{"id":2269,"date":"2019-06-28T17:57:17","date_gmt":"2019-06-28T15:57:17","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/?page_id=2269"},"modified":"2020-07-13T15:49:35","modified_gmt":"2020-07-13T13:49:35","slug":"festvortrag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/festvortrag\/","title":{"rendered":"Festvortrag"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">des Schulleiters OStD Michael Heuking <\/h5>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">anl\u00e4sslich der Verabschiedung der Abiturientia 2019<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/files\/2019\/06\/abikropolis-1024x700.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2270\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Liebe\nFestversammlung &nbsp;und &#8211; in Anlehnung an unser\ndiesj\u00e4hriges \u00fcberaus geistreiches und identit\u00e4tsstiftendes, bewusst oder\nunbewusst nicht genderneutrales &nbsp;Abiturmotto\n\u2013 liebe Abilympierinnen, liebe Abilympier, liebe Abiturientia 2019!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum \u201eFeste\u201c-\nFeiern haben wir allen Grund.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zu Ehren\ndes omnipotenten G\u00f6ttervaters Zeus ausgerichteten olympischen Wettk\u00e4mpfe gehen heute\nunausweichlich dem Ende zu. &nbsp;Am heutigen\nFest- und Ehrentag, dem unumstritten bedeutendsten Freudentag im Jahreszyklus\nunserer durch unsere zauberhaften G\u00f6ttinnen und G\u00f6tter geadelten und\ngeheiligten Abikropolis, &nbsp;haben wir im\nRahmen einer festgelegten Liturgie die einmalige und unvergesslich bleibende Gelegenheit,\nmit unseren selbsternannten olympischen G\u00f6ttinnen und G\u00f6ttern durch ein spektakul\u00e4res,\nangemessenes und \u201ema\u00df-volles\u201c Trankopfer in solidarischer Eintracht die \u201eFreude\nsch\u00f6ner G\u00f6tterfunken\u201c zu teilen. Zudem haben wir die zu nutzende Gelegenheit,\nja die Verpflichtung,&nbsp; unseren verg\u00f6ttlichten\nSpr\u00f6sslingen unseren h\u00f6chsten Respekt f\u00fcr Ihr wirksames, auf Nachhaltigkeit\nangelegtes Engagement zu erweisen und sie bei ihrem transzendenten Abstieg von\ndem ihnen vertrauten und damit auch liebgewonnenen Olymp im Wechselbad der\nGef\u00fchle solidarisch und sozusagen \u201eH\u00e4ndchen haltend\u201c menschlich zu begleiten.\nEhre, wem Ehre geb\u00fchrt, und exakt aus diesem Grunde wollen wir nach fester\nArbeit heute gemeinsam \u201efeste\u201c feiern und zum Auftakt dieses elysischen Festaktes\nunserer erfolgreichen olympischen G\u00f6ttercrew einen donnernden, Zeus \u00e4hnlichen Applaus\nzollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe\nAbiturientinnen, liebe Abiturienten!<\/p>\n\n\n\n<p>Eins vorweg:\nEuer aus der griechischen Mythologie entlehntes Abiturmotto \u201eAbikropolis \u2013 die\nG\u00f6tter verlassen den Olymp\u201c gef\u00e4llt mir sehr, zumal ich mich schon als Kind\ngerne tr\u00e4umerisch in die vision\u00e4re Welt der M\u00e4rchen und Mythen begeben habe. Ich\ngestehe aber schon jetzt freim\u00fctig ein, dass meine \u00dcberlegungen aufgrund der\nenzyklop\u00e4dischen Vielschichtigkeit und aufgrund der Komplexit\u00e4t der Thematik &nbsp;heute unvollst\u00e4ndig und damit unvollendet bleiben\nm\u00fcssen und daher lediglich zukunftsweisenden und \u2013 so hoffe ich \u2013 nachhaltigen Anregungscharakter\nhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Euer\ntiefsinniges und lebensfrohes Motto hat in der Tat etwas Be- und Verzauberndes in\nsich und l\u00e4dt in unserem entzauberten globalen Dorf zum vision\u00e4ren Tr\u00e4umen ein.