{"id":304,"date":"2020-03-25T07:50:15","date_gmt":"2020-03-25T06:50:15","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/?p=304"},"modified":"2020-03-25T08:28:48","modified_gmt":"2020-03-25T07:28:48","slug":"stirbt-die-zeitung-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/stirbt-die-zeitung-aus\/","title":{"rendered":"Stirbt die Zeitung aus?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Interview mit OV-Chefredakteur Ulrich Suffner (06.03.2020)<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-306\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/03\/su1-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/03\/su1-200x300.jpg 200w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/03\/su1-768x1152.jpg 768w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/03\/su1-400x600.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Wir haben uns im Unterricht mit gedruckten Zeitungen und \u201eOnlinejournalismus\u201c besch\u00e4ftigt. Die \u201eOldenburgische Volkszeitung\u201c bietet ja auch ein epaper an, hat eine Internetseite und einen facebook-Auftritt. Im Interview verr\u00e4t OV-Chefredakteur Ulli Suffner, in welche Richtung sich die OV entwickeln soll und wie er sich selbst t\u00e4glich \u00fcber das Weltgeschehen informiert.<\/p>\n<p><br \/><strong>WPU-Kurs: Gibt es mehr Abonnenten der Printausgabe oder mehr E-Paper-Abos?<\/strong> <br \/><strong>Suffner<\/strong>: Es gibt zur Zeit noch deutlich mehr Print-Abonnenten als E-Paper-Abonnenten. Aber die Zahl der Digitalleser steigt kontinuierlich. Im Jahr 2019 haben wir t\u00e4glich 20.820 Zeitungen verkauft, darunter 2521 E-Paper. 2018 haben wir t\u00e4glich 20.844 Zeitungen verkauft, davon 2073 E-Paper. Daran sieht man, wie schnell sich das Leseverhalten \u00e4ndert.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Geh\u00f6ren zu den Abonnenten mehr Frauen oder M\u00e4nner?<\/strong><br \/>Wer abonniert ist nicht wichtig. Wichtig ist, wer die Zeitung liest. Und da bin ich mir sicher, dass Frauen genauso an lokalen Nachrichten interessiert sind wie M\u00e4nner. Mit einer Ausnahme: den Sportteil lesen deutlich mehr M\u00e4nner als Frauen. Bundesweite Untersuchungen sagen, dass jede Lokalzeitung 2,6-mal gelesen wird. Bei einer verkauften Auflage von 21.000 Exemplaren k\u00f6nnen wir also davon ausgehen, dass fast 60.000 Menschen t\u00e4glich die OV lesen. Die gedruckte Zeitung ist vor allem eine Informationsquelle f\u00fcr \u00e4ltere Menschen, im Durchschnitt ist der OV-Abonnent sicher deutlich \u00fcber 50. Man darf aber auch hier nicht vergessen, dass gerade in Familien j\u00fcngere Menschen mitlesen.<br \/><strong><br \/>WPU-Kurs: Wie wichtig ist f\u00fcr die OV der Auftritt bei facebook \u2013 schlie\u00dflich sind das ja kostenlose Nachrichten?<\/strong><br \/>\u00a0<strong>Suffner<\/strong>: Der Facebook-Auftritt ist wichtig, weil wir mit unseren Kurznachrichten die Menschen im Landkreis Vechta neugierig auf die am n\u00e4chsten Tag erscheinende Zeitung machen. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir \u00fcber unseren Facebook-Auftritt unsere Marke Menschen n\u00e4her bringen, die noch keine Abonnenten sind. In den Landkreis Vechta ziehen seit Jahren viele Menschen zu, die wir gerne als Kunden gewinnen m\u00f6chten. Schlie\u00dflich ist Facebook wichtig, um wichtige Informationen schnell unter die Leute zu bringen. Zum Beispiel gab es k\u00fcrzlich im Raum Damme eine gefakte News, dass angeblich ein Mitarbeiter von Boge am Coronavirus erkrankt sei. Das haben ganz viele Menschen \u00fcber WhatsApp geteilt und auch geglaubt. Wir haben das Gesundheitsamt des Landkreises Vechta gefragt. An dem Ger\u00fccht war nichts dran. Da haben wir \u00fcber Facebook kommuniziert, dass die Leute den Unsinn nicht glauben sollen.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Werden die Kommentare bei facebook moderiert?<\/strong><br \/>Suffner: Wir moderieren die Kommentare auf unserer Facebook-Seite dann, wenn wir merken, dass nicht mehr sachlich diskutiert, sondern diffamiert wird. Wir fordern im ersten Schritt zur M\u00e4\u00dfigung auf und l\u00f6schen notfalls im zweiten Schritt Kommentare, wenn Diffamierungen und Beleidigungen nicht eingestellt werden. Manchmal ist es schwierig zu entscheiden, wo Meinungsfreiheit aufh\u00f6rt und Diffamierung beginnt. Oft regelt die Community Probleme aber auch selbst.