{"id":8199,"date":"2024-12-11T22:19:38","date_gmt":"2024-12-11T21:19:38","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/?p=8199"},"modified":"2024-12-12T11:25:42","modified_gmt":"2024-12-12T10:25:42","slug":"ihr-koennt-es-euch-gar-nicht-vorstellen-albrecht-weinberg-im-zeitzeugengespraech-mit-unseren-schuelern-und-schuelerinnen-in-leer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/ihr-koennt-es-euch-gar-nicht-vorstellen-albrecht-weinberg-im-zeitzeugengespraech-mit-unseren-schuelern-und-schuelerinnen-in-leer\/","title":{"rendered":"\u201eIhr k\u00f6nnt es euch gar nicht vorstellen.\u201c- Albrecht Weinberg im Zeitzeugengespr\u00e4ch mit unseren Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen in Leer"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 06. Dezember 2024 hatten die beiden Leistungskurse Geschichte im Jahrgang13 sowie Interessierte aus der 12. Jahrgangsstufe die einzigartige M\u00f6glichkeit, den Holocaust-\u00dcberlebenden Albrecht Weinberg in Leer zu treffen. Seit der Ver\u00f6ffentlichung des Buches \u201eDamit die Erinnerung nicht verblasst wie die Nummer auf meinem Arm\u201c ist die bewegende Biografie von Herrn Weinberg deutschlandweit bekannt, weshalb alle Teilnehmenden der Veranstaltung es als ein gro\u00dfes Privileg empfanden, ein Gespr\u00e4ch mit ihm f\u00fchren zu d\u00fcrfen. Begleitet wurden wir dabei von unseren Lehrerinnen Frau Legged\u00f6r und Frau Kleesiek-Herding sowie von unserer Schulleiterin Frau Gerdes und Herrn Herding. <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem wir uns im Unterricht mit der Lebensgeschichte von Albrecht Weinberg, der im M\u00e4rz 2025 100 Jahre wird, besch\u00e4ftigt und unter anderem die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/37-grad\/37-die-nummer-auf-meinem-arm-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ZDF-Dokumentation in der 37-Grad-Reihe<\/a> \u00fcber ihn gesehen hatten, bereiteten wir eine Moderation und Fragen an Herrn Weinberg vor. Am Freitagnachmittag kamen wir schlie\u00dflich gespannt und auch ein wenig aufgeregt an der ehemaligen J\u00fcdischen Schule in Leer an, die seit 2013 als Gedenkst\u00e4tte genutzt wird. Nachdem wir diese Einrichtung mit ihrer Ausstellung kurz erkunden konnten, begaben wir uns in den Raum, in dem das Gespr\u00e4ch mit Herrn Weinberg stattfinden sollte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/dez24\/weinberg01.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Albrecht Weinberg kam selbstverst\u00e4ndlich mit Gerda D\u00e4nekas, die ihn als ehemalige Pflegekraft und gute Freundin bei solchen Veranstaltungen mit Schulklassen stets begleitet. Nach einleitenden Worten von Susanne Bracht, der Leiterin der Gedenkst\u00e4tte, und einer Anfangsmoderation von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern aus dem 13. Jahrgang erz\u00e4hlte uns Albrecht Weinberg zun\u00e4chst von seiner Kindheit und Jugend in Ostfriesland, die bereits vom Antisemitismus der Nationalsozialisten gepr\u00e4gt war. So musste er beispielsweise Rhauderfehn verlassen und die J\u00fcdische Schule in Leer besuchen, da j\u00fcdischen Kindern der Besuch von normalen Schulen im Zuge der nationalsozialistischen Entrechtungsma\u00dfnahmen mit der Macht\u00fcbernahme der Nazis ab 1933 zunehmend verboten wurde. Heimweh nach seinen Eltern, die t\u00e4glichen Schikanen auf dem Weg zur Schule und die Erfahrungen von Ausgrenzung und Entrechtung ersch\u00fctterten ihn sehr. Die Schule in Leer erschien f\u00fcr eine kurze Zeit als ein sicherer Ort, an dem wir Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen ihm Jahrzehnte sp\u00e4ter nun zuh\u00f6ren konnten. <\/p>\n\n\n\n<p>Er wurde im April 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und musste dort mit gerade einmal 19 Jahren h\u00e4rteste k\u00f6rperliche Arbeit leisten. Uns haben die Geschichten vom \u00dcberlebenskampf in dem Lager sehr bewegt. Hunger, Krankheiten und Elend waren allt\u00e4glich, wobei man alles tat, um zu \u00fcberleben, gleichwohl man auf eine Erl\u00f6sung durch den Tod wartete. Auf zahlreiche Fragen zu den Bedingungen und Zust\u00e4nden im Konzentrationslager unsererseits antwortete Herr Weinberg mit den Worten: \u201eIhr k\u00f6nnt euch das nicht vorstellen\u201c. Uns wurde deutlich, welches unermessliche Leid dieser Mensch, der nahezu