{"id":454,"date":"2020-09-30T09:06:19","date_gmt":"2020-09-30T07:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/?p=454"},"modified":"2020-09-30T09:08:35","modified_gmt":"2020-09-30T07:08:35","slug":"von-taxis-rampen-und-masken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/von-taxis-rampen-und-masken\/","title":{"rendered":"Von Taxis, Rampen und Masken"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alltag eines Inklusionssch\u00fclers in Zeiten von Corona<\/strong><\/p>\n<p><em>In Zeiten von Corona muss jeder seinen Alltag umstellen. Selbstverst\u00e4ndlich auch in der Schule. Doch wie kann ein behinderter Sch\u00fcler den Schulalltag meistern, ohne sich selbst zu gef\u00e4hrden? von Jan K.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-457\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/09\/Jan-K-204x300.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/09\/Jan-K-204x300.jpg 204w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/09\/Jan-K-408x600.jpg 408w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/09\/Jan-K-768x1130.jpg 768w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/09\/Jan-K-1044x1536.jpg 1044w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/09\/Jan-K-1392x2048.jpg 1392w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymdamme\/files\/2020\/09\/Jan-K-scaled.jpg 1740w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/>Montag. Die erste \u201erichtige\u201c Schulwoche nach einer langen Zeit des Homeschoolings und den Sommerferien beginnt. Vorfreude habe ich zuvor gesp\u00fcrt, aber auch eine gewisse Unsicherheit. Wie ist es um den Infektionsschutz bestellt? Wird man genug R\u00fccksicht auf mich, den Risikopatienten, nehmen? Wie werden die Mitsch\u00fcler auf mich reagieren? Fragen \u00fcber Fragen. Teilweise habe ich diese schon mit meinem Klassenlehrer per Mail und an den ersten beiden Schultagen kl\u00e4ren k\u00f6nnen. Im Klassenzimmer darf ich ganz hinten sitzen, um Abstand von meinen Mitsch\u00fclern halten zu k\u00f6nnen. Auch die mittlerweile obligatorische Maske habe ich stets griffbereit. Alles andere l\u00e4sst sich nach Bedarf regeln. Vorbereitung und Kommunikation mit den (sehr entgegenkommenden) Lehrkr\u00e4ften sind die f\u00fcr mich wichtigsten Voraussetzungen. Der Schulalltag kann also kommen.<\/p>\n<p>Ein etwas anderer Sch\u00fcler<\/p>\n<p>Um 5:50 Uhr klingelt der Wecker. Schlaftrunken greife ich nach meinem Rollstuhl. Der ist f\u00fcr mich unverzichtbar, um meinen Alltag bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Nach offiziellen Ma\u00dfst\u00e4ben gelte ich als schwerbehindert. Diese Behinderung erschwert mir das Stehen und Gehen massiv, Beinbewegungen sind f\u00fcr mich sehr anstrengend. Deshalb greife ich in meinem gesamten Alltag auf Hilfsmittel zur\u00fcck, die mir helfen sollen, als ganz normaler Jugendlicher zu leben. Und zu einem normalen Leben geh\u00f6rt selbstverst\u00e4ndlich auch der Besuch einer Schule. In meinem Fall hei\u00dft diese Schule Gymnasium Damme.<\/p>\n<p>Inklusion: Was ist das?<\/p>\n<p>Dort gelte ich als sogenannter Inklusionssch\u00fcler. Inklusion bezeichnet das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Sch\u00fclern. Das ist nicht immer einfach f\u00fcr alle Beteiligten. Der Schulalltag beschert beiden Seiten viele Herausforderungen. Jeder muss R\u00fccksicht auf den anderen nehmen. Besonders in Zeiten von Corona.<\/p>\n<p>Das Abenteuer beginnt<\/p>\n<p>Um 7:15 Uhr verlasse ich das Haus. Der Taxifahrer, ebenfalls maskiert, erwartet mich schon. Ein paar freundliche Worte zur Begr\u00fc\u00dfung, dann steige ich hinten ein. Obwohl es mir aufgrund der Enge etwas M\u00fche macht. Doch der Sicherheitsabstand muss auch hier eingehalten werden. Da ich als Risikopatient gelte, versucht mein Umfeld, mich bestm\u00f6glich vor einer Infektion zu sch\u00fctzen. Nachdem der Rollstuhl fachm\u00e4nnisch verstaut ist, geht es los.