Schlagwort: Journalismus

  • Reihe „Medien in der Krise“: Es ist Zeit aufzuwachen: Sonst verschläft der klassische Journalismus, während die digitalen Medien schon längst wach sind.

    Reihe „Medien in der Krise“: Es ist Zeit aufzuwachen: Sonst verschläft der klassische Journalismus, während die digitalen Medien schon längst wach sind.

    Sinkende Verkaufspreise, steigende Produktionskosten. Für den klassischen Journalismus wird es immer schwieriger, sich über Wasser zu halten, denn die digitalen Angebote sind enorm und wachsen stätig. Doch bedeutet die Digitalisierung wirklich das Ende für den klassischen Journalismus? Nein, nicht unbedingt, denn wir brauchen den Journalismus, vielleicht in veränderter Form und anders vermarktet, aber wir brauchen ihn!

    Ein Essay von LETICIA NAJDA, 13. Jahrgang

    Die Zeitung. Früher hat sie jeder gelesen und aus ihr bekam man die Informationen. Aber was ist heute? Durch die digitalen Angebote bekommt man Informationen von überall. Da fragt man sich natürlich: Wieso sollte ich noch die Zeitung kaufen? Aber genau darin liegt das Problem: Jeder kann verbreiten, teilen und lesen, was er möchte. Im Internet gibt es keine Kontrolle und auch keine Transparenz. Für eine neutrale Berichterstattung ist guter Journalismus essenziell und wichtig. Es erfordert ein Umdenken in der Gesellschaft und eine Umstrukturierung in der Medienbranche, damit klassischer Journalismus weiter existieren kann.

    Bild 1: Pörksen schlägt „Medienwissenschaft“ als Schulfach vor.

    Durch das Internet wird jeder zum Sender und zum Empfänger. Dies stellt auch der Medienwissenschaftler Pörksen fest. Also kann jeder teilen, was er möchte, ohne dass diese Informationen in irgendeiner Hinsicht kontrolliert werden. Diese Möglichkeit macht es fast unmöglich die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden. Außerdem gibt es wenig Regelungen und Vorschriften, wodurch teilweise auch unangebrachte Informationen oder Bilder geteilt werden. Und genau das stellt ein riesiges Problem dar: Menschen nehmen Informationen auf, ohne zu wissen, ob diese der Wahrheit entsprechen oder nicht. Zusätzlich werden immer mehr „Fake News“ verbreitet, allein für die Klicks. Der Fokus steht nicht mehr auf qualitativer und neutraler Berichterstattung, sondern viel mehr darauf, möglichst viel Aufmerksamkeit durch die Informationen, die man teilt, zu bekommen. Aber was dagegen tun? Nur „das“ glauben, was man für die Wahrheit und richtig hält? Wohl nicht! Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen guten Journalismus erkennen und so von schlechtem abgrenzen können. Die Menschen sollten die Prinzipien von gutem Journalismus kennen und sie sollten die Grundsätze des Journalismus verstehen, anwenden und umsetzten können. Die Vorstellung einer „redaktionellen Gesellschaft“ hat der Medienwissenschaftler Pörksen in seinem Kommentar „Alle müssen Journalisten sein“ bereits aufgegriffen. Dieser schlägt „Medienwissenschaft“ als Schulfach vor, damit die Grundsätze und Prinzipien des Journalismus ein Teil der Allgemeinbildung werden. Dadurch würde man es schaffen, dass die Menschen bewusster mit den digitalen Medienangeboten umgehen und dadurch auch neutrale und gute Berichterstattung erkennen können. Wenn „Medienwissenschaft“ ein Teil der Allgemeinbildung wäre, dann hätten „Fake News“ viel weniger Macht als jetzt und generell würden sie weniger Aufmerksamkeit bekommen.

