem Menschen stehen. Mensch zuckt zusammen und erschaudert.

Stille: Hast du mich etwa gehört? Ich war doch still… Ist verwirrt.

Mensch: Natürlich habe ich dich gehört, warum sollte ich nicht? Du warst erschreckend laut.

Stille, versteht nicht: Wie kannst du mich denn hören, ich bin die Stille. Ich mache keine Geräusche!

Mensch: Naja, du hast schon recht: meistens höre ich wirklich nichts, wenn du um mich herum bist. Aber andere Male ist deine Anwesenheit nicht zu überhören.

Stille blickt den Menschen an, das Gesicht vor Befremden in Falten gelegt.

Stille: Worauf willst du hinaus? Wenn ich da bin, gibt es keine Geräusche…

Mensch: Ich hab´ es dir gesagt; du bist nur manchmal laut. Das kommt aber darauf an, wer dich begleitet.

Stille: Du verwirrst mich. Ich komme immer alleine. Warum sollte mich wer begleiten, ich bin doch an niemanden gebunden!  Stille zieht die Augenbrauen zusammen und spannt den Kiefer.

Mensch, jetzt auch verwirrt: Warte… du wusstest nicht, dass du nie alleine kommst? Du hast eine komplett falsche Wahrnehmung deines Selbst!

Stille und Mensch sehen sich in die Augen; die angespannte Stimmung löst sich. Stille guckt, als wäre ihr ein Licht aufgegangen.

Mensch: Was dachtest du denn von dir? Wie nimmst du dich wahr?

Stille: Ich dachte immer, ich wäre leise und meine Anwesenheit würde jedes Geräusch auslöschen. Außerdem war mich nicht bewusst, dass ich von anderen abhängig bin. Ich bin davon ausgegangen, dass man mich gerne um sich hat, weil ich ein befreiender Zustand bin. Leichtigkeit. Schaut zu Boden, leise: Aber so ist es wohl nicht, ich hab gemerkt, dass es dir unheimlich war, als ich hinter dir stand.

Mensch: Erst einmal, du kannst so dröhnen, dass man lieber Geräusche um sich hat, als dich. Das hat aber nichts mit dir zu tun, sondern mit deinem Begleiter. Vorhin warst du mit dem Unbehagen zusammen. Ich hab es vorher schon wahrgenommen, weil ich hier alleine war. Dann seid ihr gekommen und du hast dich hier ausgebreitet; der Schauer hat sich dann durch das Unbehagen verstärkt.

Stille: Also bin ich nicht wirklich erwünscht, wenn mein Begleiter ein negatives Gefühl ist? Und was ist, wenn ich einen netten Begleiter habe… Stille grübelt.

Mensch: Wenn dein Begleiter etwas Negatives ausstrahlt, habe ich das Gefühl, dass du so laut bist, dass ich dich kaum ertragen kann, dann sind Geräusche angenehmer. Aber wenn du beispielsweise von der Beruhigung begleitet wirst, ist dein Wesen unglaublich angenehm. Und dann gibst du auch keine Geräusche von dir.

Stille: Kann ich denn meine Begleiter beeinflussen? Ich will anderen kein unheimliches Gefühl geben!

Stille schaut Mensch mit großen Augen an. Mensch wird nachdenklich.

Mensch: >Pause< Nein, ich denke, das kannst du nicht. Tut mir leid… Dein Begleiter hängt von einem Gefühl ab, dass der Mensch, den du umgeben willst, schon vorher hat. Der Begleiter ist ein Verstärker des Gefühls und gibt dann Ausschlag, wie du wahrgenommen wirst.

Stille, seufzt und atmet tief aus: Oh, das hätte ich nicht erwartet. Trotzdem ergibt es irgendwie so viel Sinn… Aber sag doch mal, warum du erschaudert bist; bringe ich keine Leichtigkeit?

Mensch errötet etwas.

Mensch: Also das ist wie mit deiner Lautstärke. Betont das Wort Lautstärke, zieht den Satz in die Länge. Du bist manchmal sehr leicht, andere Male bist du schwer, sogar erdrückend.

Stille: Was?! Ich bin erdrückend, also kann ich jemanden verletzen?

Stille kann sich nicht an ihre eigentliche Erscheinung gewöhnen.

Mensch: Es hängt auch hier von deinem Begleiter ab, welche Last du trägst. Vorhin habe ich ja schon Unbehagen gefühlt und du warst ziemlich laut. Man könnte sagen, je lauter du bist, desto erdrückender wirst du.

Stille: Fällt dir ein Beispiel ein, eine Extrem-Situation? Ich will das jetzt alles verstehen.

Stille wirkt entschlossen.

Mensch, fasst sich an die Stirn: Als du gestern bei mir warst, hat dich die Verzweiflung begleitet. Mir ging es schon vorher nicht so gut, weil ich überfordert war. Ich war gestern auch alleine und kurz bevor ihr euch breit gemacht habt, waren die Geräusche sehr leise. Du warst unglaublich laut, hast schon geschrien und mich erdrückt. Die Verzweiflung hat das alles verstärkt. Ich wollte irgendein anderes Geräusch hören, damit du deine Last von mir nimmst.

Stille: Okay, ich bin etwas erschrocken… Ich wollte dich sicher nicht erdrücken. Also werde ich beeinflusst und bin nur erdrückend, wenn es dir schon schlecht geht?

Mensch: Genau, du hast es verstanden. Ich war einsam und mir ging es schlecht. Weil du schon nahe warst, musste ich mich mit meinen Gedanken beschäftigen und durch dich wurde das alles zu viel. Am schlimmsten bist du mit der Einsamkeit, dann hält man dich kaum aus.

Stille starrt Mensch an, den Kopf eingezogen. Mensch blickt ermunternd zurück.

Mensch: Mach dir keine Sorgen, wie du jetzt wissen solltest, liegt es nicht an dir. Ich mag dich als Zustand trotzdem. Mensch lächelt.

Stille: Gut, da bin ich beruhigt. Danke, dass du mir erklärt hast, wie ich wirklich bin…

Mensch: Ich fand es sehr spannend, deine eigene Wahrnehmung kennenzulernen.

Stille: Ich werde jetzt wieder gehen, wenn wir uns wieder sehen, hoffe ich, einen netten Begleiter mitbringen zu können. Stille schmunzelt.

Stille löst sich aus der Umgebung und die Geräusche kehren zurück. Stille winkt dem Menschen zu und dreht sich, um zu verschwinden.

Mensch will ihr zuwinken, merkt dann aber, dass die Geräusche wieder verschwinden. Die Stille kommt wieder zurück und breitet sich leicht aus.

Stille: Ich wollte dich nur fragen, wie du mich jetzt wahrgenommen hast, mein letzter Eindruck sollte positiv sein.

Beide lachen.

Mensch: Jetzt erscheinst du freundlich, ich glaube deine Begleiter haben sich abgelöst. Und du bist kaum zu hören.

Stille ist zufrieden. Mensch will sich noch verabschieden, aber Stille ist schon davon gerauscht. Geräusche werden lauter, wie ein Radio, dass langsam aufgedreht wird…

Stille
von Isabella H.

