{"id":662,"date":"2019-08-14T07:43:23","date_gmt":"2019-08-14T05:43:23","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/?p=662"},"modified":"2019-08-14T10:18:49","modified_gmt":"2019-08-14T08:18:49","slug":"vorrangig-sprechen-wir-darueber-wie-es-uns-und-unseren-familien-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/2019\/08\/14\/vorrangig-sprechen-wir-darueber-wie-es-uns-und-unseren-familien-geht\/","title":{"rendered":"\u201eVorrangig sprechen wir dar\u00fcber, wie es uns und unseren Familien geht.\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Interview: Florin (9d) und Liam (9d)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vor nun schon 24. Monaten gab es am Gymnasium Hittfeld einen aus Sch\u00fclersicht recht pl\u00f6tzlichen Schulleiterwechsel. Herr Weinreich verlie\u00df die Schule und unser damals stellvertretender Schulleiter, Herr Patyna, trat an dessen Stelle. Grund genug f\u00fcr die hittnews, die beiden mit uns an einen Tisch zu bringen und mit Ihnen \u00fcber die vergangenen zwei Jahre zu sprechen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"492\" height=\"369\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/files\/2019\/07\/Unbenannt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-668\" \/><figcaption>L<strong>iam (l.) und Florin (r.) von den hittnews zusammen <\/strong><br><strong>mit Herrn Weinreich (2. v. l.) und Herrn Patyna.<\/strong><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>hittnews:<\/strong> Herr Weinreich, wie f\u00fchlen Sie sich denn damit, heute an \u201eIhre\u201c Schule zur\u00fcckzukehren?<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Ich bin ja vor ca. 10 Jahren schon einmal als Schulleiter an diese Schule zur\u00fcckgekehrt, an der ich bereits Sch\u00fcler war. Das war schon erst einmal eine gro\u00dfe Umstellung f\u00fcr mich. Zwar war ich davor nat\u00fcrlich schon Lehrer, aber wenn man an seine alte Schule zur\u00fcckkehrt, ist das schon komisch. Zu Beginn musste ich mich erst einmal am Riemen rei\u00dfen und sagen: \u201eHey, du bist doch Schulleiter und kein Sch\u00fcler mehr, verhalte dich auch so.\u201c Und so \u00e4hnlich war es dieses Mal auch. Als ich nach meinem Wechsel nach L\u00fcneburg zum ersten Mal wieder die Schule betreten habe, habe ich mich ein wenig wie der Schulleiter gef\u00fchlt. Denn alle Sch\u00fcler begr\u00fc\u00dfen und kennen einen. Auch das Schulleiterb\u00fcro hat sich ver\u00e4ndert. Man fragt sich dann nat\u00fcrlich, ob man mit dem Wechsel alles richtig gemacht hat. Aus der Schulleiterrolle habe ich mich erst nach den Sommerferien begeben. Nun ist es sch\u00f6n, einfach mal herumlaufen zu k\u00f6nnen und sich nicht \u00e4rgern zu m\u00fcssen, was wieder verbessert und renoviert werden m\u00fcsste. Andererseits frage ich mich nat\u00fcrlich, wie ich mich verhalten muss. Denn Herr Patyna ist ja jetzt Schulleiter und nicht ich. Es kommen aber schon positive Gef\u00fchle hoch. Ich hatte ja eine sehr sch\u00f6ne Zeit hier, die ich wirklich vermisse. Und heute bin ich zur Schule gekommen, habe alle freundlich begr\u00fc\u00dft und mich unterhalten.<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>Und du wurdest zur\u00fcckgegr\u00fc\u00dft?<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Genau, und ich habe ja auch noch eine Tochter hier an der Schule in der 10. Klasse und bleibe so mit der Schule verbunden.<br><strong>hittnews:<\/strong> Herr Weinreich, aus Sch\u00fclersicht waren Sie recht pl\u00f6tzlich verschwunden, und wir Sch\u00fcler wissen wenig von ihrer Arbeit in der Beh\u00f6rde. Erkl\u00e4ren Sie doch mal, was sie aktuell machen.<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Ich kann jetzt lange nicht mehr so viel gestalten wie fr\u00fcher, sondern muss mehr verwalten. Ich arbeite nun als schulfachlicher Dezernent und mache die Personalplanung f\u00fcr alle Gymnasien und Gesamtschulen in der Regionalabteilung L\u00fcneburg. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch das Gymnasium Hittfeld. Wenn also Herr Patyna jemanden einstellen m\u00f6chte, ruft er bei mir an. Wobei ich nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr die Schule aus schulfachlicher Sicht zust\u00e4ndig bin, sondern wirklich nur f\u00fcr das Personal.<br><strong>hittnews: <\/strong>Herr Patyna, wie f\u00fchlt es sich denn an, wenn der \u201ealte Chef\u201c wieder zur\u00fcck an die Schule kommt? F\u00fchlt man sich da beobachtet?<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Nein. Das ist sehr sch\u00f6n. Es war jetzt auch nicht unser erstes Wiedersehen seit dem Schulleiterwechsel. Wir haben uns fr\u00fcher schon regelm\u00e4\u00dfig getroffen und tun es heute auch noch. Sei es, dass wir Billard spielen oder zusammen Fu\u00dfball schauen.<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Man muss aber zugeben, dass diese Treffen weniger regelm\u00e4\u00dfig geworden sind. Woran das liegt, wei\u00df ich jedoch nicht genau.<br><strong>hittnews: <\/strong>Und reden Sie bei ihren Treffen auch \u00fcber schulische Dinge?<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Vorrangig sprechen wir dar\u00fcber, wie es uns und unseren Familien geht. Dabei redet man nat\u00fcrlich unausweichlich auch \u00fcber Schule. Nach dem Schulleiterwechsel gab es anfangs nat\u00fcrlich noch Fragen wie: \u201eWie hast du das gemacht?\u201c. Gerade dies ist ja eine sehr gute Frage, denn der Neue kann Vieles anders machen, aber er ist manchmal auch gut beraten, bestimmte Dinge nicht zu ver\u00e4ndern, denn sonst wird Verwirrung geschaffen.<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>Apropos Schulleiterwechsel: Wenn jemand von au\u00dfen kommt, kann dieser ja sagen: \u201eIch mache alles neu!\u201c. Dies war bei uns nicht der Fall. Ich war ja bereits neun Jahre stellvertretender Schulleiter. Wenn ich eine 180\u00b0 Wendung gewagt h\u00e4tte, h\u00e4tte ich mich ja absurd gef\u00fchlt. Von daher sind also etliche Dinge, die Herr Weinreich und ich zusammen angedacht haben, weitergef\u00fchrt worden. Dadurch entsteht auch eine gewisse Kontinuit\u00e4t.<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Das Besondere war ja auch, dass wir beide unsere klaren Arbeitsbereiche hatten. Wir haben uns zwar gegenseitig beraten, auch mit den Studiendirektoren, aber letztendlich haben wir uns da auch nicht hineingeredet. Durch diese klare Arbeitsteilung hatten der Stellvertreter und die Direktoren sehr viel Eigenverantwortung. So konnte die Schulleitung meinen Abgang gut auffangen.<br><strong>hittnews: <\/strong>Dann sind Sie ja noch gut \u00fcber das Gymnasium Hittfeld informiert. Was halten sie denn von den Ver\u00e4nderungen wie der Phase 0 und dem Kabinettsystem?<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Das Kabinettsystem hatte ja den Ursprung von mir und ich bin jemand, der gerne etwas Neues wagt. Sonst h\u00e4tte ich ja auch nach 8 \u00bd Jahren nicht den Wechsel nach L\u00fcneburg gewagt. Ich h\u00e4tte durchaus auch 25 Jahre Schulleiter bleiben k\u00f6nnen. Aber ich wei\u00df gar nicht mehr ganz genau, wie und wann wir auf die Idee gekommen sind, ein Kabinettsystem einzuf\u00fchren.<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>Ich wei\u00df das noch ziemlich genau. Du kamst vor etlichen Jahren mit einem dreiseitigen Artikel \u00fcber das Kabinettsystem ins B\u00fcro. Wir haben den Artikel gelesen, jedoch ist die Idee wieder in Vergessenheit geraten. Aber irgendwann kam das Thema dann \u00fcber die \u201eSteuergruppe Schulentwicklung\u201c wieder ans Tageslicht.