seine gesamte Familie im Holocaust verlor, erfahren hat. Die v\u00f6llige Entmenschlichung, der allt\u00e4glich sichtbare Terror, Gewalt, die permanenten Hinrichtungen, Hunger, K\u00e4lte und Entkr\u00e4ftung sowie der damit einhergehende erloschene Lebenswille, den er beschrieb, ist f\u00fcr uns nicht zu begreifen und das Zuh\u00f6ren machte fassungslos. Sein schonungsloser Bericht \u00fcber diese Unmenschlichkeit und bewusste Entmenschlichung in den Konzentrationslagern schockierte uns. <\/p>\n\n\n\n<p>Albrecht Weinberg \u00fcberlebte drei Todesm\u00e4rsche in den \u00e4u\u00dferst kalten Wintermonaten 1944\/45. Im KZ Dora-Mittelbau war er als arbeitsf\u00e4higer H\u00e4ftling am Bau der V2-Raketen beteiligt. <\/p>\n\n\n\n<p>Herr Weinberg berichtete davon, dass er aus einem Becher mit Schweineschmalz getrunken habe und daraufhin aufgrund der Reaktion seines K\u00f6rpers so geschw\u00e4cht gewesen sei, dass er bei der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen durch die Briten bei den zahlreichen Toten lag und sich kaum bewegen konnte. Es ersch\u00fctterte uns, dass viele \u00dcberlebende so ausgehungert waren, dass sie durch das Verzehren von Brot starben, da ihre Verdauung und die inneren Organe die Kost nicht aufnehmen konnten. <\/p>\n\n\n\n<p>Trotz all dieser Strapazen \u00fcberlebte Albrecht Weinberg den Holocaust. 1947 verlie\u00dfen er und seine Schwester Friedel Europa und emigrierten in die USA, wo Albrecht sich mit einer eigenen Fleischerei in New York eine Existenz aufbauen konnte. Als seine Schwester schwer erkrankte, entschloss sich das Geschwisterpaar 2012 nach Ostfriesland zur\u00fcckzukehren. Seitdem lebt Albrecht Weinberg wieder in seiner alten Heimat. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/dez24\/weinberg04.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem eigentlichen Gespr\u00e4ch wurde eine Pause durchgef\u00fchrt, in deren Verlauf sich viele von uns zu Herrn Weinberg f\u00fcr ein pers\u00f6nlicheres Gespr\u00e4ch setzten. Man merkte schnell, dass er \u00e4u\u00dferst interessiert daran war, mehr \u00fcber uns und unser Leben, unsere Freizeitgestaltung und pers\u00f6nliche Sichtweisen zu erfahren. Der Austausch mit jemandem, der eine solche Jugend nie hatte, fiel erstaunlicherweise nicht schwer und man merkte, dass auch der norddeutsche Humor nicht verloren ging, weshalb man auch mit ihm zusammen lachen konnte. Auch gegen die Bitte um ein Foto hatte Herr Weinberg nichts einzuwenden, wobei schnell die Erwiderung kam, dass man sogar zwei machen k\u00f6nne. Es ist unglaublich, was dieser Mann mit 99 Jahren noch leisten kann!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/dez24\/weinberg03.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/plaene.gymnasium-haren.de\/fotos24-25\/dez24\/weinberg02.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Ausma\u00dfe des Menschheitsverbrechens, die der Holocaust darstellt, wurden uns pers\u00f6nlich im deutlichsten Ma\u00dfe bewusst. Herr Weinberg betonte, dass wir immer unsere Stimme erheben sollen, um solch eine Unmenschlichkeit nie wieder zuzulassen. Auf uns als Zweitzeugen, die die Botschaften der Zeitzeugen \u00fcberbringen und weitertragen, komme es in der Zukunft in diesen bewegten Zeiten an.<br>Im Nachgang zu unserer Begegnung in Leer haben wir in unseren Kursen das Erlebte und die Gespr\u00e4chsinhalte noch einmal ausf\u00fchrlich reflektiert. Im Folgenden sind daher auch ein paar unserer pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke zu diesem besonderen Nachmittag zu finden. Wir w\u00fcnschen uns, dass diese nie verschwinden. Wir wollen diese Erfahrungen immer in dankbarer Erinnerung halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Daniel Dyer (Jg. 13, 2024\/25)<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Das Zeitzeugengespr\u00e4ch war eine beeindruckende und pr\u00e4gende Erfahrung, die uns nicht nur historische Ereignisse n\u00e4hergebracht hat, sondern auch eine pers\u00f6nliche Verbindung zu vergangenen Geschehnissen erm\u00f6glichte. Durch die Schilderungen des Zeitzeugen bekamen wir einen direkten Einblick in eine Epoche, die uns sonst nur aus Geschichtsb\u00fcchern bekannt ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Das Zeitzeugengespr\u00e4ch mit Albrecht war zutiefst beeindruckend und bewegend. Die