    Natürlich wird es schwer diese Vorstellung umzusetzen, da auch die älteren Generationen, die nicht mehr zur Schule gehen, Initiative zeigen und sich eigenständig mit dem Thema befassen müssten. Allerdings wäre es eine Möglichkeit Workshops und Weiterbildungskurse anzubieten, wie wir es beispielsweise von Erste-Hilfe-Kursen oder Sprachkursen kennen. Dennoch sollte jeder Bürger daran interessiert sein, gut informiert zu werden, da dies dazu beiträgt, dass unsere Demokratie funktioniert. Denn nur, wenn man informiert ist, kann man Vorgänge verstehen, mitreden und sich eine eigene Meinung bilden, die dann vielleicht sogar Lösungsvorschläge hervorbringt.

    Bild 2: Verschlafen die etablierten Medien?

    Dass die Mediennutzung in den letzten Jahren stark zugenommen hat, ist kaum zu leugnen und wird deutlich am Beispiel eines jeden selbst. Denn z. B. nutzen wir das Handy heute viel mehr als früher. Das liegt daran, dass vielen Branchen eine Digitalisierung vorangetrieben haben und es weiterhin tun. Früher kaufte man CDs, heute hört man Spotify. Früher kaufte man DVDs, heute schaut man Netflix. Früher las man Zeitung, heute liest man auf Soical Media. Aber ist die Digitalisierung schlecht? Nein! Viele Branchen haben sich auf diesen Umbruch eingestellt und begannen ihre Produkte anders zu verkaufen. Das beste Beispiel dafür sind die Musik- und die Filmbranche. Anstatt zuzuschauen, wie die Verkaufszahlen immer weiter sinken, haben diese Branchen digitale Alternativen entwickelt. Dieses stellt auch der Medien- und Literaturwissenschaftler Hörisch in seinem Kommentar „Heute sind Journalisten als Barkeeper gefragt“ fest. Und warum passiert das Gleiche nicht mit dem Journalismus? Journalismus ist ebenfalls eine Branche, die alle Altersgruppen nutzen und auch auf die alle angewiesen sind. Denn auch Jugendliche informieren sich und vertrauen dabei meist nur den öffentlich-rechtlichen und traditionellen Medien. Dies stellt die JIM-Studie fest, die sich mit der Mediennutzung von Jugendlichen beschäftigt hat. Außerdem zeigt sie, dass auch die Mediennutzung allgemein bei den Jugendlichen steigt. All diese Argumente sprechen für eine Digitalisierung der Medienbranche. Aber wo liegt das Problem? Digitalisierung bedeutet ja nicht das Ende des traditionellen Journalismus, ganz im Gegenteil. Dadurch öffnen sich viele neue Möglichkeiten. Aber die traditionelle Medienbranche ist dabei zu verschlafen. Die Digitalisierung passierte nicht über Nacht. Aber es ist ein Umbruch, der schon seit langem bekannt ist. Viele Studien zeigen, dass der Trend immer weiter steigt. Diese Entwicklung stellt auch der Medienwissenschaftler Dengler fest.  Es ist also höchste Zeit für Veränderungen. Um dieses umzusetzen sollte nicht allzu schwer sein, denn schließlich gibt es, wie bereits genannt, Vorreiter und Beispiele aus anderen Branchen. Es ist für die traditionellen Medien einfach wichtig, ihre Produkte in „veränderter Form anderes zu vermarkten“, so Hörisch, also digitale Angebote zu schaffen, sich auf den Umbruch einzustellen. Dann kann auch der traditionelle Journalismus weiter existieren. Denn trotz der Digitalisierung sollten die Grundsätze des traditionellen Journalismus weiterhin beachtet und angewandt werden, denn nur so wäre eine Umgestaltung der Branche auch effektiv und nützlich. Schließlich sollte die gute Arbeit erhalten bleiben und nur das Produkt sollte man verändern. Denn egal ob digital oder traditionell, Journalismus sollte qualitativ gut sein, um die Funktionen der Medien zu erfüllen und die Leser/-innen zufrieden stellen und neutral zu informieren.