<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Kabinettsystem und Phase 0 h\u00e4ngen ja direkt zusammen. Denn als wir wussten, dass die Renovierung kommen muss, war auch das Timing g\u00fcnstig f\u00fcr die Einf\u00fchrung des Kabinettsystems. Denn wenn man systembedingte Ver\u00e4nderungen macht, die auch sicherlich teuer sind, ist es einfacher, damit zu starten, wenn man ohnehin dabei ist, Geld zu investieren. Ich finde die Tatsache, dass sich das Gymnasium Hittfeld auf den Weg gemacht hat, solche systemischen Ver\u00e4nderungen durchzuf\u00fchren, sehr spannend. Ich kann mich noch an einzelne Situationen erinnern: Die Abstimmung der Sch\u00fclervertretung in der Gesamtkonferenz, die Diskussionen im Schulvorstand und die Pr\u00e4sentationen des Architekten \u00fcber die M\u00f6glichkeiten des Umbaus. Ich hatte ein wenig Angst, als ich dann so pl\u00f6tzlich gegangen bin, dass die beharrenden Kr\u00e4fte, die es immer gibt, die Oberhand gewinnen, und dass das Kabinettsystem und der Umbau einschlafen k\u00f6nnten. Insofern bin ich wirklich hocherfreut, dass das nicht so ist, sondern dass sich die fortschrittlichen Kr\u00e4fte durchgesetzt haben. Nat\u00fcrlich gibt es Kinderkrankheiten, die man aber, wenn man dar\u00fcber spricht, in der Regel beheben kann. Wenn ich h\u00f6re, dass B\u00fccher im Keller liegen, ist das sofort behebbar. Aber wenn R\u00e4ume zu klein sind, dann ist das wirklich ein Problem, dem man jedoch organisatorisch gegensteuern kann.<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Das ist auch wieder ein Beispiel f\u00fcr die Kontinuit\u00e4t. Durch die intensive Zusammenarbeit vor dem Schulleiterwechsel konnte das Kabinettsystem jetzt so richtig Fahrt aufnehmen. Vielleicht h\u00e4tte ein Schulleiter von au\u00dfen, der das Konzept Kabinettsystem nicht kennt, das Projekt nicht weiterverfolgt.<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Ein dazu passendes Beispiel ist der sogenannte Methodenordner, welcher aus den intensiven Diskussionen \u00fcber das Methodenlernen der Sch\u00fcler entstanden ist und jedem Sch\u00fcler sukzessiv im Laufe seiner Schulzeit zugeteilt werden sollte. Es gab hitzige Debatten und der R\u00fcckhalt innerhalb des Kollegiums war, obwohl es einen Gesamtkonferenzbeschluss gegeben hatte, aus meiner Sicht nicht \u00fcberzeugend. Ich, als damalig neuer Schulleiter, brach das Projekt ab, da ich den Prozess der Entstehung nicht kannte und nicht direkt \u00fcberzeugt war. Das war eigentlich eine Katastrophe, denn viele Kolleginnen und Kollegen hatten immens viel Zeit investiert. Wenn ein solches Projekt dann von heute auf morgen einschl\u00e4ft, ist es verst\u00e4ndlicherweise frustrierend f\u00fcr den letztgenannten Personenkreis. Diese bekommen dann das Gef\u00fchl, dass die eigene Arbeit nicht wertgesch\u00e4tzt wird. Insofern ist es jetzt, wie es mit dem Kabinettsystem gelaufen ist, eigentlich optimal.<br><strong>hittnews: <\/strong>Denken Sie, Herr Patyna, dass Herr Weinreich das genauso gut gemacht h\u00e4tte bzw. w\u00e4re sehr viel anders gewesen?<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Da wir, obwohl wir \u00e4hnlich ticken, unterschiedliche Menschen sind, bin ich mir sicher, dass es ein wenig anders verlaufen w\u00e4re. Die Grobmarschrichtung w\u00e4re jedoch sicherlich eine \u00e4hnliche gewesen.<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Das f\u00fchrt mich zu einem wichtigen Punkt. Ich glaube die gro\u00dfe Kunst als Schulleiter, und in F\u00fchrungspositionen generell, ist es, Impulse zu setzen, aber dann die Menschen machen zu lassen und sie dabei zu unterst\u00fctzen. Beim Erfolg des Kabinettsystems ist nat\u00fcrlich der Impuls des Schulleiters wichtig, aber umsetzen m\u00fcssen es andere und an dieser Schule habt ihr so viele engagierte Kolleginnen und Kollegen, die das vorantreiben, da sie es machen wollen. Herr Patyna schafft als Schulleiter den Rahmen und sorgt daf\u00fcr, dass diejenigen, die machen wollen, auch machen k\u00f6nnen. Das ist die hohe Kunst von F\u00fchrung. Im Nachhinein betrachtet, w\u00fcrde ich da heute einiges anders machen.