\nDas von euch in m\u00fchevoller Schwei\u00dfarbeit kreierte programmatische Abikropolis-,\nvielleicht ja sogar Lebensmotto passt zu euch, mag es auch &#8211; vordergr\u00fcndig\nbetrachtet \u2013 provokativ klingen und f\u00fcr den religi\u00f6s Empfindsamen sogar\nblasphemisch, da es einen prometheischen Anstrich hat. Dass eine irrationale T\u00e4tigkeit\nwie das vision\u00e4re Tr\u00e4umen irrt\u00fcmlicherweise nicht mehr in unsere aufgekl\u00e4rte,\nfaktische bzw. postfaktische Gigabitgesellschaft zu passen scheint, eine Gesellschaft,\ndie \u2013 zunehmend mehr entm\u00fcndigt &#8211; um das Goldene Kalb des pseudoreligi\u00f6sen Dataismus\ntanzt und sich davon unausweichlich beherrschen l\u00e4sst. Dabei droht das Menschlichsein,\naber auch das Menschsein als solches zu ersticken und entseelt zu&nbsp; werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es bietet\nsich daher immer wieder an, sich sozusagen lebensbegleitend mit der\nProgrammatik der vision\u00e4ren Romantik, die in dem Gedicht von Novalis aus dem\nJahre 1800 zum Tragen kommt, auseinanderzusetzen, da diese Programmatik ein \u2013\nwie ich meine \u2013 wirksamer und sinnvoller Schutz gegen l\u00e4hmende Desillusionierung\nund gegen die Entzauberung bzw. Entemotionalisierung der Welt sein k\u00f6nnte:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">\u201eWenn nicht mehr Zahlen und Figuren<br> Sind Schl\u00fcssel aller Kreaturen <br>&#8230;&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Mythen sind \u2013\ndas ist wahr &#8211; zwar nicht im eigentlichen (aufkl\u00e4rerischen) Sinne real, Mythen\nsind aber wahr und lebendig, weil sie absolut selbst-wirksam sind, genauso wie\ndie Mythen \u00fcber die griechischen G\u00f6ttinnen und G\u00f6tter, die sich von uns\nMenschen kaum unterscheiden, au\u00dfer dass sie, obwohl anthropomorph, unsterblich\nsind. In den Mythen begegnet uns das Leben sinnbildlich und konkret \u2013 etwa in\nZeus, der sich in eine Dame verliebt, sich wegen seiner eifers\u00fcchtigen Gattin\nin einen wei\u00dfen Stier verwandelt und mit jener Dame, Europa genannt, nach Kreta\nschwimmt:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Zeus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">Im Himmel machte er die Blitze,<br> auf Erden aber lieber Witze.<br>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:left\" class=\"has-small-font-size\">(Heinz Erhardt, 1909-1979) <\/p>\n\n\n\n<p>An\nVorbildern ist die griechische Mythologie zwar nicht arm, aber gerade in der\nChefetage gibt es bedauerlicherweise wie im richtigen Leben den einen oder\nanderen verhaltensoriginellen Gott. Denken wir dabei an den Sch\u00fcrzenj\u00e4ger Zeus\n(Iupiter), G\u00f6ttervater, Herrscher \u00fcber Himmel, Blitz und Donner, der sich \u2013 wir\nhaben es bereits geh\u00f6rt \u2013 hilflos\/ hinf\u00e4lligen M\u00e4dchen gern in Verkleidung\nn\u00e4hert und f\u00fcr seine Ausraster und wenig staatsm\u00e4nnischen Aktionen legend\u00e4r\nist, oder an seine Frau Hera (Iuno), Familieng\u00f6ttin, zust\u00e4ndig f\u00fcr Hochzeit,\nMutterschaft und Geburt, die f\u00fcr ihre Wutausbr\u00fcche bekannt ist. Denken wir an\nAthene (Minerva), die dem Haupte des Zeus entsprungene jungfr\u00e4uliche G\u00f6ttin der\nWeisheit, sozusagen eine Kopfgeburt, Stadtg\u00f6ttin Athens und Schutzherrin der\nK\u00fcnste und Wissenschaften, oder an (Ares) Mars, den Gott des Krieges und der\nSchlachten, an Poseidon (Neptun), den Gott des Meeres, der Erdbeben und Pferde,\nan Apollon (Apollo), den Gott der Poesie, der Musik, der Leuchtkraft, der Pest\nund der Prophetie, an Hermes (Mercurius), den Gott der Diebe, des Handels und\nder Reisenden und zugleich G\u00f6tterbote, an Hephaistos (Vulcanus), den Gott der\nVulkane, der Schmiedekunst und der Architektur, der zusammen mit den Zyklopen\nf\u00fcr Zeus die Donnerkeile schmiedete, an Hestia (Vesta), die jungfr\u00e4uliche\nG\u00f6ttin des Herdfeuers und der Familieneintracht, an Aphrodite, die G\u00f6ttin der\nLiebe und Sch\u00f6nheit oder auch an Bacchus (Dionysos), der erst sp\u00e4ter als Gott\ndes Weines und der Exstase in den Kreis der Olympier aufgenommen worden ist,\n\u00fcbrigens \u2013 den Voyeuren unter uns sei es gesagt &#8211; ebenfalls ein au\u00dferehelich\ngezeugter