{"id":8146,"date":"2024-11-20T11:18:00","date_gmt":"2024-11-20T10:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/?p=8146"},"modified":"2024-12-04T14:56:40","modified_gmt":"2024-12-04T13:56:40","slug":"nie-wieder-ist-jetzt-bewegendes-gedenken-an-die-opfer-der-reichspogromnacht-in-haren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/nie-wieder-ist-jetzt-bewegendes-gedenken-an-die-opfer-der-reichspogromnacht-in-haren\/","title":{"rendered":"\u201eNie wieder ist jetzt!\u201c &#8211; Bewegendes Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht in Haren"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Abend des 9. Novembers 2024 fand in Haren am Ort der ehemaligen Synagoge eine bewegende Gedenkfeier anl\u00e4sslich der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 statt. Die Gedenkfeier erinnerte an die Verbrechen der Nationalsozialisten, die in jener Nacht ihren brutalen H\u00f6hepunkt in der massiven Zerst\u00f6rung j\u00fcdischer Gesch\u00e4fte, Wohnungen, Friedh\u00f6fe und Synagogen fanden, und beleuchtete die verheerenden Folgen f\u00fcr die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung in unserer Region. Rund 7500 j\u00fcdische Gesch\u00e4fte wurden gepl\u00fcndert. Viele Synagogen wurden in Brand gesetzt, oft unter Duldung oder Mithilfe der Feuerwehren, die lediglich benachbarte Geb\u00e4ude sch\u00fctzen sollten. Ungef\u00e4hr 30.000 j\u00fcdische Menschen in ganz Deutschland wurden verhaftet und in Konzentrationslager deportiert. Dies betraf auch die 22 Juden und J\u00fcdinnen aus Haren, die den Holocaust nicht \u00fcberlebten. Die Novemberpogromen f\u00fchrten in Nazi-in Deutschland zu einer noch drastischeren gesellschaftlichen Ausgrenzung und Isolierung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, eine restriktive Einwanderungspolitik vieler L\u00e4nder erschwerte die Emigration der Juden, die aus Deutschland zu fliehen versuchten. J\u00fcdische Unternehmen und Verm\u00f6genswerte wurden systematisch von Deutschen im Zuge der \u201eArisierung\u201c \u00fcbernommen. Damit signalisierten die Novemberpogrome den \u00dcbergang zu einer Politik der physischen Vernichtung der europ\u00e4ischen Juden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/nov24\/gedenken03.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Gedenkfeier wurde inhaltlich von den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern des Jahrgangs 10 unserer Schule gemeinsam mit ihren Lehrern Malte Schniers und Katrin Kleesiek-Herding vorbereitet. Im Vorfeld hatten sie sich im Unterricht intensiv mit der Geschichte der j\u00fcdischen Gemeinde in Haren, den Auswirkungen des Holocausts und den Folgen einer sich wandelnden Erinnerungskultur auseinandergesetzt. In der Woche vor der Gedenkfeier suchten Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen des Jahrgangs 9 die in Haren verlegten Stolpersteine auf, die vor den ehemaligen Wohnh\u00e4usern j\u00fcdischer Familien zu finden sind, und reinigten diese vom Stra\u00dfenschmutz. Diese kleinen Mahnmale im Stra\u00dfenpflaster erinnern daran, dass die Opfer einst Nachbarn, Freunde und Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Die sichtbar gewordenen Namen fordern damit zur Auseinandersetzung und zum Erinnern an diese Menschen auf, die fr\u00fcher ein fester Teil der Harener Bev\u00f6lkerung waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonderer H\u00f6hepunkt bei der Vorbereitung der Gedenkfeier in der St- Johannis-Kirche in Haren war die Begegnung mit dem 99j\u00e4hrigen Albrecht Weinberg, einem Holocaust-\u00dcberlebenden aus Leer, der die Jugendlichen mit einem ergreifenden Bericht \u00fcber seine Leidenszeit pr\u00e4gte. Am Gedenkort J\u00fcdische Schule in Leer schilderte Albrecht Weinberg eindringlich, wie er die Gr\u00e4ueltaten der Nationalsozialisten erlebt hatte \u2013 von der Entrechtung und Verfolgung seiner Familie bis hin zur Deportation in das KZ Auschwitz. Seine Worte hinterlie\u00dfen einen tiefen Eindruck, denn sie verdeutlichten insbesondere die Bedeutung des Erinnerns und der Verantwortung von uns allen f\u00fcr die Gegenwart und Zukunft. Die letzten Zeitzeugen wie Albrecht Weinberg oder auch Margot Friedl\u00e4nder mahnen zu Wachsamkeit und Widerstand gegen Antisemitismus und jegliche Form von Diskriminierung. insbesondere der aggressive und gewaltbereite Antisemitismus und Hass auf Israel, der seit dem 7. Oktober 2023 in ganz Deutschland sichtbarer und lauter geworden ist, unterst\u00fctzt diesen Appell.