{"id":6939,"date":"2024-01-22T07:23:05","date_gmt":"2024-01-22T06:23:05","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/?p=6939"},"modified":"2024-01-27T08:44:00","modified_gmt":"2024-01-27T07:44:00","slug":"warum-die-bauern-streiken-harener-landwirte-suchen-den-dialog-mit-schuelern-des-gymnasiums-haren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/warum-die-bauern-streiken-harener-landwirte-suchen-den-dialog-mit-schuelern-des-gymnasiums-haren\/","title":{"rendered":"Warum die Bauern streiken &#8211; Harener Landwirte suchen den Dialog mit Sch\u00fclern des Gymnasiums Haren"},"content":{"rendered":"\n<p>Die derzeitigen Bauernproteste besch\u00e4ftigen nicht nur die Politik. Vielen Sch\u00fclern etwa ist nicht unbedingt klar, warum auch die hiesigen Landwirte demonstrieren und was genau sie kritisieren. Klarheit brachten nun unter anderem drei Akteure kurzfristig bei einer Veranstaltung am Harener Gymnasium.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs geht um weit mehr als Agrardiesel\u201c, sagt Heiner Wessels. Seit Tagen ist auch der 42-j\u00e4hrige Harener an den deutschlandweiten Demonstrationen beteiligt. Wessels betreibt in Wesuwe einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Drei Generationen leben auf dem Hof. 250 Sauen werden dort gehalten, um Ferkel f\u00fcr die Mast zu erzeugen. Zudem betreibt der Vater von vier Kindern eine Biogasanlage, erzeugt damit Strom. Der Betrieb ist typisch f\u00fcr einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb im Emsland, ist eigentlich gut aufgestellt. Und doch macht sich Wessels gro\u00dfe Sorgen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos23-24\/jan24\/Landwirte01.jpg\" alt=\"\" width=\"804\" height=\"603\" \/><figcaption>Jens Engelken (v.l.), Heiner Wessels und Jan Kathmann erl\u00e4uterten den Sch\u00fclern die Beweggr\u00fcnde der Bauern f\u00fcr die Demos. <br>Foto: Jens K\u00fcckmann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnde sind vielf\u00e4ltig, wie jetzt auf einer Veranstaltung am Gymnasium Haren deutlich wird. Sch\u00fcler und Lehrer hatten kurzfristig Wessels und dessen Berufskollegen Jan Kathmann und Jens Engelken eingeladen, um den Sch\u00fclern die Gelegenheit zu geben, sich genauer mit der aktuellen Situation der Landwirte und den Hintergr\u00fcnden ihres Protestes auseinanderzusetzen. Viele Sch\u00fcler haben die Proteste mitbekommen, sind von ihnen auch z.T. betroffen gewesen, da sie z.B. zu sp\u00e4t zum Unterricht kamen, und haben Fragen. \u201eWas haben wir mit den Problemen der Bauern zu tun? Warum kommen wir jetzt zu sp\u00e4t zur Schule oder zu unserem Hobby?\u201c, sind einige Fragen, die den Landwirten dabei gestellt werden. Dabei ist das Interesse der Sch\u00fclerschaft an diesem aktuellen Thema riesig. Die Sch\u00fcler haben schon im Unterricht viele Fragen an die Lehrkr\u00e4fte herangetragen, die im Unterricht aufgegriffen wurden. Durch den Besuch der Landwirte bietet sich die Gelegenheit, weitere Informationen und Hintergr\u00fcnde aus erster Hand zu bekommen. \u201eIch fand es gut, dass die Landwirte uns alles so gut erkl\u00e4rt haben, auch die Fachbegriffe\u201c, sagt anschlie\u00dfend Cris Conen, ein Sch\u00fcler aus der achten Klasse. So wie er haben rund 200 Sch\u00fcler der Klassen 5 bis 12 an der Veranstaltung teilgenommen.<br>Was den Sch\u00fclern klar wird, ist, dass die Thematik komplex ist. Das wird bereits deutlich in der Vorstellungsrunde. W\u00e4hrend etwa Wessels spezialisiert ist auf die Schweinehaltung und die Erzeugung von erneuerbaren Energien, setzt der 24-j\u00e4hrige Jan Kathmann auf die Aufzucht von Jungsauen, m\u00e4stet Bullen und hat einen weiteren Schwerpunkt im Ackerbau, so etwa bei der Produktion von Kartoffeln. Jens Engelken hingegen produziert Eier, betreibt eine Biogasanlage und m\u00e4stet ebenso Bullen und betreibt Ackerbau. Die Betriebe sind inhaltlich komplett anders aufgestellt, kaum zu vergleichen. Doch allesamt eint eins: Die Ver\u00e4nderungsprozesse der letzten Jahrzehnte in der Landwirtschaft stellen sie vor gro\u00dfe Herausforderungen. \u201eWir haben in den vergangenen Jahren etliche Einschnitte hinnehmen m\u00fcssen\u201c, erl\u00e4utert Jens Engelken. Dabei zeigt er auf eine Grafik. Ein Fass ist darauf zu sehen, etliche Stichpunkte sind zu lesen, so etwa \u201eversch\u00e4rfte Pflanzenschutzanwendung\u201c, \u201estrengere D\u00fcngeverordnung\u201c oder \u201e4 Prozent Fl\u00e4chenstilllegung\u201c.