<br><strong>hittnews: <\/strong>Nennen Sie beide doch mal Ihre Beweggr\u00fcnde, die Stelle gewechselt zu haben.<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>Da musst du anfangen, ohne dich w\u00e4re ich jetzt kein Schulleiter.<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Ich k\u00f6nnte jetzt nat\u00fcrlich sagen, dass ich Herrn Patyna einen Gefallen tun wollte, da er ja etwas \u00e4lter ist als ich, er sonst an dieser Schule nie Schulleiter h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Aber das war nicht wirklich meine Motivation. Die Wahrheit ist: Erstens war ich Mitte 40, als ich Schulleiter wurde, und habe immer gesagt, dass ich das Ganze an dieser Schule 10+X Jahre mache. Ich bin ein Typ, der sich Ver\u00e4nderungen w\u00fcnscht und wenn diese Chance sich bietet, sie auch nutzt. Da ich nur 8 \u00bd Jahre Schulleiter war, ist das X offensichtlich negativ. Das habe ich mir auch ein bisschen anders vorgestellt, denn ich h\u00e4tte gerne das Kabinettsystem \u00fcber die Probephase hinaus eingef\u00fchrt. Die Zeit, in der ich als Schulleiter agierte, h\u00e4tte dann circa 12 bis 13 Jahre betragen. Zu diesem Zeitpunkt w\u00e4re ich Mitte 50, welches ein gutes Alter ist, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Nun bot sich f\u00fcr mich die Chance zur Ver\u00e4nderung ein wenig fr\u00fcher und diese habe ich trotz der eben genannten Vorstellungen ergriffen. Ein zweiter Grund ist folgender: Meiner Meinung nach ist es nicht gut, wenn eine Schule l\u00e4nger als zehn Jahre von ein und derselben Person geleitet wird. Dies hat mehrere Gr\u00fcnde. Zum einen gehen einem mit der Zeit schlichtweg die Ideen aus, und zum anderen kann es sein, dass man lieber auf das zur\u00fcckblickt, was man erreicht hat und nichts mehr ver\u00e4ndern will. Das kann vielleicht auch schon einsetzen, wenn man noch circa acht Jahre Restlaufzeit bis zur Pensionierung hat. Das auf der Stelle Treten ist f\u00fcr eine Schule eine Katastrophe. Wenn jemand beispielsweise 20 Jahre eine Schule leiten w\u00fcrde, dann w\u00fcrde so viel festgefahren werden, sodass es der Nachfolger immens schwer h\u00e4tte, diese Strukturen aufzubrechen. Drittens gibt es bei mir nat\u00fcrlich noch eine private Perspektive. Ich habe ja drei kleine Kinder. Meine kleinste Tochter ist sieben, mein Mittlerer ist 10 und meine Gro\u00dfe ist 16. Ich habe mir selbst gesagt: \u201eDu hast nun 8 \u00bd Jahre sehr viel, auch an den Wochenenden, gearbeitet, und du hattest wenig Zeit f\u00fcr deine Familie. Willst du weiter mit der Intensit\u00e4t und mit dem Anspruch, den du hast, Schulleiter sein, mit dem Risiko, deine Familie und deine Gesundheit zu vernachl\u00e4ssigen? Da mir meine Familie, Gesundheit und Zeit zu wichtig sind und ich einen sehr guten stellvertretenden Schulleiter hatte, von dem ich wusste, dass er sicherlich gerne Schulleiter w\u00e4re, habe ich die Chance genutzt. Ein kleiner Wermutstropfen ist leider, dass ich meiner Tochter versprochen hatte, ihr ihr Abiturzeugnis zu \u00fcberreichen. Daraus wird nun nichts.<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Bei der von dir angesprochenen Betriebsblindheit muss man tats\u00e4chlich immens aufpassen. Nicht ohne Grund gibt es in der Kirche die Regel, dass nach 10 Jahren der Pastor wechseln sollte. Denn sonst h\u00f6rt die Gemeinde nicht mehr zu. Das kann man vielleicht auch gewisserma\u00dfen auf die Schule \u00fcbertragen. Und man sollte sich als Schulleiter fragen: \u201eWie ist das bei mir? Bin ich blind oder gucke ich noch genau hin? Lasse ich noch Impulse von au\u00dfen zu oder tue ich das ab und ignoriere die Ideen anderer?