Von überfüllten Klassenräumen mit Gelächter, Gegröle und Genörgel-
von Nachmittagen in der Stadt mit Freunden, geprägt von glücklichen Momenten und dem ununterbrochenen Lärm des Verkehrs-
hin zu dem sanften Brummen, welches der Laptop nach mehreren Stunden des Nutzens allmählich von sich gibt-
hin zu der Stille.

Die Stille schreit durch unser Leben.                                                                                    Unüberhörbar.
Die Außenwelt wird leiser, die Stimmen in meinem Kopf lauter.

Jeder Tag zieht sich hin wie hundert Jahre, jeden Tag.
It’s the same every day.
Sie ist so unüberhörbar leise, doch warum haben wir sie zuvor noch nie so wahrgenommen?

Die Stille schreit also weiterhin durch unser Leben.
Unüberhörbar. Und unvorhersehbar.
Die Außenwelt bleibt leise.

Meine Gedanken zur Stille
von Simon H.

Stille ist, wenn alles leise ist, nicht nur die Menschen um einen herum sowie man selbst müssen schweigen, um Stille zu erreichen, sondern auch die Natur muss ihren Teil leisten, denn erst wenn kein Vogel mehr singt und kein Wind mehr weht existiert wahre Stille.
Diese Stille kann sowohl positiv als auch negativ gesehen werden, je nach Situation. Wenn man z.B. gerade nachdenken will, kann die Stille sehr hilfreich sein um seine Gedanken zu ordnen und so zu besseren Ergebnissen zu kommen. Aber die meiste Zeit versuchen die Menschen Stille zu vermeiden, denn wenn man nichts hört, kann man sich auch schwerer ablenken und ist somit mit seinen Gedanken in gewisser Weise alleine gelassen. Und genau deshalb versuchen wir durch z.B. Musik Stille zu vermeiden. Aber dieses Vermeiden von Stille geht noch viel weiter als nur diese offensichtlichen Dinge wie Musik. Denn fast alles um uns herum ist darauf ausgelegt, Geräusche zu machen, ob es jetzt Türen, Staubsauger oder die Tasten einer Tastatur sind, fast überall wird krampfhaft versucht Stille zu vermeiden. Man könnte am Ende sogar fast von einer Art Angst vor Stille sprechen. Das hört sich verrückt an, aber bei Experimenten, bei denen Menschen in besonders stillen Räumen „eingesperrt“ wurden, kam am Ende fast immer das gleiche Ergebnis raus: Die Menschen wurden auf irgendeine Weise verrückt und drehten durch.

Stille, der Zeitgeist meiner Generation
von Robin Z.

Stille, eine Sache die mir in letzter Zeit oft durch den Kopf geht. Nicht der Begriff an sich, einfach pure Stille. Ich denke, da bin ich nicht der einzige, vielen aus meiner Generation geht diese ungewohnte Stille auch durch den Kopf. Diese Stille spielt oft mit der momentan starken Einsamkeit zusammen. Ohne die Stille, keine Einsamkeit. Ohne die Einsamkeit, keine Stille. Und viele erdrückt diese Stille der Einsamkeit, denn vor allem jetzt verfallen viele Jugendliche in große Trauer, Depressionen oder andere psychische Krankheiten. Und wer hilft dieser großen Anzahl an Menschen, die unter der Pandemie, nicht finanziell oder wirtschaftlich leiden, sondern die durch jeden Tag Lockdown immer mehr in ihrer Einsamkeit und in der Stille versinken und nicht mehr herauskommen? Oft werden im Zusammenhang mit der Corona Pandemie nur Wirtschaftliche Folgen aufgezählt, dabei wird die psychische Gesundheit, vor allem die der Jugendlichen, meistens ausgeklammert. Am liebsten bekommt man noch ins Gesicht gedrückt, wie faul unsere Generation doch sei. Auch auf die psychische Gesundheit, vor allem in diesen stillen Zeiten, soll geachtet werden und die Probleme der jungen Gesellschaft sollen ernst genommen werden. Denn euer Kind ist nicht faul oder macht das für Aufmerksamkeit, es fühlt sich einfach einsam, von Politik und Gesellschaft alleingelassen.

Diese Einsamkeit, diese Stille, man muss sie brechen, sucht euch Alternativen mit Freunden zu reden, entspannt euch bei Musik und sich einmal auszuheulen, sei es bei Eltern, Freunden, Lehrern oder professionellen Personen wie Psychiatern, ist kein Zeichen der Schwäche, sondern mehr ein Zeichen der Stärke. Ein so zerreißendes Lebensgefühl wie Einsamkeit und Stille sollte nicht der Zeitgeist einer ganzen Generation sein.

Denn selbst wenn du dich von alles und jedem allein gelassen fühlst, brauchst du nicht in Stille leben, denn du bist nicht der Einzige, der so fühlt.

Poetry Slam (Stille)
von Benjamin K.

Die Welt da draußen verändert mich,

deshalb gebe ich den Wörtern jetzt ihr Eigenleben

Ich schaue jetzt dem Tod in die Augen doch dabei zeig‘ ich keine Träne

Ich weiß genau, unser Benehmen ist oft keine Heldentat

Meine Seele füllt den Raum und steigert jetzt den Kältegrad

Für mich ist das ganze Leben oft zu schrill

Und dann schrieb ich diesen Text und meine Welt stand still

Mir wurd‘ bewusst erst in der Dunkelheit kann man diese Lichter sehen

Hab‘ so viele Narben an den Händen – ich kann sie nicht mehr zählen

Mir wurd‘ klar im Leben kann es nicht immer nur bergauf gehen

Irgendwann trifft man Entscheidungen und lässt die Dinge ihren Lauf nehmen

Für mich ist das ganze Leben so schrill

Und dann schrieb ich diesen Text und meine Welt stand still

Schau‘, die Welt ist echt zerbrechlich

Ich mal nicht nur ein schlimmes Bild

Was ist, wenn plötzlich dann ein Virus kommt und killt?

Damals waren wir Brüder und heute seid ihr meine Gegner

Bist du dir selbst treu wirst du für die andren zum Verräter

Doch alle diese Leute bekommen mal Besuch von ihrem Karma

Ihr werdet es sehen – spätestens am Yaum al-Qiyama

Würdet ihr meine Wahrheit kennen würdet ihr alle 1000 Tränen weinen

Aber mir ist es lieber ich geh‘ diesen Weg allein

Für mich ist das ganze Leben oft zu schrill

Und dann schrieb ich diesen Text und meine Welt stand still

Hier gibt es Hass, Hass der Leute und Nationen

Doch unter der Sonne sind wir alle gerade gleich

Knarre an die Schläfe auf der Stirn, bleibt nur der kalte Schweiß

Lügen bedeuten nichts und Feinde sind mir egal

Heute weiß ich: Applaus ist nur Lärm, der irgendwann verhallt

Das hier sind die ehrlichsten Zeilen die ich je schrieb

Willst du Frieden, ja dann rüste für den Krieg

Einsame Stille
von Oliwia B.

Stell dir vor du bist allein.

Du willst schreien aber dein Mund bleibt geschlossen.

Deine Worte sind geheim.