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch Pastor Frank Weyen richtete Schulleiterin Dunja Gerdes in ihrem Vortrag besondere Worte an die Anwesenden, die sich zahlreich in der Johanniskirche eingefunden hatten. Sie hob insbesondere die Bedeutung des Gedenkens f\u00fcr die Gegenwart und Zukunft in ihrem Appell \u201eNie wieder ist jetzt!\u201c hervor und mahnte eindringlich dazu, alle Formen von Antisemitismus und Diskriminierung zu verurteilen: \u201eWer vor der Vergangenheit die Augen verschlie\u00dft, wird blind f\u00fcr die Gegenwart.\u201c Die Begegnung mit einem Zeitzeugen wie Albrecht Weinberg sei ein unsch\u00e4tzbares Geschenk, so Dunja Gerdes. Auch wenn die Zeitzeugen eines Tages nicht mehr da sind, bleibe es unsere Aufgabe, ihre Geschichten weiterzuerz\u00e4hlen und sich gegen Hass und Antisemitismus zu stellen. Sie betonte damit die Erinnerungskultur als Fundament f\u00fcr Menschlichkeit. Diese solle dazu mahnen, das Bewusstsein und die eigene Verantwortung f\u00fcr den Erhalt der Demokratie, der Freiheit des Rechts und der moralischen Pflicht eines jeden Einzelnen gegen Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung zu festigen<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/nov24\/gedenken01.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit dem Verlesen der Namen der im Nationalsozialismus entrechteten, vertriebenen und ermordeten Juden und J\u00fcdinnen aus Haren entz\u00fcndeten unsere Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen in ihrem Gedenken Lichter, die im Anschluss der Gedenkfeier das Mahnmal vor der Kirche erhellten. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/nov24\/gedenken02.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war ein Impuls-Vortrag zur Bedeutung der Erinnerungskultur in der Zukunft, in der die letzten Zeitzeugen nicht mehr unter uns sein werden. Die Rede betonte, wie entscheidend es ist, die Geschichten und Lehren der Vergangenheit weiterzugeben \u2013 durch Bildung, Begegnung und bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte. Eindrucksvolle Zitate von Holocaust-\u00dcberlebenden und bekannter Nachfahren jener appellierten dabei an die Verantwortung als Zivilgesellschaft. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/nov24\/gedenken04.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Unterst\u00fctzt durch die musikalische Begleitung des Unterstufenchores Young Voices unter der Leitung der Musiklehrerin Jana Imming wurde eine w\u00fcrdevolle Atmosph\u00e4re des Nachdenkens, Innehaltens und w\u00fcrdevollen Gedenkens geschaffen. <\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Schule dankt allen Beteiligten, die diese Gedenkfeier mitgestaltet haben, und l\u00e4dt dazu ein, sich auch zuk\u00fcnftig f\u00fcr ein friedliches Miteinander einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>K. Kleesiek-Herding\/M. Schniers<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video controls src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/videos\/Gedenkfeier24.mp4\"><\/video><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Abend des 9. Novembers 2024 fand in Haren am Ort der ehemaligen Synagoge eine bewegende Gedenkfeier anl\u00e4sslich der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 statt. 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