\u201c Die Kunst der Schulleitung ist, da noch sensibel zu sein. Jetzt aber zu mir. Nat\u00fcrlich habe ich die Chance selbst ergriffen, denn es hat sich ja so ergeben. Ich h\u00e4tte aber auch sagen k\u00f6nnen: \u201eNein, ich bleibe stellvertretender Schulleiter. Dann aber mit der Gefahr, dass jemand anderes ganz anders lenkt. Damit w\u00e4re ich vermutlich nicht zurechtgekommen. Daher habe ich mich dazu entschieden zu sagen: \u201eDie Richtung, in die wir als gesamte Schule gehen, ist die richtige und ich will daf\u00fcr sorgen, dass das auch so bleibt.&#8220;<br><strong>hittnews: <\/strong>Herr Patyna, sind sie auch ein Mensch, der, wie Herr Weinreich, die Ver\u00e4nderung braucht?<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Nein, nicht direkt. Ich bin kein Mensch, der unbedingt die Ver\u00e4nderung braucht. Man sagt ja oft, Lateiner seien Traditionalisten, die m\u00fcssen nicht immer Neues haben. Ich habe jetzt nicht den Stress, unbedingt wechseln zu m\u00fcssen.<br><strong>hittnews: <\/strong>Wussten sie voneinander, dass der jeweils andere einmal seine Stelle wechseln wird?<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>Da ich ihn schon eine Zeit lang gut kenne, war mir von Anfang an klar, dass da noch etwas passieren wird.<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Ich hatte im Dezember 2016 ein Gespr\u00e4ch mit dem Pr\u00e4sidenten der Landesschulbeh\u00f6rde. Das habe ich Herrn Patyna und der erweiterten Schulleitung damals nat\u00fcrlich erz\u00e4hlt. Im Februar 2017 konkretisierte sich das Ganze und wir haben begonnen, zu planen, was passiert, wenn ich die Schule im Sommer 2017 verlassen w\u00fcrde. Dann habe ich mich im M\u00e4rz 2017 beworben. Das Kollegium habe ich im Lehrerzimmer auf einer Pausendienstbesprechung informiert, unter der Aufforderung, dies f\u00fcr sich zu behalten. Ich bin sehr fasziniert davon, dass die Lehrerinnen und Lehrer es im M\u00e4rz wussten, aber ihr Schweigen dar\u00fcber nicht ein Mal gebrochen haben. Frau K\u00fchl kennt Freunde von mir aus Stade. Sie wusste nicht, ob diese Freunde den Plan kennen, und sie meinte am Ende zu mir, dass sie den Freunden gegen\u00fcber ein schlechtes Gef\u00fchl gehabt hatte, aber es ihnen nicht gesagt habe. Dieser Vertrauensbeweis der Kolleginnen und Kollegen, die ja hoffentlich nicht wollten, dass ich gehe, hat mir einfach noch einmal gezeigt, dass es die richtige Entscheidung ist. Denn ich wusste, dass sie mir vertrauen, und sie vertrauen darauf, wie es danach weitergeht. Schwergefallen ist es mir mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Bei der Abi-Entlassung habe ich es gewusst, und durfte es nicht sagen. Und das, obwohl es mein erster Jahrgang war, den ich eingeschult habe. Das h\u00e4tte ja auch wundersch\u00f6n gepasst: wir kommen gemeinsam und wir gehen gemeinsam. In dem Jahrgang gab es einen Vater, der mein bester Freund ist. Ihn kenne ich schon sehr lange und er war eingeweiht. Er hat die Andeutungen in meiner Rede auch direkt verstanden.<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Als stellvertretender Schulleiter ist es nat\u00fcrlich eine besondere Situation. Es war ja nicht klar, ob Herr Weinreich nun direkt am Anfang des Schuljahres wechselt oder erst ein wenig sp\u00e4ter, da die Beh\u00f6rde in Bezug darauf ein wenig schwerf\u00e4llig ist. Dann hie\u00df es pl\u00f6tzlich, die erste Dienstbesprechung musst du \u00fcbernehmen.<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Am 2. August 2017 war diese Dienstbesprechung, auf der ich es den Kolleginnen und Kollegen noch einmal gesagt habe, obwohl sie es schon sicher wussten, da ich ihnen eine Woche vor Schulbeginn eine Mail geschickt hatte. Dann wurde ich sehr nett verabschiedet. Es war also f\u00fcr die Schule sehr gut planbar gewesen.