Und fest verschlossen.

Du hörst dein Herz schneller schlagen als es soll.

Deine Gedanken werden milder.

Reden ist Silber.

Doch Schweigen ist Gold.

Wenn dein Lachen nicht mal mehr ehrlich klingt.

Und dein Gesicht die Sonne nicht mehr zum Strahlen bringt.

Wenn die Freude erlischt.

Und dein Dasein nicht mehr die Welt erfrischt.

Silence is your best Friend
Eine Kurzgeschichte von Niklas W.

„Derek, denkst du wirklich, das ist eine gute Idee?“ „Ja klar und jetzt stell dich nicht so an und gib mir den Bolzenschneider.“ „Hier… aber was ist, wenn der Alte uns bemerkt?“ „Alter! Als ob du immer noch glaubst, dass in dem Haus jemand lebt. Das sind doch nur Geschichten, um die Leute fernzuhalten, damit da nichts gestohlen wird.“ „Ja aber trotzdem, was ist falls…. ach egal.“ Das ist wieder so typisch Derek. Man labert aus Spaß über dieses Haus und zack, werde ich gezwungen ihn zu begleiten, weil das ja eine ach so wichtige Mutprobe sei, um unsere Freundschaft zu beweisen. Pff Spinner. Wir sind jetzt schon seit mehr als vier Jahren befreundet, als ob das auf einmal endet, nur weil ich bei so einer dummen Mutprobe nicht mitmache. „Hey! Hallo!“ Derek reißt mich aus meinen Gedanken. „Jo? Was ist? Mark, wo warst du schon wieder mit deinem Kopf? Jetzt komm mit!“ Er zeigt auf das Loch, das er in den Zaun geschnitten hat. „Ja, Ja. Sorry“ Ich steige durch das Loch und sehe das Haus vor mir. Beeindruckend ist der Anblick jetzt nicht. Ein normales Wohnhaus, nur der Turm an der einen Seite sieht ein bisschen so aus, als ob der schon viel früher hier stand. Komisch…aber gerade uninteressant. Ich schaue mich nach Derek um. „Wo ist der Typ den jetzt schon wieder hin? Ah, dahinten beim Fenster. „Mark Junge! Beeil dich mal! Wir habe nicht die ganze Nacht Zeit.“ „Ja bleib ruhig man. Und schrei nicht, sonst hört uns noch jemand.“ „Wer denn? Sieh es doch ein hier ist niemand außer uns.“ Und mit diesen Worten klettert Derek durchs Fenster. Ich folge ihm. Als wir drinnen, sind schauen wir uns um und staunen nicht schlecht. Überall an der Wand hängen Bilder aus der Kriegszeit und in Vitrinen liegen irgendwelche Pistolen. „Das ist schon gruselig hier, oder? Derek?“ Ich boxe ihn in die Schulter, er erschrickt, wendet sich um und schaut mich an. „Junge mach das nie wieder“, zischt er mir zu. „Bleib locker“, sage ich mit einem Lächeln: „Lass uns weiter gucken was es hier noch gibt.“ Ich schleiche den Flur entlang und Derek folgt mir leise. Es ist ziemlich dunkel im Haus und wir kommen nur langsam voran. Als wir am Ende vom Flur angekommen sind, dreh ich mich um. Können wir jetzt wieder zurück? Das reicht doch als Mutprobe.“ Derek lächelt nur herausfordernd. „Hast du etwa Angst? Nein, ich…“ Auf einmal geht das Licht an und eine männliche Stimme von oben ruft: „Wer ist da in meinem Haus?“ Ich dreh mich rasant um und schau Derek in die weit aufgerissenen Augen. Er flüstert leise: „Fuck! Wir müssen weg hier!“ Er deutet den Flur entlang zu dem Fenster, durch das wir gekommen sind. Wir drehen uns um und schleichen zurück, doch auf einmal kommt jemand die Treppe runter. „Ich weiß, dass ihr im Flur seid. Ihr denkt wohl, nur weil ich schlecht sehe, könnt ihr mich ausrauben.“ Nun steht er am unteren Ende der Treppe. Jetzt sehe ich ihn deutlich. Es ist ein älterer Mann, graue Haare, er läuft gebückt, aber unter dem Nachthemd zeichnen sich Muskeln ab. Früher war er wohl ein sehr muskulöser Mann. Er schaut sich um oder tut wohl so, jedenfalls sieht er Derek und mich nicht. Anscheinend ist der Alte blind. Ich schaue zu Derek und lächle: „Der Verrückte ist blind. Der ist keine Gefahr.“ Doch als ich mich wieder umdrehe starrt er mir direkt in die Augen. Sein Blick, obwohl es matte Augen sind, ist furchterregend. Während ich ihn noch mustere, stürmt der Alte plötzlich auf mich los. Im letzten Moment werfe ich mich zur Seite und entgehe knapp seiner Faust, die nur die Wand trifft. „Dreckiges Diebesgesindel, euch werde ich noch zeigen, was es heißt, bei mir einzubrechen!“ Derek zeigt auf eine Tür und signalisiert mir ihm zu folgen. Der Alte steht im Flur und horcht ganz genau, trotzdem schaffen wir es in das Zimmer und ich schlage die Tür hinter uns zu. Von draußen hört man nur ein wütendes Geschrei und schlurfende Schritte, die langsam leiser werden. Als wir gar nichts mehr hören, packe ich Derek am Kragen: „Was war das!? Oh, hier lebt ja niemand mehr. Das sind alles nur Geschichten, bla…bla…bla.“ „Bleib ruhig und lass mich los.“ Ich lockere meinen Griff und Derek zieht meinen Arm weg. „Ich hab selbst keine Ahnung, wer der Typ ist. Ich dachte ehrlich hier ist niemand mehr. Aber hör mir jetzt zu. Du hast ja gemerkt, der Alte ist blind wie ne Fledermaus.“ „Ja das weiß ich, aber dafür hört der besser als wir beide zusammen.“ „Ja genau deswegen müssen wir uns gleich hier rausschleichen.“ „Warum denn? Wir können doch einfach bis morgen früh oder so warten. Der Typ muss doch irgendwann auch mal raus.“ „Junge, alle dachten hier in dem Haus wohnt niemand, der hat bestimmt einen Bunker, wo er alles lagert oder so, oder der ruft die Polizei. Dann sind wir am Arsch.“ „Genau! Deswegen schleichen wir uns hier gleich raus. Und denk dran: absolute Stille. Keinen Mucks.“ „Ja, Ja ok.“ Derek schleicht zurück und lauscht an der Tür. Kurzes Zeichen, Daumen hoch und ich schleiche ihm hinterher. Er lauscht noch einmal kurz und öffnet dann die Tür. Wir schauen auf den Flur. Die Luft ist rein, kein alter verrückter Typ in Sicht. Wir pirschen uns an der Wand entlang Richtung Fenster. Derek vorne, ich hinter ihm. Ich sehe ihn schon vor mir, den rettenden Ausgang. Draußen sieht man einen Zipfel der Sonne. Es ist bald Morgen. Wir sind fast am Fenster, als wir auf einmal einen Knall hinter uns hören. Wir drehen uns ruckartig um und sehen wieder direkt in die matten Augen. Der Verrückte lächelt nur und lädt sein Waffe nach. Er hat eine Waffe! Derek starrt mich mit riesigen Augen an. Ich fange an zu schwitzen. Scheiße, der ist noch verrückter als wir dachten. Derek sprintet los zum Fenster, ich hinterher. Ich höre einen Knall und knapp neben meinem Kopf verschönern ein paar Schrotkugeln die Wand. Derek ist schon beim Fenster und klettert raus. „Komm, beeil dich“.: schreit er mir zu. Ich renne um mein Leben und erreiche das Fenster. Ein letztes Mal schaue ich zurück. Der Alte hat sein Gewehr nachgeladen und zielt. Derek zieht mich durchs Fenster nach draußen. Keine Sekunde zu spät. Ich höre die Kugeln hinter mir in die Wand schießen. Er zieht mich zurück auf die Beine. Wir beide rennen los. Wohin, egal. Einfach weg von diesem Haus. Hinter uns hören wir wütendes Geschreie-sonst nichts. Wir laufen einfach weiter. Schnell sind wir beim Maschendrahtzaun. Derek zwängt sich als erster durch. Dahinter hören wir auf zu rennen. Hier sind wir sicher. Derek ist der erste, der nach einer langen Verschnaufpause etwas sagt. „Das war unglaublich.“ Ich schaue ihm tief in die Augen: „Das machen wir nie wieder! Verstanden? Nie wieder!“ „Ja. Tut mir leid. Ich dachte, dass da niemand mehr leben würden. Lass uns die Sache einfach vergessen und nach Hause gehen.“ „Ja ok“, stimme ich ihm zu. Aber auf einmal strauchle ich und falle hin…und wache in meinem Bett auf. War das alles nur ein Traum? Ich schau mich um. Alles normal. Ich gucke auf die Uhr. 3.48 Uhr. Es war also alles nur ein Traum. Ein Glück. Ich sinke zurück in mein Bett und versuche wieder zu schlafen. Um mich herum nur die absolute Stille. Keine Geräusche, nur Stille.