    Die Qualität sollte gleichbleiben. Also sollten auch die Grundsätze der traditionellen Arbeit erhalten werden. Doch das ganze 1:1 umzusetzen wird schwer. Denn die Digitalisierung fordert in gewisser Weise auch einer Veränderung der Arbeit. Dieser Aspekt betrifft aber nicht nur den Journalismus, sondern auch viele andere Berufe. Denn durch die Digitalisierung verändern sich viele Arbeitsplätze. Aber damit muss man lernen umzugehen, sich z. B. weiterbilden oder umschulen. Die Veränderung der Arbeit bedeutet aber nicht, dass man das einmal gelernte „Alte“ nicht mehr braucht. Nein, im Gegenteil. Die Kombination macht es. Schaut man sich beispielsweise die Fließbandarbeiter an: Ihre Arbeit wird immer mehr von Robotern übernommen. Um diese aber zu programmieren und zu konstruieren, nutzte man die Erfahrungen der Arbeiter, um den Vorgang zu optimieren. Die Roboter ersetzten zwar Arbeiter, aber durch sie entstehen auch neue Arbeitsplätze. Um diese auszuüben, muss man allerdings bereit sein sich umzuschulen und weiterzuentwickeln. Ein Prozess, vor dem viele Angst haben, verständlicherweise. Aber er ist unausweichlich.

    Fast genauso kann man diese Entwicklung auch auf die Medienbranche beziehen. Damit traditioneller Journalismus weiter existieren kann, muss die Arbeitsweise verändert werden. Der Medienwissenschaftler Hörisch beschreibt dieses in seinem Kommentar „Heute sind Journalisten als Barkeeper gefragt“. Er macht deutlich, dass früher die Journalisten die „Gatekeeper“ waren. Also darüber bestimmten, welche Informationen wann und wie verwendet und veröffentlicht werden. Heute übernehmen wir alle diese Funktion durch das Internet. Die Veränderung des Berufes liegt darin, aus den bereits bestehenden Informationen einen gut recherchierten und neutralen Bericht zu erfassen, der es dem Leser ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Hörisch beschreibt die neue Funktion der Journalisten als „Barkeeper“.  Also aus den vorhandenen Mitteln etwas Gutes und qualitativ Hochwertiges zu mischen.

    Die Digitalisierung zwingt also zu neuen Arbeitsweisen. Aber nicht nur das. Denn der Journalismus wurde durch die Digitalisierung immer mehr kritisiert. In einem Geschwirr von „Fake News“ und Social Media verliert man schnell den Überblick. Man weiß nicht mehr, was man glauben soll, und wird immer skeptischer und kritischer. Viele Menschen verlieren dadurch das Vertrauen. Ein Fall, wie der von Relotius, untermauert das Misstrauen gegenüber den traditionellen Medien zusätzlich.  Deshalb ist es sehr wichtig für Journalisten zu zeigen, dass die Leser ihnen vertrauen können. Dies gelingt vor allem durch mehr Transparenz. Auch der Journalist und Medienwissenschaftler Haller appelliert, den Fokus mehr auf die Funktionen von Medien zu setzten und sich an Richtlinien wie den Pressekodex zu halten. Er schlägt vor, dass die Medienbranche unabhängiger und differenzierter werden sollte. Zusätzlich kritisiert er die Konfliktangst mancher Journalisten. Eine Erkenntnis, die wichtig ist und zeigt, wie es Journalisten gelingt das Vertrauen der Leser zurück zu gewinnen. Denn es steht außer Frage, dass die Medienbranche das Vertrauen der Leser braucht, um weiterhin zu überleben. Die Qualität sollte wieder in den Vordergrund gestellt werden. Ein positives Beispiel dafür ist die „New York Times“. Dies macht auch Bundespräsident Steinmeier in seiner Rede für die Verleihung des Marion Dönhoff Preises, deutlich. Über die Jahre hinweg war sie eine Zeitung, der die Leser vertrauten. Die sich durch Qualität und besonders gute Recherche auszeichnete und die heute von ihrer Arbeit profitiert. Ohne das Vertrauen der Leser nutzen alle anderen Bemühungen nichts. Denn wenn man keine treuen Leser hat, braucht man auch keine Umstrukturierung oder Ähnliches. Denn schließlich lebt der Journalismus davon, gelesen zu werden.