<br><strong>hittnews: <\/strong>Und bereuen Sie ihre Entscheidung, das Amt zu wechseln?<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Nein (beide lachen). Ich bin eigentlich recht zufrieden mit meinem Beruf, den ich aktuell aus\u00fcbe. Fast jeden Morgen komme ich zufrieden ins B\u00fcro und freue mich, diesen Weg gegangen zu sein. Aber ein kleiner Wermutstropfen ist, dass sich irgendwie die Beziehung zu dem Kollegium ein wenig ins Negative ver\u00e4ndert. Denn wenn man der Schulleiter ist, gibt es schulintern keine h\u00f6here Instanz, was einen nat\u00fcrlich in einem etwas anderen Licht darstellt. Das ist anders, wenn man noch stellvertretender Schulleiter ist. Dann gibt es ja noch immer jemanden, der \u201em\u00e4chtiger\u201c ist als man selbst. Aber insgesamt bin ich ein sehr zufriedener Schulleiter und dem Kollegium und auch den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern recht nahe, indem ich meine T\u00fcr immer offen habe. Das zeigt nat\u00fcrlich auch symbolisch, dass ich f\u00fcr andere immer ein offenes Ohr habe. Und wenn ein Sch\u00fcler oder ein Kollege bzw. eine Kollegin fragt, ob ich noch kurz 5 Minuten h\u00e4tte, ist das fast immer der Fall. Das finde ich aber an unserem Kollegium generell gut, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler immer zu den Lehrerinnen und Lehrern kommen k\u00f6nnen, und meinem Gef\u00fchl nach auch viel Vertrauen in die Lehrer setzen k\u00f6nnen und dies auch tun.<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> F\u00fcr mich ist die Frage, ob ich den Wechsel positiv oder negativ betrachte, nicht klar zu beantworten. Es ist ja so, dass ich jetzt zum Beispiel viel mehr Zeit f\u00fcr meine Familie habe. Das sch\u00e4tzen ich und meine Familie sehr. Aber jedes Mal, wenn ich hier wieder zu gro\u00dfen Veranstaltungen gekommen bin, vor allem zum gro\u00dfartigen Musical, dachte ich mir, dass ich die falsche Entscheidung getroffen habe.<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>Da habe ich gedacht, dass ich definitiv die richtige Entscheidung getroffen habe. (Beide lachen)<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Denn als Schulleiter kann man den Rahmen f\u00fcr solche Veranstaltungen geben, und sie f\u00f6rdern. Das macht ja letztendlich Schule aus. Ich war unglaublich stolz auf unsere Schule, aber ich h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, dass dies alles unter mir entstanden w\u00e4re. Aber jedes Mal, wenn ich abends hier vorbeifahre und Licht brennt, sage ich mir, dass ich alles richtig gemacht habe. Auch wenn ich nat\u00fcrlich noch dieselben Wochenstunden habe. Aber ich arbeite eben am Wochenende nicht. Ich hatte in den letzten 1 \u00bd Jahren so viel Zeit f\u00fcr meine Familie wie in den 8 \u00bd Jahren davor zusammen.<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Und auch die abendlichen Termine sind weniger, oder?<br><strong>Herr Weinreich: <\/strong>Ja, definitiv. Das entlastet nat\u00fcrlich sehr. Das, was mir aber fehlt, seid ihr Sch\u00fcler. Ich wei\u00df nicht, ob ihr das auch immer so wahrgenommen habt, aber ich habe immer unglaublich gerne mit euch gearbeitet. Deshalb habe ich auch immer freiwillig acht Stunden unterrichtet. Die Mitglieder der Schulleitung haben gesagt, dass ich verr\u00fcckt sei, weil ich doch die Schule leiten m\u00fcsse. Ich hatte auch immer \u2013 au\u00dfer einmal \u2013 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Abitur. Auch habe ich immer AGs geleitet und viel vertreten, weil es mir einfach Spa\u00df machte. Man bekommt ja auch immer ganz viel zur\u00fcck von euch, auch wenn es mal Stress gibt. Man sieht, wie ihr lernt, vorankommt und erfolgreich seid. Damit meine ich nicht nur die Jahrg\u00e4nge im Abitur, sondern auch die f\u00fcnften Klassen. Es gibt ja immer Sch\u00fcler, die sind Originale, und man denkt sich: \u201eWie soll das denn was werden.