pers\u00f6nliche Schilderung der Ereignisse hat nicht nur die Grausamkeit der Geschichte greifbar gemacht, sondern auch die Bedeutung von Menschlichkeit und Empathie betont. Solche Begegnungen sind von unsch\u00e4tzbarem Wert, um die Erinnerung wachzuhalten und Lehren f\u00fcr die Zukunft zu ziehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch war sehr beeindruckend und emotional bewegend. Die ausf\u00fchrlichen Schilderungen machten das Leid greifbar und hinterlie\u00dfen einen bleibenden Eindruck. Gleichzeitig hat es zum Nachdenken angeregt und die Verantwortung verdeutlicht, sich f\u00fcr Menschlichkeit und gegen das Vergessen einzusetzen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Das Treffen mit Albrecht Weinberg war f\u00fcr mich eine sehr bewegende und beeindruckende Erfahrung. Besonders ber\u00fchrt haben mich die Erz\u00e4hlungen \u00fcber die Entmenschlichung w\u00e4hrend der Zeit in Ausschwitz und dass er niemals wieder Freude empfinden kann, was mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, solche Geschichten weiterzugeben. Ich bin dankbar, dass ich diese Gelegenheit hatte und werde die Eindr\u00fccke lange in Erinnerung behalten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch mit Albrecht Weinberg war zutiefst ber\u00fchrend. Seine Schilderungen der unmenschlichen Grausamkeiten, die er unter anderem im Konzentrationslager Ausschwitz erlebte, haben mir die Bedeutung von Erinnerung und Verantwortung eindringlich vor Augen gef\u00fchrt. Es war beeindruckend, mit welcher St\u00e4rke er \u00fcber diese dunkle Zeit spricht und wie er dazu beitr\u00e4gt, dass wir aus der Vergangenheit lernen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch mit Albrecht Weinberg war tief bewegend und hinterl\u00e4sst bleibende Eindr\u00fccke. Seine Schilderungen \u00fcber die unvorstellbaren Grausamkeiten und das Leben im Konzentrationslager haben mir die Bedeutung von Menschlichkeit, Respekt und Erinnerungsarbeit eindringlich vor Augen gef\u00fchrt. Besonders ber\u00fchrt hat mich sein Mut, \u00fcber diese traumatischen Erlebnisse zu sprechen, um nachfolgende Generationen zu sensibilisieren und aufzukl\u00e4ren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch mit Albrecht Weinberg lieferte besonders pr\u00e4gende Eindr\u00fccke, die die grausame Zeit des Holocausts von ihrer schlimmsten Seite zeigen. Besonders der pers\u00f6nliche Austausch bringt uns dieser Zeit n\u00e4her und l\u00e4sst uns die Vergangenheit nicht vergessen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em>Durch den Besuch bei Herrn Weinberg und dem dadurch entstandenen Kontakt zu einem \u00dcberlebenden aus der NS-Zeit, konnte man die Emotionen, die \u00fcber diese Zeit vorherrschend sind, nochmal besser wahrnehmen als wenn man sich lediglich eine Buchquelle von einem Zeitzeugen aus der Zeit anschaut. Dadurch kann ich mir nun die grausamen und menschenunw\u00fcrdigen Zust\u00e4nde, die zu der Zeit herrschten, besser vorstellen, denn als ich diese Berichte nur \u00fcber eine Buchquelle aufgenommen habe, fehlte mir in gewisser Weise die Vorstellungskraft welche Auswirkungen die Umst\u00e4nde in der NS-Zeit wirklich auf die Gefangenen hatte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 06. Dezember 2024 hatten die beiden Leistungskurse Geschichte im Jahrgang13 sowie Interessierte aus der 12. Jahrgangsstufe die einzigartige M\u00f6glichkeit, den Holocaust-\u00dcberlebenden Albrecht Weinberg in Leer zu treffen. Seit der Ver\u00f6ffentlichung des Buches \u201eDamit die Erinnerung nicht verblasst wie die<\/p>\n","protected":false},"author":1256,"featured_media":8204,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[63,2,16,15],"tags":[],"class_list":["post-8199","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-63","category-aktuelles","category-faecher","category-geschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1256"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8199"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8199\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8209,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8199\/revisions\/8209"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8204"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/gymharen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}