Auf einmal nicht mehr normal
von Lena R.

Ich saß mal wieder auf meinem Spielteppich und fuhr ein Auto nach dem anderen über die Straßen und dachte nach. In letzter Zeit war alles anders, so ungewohnt. Mama saß neben mir in einer Besprechung von der Arbeit aus, die über den Laptop stattfand. Sie musste seit Ewigkeiten nicht mehr zur Arbeit fahren, sondern arbeitet gemütlich vom Sofa aus, und trotzdem kommt es mir so vor, als wäre sie nicht glücklich damit. Ich wiederrum finde das echt gut, da ich dann den ganzen Tag mit ihr zusammen zuhause sein kann und nicht in die Kita muss. Obwohl mir meine Kumpels schon ein wenig fehlen. Hin und wieder kommen Paul oder Thomas zum Spielen vorbei, aber irgendwie ist das was anderes als mit allen zusammen in der Kita. Und dort passiert auch viel mehr und man hat viel mehr Spaß als allein zu Hause. „Sag mal Mama, wann fängt eigentlich wieder die Kita an?“ In einer gewissen Weise interessierte es mich ja schon, auch wenn ich gut zuhause klarkomme. „Das weiß ich nicht mein Engel, du musst dich gedulden.“ War klar, das sagt sie seit fast einem Jahr. „Aber das hast du letztens erst gesagt, und jetzt schon wieder?“ Meine Mutter überlegte einen kleinen Moment, dann sagte sie: „Das stimmt, aber ich weiß nicht, wann es wieder so weit ist. Ich weiß auch noch nicht, wann ich wieder in die Arbeit gehe. Wann dein nächstes Fußballtraining ist, weiß ich auch noch nicht. Niemand weiß, wann es wieder normal wird.“ „Aber was ist denn „normal“, und wieso ist es nicht normal?“ fragte ich sie. „Es kann doch nicht sein, dass irgendjemand beschlossen hat, dass das Leben nicht mehr „normal“ ist.“ „Naja, irgendwie schon. Es ist alles etwas kompliziert, ich denke, du bist noch nicht so weit, um es zu verstehen.“ Ich stand auf und stellte mich direkt vor meine Mutter. „Jetzt pass mal auf, ich bin schon 5 Jahre alt und definitiv klug genug, um zu verstehen was so kompliziert zu erklären ist.“ Sie musste etwas lachen, wurde dann aber schnell wieder ernst. „Ist ja gut, ich habe verstanden. Nur ist es nicht so einfach erklärt, wie du denkst. Diese Zeit ist wirklich nicht einfach für alle und viele müssen ihre Bedürfnisse zurückstecken, damit andere und auch du selbst gesund bleiben.“ „Aber wieso muss ich dann zu Hause bleiben und darf nicht in die Kita, nur weil andere krank werden?“ „Nun ja, stell dir vor du gehst in die Kita und danach fahren wir zum Mittagessen zu Oma, die den ganzen Tag zuhause war, und sie wird krank, weil du in der Kita spielen warst.“ Ich guckte sie mit großen Augen an. „Ist das wirklich so?“ Sie antwortete mir: „Ja, das ist das Traurige daran. Und es geht ganz schnell. Deswegen müssen wir alle zuhause bleiben, damit Oma und jeder andere gesund bleiben. Und dafür gibt es besondere Regeln, damit du dir darum bald keine Sorgen mehr machen musst. Nur weiß leider keiner, wann es besser wird und viele leiden darunter.“ Jetzt verstand ich es. „Deswegen ist auch alles plötzlich so ruhig, weil nichts mehr passiert, weil alle zuhause und traurig sind.“ „Ja genau, so in etwa. Das Leben wurde ganz still und man unternimmt nichts mehr, was für manche sehr komisch ist. Ich weiß zum Beispiel jetzt schon, dass morgen ein ganz langweiliger Tag wird und ich am liebsten gar nicht aufstehen mag. Für dich ist es auch ganz „still“ und langweilig geworden, oder etwa nicht?“ Natürlich ist es das. Es sind jeden Tag die gleichen Autos, die den gleichen Spielteppich rauf und runter fahren, und immer dieselbe Mama, die neben einem sitzt. Im ersten Moment fällt einem das gar nicht auf, aber bei genauem Überlegen wirkt es ziemlich öde und „still“, weil es keine neuen Abenteuer gibt und immer dasselbe passiert. Das machte mich auf ein Mal traurig. „Hey, Großer.“ Ich schaute auf zu meiner Mutter. „Ich bin mir ganz sicher, dass diese langweiligen Tage irgendwann wieder ganz spannend werden, wenn man jetzt ganz zuversichtlich und nicht traurig ist. Außerdem habe ich dich, der mich doch ziemlich auf Trapp hält und für unerwartete Dinge sorgt.“ Sie lächelte mich an, und ich zurück. „Du hast Recht, und das endet auch nicht so schnell!“

Stille – Ein Poetry Slam von Lara N.

 

Stille.

Was ist Stille?

Ist Stille der Tod?

Ist Stille der Frieden?

Ist Stille die Einsamkeit?

Ist Stille überhaupt etwas?