\u201c Und dann \u00fcberreicht man ihnen das Abitur, und sie sind immer noch Originale. Wenn ich das sehe, sage ich mir, du hast es falsch gemacht. Aber ich k\u00f6nnte ja auch bis 67 arbeiten, und dann einfach nochmal zwei Jahre Schulleiter sein.<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>In der Rolle des Stellvertreters hat man noch viel Kontakt zu Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Das ist in der Rolle des Schulleiters deutlich anders. Das fehlt mir auch. Ich habe auch damals gesagt: \u201eVertritt nicht so viel, sondern mach deinen B\u00fcrokram\u201c, und jetzt sage ich auch manchmal: \u201eIch mache die Vertretung!\u201c, denn der Grund, warum man einmal Lehramt studiert hat, ist ja der Kontakt zu Sch\u00fclern.<br><strong>hittnews:<\/strong> Wollen Sie beide noch h\u00f6her hinaus? Wo sehen sie sich denn in 10 Jahren?<br><strong>Herr Patyna: <\/strong>In zehn Jahren sehe ich mich pensioniert (lacht). Mir gef\u00e4llt es hier sehr gut, man will sich nat\u00fcrlich noch nicht festlegen, aber ich k\u00f6nnte mir vorstellen, bis zur Pensionierung hier als Schulleiter zu arbeiten. Denn f\u00fcr mich ist nicht unbedingt die Vision da, in die Landesschulbeh\u00f6rde zu gehen.<br><strong>Herr Weinreich:<\/strong> Noch h\u00f6her hinaus? Das w\u00e4re ja zum einen der Weg in die Politik, den ich mir eher nicht vorstellen kann. Aber andererseits sind ja \u00fcber uns sehr viele Positionen, die langsam frei werden, weshalb man es durchaus nicht ausschlie\u00dfen kann, dass jemand fragt: \u201eHerr Patyna oder Herr Weinreich, es ist eine bestimmte Position frei geworden und wir hatten da an Sie gedacht\u2026\u201c. Au\u00dferdem kann es ja sein, dass man auch in einem h\u00f6heren Bereich einen Personalmanager braucht, was ich ja machen k\u00f6nnte. Als ich den Job gewechselt habe, meinte meine Tochter Jule, damals in der 8. Klasse, zu mir: \u201eMir ist es egal, ob du wechselst oder nicht. Hauptsache wir ziehen nicht nochmal um\u201c. Also bleibt mir, bis sie ihr Abitur hat, die Option schonmal aus (lacht). Aber wenn ich mir das so ausrechne, k\u00f6nnte ich, wenn Herr Patyna in Pension geht, noch zwei Jahre Schulleiter werden. Das w\u00e4re schon eine gute Option.<br><strong>Herr Patyna:<\/strong> Man merkt richtig, wie viel Spa\u00df ihm die Arbeit mit Sch\u00fclern macht.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview: Florin (9d) und Liam (9d) Vor nun schon 24. Monaten gab es am Gymnasium Hittfeld einen aus Sch\u00fclersicht recht pl\u00f6tzlichen Schulleiterwechsel. Herr Weinreich verlie\u00df die Schule und unser damals stellvertretender Schulleiter, Herr Patyna, trat an dessen Stelle. Grund genug f\u00fcr die hittnews, die beiden mit uns an einen Tisch zu bringen und mit Ihnen &#8230; <a title=\"\u201eVorrangig sprechen wir dar\u00fcber, wie es uns und unseren Familien geht.\u201c\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/2019\/08\/14\/vorrangig-sprechen-wir-darueber-wie-es-uns-und-unseren-familien-geht\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber \u201eVorrangig sprechen wir dar\u00fcber, wie es uns und unseren Familien geht.\u201c\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9192572,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-662","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9192572"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=662"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":673,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662\/revisions\/673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/hittnews\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}