Deutsche und polnische Schüler begegnen sich am Gymnasium Haren – Gemeinsamer Blick in die Zukunft

pm Haren. Von eindrucksvollen und nachhaltigen Begegnungen mit den polnischen Gästen des „Liceum im. Edwarda Dembrowskiego“ aus Warschau berichteten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haren. Acht Zehnt- und Elftklässler hießen ihre Austauschpartner für eine Woche in der Schifferstadt willkommen.

Das abwechslungsreiche Rahmenprogramm, das von Oberstudiendirektor Michael Heuking und Studienrätin Uta Möhlenkamp zusammen mit den teilnehmenden Schülern erarbeitet worden war, stand ganz im Zeichen der Völkerverständigung und der Aufarbeitung der häufig konfliktreichen Vergangenheit beider Nationen. Dabei kamen aber auch gesellige Momente nicht zu kurz.

In besonderer Erinnerung blieb den Teilnehmern der Besuch der Gedenkstätte Esterwegen, wo deren Leiter Kurt Buck über die Geschichte der Emslandlager zur Zeit des Nationalsozialismus und die menschenverachtende Behandlung der Häftlinge referierte. „Diesen Besuch haben wir als äußerst informativ, aber auch als bedrückend empfunden“, berichtete die Harener Gymnasiastin Luisa Herbers angesichts der Tatsache, dass seinerzeit auch polnische Staatsbürger zu den Insassen gehörten. Dennoch hob die Schülerin hervor, dass trotz der Kenntnis des Geschehenen unter den Austauschpartnern eben nicht das Verharren in der Vergangenheit, sondern der gemeinsame Blick in die Zukunft, getreu des europäischen Gedankens, eindeutig im Vordergrund gestanden habe.

Mit der bewegten lokalen Vergangenheit beschäftigten sich die Schüler auch anlässlich eines Besuchs im Harener Rathaus, wo Bürgermeister Markus Honnigfort die polnischen Gäste herzlich begrüßte und über die Zeit Harens als polnische Enklave Maczkow sprach. Trotz der auch heute noch wahrnehmbaren Brisanz der Thematik stieß dieser Vortrag auf reges Interesse der Delegation aus dem Nachbarland, war die damalige Gegebenheit den Teilnehmern bis dato doch weitgehend unbekannt.

Einen weiteren vertieften Einblick in die regionale Geschichte lieferte ebenfalls der Besuch des Emsland-Moormuseums in Groß-Hesepe, wo nicht nur die Großgeräte der Firma Ottomeyer, sondern auch zahlreiche Informationen zum Torfabbau und Moorschutz, aber auch die Begleitumstände des 1950 beschlossenen Emslandplans nachhaltig in Erinnerung blieben. Eine Fahrt nach Bremerhaven mit dem Besuch des Auswandererhauses rundete das offizielle Programm ab, wobei sämtliche Teilnehmer auch über zahlreiche schöne Begegnungen in den Gastfamilien und anlässlich persönlicher Treffen berichteten.

Von einer beidseitigen großen Offenheit erzählte der Harener Schüler Maciej Wrona, der wie seine Mitschülerin Katja Grodzicka polnische Wurzeln hat und entsprechend mit der polnischen Sprache vertraut ist, sodass beide des Öfteren als Dolmetscher fungierten. Ansonsten blieb den Schülern die Erkenntnis, dass man auch auf Englisch oder zur Not „mit Händen und Füßen“ sehr weit kommen und eine freundschaftlich geprägte, lehrreiche gemeinsame Zeit verbringen kann.

Ein Besuch im Emsland-Moormuseum gehörte zum umfassenden Rahmenprogramm für die deutsch-polnische Delegation.
Foto: Gymnasium Haren

aus: Meppener Tagespost, Ausgabe 13.12.18, S. 17