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Wie viele Ihrer Redakteure arbeiten ausschlie\u00dflich f\u00fcr online-Produkte, z.B. als Videojournalist?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Die Redaktion der OV arbeitet integriert, das hei\u00dft, es gibt keine Trennung zwischen Print und Online. Der Reporter, der f\u00fcr die Zeitung schreibt, verfasst auch Facebook-Nachricht, Internetmeldung oder Instagram-Post. Er produziert auch kleine Videos. Es gibt einen zentralen Tisch, den wir Newsdesk nennen, an dem alle Beitr\u00e4ge zusammenlaufen, die von den Reportern produziert werden. Am Tisch wird korrigiert und dann im Internet oder am n\u00e4chsten Morgen in der Zeitung ver\u00f6ffentlicht &#8211; in der Regel nach einem Themen- und Zeitplan, den ich w\u00f6chentlich und t\u00e4glich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen festlege.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Ist geplant, die Online-Aktivit\u00e4ten noch weiter auszubauen?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Demn\u00e4chst wird die OV ein neues Internet-Portal freischalten, auf dem wir k\u00fcnftig viel mehr Nachrichten anbieten werden, teilweise kostenpflichtig, teilweise umsonst. Die Webseite wird mobil optimiert sein, so dass man nicht nur auf dem PC oder Tablet, sondern auch auf dem Handy ohne Anstrengung lesen kann. Das ist die Zukunft. Aus eigener Erfahrung wisst ihr, dass junge Menschen fast ausschlie\u00dflich \u00fcber ihr Smartphone kommunizieren.\u00a0<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Die Abonnements gehen bei vielen Zeitungen zur\u00fcck. Was ist aus Ihrer Sicht der Grund daf\u00fcr?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Wie schon gesagt, kommunizieren junge Menschen auf dem Smartphone, w\u00e4hrend \u00e4ltere Menschen gerne weiterhin Papier in der Hand haben. Deshalb sinken zwar die Auflagen von Tageszeitungen, aber immer mehr Medienh\u00e4user gewinnen auch neue Abonnenten mit ihren kostenpflichtigen Online-Angeboten. Das Gesch\u00e4ft verlagert sich also ins Netz. Lokaljournalismus wird es weiter geben, allerdings ver\u00e4ndern sich Darstellungsform und Nutzung.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Was sind die Vorteile einer Print-Ausgabe?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Das ist Ansichtssache. Wenn ich in New York in der U-Bahn fahre und nicht einmal einen Sitzplatz habe, hat eine Zeitung aus Papier \u00fcberhaupt keine Vorteile. Sitze ich abends mit einem Glas Wein auf dem Sofa lese ich weiterhin gerne auf Papier. Es ist zum Beispiel f\u00fcr die Augen deutlich angenehmer und weniger erm\u00fcdend als auf einem Bildschirm zu lesen. Deshalb gibt es zum Beispiel in Skandinavien seit Jahren den Trend, dass die Leute in der Woche mobil lesen und am Wochenende eine Papierzeitung ins Haus bekommen.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Wie lange wird es noch eine gedruckte Ausgabe der OV geben?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Noch sehr lange. So lange, wie Menschen bereit sind, f\u00fcr eine Zeitung aus Papier Geld zu bezahlen. Der Online-Journalismus wird immer wichtiger, aber das Lesen auf Papier wird so schnell nicht aussterben. Menschen, die auf Papier lesen wollen, werden daf\u00fcr in Zukunft aber mehr bezahlen m\u00fcssen. Drucken und Verteilen m\u00fcssen finanziert werden. Allerdings ist eine Zeitung &#8211; aus meiner Sicht &#8211; nicht teuer. Die OV kostet werktags 1,60 Euro und samstags 2,30 Euro. Daf\u00fcr bekommt man auf dem Markt in Vechta nicht mal mehr einen Milchkaffee. Ich kann mir also gut vorstellen, dass \u00e4ltere Menschen bereit sind, noch deutlich mehr f\u00fcr ihr Abo zu bezahlen. Und wie gesagt: Die Kombination online\/print wird es sicher auch geben.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: In unserem Jahrgang 9 lesen nur noch wenige die gedruckte OV: Wie wollen Sie jugendliche Leser in Zukunft f\u00fcr Ihre Zeitung gewinnen?