Etwas wie ein Geräusch?

Eigentlich ist Stille eher wie… ein Nichts.

Aber was ist Stille eigentlich?

Stille ist ein Nichts.

Auf irgendeine Art und Weise.

Stille ist die Leere in unserem Kopf.

Die Leere in unserem Herz

In unseren Gedanken.

Stille ist die Trauer um geliebte Menschen.

Stille ist die Einsamkeit, die wir empfinden.

Egal wo, egal wann.

Sogar in einer Menschenmenge können wir einsam sein

Wir Menschen können überall einsam sein.

Vielleicht sogar ganz besonders die Jugendlichen, wo wir uns doch immer so unverstanden fühlen.

Aber vielleicht sind wir das ja auch.

Unverstanden von allen.

Einsam.

Und dann ist da diese Stille.

In unserem Kopf.

Und alles um uns herum dreht sich weiter, nur wir bleiben stehen.

Wenn alle uns erzählen, wie wir unsere Hausaufgaben zu machen haben, wie wir unsere Zeit einteilen sollen und dass wir unbedingt mal wieder frische Luft schnappen sollten.

„So schwer kann das doch nicht sein.“

Und die Politiker zerreißen sich die Mäuler über die Jugend und Kinder obwohl sie keine Ahnung davon haben.

Vielleicht sollten die auch einfach mal still sein.

Stille ist Nichts und gleichzeitig ist sie doch Etwas.

Manchmal ist sie Nichts.

Und dann wiederum ist sie das Dröhnen in unserem Kopf

Wenn die Stille plötzlich zu laut wird und man sie überall findet.

Und vielleicht drehen wir deshalb die Musik ganz laut.

Vielleicht lassen wir deswegen den Fernseher beim Schlafen an.

Vielleicht läuft das Radio in der Küche deswegen den ganzen Tag.

Um der Stille zu entkommen.

Um unseren stillen Gedanken zu entkommen.

Um uns treiben zu lassen

Auf einer Welle von Musik

Einer Welle von Tönen, Lauten

Um die Einsamkeit für einen Moment zu vergessen und die Stille zu vertreiben.

Für einen Moment voller Laute, auch wenn wir alleine sind.

Stille.

War sie erst ein Nichts

Bis sie alles wurde.

Skript- Kurzfilm: Stille
von Katja W.

Erzähler: „Nun zu Corona Zeiten sieht alles anders aus. Auch der Unterricht ist nun digitaler geworden. Die Lehrer führen nun Unterricht mit sich selbst. Während die Schüler versuchen die Stille zu genießen.“

Lehrer: „Guten Morgen Liebe Schülerinnen und Schüler.“

Keiner antwortet.

Lehrer: „Na gut. Dann fangen wir eben an. Also im Jahr 1920…“

Schüler 1 liegt im Bett und schläft. Dabei klappt er den Laptop runter.

Schüler 2 sitzt vorm Laptop und ist am Handy.

Währenddessen in der WhatsApp Klassengruppe:

Schüler 2: „Passt jemand auf?“

Alle antworten mit „Nö“

Sie fragen: „Wo ist Schüler 1?“

Ein anderer Schüler antwortet: „Der pennt save noch.“

Lehrer: „…und so endete alles. Wo ist eigentlich Schüler 3?“

Schüler 4: „Seine Internetverbindung ist schlecht.“

Schüler 3 spielt an seiner ps4.

Schüler 5 loggt sich ein.

Lehrer: „Warum bist du so spät?“

Rückblick von Schüler 5, der verschlafen hat?

Schüler 5: „Ich habe den Bus verpasst.“

Lehrer: „Aber du… ach vergiss es, Hauptsache du bist da. Nun gut. Gibt es noch irgendwelche fragen?“

Niemand antwortet.

Lehrer: „Ok. Mag denn jemand seine oder ihre Hausaufgaben vorlesen?“

Niemand antwortet.

Lehrer: „Dann nehme ich selbst jemanden dran.“

Alle haben Angst, drangenommen zu werden.

Lehrer: „Schüler 2, lies du deine Hausaufgabe vor!“

Schüler 2: „Ich habe sie zu Haus vergessen.“

Lehrer *guckt verwirrt*: „Aber du…ach egal ich gebe es auf. Dann sehen wir uns nächstes Mal. Tschüss!“

Alle: „Tschüss“

Schüler eins schläft.

Erzähler: „Und wenn Schüler 1 nicht gestorben ist, so schläft er noch heute.“

Stille
von Jannis B.

Stille. Ein kleines Wort mit großer Auswirkung. Kaum zu glauben, dass wir dieses Gut im Jahre 2021 nicht mehr haben wollen. Wie sehr sehnen wir uns danach, diesen Trubel wieder zu haben. Einfach raus aus der Stille und rein in das Laute. Doch dies ist ein Wunsch, der sich nicht leicht erfüllen lässt. Nie hätten wir uns vorstellen können, einmal die Schule zu vermissen oder die kleinen Kinder, die voller Freude laut auf der Straße oder auf dem Spielplatz spielen.
Im Jahr 2019 war die Stille ein heiliges Gut für uns, denn irgendwann hatten wir genug von dem Lärm aus der Schule oder von zu Hause. Wir wollten raus in den Urlaub und einfach abschalten und die Ruhe genießen. Durch die Corona-Pandemie wurde uns erst bewusst, wie schön es doch war, sich frei zu bewegen zu können und selber bestimmen zu können ob wir gerade Ruhe oder Trubel haben wollen. Nun sitzen wir zu Hause und es geht nichts vorwärts. Wir sind gezwungen, die doch mittlerweile sehr lange Stille weiterhin zu ertragen. Eine Stille, die wir nicht mehr als Erholungsfaktor ansehen können. Die Stille nervt und sie wird anstrengend!

Die Stille
von Jana D.