<\/p>\n<p>Ein (un)sportlicher Auftakt<\/p>\n<p>In der ersten Doppelstunde habe ich Sportunterricht. Also lasse ich mich zur Sporthalle fahren. Dort werde ich schon von meiner Integrationshelferin erwartet. Sie geh\u00f6rt f\u00fcr mich zu den wichtigsten Standbeinen im Schulalltag. Wann immer Ausfl\u00fcge, komplizierte Raumwechsel und andere Probleme im Schulalltag auftreten, steht sie mir zur Seite und unterst\u00fctzt mich nach Kr\u00e4ften. Gemeinsam betreten wir die Sporthalle.<\/p>\n<p>Kommunikation: Das Lebenselixier der Inklusion<\/p>\n<p>Nachdem ich meine Kabine verlassen habe, dr\u00fccke ich der Sportlehrerin eine Entschuldigung in die Hand. Ich bin von den meisten Aktivit\u00e4ten befreit, um den Abstand einhalten zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem soll ich m\u00f6glichst wenige Gegenst\u00e4nde, die von mehreren Leuten genutzt werden, anfassen. Dazu geh\u00f6ren auch B\u00e4lle und andere Sportutensilien. Eigentlich bin ich verpflichtet, so gut es geht im Sportunterricht mitzumachen. Schlie\u00dflich muss auch ich dazu beitragen, gleichberechtigt mit meinen Mitsch\u00fclern zu sein. Inklusion verlangt den Einsatz aller. Wir einigen uns also auf eine m\u00fcndliche Ersatzleistung. Ich nutze die \u201efreie\u201c Zeit in der Stunde, um mich mit zwei ebenfalls entschuldigten Mitsch\u00fclern zu unterhalten. Sie beide nehmen aufgrund kleinerer Verletzungen nicht am Unterricht teil. Auf ihre Nachfrage erkl\u00e4re ich ihnen, warum ich zur Risikogruppe geh\u00f6re. Beide h\u00f6ren interessiert zu. Auch Kommunikation ist ein wichtiges Standbein der Inklusion.<\/p>\n<p>Im Unterricht<\/p>\n<p>Durch diesen Zeitvertreib ist die Sportstunde schnell vorbei. Das Hauptgeb\u00e4ude des Gymnasiums l\u00e4sst sich bequem \u00fcber eine Rampe betreten. Die Pause verbringe ich in meinem Klassenraum, um gro\u00dfe Sch\u00fcleransammlungen zu meiden. Ich f\u00fchle mich abgeschottet, wei\u00df aber, dass es der Gesundheit dient. Es folgt das Fach Politik. Ich freue mich. Anders als in Sport kann ich hier sehr gut mit der Gruppe mithalten. Ein St\u00fcck Normalit\u00e4t im momentan so besonderen Schulalltag. Dennoch halte ich auch hier akribisch Abstand, indem ich ganz hinten im Raum bleibe.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt<\/p>\n<p>Chemieunterricht. Der letzte Punkt der Tagesordnung. Wir wechseln in die Fachr\u00e4ume des Hauptschulgeb\u00e4udes. Mit dem Rollstuhl zwar aufw\u00e4ndig, aber dennoch n\u00f6tig. Drinnen angekommen, verbringe ich den restlichen Schultag mit komplizierten Formeln und den zugeh\u00f6rigen Reaktionen. Mir brummt der Sch\u00e4del, als die Schulglocke l\u00e4utet. Endlich frei! Auf dem Heimweg denke ich \u00fcber den soeben vergangenen Tag nach. Alles ist gut gelaufen. In diesen Momenten bin ich wirklich dankbar, dass ich das Gymnasium Damme besuchen darf. Inklusion ist zwar kein Selbstl\u00e4ufer, aber sie kann durch Engagement beider Seiten vorangetrieben werden. Deswegen bin ich den Menschen dankbar, die mir helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alltag eines Inklusionssch\u00fclers in Zeiten von Corona In Zeiten von Corona muss jeder seinen Alltag umstellen. Selbstverst\u00e4ndlich auch in der Schule. Doch wie kann ein behinderter Sch\u00fcler den Schulalltag meistern, ohne sich selbst zu gef\u00e4hrden? von Jan K. Montag. 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