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Mir ist es v\u00f6llig egal, \u00fcber welchen Kanal Menschen Journalismus konsumieren. Hauptsache, sie tun es. Es ist wichtig, dass sich B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in seri\u00f6sen Quellen informieren, um in unserer Demokratie mitreden zu k\u00f6nnen. Ich denke, ihr alle werdet irgendwann hoffentlich Mobil-Kunden der OV. Es wird mehr Podcasts und Videos geben, daf\u00fcr weniger Texte, die man sich bequem von Roboterstimmen vorlesen lassen kann. Dass euch als Jugendliche vieles in der OV (noch) nicht interessiert, ist v\u00f6llig normal. Aber wenn man \u00e4lter wird, eine Familie gr\u00fcndet, irgendwo heimisch wird, beginnt man, sich f\u00fcr das direkte Lebensumfeld zu interessieren. Dann will man wissen, was in der Nachbarschaft passiert &#8211; egal \u00fcber welchen medialen Kanal.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Lesen Sie selbst t\u00e4glich die OV? Welche Nachrichtenportale nutzen Sie, um sich zu informieren?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Ja, allerdings einen Tag fr\u00fcher als die Leser. Ich bin als Chefredakteur f\u00fcr alles verantwortlich, was wir ver\u00f6ffentlichen. Deshalb sollte ich schon wissen, was 21.000-Mal gedruckt oder online ver\u00f6ffentlicht wird. Ansonsten lese ich auf Papier noch FAZ oder Welt, um mich \u00fcber \u00fcberregionale Politik zu informieren. Mobil lese ich mittags Spiegel-App und Newsletter benachbarter Zeitungen, aber auch Newsletter aus der Medienbranche. Morgens auf dem Weg zur Arbeit h\u00f6re ich im Auto Podcast, meistens Gabor Steingarts Morning Briefing aus Berlin. Als Fu\u00dfballfan nutze ich die kicker-App.<br \/><br \/><strong>WPU-Kurs: Die OV schreibt hin und wieder ein Volontariat aus. Was sind denn die Anforderungen heutzutage an einen Journalisten?<\/strong><br \/><strong>Suffner:<\/strong> Zuallererst: die Berufsbezeichnung Journalist \/ Redakteur ist nicht gesch\u00fctzt. Es gibt auch keine Berufsordnung. Warum ist das so? Weil wir in unserer Demokratie Meinungsfreiheit haben. In Artikel 5\u00a0unseres Grundgesetzes hei\u00dft es: \u201eJeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu \u00e4u\u00dfern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gew\u00e4hrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.\u201c Jeder kann also eine Zeitung gr\u00fcnden, einen Blog schreiben, einen Podcast produzieren oder sich wie im alten Athen auf den Marktplatz stellen und seine Meinung sagen.<br \/>Das Arbeiten in einer professionellen Redaktion braucht allerdings schon einige Fertigkeiten und \u00dcbung. Deshalb werden Journalisten in zweij\u00e4hrigen Volontariaten in Redaktionen ausgebildet. Au\u00dferdem gibt es Studieng\u00e4nge an Universit\u00e4ten, die auf den Beruf des Journalisten vorbereiten. Grundvoraussetzung ist eine gute Rechtschreibung und sprachliches Talent. Als Journalist muss man heutzutage aber auch Lust auf digitale Medien haben, auf Video, Podcast, Social Media. Vor allem aber muss man neugierig sein, Interesse haben am gesellschaftlichen Leben. Im Volontariat lernt man dann das journalistische Handwerk. Die Ausbildung endet mit einem Arbeitszeugnis des Chefredakteurs oder einem Diplom an der Uni.<\/p>\n<p><br \/><strong>WPU-Kurs: <\/strong>Ist \u201eChef-Redakteur\u201c Ihr Traumberuf?<br \/><strong>Suffner:<\/strong> Naja, Chefredakteur zu werden, kann man nicht planen. Das wollte ich auch nicht unbedingt. Das hat sich ergeben. Aber Journalist ist schon mein Traumberuf. Ich habe schon in der Schule in Lohne in der Sch\u00fclerzeitung mitgearbeitet und nach dem Abitur f\u00fcr die Jugendseite der OV geschrieben. Ich komme viel herum und lerne interessante Leute kennen. Das gef\u00e4llt mir.<br \/><strong>WPU-Kurs: <\/strong>Herzlichen Dank f\u00fcr Ihre Antworten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit OV-Chefredakteur Ulrich Suffner (06.03.2020) Wir haben uns im Unterricht mit gedruckten Zeitungen und \u201eOnlinejournalismus\u201c besch\u00e4ftigt. 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