Es ist nun ein Jahr her, seit dem ersten Lockdown. Jetzt sind wir im dritten oder vierten Lockdown. Man weiß es nicht mehr. Die Zeit vergeht einfach. Das Leben hat sich von Grund auf für uns verändert. Alles ist auf einmal so leise. Kein Unterricht, keine Arbeit, keine Kita, kein Spielplatz, kein Restaurant und vieles mehr. All diese Plätze, die normalerweise von Gesprächen, lachen oder weinen erfüllt sind, sind aus unserem Alltag verschwunden. Umarmen, treffen, seinem Hobby nachgehen. All diese Dinge sind nun schon so lange verboten. Selbst wann es wieder normal wird, weiß niemand. Kein Kontakt, nur andauernde Angst und steigende Zahlen. Die Ungeduld wird immer größer, genauso wie die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die Politik schafft es nicht, sich zu einigen, während Hunderte Menschen am Tag sterben oder auf Intensivstationen um ihr Leben kämpfen. Die Stille des einsam seins setzt vielen Menschen zu. Die normalen Dinge werden Verboten, doch die Zahlen steigen dennoch. Schule und Arbeit wird weitestgehend nur noch über Videokonferenzen und Homeoffice abgehalten. Allein die Stille in einer Videokonferenz setzt einen immens unter Druck. Die Trauer und Verzweiflung machen sich inzwischen sehr bemerkbar. Trotz der Regeln und hohen Strafen brechen Menschen immer wieder die Regeln, um der einsamen Stille zu entkommen. Andere wollen dieser Stille nicht mehr entkommen und haben sich schon an den neuen „Alltag“ gewöhnt. Viele Menschen haben neue Interessen entwickelt oder andere Beschäftigungen gefunden, mit denen sie sich selbst ein wenig vom langweiligen Corona-Alltag ablenken können. Dennoch leiden alle Altersgruppen auf irgendeine Weise. Kindern wird die Kindheit geraubt. Außerdem könnte die Quarantäne und das ständige Alleinsein Einfluss auf ihren Charakter und ihre Entwickelung haben. Jugendliche sollten in dieser Phase ihres Lebens Erfahrungen sammeln und Freundschaften schließen. All das ist nun nicht möglich. Außerdem wird die sich entwickelnde Persönlichkeit von Jugendlichen dermaßen durch die Regeln und Vorschriften beeinflusst, dass sie in der Zukunft Nachteile davontragen könnten. Viele Erwachsene verlieren ihren Job und haben dann in einer so schweren Zeit nur wenig Geld für sich und ihre Familien zur Verfügung. Alte Menschen, also die Hauptrisikogruppe, werden von der Außenwelt isoliert und verbringen ihre letzten Tage allein ohne Familie oder Angehörige. Insofern sind alle Altersgruppen irgendwie betroffen. Insgesamt ist es schwer, weiterhin hoffnungsvoll in dieser Krise zu sein, denn die Zweifel werden immer größer.

Wenn Schweigen etwas aussagt: Die Stille und ihre Bedeutungen
von Jan K.

Die Stille im Konzert

Nahezu alle Musikfreunde kennen diesen Moment vor dem Beginn eines Konzerts: Der eigene Platz ist gefunden, man hat es sich bereits bequem gemacht, das Publikum flüstert noch miteinander und die Orchestermusiker stimmen ihre Instrumente. Von Stille kann da wahrlich noch keine Rede sein. Der eigentliche Auftritt der Stille erfolgt erst, nachdem der Dirigent das Podium betreten und den Applaus empfangen hat. Dann wird das Licht gedimmt und eine erwartungsvolle Stille setzt ein. Der Dirigent wendet sich dem Orchester zu und hebt den Taktstock. In diesem Moment ist die Stille das vorherrschende Geräusch im Konzertsaal. Und dennoch drückt sie etwas aus. In diesem Moment ist die Stille kein einfaches oder unangenehmes Schweigen, wie man es aus dem Alltag kennt. Vielmehr steht sie hier für die gespannte Erwartung des Publikums, das den ausführenden Musikern auf diese Weise seine volle Aufmerksamkeit schenkt. „Wir sind bereit!“, sagt das Publikum also. Nur eben, ohne dabei wirklich zu sprechen. Sobald das Orchester dann zu spielen beginnt, verdrängt es die Stille. Wenn die Darbietung gut ist, wird ihr allerdings niemand auch nur eine Träne nachweinen. Trotzdem gehört diese erwartungsvolle Stille zu jedem Konzertbeginn dazu. Dem Publikum mag das vielleicht gar nicht bewusst sein. Für die Musiker sind diese Momente der Stille allerdings besonders wichtig. In dieser Zeit müssen sie die Musik, die sie aufführen wollen, „in ihren Köpfen hören“ und sich innerlich sammeln. Nur dann kann das Konzert zum Erfolg werden. So zeigt es sich, dass die Stille auch wichtige Funktionen zu erfüllen hat. Auch, wenn der Konzertbesucher selbst das möglicherweise gar nicht weiß.

Ruhe und Entspannung: Die Stille in der Meditation

Wer zur Ruhe kommen und sich entspannen möchte, wird schnell merken, dass das gar nicht so einfach ist. Oft kreisen einfach zu viele Gedanken und anderer geistiger Ballast im Kopf herum. Um die Kontrolle darüber zu erlangen, sind verschiedene Formen der Meditationen häufig das Mittel der Wahl. Dabei soll versucht werden, die eigenen Gedanken unter Kontrolle zu bringen und somit ausgeglichener und glücklicher zu werden. Grundsätzlich gibt es verschiedene Formen der Meditation, darunter Atemübungen oder Audiomeditationen aus dem Internet, doch sie alle haben ein übergeordnetes Ziel, nämlich die innere Stille zu erreichen. Das heißt, dass Gedanken und Gefühle zur Ruhe kommen sollen und weniger Einfluss auf Handeln und Befinden nehmen können. Auch wenn es um eine Person herum sehr unruhig ist, kann diese durch Meditation innerlich ruhig bleiben und somit auch schwierige Situationen besser meistern. Durch die sogenannte innere Ruhe wird das Denken nämlich weniger impulsiv, sodass negative Emotionen keine Kontrolle über Körper und Geist übernehmen können. Auf diese Weise können Entscheidungen wesentlich abgeklärter getroffen werden und die Person hört eventuell auf, unter ihren Emotionen und Gedanken zu leiden. In den letzten Jahren hat sich die Meditation zum Trend entwickelt, auch die Medizin hat ihre Wirksamkeit inzwischen erkannt. Meditation wird häufig in der Psychologie und Heilpraktik genutzt, um Beschwerden zu lindern, die durch die Psyche ausgelöst werden können. Insbesondere bei der Behandlung von Herzproblemen, Angststörungen und Depressionen hat sich die Meditation als nützliche Unterstützung der weiteren schulmedizinischen Therapien erwiesen und wird dort immer häufiger eingesetzt. Auch hier wird wieder deutlich, dass Stille nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss. In bestimmten Fällen ist sie sogar besonders wichtig und kann helfen, körperliche und psychische Gesundheit zu erhalten oder zurückzuerlangen.

Stille
von Ida K.

Man nennt sie Stille,

positiv oder negativ.

Auf dem Friedhof oder in der Kirche,

sie kommt und geht,

sie ist da, wenn wir sie brauchen.

Man nennt sie Stille,

nachts, im Dunkeln oder in der Natur,

sie kommt und geht,

sie ist da, wenn wir sie brauchen,

Man nennt sie Stille,

in unangenehmen und peinlichen Situationen,

sie kommt und geht,

sie ist da, wenn wir sie brauchen.

Man nennt sie Stille,

in Einsamkeit und Alleinsein,

sie kommt und geht,

sie ist da, wenn wir sie brauchen.

Man nennt sie Stille,

in geschlossenen Läden, wie in diesen schweren Zeiten,

keine Geräusche, keine schreienden oder lachenden Kinder, keine Menschen.

sie kommt und geht, ist aber da, wenn wir sie brauchen.

Stille,

rauschende Bäume, fließende Bäche, singende Vögel,

Stille kann so viel sein,

Stille hat so viel zu sagen und macht so viel aus.

Die große Sehnsucht nach Geräuschen
von Ida B.

Googelt man das Wort „Stille“ findet man unzählige Bilder von idyllischen Naturlandschaften. Hier findet man Ruhe. Die Stille wird mit Naturräumen assoziiert und es scheint so, als fände man ausschließlich dort pure Stille.