    Die Digitalisierung erweitert die Möglichkeiten von uns allen. Uns wird in einer immer schnelllebigen Zeit, mit einer immer größeren Auswahl, mehr geboten. Allgemein kann man sagen, dass die Digitalisierung eine Bereicherung für unsere Leben ist. Aber trotzdem sollte man ihr nicht blind vertrauen. Das beste Beispiel ist, wie durch den Text klargeworden, der Journalismus. Es erfordert eine klare Differenzierung von „echtem“ Journalismus zu dem „Möchtegern“-Journalismus im Internet. Dass die Digitalisierung der Medienbranche noch nicht so umgesetzt wurde wie in anderen Branchen, ist ein Problem, welches uns alle betrifft. Denn wenn dieses nicht in Zukunft geschieht und der traditionelle Journalismus verschwindet, weil die Konkurrenz im Internet überwiegt, dann müssen wir selbst die Aufgabe der Journalisten übernehmen. Vielleicht erkennt man die Wichtigkeit erst, wenn der Journalismus verschwindet, aber so weit darf es nicht kommen. Es gilt also für jeden von uns den traditionellen Journalismus zu unterstützen, aber gleichzeitig auch darauf aufmerksam zu machen, wie dringend eine Umstrukturierung ist. Es wäre wünschenswert z. B. über die Medien diese Forderungen zu verbreiten, damit allen bewusst wird, wie wichtig der Erhalt und die Digitalisierung dieser Branche ist. Denn sonst können wir uns in Zukunft nicht darauf verlassen, dass die Informationen, die wir lesen, die Aufgaben der Medien erfüllen, Richtlinien einhalten oder überhaupt stimmen. Es wird eine Herausforderung für die Journalismus-Branche. Aber dieser Prozess ist unausweichlich und essentiell. Für uns und die Journalisten.

  • Reihe „Medien in der Krise“: Klassischer Journalismus – Heute nur noch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?

    Früher war es für einen Großteil der Bevölkerung in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, Gang und Gebe regelmäßig die Zeitung zu konsumieren. Doch mit der zunehmenden Digitalisierung sinkt heute die Bereitschaft eine gedruckte Zeitung zu lesen. Es ist also fraglich, ob die Zeitung, wie unsere Eltern und Großeltern sie kennen, in Zukunft noch als solche existieren wird und welchen Platz diese in unserer Gesellschaft einnehmen wird.

    Ein Essay von AMELIE SATTLER, 13. Jahrgang

    Die Zeitung soll Aufgaben erfüllen. Aufgaben, welche Journalisten jedoch nur noch sehr selten als Basis für eine Arbeitsweise nehmen, wie sie von vielen Bürgern gefordert wird. Sie soll ihnen helfen, sich eine Meinung bilden zu können. Sie soll ein Mittler sein zwischen Politik und Volk. Einen demokratischen Grundsatz bestärken: die Pressefreiheit. Darüber hinaus soll sie gleichzeitig ein Kontrollapparat sein, um politische Abläufe zu prüfen.

    Bild 1: Falschmeldungen werden als „Fake News“ bezeichnet. Sie werden häufig über das Internet verbreitet.

    Das Problem an alledem? Heutzutage übernimmt ein anderer Bereich diese Aufgaben und zwar das Internet. Vor allem für die Jugendlichen bietet sich somit eine Möglichkeit, sich schnell und kostenlos über die News auf der ganzen Welt zu informieren. Die Onlinenutzung von Jugendlichen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, wie die JIM- Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, welche die Mediennutzung von Jugendlichen untersucht. Diese stellt einen enormen Konkurrenten zu der klassischen Zeitung dar, denn sie bietet eine immer größere Reichweite und auch die Möglichkeit, kostenlos Dinge zu veröffentlichen. Der immense Vorteil dabei? Es ist jeder einzelnen Person mit einem digitalen Endgerät möglich, selbst Artikel und News zu veröffentlichen. Doch was zunächst nach einer Zusammenarbeit der ganzen Bevölkerung klingt, mit der sich wichtige Informationen über die aktuellsten Ereignisse noch schneller verbreiten können als zuvor, stellt sich laut einigen Medienwissenschaftlern als Problem heraus. So kritisiert Prof. Dr. Bernhard Pörksen, dass durch die Chance etwas zu veröffentlichen und Inhalte an ein vielfältiges Publikum zu kommunizieren auch die Gefahr bestünde, dass immer häufiger Fake News verbreitet werden, da die Inhalte selten oder gar nicht geprüft werden. Eben diese Fake News sind es dann, die auf den klassischen Journalismus zurückfallen und nicht nur in gedruckten Zeitungen, sondern auch auf deren Internetplattformen für ein schlechtes Licht sorgen. Dadurch steigt der Vertrauensverlust, denn sobald diese eigentlich meist seriösen Zeitungen nun wieder etwas veröffentlichen, wird dies sofort kritisch beäugt und es wird nach Fehlern gesucht, wie nach der Nadel im Heuhaufen. Es folgt also eine Generalisierung des Eindrucks, den man möglicherweise auf eine Zeitung oder einen Artikel hat, auf alle anderen Quellen. Die Autorität des klassischen Journalismus schwinde, die Lügenpresse-Vorwürfe würden lauter, so Pörksen. Ein Grund für den Vertrauensverlust in den Journalismus stellt also vor allem die steigende Nutzung des Internets als eine Erweiterung der Informationsverbreitung dar.

    Bild 2: Wikipedia – eine seriöse Quelle?

    Doch bei diesen Ursachen bleibt es nicht. In meinem Jahrgang haben wir uns ebenfalls mit dieser Thematik befasst. Zusätzlich zu dem bereits genannten Grund für einen zunehmenden Vertrauensverlust in die Medien fanden wir gemeinsam Ursachen in den folgenden Bereichen: Neben dem Fakt, dass im Internet jeder veröffentlichen kann, was er will, bleibt es für den Leser häufig undurchsichtig, wer der Autor von den Informationen ist. Somit bleibt es dem Leser verwehrt, eventuell Rückschlüsse auf die Qualifikationen des Autors für das Schreiben des jeweiligen Artikels ziehen zu können. Recht gleich sieht es auch mit der Transparenz über Quellen aus. Auch darüber erhält man als Leser nur kaum bis nie Aufschluss. Doch diese Transparenz wird gefordert und zwar nicht nur von einem kleinen, unbedeutenden Bürger, sondern von der ganzen Leserschaft. Auch das sogenannte Fact-Checking, welches ebenfalls in größeren Zeitungsverlagen durchgeführt werden sollte, um Fehler zu verhindern, wird nur selten durchgeführt. Darüber hinaus zeigt sich allerdings ebenfalls, dass die Rolle des Elternhauses, sowie die soziale Umgebung einer Person eine wichtige Bedeutung für das Vertrauen in ein Medium hat. Uns ist dabei zum Beispiel aufgefallen, dass, wenn man früher häufig in der Schule gesagt bekommen hat, Wikipedia sei eine eher unseriöse Seite, dieser Blick auf die Quelle meist bestehen geblieben ist. Das Argument vieler Lehrer dabei: „Da kann doch im Grunde jeder reinschreiben, was er möchte.“ Stimmt. Aber wer hier reinschreibt, muss sich an bestimmte Regeln halten. Zudem erkennen wir gute Artikel zum Beispiel an der Versionsgeschichte, in der alle Veränderungen des Textes dargestellt sind. Greta Friedrich, Autorin bei MADS.de, betont aber, dass wir dennoch nicht daraus zitieren sollten, da die Seite nur eine Sammlung von Informationen und Zitaten aus unterschiedlichen Quellen sei. Die Seite könne aber helfen, Primärquellen zu finden, um aus ihnen später zu zitieren. Es ist demnach auch nicht zwingend notwendig selbst schlechte Erfahrungen mit bestimmten Medien gemacht zu haben, da häufig äußere Einflüsse das Vertrauen bedingen. Ich bin mir sicher, dass auch ihr, liebe Leserinnen und Leser, bei ein wenig Nachdenken zu weiteren Gründen kommen könnt. Diese Ursachen sind aber nicht nur auf gedruckte Zeitungen, sondern auch auf digitale Medien anzuwenden. Es zeigt sich also ein nicht nur sinkendes Vertrauen in gedruckte Zeitungen, sondern auch in Internetplattformen wie Instagram, Facebook und Twitter.

    Wie also kommt man trotzdem zu dem Schluss, dass die modernen Medien heutzutage den klassischen Journalismus erweitern oder gar ganz ersetzen könnten? Dazu müssen wir zurück zum Anfang und zu den Funktionen des Journalismus. Wir leben in einer Demokratie und das bedeutet, dass wir mitentscheiden können. Genau das ist in Deutschland eines unserer höchsten Güter und dieses findet sich in der Umsetzung auch im Journalismus wieder. Wir haben Pressefreiheit. Jeder darf somit, zumindest in der Theorie, erstmal über alles schreiben, wobei man eingrenzen muss, dass sich Journalisten an den Pressekodex halten müssen. Mit diesem soll es möglich werden, Beschwerden bei einem Artikel beispielsweise in Bezug auf Achtung der Menschenwürde, Sorgfalt und Diskriminierung besser einordnen zu können. Die 16 sogenannten „Ziffern“ des Pressekodexes können also schon dabei helfen, mögliche Verstöße in der journalistischen Arbeit zu unterbinden. Journalisten sollen informieren, um zu gewährleisten, dass die Bevölkerung sich eine eigene Meinung bilden kann. Hierzu ist es allerdings äußerst wichtig, dass nicht nur aus einer Perspektive berichtet wird, sondern auch die unschönen Nachrichten Gehör finden können. An dieser Stelle greift auch die Kritik des Medienwissenschaftlers Michael Haller. Er fordert auch „unbequeme Nachrichten, Gegenpositionen und abweichende Auffassungen“ im Journalismus abzubilden und er zeigt auf, dass dafür eine intensivere Recherche notwendig sei. Man solle nicht reden, stattdessen vielmehr recherchieren, hinter den Vorhang der parlamentarischen Gesellschaft schauen, so Haller. Eine beinahe detektivische Arbeit wird gefordert, um die Funktionen des Journalismus auch erfüllen zu können. Denn was nützt uns Bürgern eine scheinschöne Politik, die so aber gar nicht existiert? Um sich in der Gesellschaft und in der Politik engagieren zu können, muss man über alles informiert werden. Alles, ohne Ausnahmen, ohne Fake News und ohne Mitklang des Selfie-Journalismus, der ja scheinbar aktuell sehr im Trend ist. Journalisten stellen sich nämlich laut Haller zunehmend in den Fokus ihrer eigenen Artikel und sorgen somit auch für eine Minimierung der Informationsfunktion. Aber sinkt denn das Vertrauen in die etablierten Medien wirklich so stark? Im Prinzip kann man diese Frage mit „Nein“ beantworten, denn neben der JIM-Studie zeigt auch eine Umfrage des Instituts für Publizistik an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, dass das Vertrauen in Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und deren Sendern sowi Tageszeitungen am größten ist. Im Gegensatz dazu steht das Internet. Hier zeigt sich nur wenig Vertrauen, auch wenn es die Seiten der etablierten Medien auf Facebook sind. Der Studienautor der Uni in Mainz, Marc Ziegele, meint hierzu, dass der Ruf der sozialen Medien auf die etablierten Medien in den sozialen Netzwerken abfärbe. Menschen suchen Qualitätsjournalismus, das ist verständlich. Medienwissenschaftler wie Michael Haller, Bernhard Pörksen und Jochen Hörisch sind überzeugt, dass neben Transparenz, Objektivität und Sachlichkeit auch gründliche Recherche eines Sachverhaltes sowie kritisches Hinterfragen essentiell ist, um die Qualität des Journalismus zu erhalten. Diese Qualität kann es im Prinzip sowohl im Internet als auch in Zeitungen, im Fernsehen und im Radio geben. Trotzdem scheint das größere Vertrauen, selbst bei seriösen Seiten immer zugunsten der klassischen gedruckten Medien auszufallen.

    Für Bürger, die in einer Demokratie leben, ist es von höchster Bedeutung, sich bilden zu können. Dazu ist eine umfassende Informationssuche ein fundamentaler Bestandteil oder sogar die Grundvoraussetzung. Es scheint deshalb empfehlenswert, sich nicht nur ausschließlich auf eine einzelne Quelle zu fokussieren. Man sollte hingegen versuchen, sobald man die Push-Nachrichten über die aktuellsten News am Handy gelesen hat, oder zumindest die Überschrift, sich genauer mit dem Thema zu beschäftigen. Ein einfaches Weiterklicken ist heutzutage nicht mehr genug. Ein kritisches Hinterfragen andererseits scheint jedoch unsere einzige Chance, sich heute noch durch die Welt der Fake News, Lügen, Halbwahrheiten und Einseitigkeiten, in dem dicht vernetzten Dschungel unserer digitalisierten Welt hindurchzuwinden. Die journalistische Bildung ist nun wichtiger denn je. So wird von Journalisten wie Franca Quecke verlangt, dass es künftig Aufklärungskampagnen geben solle, um so der Bevölkerung das Handwerk der Journalisten näher zu bringen und somit das Vertrauen in die Medien wieder zu kräftigen. Quecke steht mit diesem Wunsch nicht alleine da, auch Pörksen träumt von der Utopie einer redaktionellen Gesellschaft, um die Kommunikation zwischen Autoren und Lesern zu ermöglichen, aber auch um Transparenz zu schaffen und um den Umgang mit Medien heutzutage besser zu erlernen. Doch egal ob Utopie oder nicht, ein Urvertrauen in die etablierten Medien bleibt und so kann sich ein großer Teil der Deutschen kaum vorstellen, ohne die Tageszeitung, Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder Sendern im Fernsehen zu leben.

    Die Mischung machts. Das glauben viele und so lässt sich vermuten, dass der klassische Journalismus wohl nie ganz aus der Mode kommt, auch wenn mit der Digitalisierung die sozialen Medien einen immer höheren Wert in der Gesellschaft haben werden. Wenn man bedenkt, seit wann es Zeitungen gibt, so erkennt man, dass die Möglichkeit, sich über die sozialen Netzwerke seine Informationen zu beschaffen, noch fast in der Kinderwiege liegt, denn diese neuen Medien entstanden erst vor ca. 20 Jahren. Vielleicht ist das Vertrauen in die Welt der sozialen Netzwerke in einigen Jahrzehnten genauso hoch wie heute das Vertrauen in den klassischen Journalismus. Wer weiß das schon? Aber Vertrauen ist nicht einfach da. Es muss entstehen aus dem guten Willen, wächst mit guten Beiträgen und bleibt mit der Stetigkeit der Qualität. Das Wissen der Welt ist nicht mehr länger nur aus den Zeitungen zu filtern und darüber können wir uns glücklich schätzen.

    Wir haben nicht mehr nur noch eine Quelle, sondern weitaus mehr. Dabei ist die Chance jeden Artikels ein qualitativ hochwertiger zu sein abhängig vom Fleiß der Journalisten und nicht, ob er im Internet steht oder in der gedruckten Zeitung. Jeder Journalist ist wichtig, wenn er sich an seine Aufgaben, Regeln und Funktionen hält und die Arbeit eines Zeitungsjournalisten ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sondern eine Grundlage unserer Demokratie, die Pressefreiheit.