<br>Die Harener Bauern versuchen, die einzelnen Punkte zu erl\u00e4utern und k\u00f6nnen direkt aus der Praxis von ihren Problemen berichten. \u201eDie Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist so nicht gegeben\u201c, sagt Junglandwirt Kathmann. \u201eAllerdings k\u00f6nnen wir derzeit eh kaum investieren\u201c, sagt derweil Engelken. Zu gro\u00df ist die Unsicherheit, welche neuen Auflagen etwa in Sachen Tierwohl oder D\u00fcngeverordnung als N\u00e4chstes kommen. \u201eDabei wollen viele Tierhalter weiter in ihre St\u00e4lle investieren, um zukunftsgerecht produzieren zu k\u00f6nnen\u201c, wei\u00df der 46-J\u00e4hrige von vielen Berufskollegen. Am Ende w\u00fcrden die Verbraucher an der Ladentheke entscheiden, welche Produkte gut laufen und wie viel Geld auch zum Bauern gelangt. \u201eWir m\u00fcssen weg von geiz ist geil\u201c, sagt deshalb Engelken und verweist unter anderem auf regionale Anbieter.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Ursachen und Hintergr\u00fcnden des aktuellen Bauernprotestes geht es aber auch um die Umsetzung der Proteste. Gerade weil viele die Folgen unmittelbar mitbekommen haben, fragen sie auch kritisch nach. So merkt eine F\u00fcnftkl\u00e4sslerin an, dass durch Stra\u00dfenblockaden auch Menschen in Gefahr gebracht werden k\u00f6nnten. Auch der Vorwurf, sich von Rechten unterwandern zu lassen, wird von den Landwirten aufgegriffen. Ein Vorwurf, den die Bauern nur schwerlich entkr\u00e4ften k\u00f6nnen. Doch auch hier wird deutlich: Wie in der gesamten Bev\u00f6lkerung ist in der Landwirtschaft die gesamte Bandbreite der politischen Meinung abgebildet. \u201eWir versuchen, mit allen Mitteln, uns nicht von den Rechten vereinnahmen zu lassen\u201c, sagt Wessels. Allerdings seien laut ihm Demos wie etwa Trecker-Schleichfahrten unumg\u00e4nglich, um auf die N\u00f6te der Bauern hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in der aufgeheizten gesellschaftlichen Stimmung, in der die Polarisierung immer st\u00e4rker zunimmt, hilft der Dialog. \u201eIm Gespr\u00e4ch bleiben, den anderen verstehen, darum geht es doch. Demokratie lebt vom Dialog. Dazu geh\u00f6rt, der Meinungsaustausch und respektvolle Umgang miteinander. Dies wollen wir unseren Sch\u00fclern in der Schule vermitteln und die Veranstaltung hat dazu einen sehr guten Beitrag geleistet.\u201c, sagt Lehrer und Organisator Jens K\u00fcckmann.<\/p>\n\n\n\n<p>Positiv sei gewesen dass man so einmal die regionale Perspektive sehe und Einblicke in die Arbeitsweise der H\u00f6fe kennenlerne, berichten Oberstufensch\u00fcler, dadurch k\u00f6nnten sie die Proteste deutlich besser nachvollziehen.<br>Am Ende ist die Zeit f\u00fcr alle zu schnell um. \u201eWir h\u00e4tten gerne noch mehr Fragen gestellt und weitere Antworten der Landwirte bekommen\u201c, sagt eine Sch\u00fclerin &#8211; und auch die Landwirte h\u00e4tten gerne noch den ein oder anderen Punkt angesprochen, aber am Ende sind sowohl Sch\u00fcler als auch Landwirte zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos23-24\/jan24\/Landwirte02.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" \/><figcaption>Rund 200 Sch\u00fcler nahmen an der kurzfristigen Veranstaltung teil. <br>Foto: Jens K\u00fcckmann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em> J. Engelken ,<\/em> <em>J. K\u00fcckmann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die derzeitigen Bauernproteste besch\u00e4ftigen nicht nur die Politik. Vielen Sch\u00fclern etwa ist nicht unbedingt klar, warum auch die hiesigen Landwirte demonstrieren und was genau sie kritisieren. 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