Aber wer hätte gedacht, dass wir alle einmal für über ein Jahr in Stille leben werden?

Seit Beginn der Corona Pandemie Anfang 2020 kommt es wohl manchen so vor, als wäre die Welt plötzlich stehen geblieben und ruhig. Wo sonst tausende von Menschen durch die Straßen liefen, ist zu dieser Zeit wahrscheinlich fast kaum jemand.  Maske und Abstand erschweren sämtliche Kommunikation noch einmal erheblich.

Laute Konzerte, die sonst jegliche Stille verhindert haben, finden nicht mehr statt.

Hochzeiten, Messen, Feiern und auch sonst alle großen Veranstaltungen werden abgesagt, in allen möglichen Sälen und Veranstaltungsräumen herrscht ein ewiges Gefühl von Einsamkeit.

Wer vor Beginn der Pandemie Stille gesucht hat, hat jetzt wahrscheinlich genug davon.

Selbst im eigenen Haus, in dem man sonst immer die Ruhe genossen hat, entwickelt sich der Zustand immer mehr zu einem grausamen Gefühl von Leere.

Wie gern würde ich jetzt wieder bei 30° im überfüllten, lauten Bus, nahezu von den Menschen neben mir zerquetscht werden.

Was gäbe ich dafür, jetzt in der, viel zu lauten Pausenhalle mein Frühstück zu essen, während im Hintergrund die Jüngeren lautstark Fangen spielen.

Wer hätte gedacht, dass ich mich einmal danach sehne, dass der einzige Moment von Stille der ist, in dem ich eine, sonst so verabscheute Klausur schreibe.

Die Sehnsucht nach Geräuschen wächst stetig und wir alle können nur abwarten, bis es endlich wieder lauter um uns herum wird.

So laut, dass wir die Stille nicht mehr hören.

Eine seltsame neue Welt
von Gina H.

„Good old times“ 

2019- hätte man mich damals gefragt ob ich ein gutes Jahr hatte, hätte ich wahrscheinlich ziemlich durchwachsen geantwortet. Schließlich gibt es immer Probleme und Sachen, die einen gehörig auf den Keks gehen. Zuviel Schule die einen komplett auslaugt mit den ganzen Arbeiten, Hausaufgaben und dem ständigen Druck oder auch Knochenbrüche, Unwohlsein und keine Zeit für andere Dinge. Es war immer etwas los und man kam kaum zur Ruhe. Aber wenn ich jetzt zurückdenke, sehe ich nur noch die guten Sachen, die ich vermisse. Die Zeit, die man mit seinen Freunden verbringen konnte und sich einfach getroffen hat, essen gegangen ist, sowie seine Geburtstage gefeiert hat. Feiertage mit seiner Familie zu verbringen, einfach mal einkaufen zu gehen, in die Bücherei fahren und sich einmal durch alle Regale zu blättern. Sich auf den nächsten Kinofilm zu freuen und seine ganzen Freunde zu überreden mitzukommen. In der Schule, im Bus, zu Hause, in der Öffentlichkeit ständig umgeben von Leuten zu sein, um das neuste zu erfahren und man selten in Stille verfällt. Absolute „Stille“ war vermutlich schon fast ein Fremdwort.

“2020? -That’s not a real year”

Und jetzt? Die Stille holt einen langsam, aber sicher ein. Mit Freunden kann man nur noch online kommunizieren, Geburtstage werden nicht mehr gefeiert und die Sechzehn steht traurig vor dem Haus, ohne dass sie jemand wahrnimmt oder feierlich aufstellt. Sich auf Feiertage zu freuen, um seine ganze Familie zu sehen, fällt ebenfalls komplett weg. Genauso wie einkaufen zu gehen, wann immer einem danach ist, ohne, dass man sich große Sorgen machen musste. Und wenn man mal Leute sieht- ja worüber soll man denn reden? Unsere Gesprächsthemen kreisen sich praktisch nur um Schule, Arbeit oder Corona. Aber wer kann das denn noch hören? Es gibt keine Ereignisse, über die man berichten könnte, keine lustigen Anekdoten, keine großen neuen Filme auf die sich alle gefreut haben, keine Freizeitbeschäftigungen, nur zu Hause sitzen und nichts neues sehen oder hören. Die Zeit im Alltag die sonst so belebt war, ist auf einmal todstill. Das letzte Mal als ich mit einer Freundin shoppen war, habe ich mir ein neues Tischspiel gekauft, was ich eigentlich mit all meinen Freunden ausprobieren wollte. Seit Monaten liegt es jetzt schon unbenutzt in meinem Zimmer rum. Die Bücher, die ich angesammelt habe, habe ich bereits gelesen und wenn ich ehrlich bin- auf das meiste was mir Freude bereitet, habe ich nach einen langen Homeschooling Tag keine Lust mehr. Nach einem Jahr fällt einem echt endgültig die Decke auf dem Kopf. Auch von Freunden hört man, dass man oft gar nicht mehr weiß, was man nach dem Tag so macht, weil man gefühlt nur noch an die Decke starrt und sich fragt, wann man mal wieder so richtig leben kann. Obwohl man weiß, dass sich der heutige Tag doch morgen wiederholt und man in einem monotonen Kreislauf feststeckt.

„Repeat Stuff, Repeat Stuff“

Die Tage ziehen nur so vorbei, zum einem schnell, zum anderen zäh wie Kaugummi. Man wacht auf, macht sich fertig, meldet sich in der Videokonferenz, versucht seine Aufgaben allein zu machen und spielt oft Lehrer und Schüler gleichzeitig, dies wird eventuell nochmal von einer Videokonferenz unterbrochen und man sitz erschöpft da und irgendwann entscheidet man, dass es für heute doch mal reichen muss. Und dabei die ganze Zeit Stille. Die Zeit die sonst so belebt war- Stille. Im Dorf- Stille. Im Haus- Stille. Ich bin zwar ein Mensch, der nicht wirklich super kontaktfreudig ist und seine Zeit für sich sehr schätzt, aber diese Stille macht mich wahnsinnig. Ich konnte schon immer, wenn ich z.B. Hausaufgaben mache, gut nebenbei Musik hören und auch wenn ich mal allein zu Hause war mochte ich es nicht, wenn es komplett ruhig war. Ich konnte mir aussuchen, wann ich mal wirklich in Stille verfallen möchte, da ich immer unter Menschen gehen konnte, um mich mit ihnen auszutauschen. Doch jetzt ist das alles anders. Tag ein Tag aus ist man praktisch von Stille umgeben, die vielleicht einmal für ein paar Minuten am Tag gebrochen wird. Deshalb versucht man ständig der Ruhe aus dem Weg zu gehen. Den ganzen Tag lang schallt Musik oder Podcasts durch meine Kopfhörer, um schon bald mal wieder eine normale Unterhaltung zu hören. Noch nie hatte ich es, dass ich meine Bluetooth- Kopfhörer so oft aufladen musste wie jetzt. Manchmal sitze ich normal bei meinen Aufgaben, bis mir auf einmal ein „Battery low“ ins Ohr gedröhnt wird und ich überhaupt merke, wie lange ich hier eigentlich sitze, dabei so vor mich her tippe und gefühlt trotzdem nicht vorankomme. Man ist in einem gefühlt ewigen Trott, aus dem man nicht herauskommt, aber so geht es doch irgendwie allen. Jeder erledigt seine Aufgaben und versucht nicht komplett verrückt zu werden.