Sohn des Zeus. <\/p>\n\n\n\n<p>Ganz\n\u00e4hnliche Charaktere, Eigenschaften, Talente und Leidenschaften finden sich auch\nbei unseren liebenswerten Abilympierinnen und Abilympiern, die sich auf dem\nmitunter beschwerlichen Weg zum Abilymp im Sinne einer Verg\u00f6ttlichung engagiert,\nkreativ und erfinderisch im Durchdringen der abilympischen und mitunter auch\ntitanischen Herausforderungen zeigten und in den zur\u00fcckliegenden Jahren Zeit\nund Raum gefunden haben, den g\u00f6ttlichen Funken zu entdecken, ihn in sich\naufzunehmen und bei ihren Mitmenschen zu entz\u00fcnden. Beeindruckende Leistungen\nin Musik, Sport, Kunst, Theater und vielen weiteren Projekten, die sich an dem\nLeitbild unserer humanit\u00e4r ausgerichteten Europaschule orientierten und somit\nzur kulturellen und sozialen Vielfalt des Lebens- und Lernortes beigetragen\nhaben, euer verantwortungsvolles Engagement im internationalen Schwerpunkt\nunseres Gymnasiums und eure durchg\u00e4ngige, kompetente und sehr verl\u00e4ssliche\nMitverantwortung f\u00fcr gelingendes Miteinander in unserer Schule, vor allem auch\nin der SV, stehen ausdrucksstark f\u00fcr das g\u00f6ttliche und damit vorbildliche Grundprinzip\nder Abilympier 2019: Die W\u00fcrde des Menschen, das Streben nach Gutem und Gro\u00dfem,\ndie Entfaltung der Person und das N\u00fctzliche im Dasein f\u00fcr und mit anderen. So\nist eure Zukunft auf guten Bahnen, in die Wege geleitet, ist der Abilymp Symbol\neines erf\u00fcllten Traums und eines gro\u00dfen programmatischen Ziels und bietet \u2013\nwenn jeder dieses endg\u00fcltige Ziel beharrlich im Blick beh\u00e4lt&nbsp; &#8211; beste Gelingensvoraussetzungen f\u00fcr ein\nLeben im Zustand der Eudaimonie, d.h. f\u00fcr ein sinnhaftes, friedliches und erf\u00fclltes\nLeben in Gemeinschaft und auf Gegenseitigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe\nAbiturientinnen, liebe Abiturienten!<\/p>\n\n\n\n<p>Euer\nEtappenziel habt Ihr erreicht, Eure Eltern und Lehrer, die ihr mit eurem\nAbimotto als Ausdruck eures Dankes &nbsp;berechtigt in den Rang der Titanen erhoben\nhabt, freuen sich sichtlich mit euch und sind m\u00e4chtig stolz auf euch. Es nimmt\nnicht Wunder, dass die von euch Geadelten eure herkulischen Pr\u00fcfungen in\nUmfang, Schwere und zeitlicher Komprimierung als g\u00f6tter\u00e4hnliche Pr\u00fcfungen\nverstehen mussten und mit umso titanischerem Bewusstsein das Erreichen eures\nAbilymps bestaunen, bejubeln und begie\u00dfen. Aber \u2013 bei allem Respekt &#8211; mal\nehrlich: H\u00e4ttet ihr euren Abilymp erreicht, wenn ihr nicht von so vielen Seiten\nUnterst\u00fctzung erfahren h\u00e4ttet, nicht selten sogar Unterst\u00fctzung im\nsymbiotischen Sinn, eine Unterst\u00fctzung, die mit Freude, aber auch mit Leid\nverbunden ist? Ich erbitte jetzt von unseren G\u00f6ttinnen und G\u00f6ttern ein ganz\nherzliches an die Titanen gerichtetes Dankesch\u00f6n, an dem auch der mitunter\ntosende Zeus seine Freude h\u00e4tte: standing ovation nennt man das! <\/p>\n\n\n\n<p>Und nun ein\nLetztes:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche\neuch, dass der olympische Funke in euch zu einer hellen Flamme auf eurem\nLebensweg werden m\u00f6ge \u2013 f\u00fcr euren eigenen Weg und f\u00fcr den Weg mit anderen, die\neuer Leben kreuzen, ver\u00e4ndern und bereichern!<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun ein\nAllerletztes:<\/p>\n\n\n\n<p>Verlernt das\nTr\u00e4umen nicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>des Schulleiters OStD Michael Heuking anl\u00e4sslich der Verabschiedung der Abiturientia 2019 Liebe Festversammlung &nbsp;und &#8211; in Anlehnung an unser diesj\u00e4hriges \u00fcberaus geistreiches und identit\u00e4tsstiftendes, bewusst oder unbewusst nicht genderneutrales &nbsp;Abiturmotto \u2013 liebe Abilympierinnen, liebe Abilympier, liebe Abiturientia 2019! 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