„Another world “

Banale Sachen werden schon bald der Angelpunkt in dieser Zeit. Der Release von neuen Folgen einer Serie oder eines Filmes auf einer Streaming Plattform ist schon ein absolutes Highlight für mich. Das ist etwas, auf das ich praktisch die ganze Woche lang hinarbeite, weil worauf kann ich mich denn sonst freuen? Aber auch hier habe ich keine Energie für ernsthafte oder anspruchsvolle Filme und möchte eigentlich nur, dass mich etwas in eine andere Welt zieht, die mich von meinem ganz persönlichen Dingen ablenkt. Und auch hier wieder- flüchten damit man mit seinen ganz eigenen Gedanken nicht in der Stille allein ist. Es ist schon seltsam das man fast versucht vor sich selbst wegzulaufen, um nicht noch mehr in eine immer abwärtsgehende Spirale gesogen zu werden.

Denn in der Stille nimmt man so viel mehr wahr, die Gedanken sind frei und haben keinen richtigen Angelpunkt, an den man sich festklammern kann.

„I’m in over my head”

In der momentanen Zeit wirkt einfach alles so überwältigend. Es prasseln immer nur negative Nachrichten auf einen ein und man findet keine Ablenkung mehr, es wird zu allen, woran man denkt. Besonders als Jugendlicher verändert sich alles und man muss Entscheidungen treffen, für die man oft gar nicht bereit ist. Ich habe immer noch das Gefühl eigentlich in der achten Klasse zu hocken. Da fallen einem in dieser stillen Zeit Dinge ein, über die man viel öfter nachdenkt. „Wie geht es im neuen Jahr weiter? Wie mache ich das mit meinem Führerschein? Was will ich mal Beruflich machen? Warum wird sich in der Politik gefühlt kaum um die Schulen gekümmert und die Schüler fallen komplett hinter über? Warum zur Hölle denken alle es wäre eine gute Idee wieder alle Schüler zu Schule zu schicken, wenn die Zahlen immer weiter steigen und Mutationen im Umlauf sind? Warum ist meine Gesundheit so irrelevant?“ und das Netz spinnt sich immer weiter „Verliere ich den Kontakt zu meinen Freunden, obwohl ich das eigentlich überhaupt nicht will? Wann kann ich endlich mal alle wieder sehen? Wann kann ich meinen Hobbys nachgehen? Anderen geht es doch viel schlechter, ich habe doch noch Glück, warum funktioniert hier dann nichts richtig? Was will ich überhaupt? Und warum stehe ich überhaupt jeden Tag noch auf, wenn ich doch praktisch nur noch zuhause meine Aufgaben mache?“ Es ist ein Teufelskreis und wie man sieht auch ein zweischneidiges Schwert, da man egal ob Schule oder Homeschooling, keine richtige Antwort findet.

„Someday”  

Die Stille nimmt einem ein und hält einem Dinge vor Augen, mit denen man sich eigentlich nicht beschäftigen will. Dadurch können wir aber auch lernen, Sachen wieder richtig wertzuschätzen. Es zeigt, dass man sich mal wieder auf „das ganz normale Leben“ freut und auf dem Lärm, der einen irgendwann mal wieder umgibt. Weil trotzdem, obwohl alles momentan so still ist, auch wieder die lebhaften Tage kommen werden. Weil die Tage kommen werden, an denen wir wieder Leute treffen können. Weil die Tage kommen werden, an den ich wieder ins Kino gehen kann und mich vollkommen in meine Lieblingswelten und die ganzen neuen einziehen lassen kann. Irgendwann kann ich hoffentlich all diese quälenden Fragen beantworten. Irgendwann ist Licht am Ende des Tunnels.

Stille – ein anderes Lebensgefühl
von Antonia S.

Es ist Montagmorgen. Eine neue Woche beginnt. Eine neue Woche voller Aufgaben, Stress und Hektik. Der Gedanke an das bevorstehende Homeschooling lässt meine Laune direkt wieder sinken. Wochen vergehen und vergehen, doch nun besteht Hoffnung: heute soll entschieden werden, wie es für uns Schüler weitergeht. Unsere Lehrer motivieren uns bereits mit der Ankündigung, bald wieder in der Schule zu sitzen. Wird dies endlich wahr? Meine pessimistische Denkweise weist den Gedanken voller Hoffnung natürlich direkt ab. Klar, die Schule wird irgendwann weitergehen. Doch die Betonung liegt auf „irgendwann“. Genervt bewege ich mich aus meinem Bett und gehe in die Küche. Stille. Kein Wunder, ich bin ja auch die einzige zuhause. Wir könnten glücklich sein, dass unsere Familie nicht von Kurzarbeit betroffen ist. Dennoch ist das Gefühl von Stille hier im Haus so ungewohnt. Gerade weil sonst immer was los ist. Man fühlt sich einsam. Die Einsamkeit – ein Gefühl, dem viele erst in der Pandemie begegnet sind. Der leere Frühstückstisch, das alleinige

Mittagessenkochen. Viele Gemeinschaftsaktionen, welche wir nun allein ausführen müssen. Auch dort begegnet uns also die Stille. Der Gedanke an die bevorstehende Videokonferenz lässt mich von meinem Frühstücksteller auf die Uhr blicken. 7.55Uhr. Hektisch renne ich in mein Zimmer. Den Laptop gestartet und schnell den „Jetzt betreten“ Button gedrückt. Erleichtert atme ich auf. Gerade noch pünktlich. Das „Guten Morgen“ meines Lehrers unterbricht die Stille in meinem Zimmer. Doch darauf folgt auch direkt wieder die Stille. Kein Schüler ist bereit, auf die Fragen des Lehrers zu antworten. Auch wenn uns das Homeschooling jetzt schon eine Weile begleitet, so richtig warm wurden wir Schüler damit auch noch nicht. Doch zum Glück zeigen die Lehrer immer viel Verständnis. Nach der Konferenz stürze ich mich auch direkt in meine Aufgaben. Die Stille hat also auch etwas Gutes. Ich kann mich besser konzentrieren. Kein Lärm in den Klassen. Ich habe meine Ruhe und kann konzentriert an meine Aufgaben rangehen. Der einzige positive Aspekt am Homeschooling. Und doch vermisse ich die Schule. Der Kontakt mit Freunden, Lehrern und das normale Lernen. Es fehlt mir. Umso mehr steigt die Hoffnung in mir an, bald wieder in der Schulbank zu sitzen, als ich gespannt vor dem Fernseher sitze und auf die Verkündung der Kanzlerin warte. Doch meine Hoffnung wurde getrübt. Der Lockdown und somit auch das Homeschooling wurde verlängert. Stille statt Jubel füllt den Raum. Augenrollend schalte ich den Fernseher aus. Und weitere Wochen voller Homeschooling. Voller Stille. Voller Einsamkeit.

Stillleben: