{"id":1016,"date":"2020-12-18T19:49:54","date_gmt":"2020-12-18T18:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/?p=1016"},"modified":"2023-03-07T21:04:48","modified_gmt":"2023-03-07T20:04:48","slug":"essay-zwischen-hate-speech-fake-news-und-political-correctness-bedeutet-das-internetzeitalter-das-ende-des-klassischen-journalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/essay-zwischen-hate-speech-fake-news-und-political-correctness-bedeutet-das-internetzeitalter-das-ende-des-klassischen-journalismus\/","title":{"rendered":"Reihe &#8222;Medien in der Krise&#8220;: Bedeutet das Internetzeitalter das Ende des klassischen Journalismus?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt;font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><em>Die Vorbehalte gegen\u00fcber der Zeitung, egal ob analog oder digital, sind auf den ersten Blick verst\u00e4ndlich. Wenn wir es jedoch richtig angehen, wird die Zeitung als seri\u00f6ses Informations- und Unterhaltungsmedium keinesfalls ihre Rolle einb\u00fc\u00dfen. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Zeitung, die den zuk\u00fcnftigen Herausforderungen in einer demokratischen Mediengesellschaft gerecht wird.\u00a0<\/em> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Ein Essay von VERONIKA DUDZIK, 13. Jahrgang<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Obwohl der klassische Journalismus in Form von Printmedien zun\u00e4chst dem Onlinejournalismus zutiefst \u00e4hnelt, hat das Einhalten der Grundprinzipien der informativen Branche und deren Absichten, eine heftige Ver\u00e4nderung durchlebt. Das Blatt hat sich gewendet und so sind es nicht mehr die Kunden, die sich um das Blatt, die Zeitung schlagen, sondern vielmehr die Journalisten, die kontinuierlich darum k\u00e4mpfen m\u00fcssen, die Aufmerksamkeit jedes einzelnen B\u00fcrgers zu gewinnen. Da der Versuch des Vertrauensaufbaus in einer informations\u00fcberfluteten Welt, in der die Menschen sensationsgesteuert funktionieren, nicht mehr ausreicht, um das Interesse eines breiten Spektrums der Gesellschaft zu erlangen, wird also oftmals auf andere Methoden umger\u00fcstet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Statt seri\u00f6ser, objektiver Nachrichten, die dem B\u00fcrger zu mehr Demokratie verhelfen, indem sie ihm einen freien Spielraum zur Meinungsbildung bieten, werden \u00fcberspitzte Informationen wiedergegeben. Spektakul\u00e4re Titel erscheinen in dramatischer Gr\u00f6\u00dfe auf den Titelseiten und es wird \u00fcber weltber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten diskutiert, wobei das Wesentliche, das, was das Leben des B\u00fcrgers im Hier und Jetzt ausmacht, leider zu wenig Sensation enth\u00e4lt. Dass aber die Wahrung des klassischen Journalismus derweil in Zukunft n\u00f6tiger als je zuvor ist, bleibt dabei au\u00dfer Frage. Was man w\u00e4hrenddessen jedoch bezweifeln kann, ist, ob der erblindete Mensch diese Notwendigkeit wahrnimmt. Ob er weiter auf eine gleichg\u00fcltige Haltung bez\u00fcglich des klassischen Journalismus zusteuert und somit sein Ende einleitet, oder aber, ob sich in letzter Minute seine Augen \u00f6ffnet. Dies l\u00e4sst sich lediglich vermuten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Um sich jedoch der in der Medienbranche \u201eZeitung\u201c entstandenen Problematik zu widmen, muss man sich zun\u00e4chst auf die Wurzeln des Journalismus beziehen und die damit aufkommenden Grundgedanken zur Idee und Funktion des Mediums &#8222;Zeitung&#8220; beleuchten. Wie entstand sie? Und was war ihre Funktion, als die Menschen noch keine Zeit hatten, sich von jeder Sensation zu ern\u00e4hren, da die Arbeit, die Finanzierung der Familie, der Kampf um das \u00dcberleben einen solchen Gedanken beim besten Willen nicht entstanden lie\u00dfen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Man glaubt es wohl kaum, aber der klassische Journalismus, dessen Verbildlichung sehr wahrscheinlich die alte, gelbstichige Zeitung mit geschn\u00f6rkelter Schrift ist, entstand in Deutschland zun\u00e4chst mit der Idee als objektives, informatives und meinungsbildendes Mittel f\u00fcr die Gesellschaft zu fungieren. Nicht nur das. In Deutschland, als die Zeitung nach Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Anfang nahm, verfolgte sie das Ziel des Demokratieaufbaus. Erstaunlich, wo doch das sachliche Informieren in den Medien heutzutage oftmals eher die Minderheit der vorgef\u00fchrten Informationen ausmacht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Es kommt jedoch noch besser: Im sp\u00e4teren Verlauf der Geschichte der Zeitung entstand n\u00e4mlich sogar ein Leitfaden, um die Funktionen der entstandenen Kommunikationsinstanz nicht zu verfehlen, sondern zu wahren und zu sch\u00fctzen. Demnach lauten die Funktionen des Mediums Zeitung nicht nur auf sachlicher Basis zu informieren, sondern auch zu vermitteln. Hierbei soll die Vermittlung zwischen Politikern und Regierung sowie den B\u00fcrgern zu Stande kommen. Die Vermittlung des Willens des Volkes an die regierenden Instanzen wird hierbei als Artikulations- und die umgekehrte als Mitteilungsfunktion bezeichnet. Zuletzt gibt es noch die Kritik- und Kontrollfunktion, die Missst\u00e4nde und korrupte Vorg\u00e4nge auf wirtschaftlicher, politischer sowie sozialer Ebene aufdecken soll und \u00fcber Skandale informiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Warum ich diese Funktionsr\u00e4ume betone? Das liegt wohl daran, dass die Medienbranche, wie bereits erw\u00e4hnt, eine Entwicklung durchlebt hat, in der es fraglich ist, ob diese Funktionen \u00fcberhaupt noch ber\u00fccksichtigt werden. Man kann in dem Zusammenhang also durchaus die Frage im Hinterkopf behalten, ob die Zeitung noch immer ihren Basis-Grundsatz verfolgt, oder vielleicht doch eine Entfremdung des Zwecks vorgefallen ist. Und obwohl die sich optimierende und vervielf\u00e4ltigende Presse sich zun\u00e4chst in vollem Erfolg zu entwickeln schien, gab es einen Zeitpunkt, einen Schnittpunkt, an dem wom\u00f6glich alles begann, langsam den Bach runterzugehen.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1034\" aria-describedby=\"caption-attachment-1034\" style=\"width: 267px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1034\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/12\/mobile-phone-1917737_1920-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/12\/mobile-phone-1917737_1920-300x300.jpg 300w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/12\/mobile-phone-1917737_1920-150x150.jpg 150w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/12\/mobile-phone-1917737_1920-80x80.jpg 80w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/12\/mobile-phone-1917737_1920-320x320.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1034\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Bild 1: Das Smartphone als Symbol des digitalen Fortschritts.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Gemeint ist der Zeitpunkt der Digitalisierung. Und nein, damit meine ich nicht ihren Beginn in den 1930er Jahren, sondern den Zeitpunkt, an dem sie wom\u00f6glich den gr\u00f6\u00dften Durchbruch erlebt hat: Die Geburt des Smartphones. Diesen Moment betone ich im besonderen Sinne, da dieses moderne Endger\u00e4t, welches sich schnell unter den B\u00fcrgern aus aller Welt verbreitete und die Nutzung des Internets in Windeseile erm\u00f6glichte, f\u00fcr die Mehrheit der B\u00fcrger zu einem greifbaren Symbol des Fortschritts wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Und so ging es weiter: Es entstanden die ersten Plattformen, die als \u201eSocial Media\u201c bekannt wurden. Jeder konnte im Internet eigene Informationen preisgeben, jeder konnte auch nach immer mehr Informationen suchen. Parallel dazu die Entwicklung anderer fortschrittlicher Systeme, wie zum Beispiel des Fernsehens, bei dem es immer mehr Sender gab. \u00dcberall immer mehr bunte Reklametafeln, Werbung. Und die Menschen begannen darauf einzugehen &#8211; das tun sie auch heute noch. Der Wohlstand stieg. Es ging nicht mehr darum was man brauchte, sondern vielmehr darum, was man sich zu erlauben vermochte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Somit entstand ein friedlich scheinender Kampf. Ein Kampf um die Aufmerksamkeit, der parallel eine Flut an Informationen auf den Menschen aus\u00fcbte. Das Gehirn w\u00e4hrenddessen war \u00fcberfordert, begann immer mehr auf Sensationen, auf das, was am Interessantesten schien, zu reagieren. In der Zwischenzeit ging die traditionelle Informationsquelle &#8222;Zeitung&#8220; langsam unter. Wie ein sinkendes Schiff. Zu schlicht war sie, zu trocken. In einer informations\u00fcberfluteten Welt, in der wir in Bruchteilen von Sekunden jede Information bekommen k\u00f6nnen, reagiert das Gehirn nun mal zuerst auf Sensationen. Dieses Verhalten steuert auf keine \u00c4nderung zu, denke ich, denn, wie es auch die JIM-Studie besagt, steigt der Medienkonsum der jungen Gesellschaft mit stetiger Geschwindigkeit an. Dies geschieht vor allem im Bereich der sozialen Medien, w\u00e4hrend das mobile Endger\u00e4t, welches urspr\u00fcnglich der Information dienen sollte, kaum noch zu Informationszwecken genutzt wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Ein daraus entstehender Teufelskreis ist wahrscheinlich die Reaktion einiger \u201eheldenhafter\u201c Journalisten, die in all dem Trubel und Tumult versuchen doch noch die Aufmerksamkeit der Rezipienten zu erlangen. Dies tun sie, indem sie besonders kreativ, aber auch besonders unseri\u00f6s handeln. Sie beginnen, immer wildere Titel zu verfassen, vermitteln Fake News, werden zu Hochstaplern, wie wir es aus dem Fall Relotius kennen. Stellt sich nur noch die Frage, ob sie dies tun, da sie die Aufmerksamkeit des Publikums gegen\u00fcber der Presse, oder doch lieber ihr eigenes Aufsehen erlangen wollen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Eins kann ich sagen, beide Optionen scheinen nicht optimal, eher fatal. In der heutigen Zeit, wo wir st\u00e4ndig mit Idealen konfrontiert werden, wollen Menschen Ansehen erlangen, etwas erreichen und der Journalist, dessen Texte am aufregendsten sind, nicht am sachlichsten und demokratischsten, erlangt Erfolg. Hierbei kann man abermals auf den von allen Seiten bewunderten Claas Relotius eingehen, der im Sinne seines eigenen Erfolges agierte. Diese Anpassungen an die moderne Gesellschaft und der Versuch, die Aufmerksamkeit der Leser zu fangen, wirken sich negativ auf die Branche der Zeitung aus. Es ist klar, dass es in F\u00e4llen solcher Verst\u00f6\u00dfe, und weiterer auftretender Faktoren zum Vertrauensverlust der Menschen kommt. Die M\u00fche nach Aufmerksamkeit wirkt sich also gegens\u00e4tzlich aus, der umgekehrte Effekt wird erzielt. Somit l\u00e4sst sich als Wirkungsfeld zur Rettung der Medienbranche, nur noch auf den Vertrauensaufbau der Journalisten bez\u00fcglich ihres Publikums hoffen. Wie l\u00e4sst sich das schaffen?<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1035\" aria-describedby=\"caption-attachment-1035\" style=\"width: 251px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1035\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/12\/handshake-3382503_1920-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"251\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1035\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Bild 2: Das Vertrauen in die etablierten Medien ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr das Funktionieren einer Demokratie.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Bernhard P\u00f6rksen, ein deutscher Medienwissenschaftler, schl\u00e4gt die \u201eredaktionelle Gesellschaft\u201c vor. So m\u00fcssen in einer redaktionellen Gesellschaft die grundlegenden Prinzipien eines ideal gedachten Journalismus zum Bestandteil der Allgemeinbildung werden. Jochen H\u00f6risch, Germanist und ebenfalls Medienwissenschaftler, appelliert an die Journalisten, ihre Arbeit zu optimieren, um das Vertrauen der Leser wiederzugewinnen. Beide Ans\u00e4tze sind durchaus umsetzbar, so k\u00f6nnte beispielsweise das Fach &#8222;Medien&#8220; Eingang in den schulischen Kanon finden. Aber reicht das? F\u00fcr mich stellt sich die Frage, ob in der heutigen Gesellschaft der R\u00fcckgewinn des Vertrauens in die klassischen Medien ausreicht. Man muss n\u00e4mlich beachten, dass selbst der R\u00fcckgewinn des Vertrauens der Rezipienten die Zeitung eher nicht zum Leben erwecken wird. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Jugendliche. So demonstiert die JIM-Studie auch, dass der Zeitunterschied w\u00e4hrend der Nutzung des Internets zu seri\u00f6sen und nicht-seri\u00f6sen Zwecken extrem variiert. Demnach verbringen Jugendliche wesentlich mehr Zeit in den Bereichen &#8222;Social Media&#8220; und &#8222;Spiele&#8220;, also dort,\u00a0 wo besonders die Unterhaltung im Vordergrund steht &#8211; und nicht die Information.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Um diesen Gedankengang etwas genauer auszuf\u00fchren, m\u00f6chte ich zur n\u00e4heren Erl\u00e4uterung auf eine Bemerkung aus meinem pers\u00f6nlichen Leben eingehen. Das Problem der Medienkrise \u00e4hnelt in jenem Zusammenhang stark dem einer Vertrauensperson. Oftmals l\u00e4sst sich bemerken, dass nachdenklichere Menschen, die in ihrem Leben eher in der Masse untergehen, da sie sich auf ernste Gedanken und Situationen fokussieren und in manch einer Hinsicht nur einen geringen prozentualen Anteil ihres Lebens an lockere Gedanken und Aktivit\u00e4ten verschwenden, als Vertrauenspersonen eingestuft werden. Ihnen wird Vertrauen geschenkt, in Situationen, in denen man es schwer hat. Sie verf\u00fcgen durch ihre gr\u00fcndlichen Auseinandersetzungen mit dem Ernsten, den Gedankeng\u00e4ngen \u00fcber die Existenz des Menschen und die Funktion seiner Psyche, \u00fcber ein au\u00dferordentliches Menschenverst\u00e4ndnis und k\u00f6nnen in dramatischen Situationen f\u00fcr etwas mehr Sicherheitsgef\u00fchl sorgen. Genau diese Menschen sind oftmals aber auch die, die sich von lustigen, vielleicht zum Teil rebellischen oder nicht-systemkonformen Unternehmungen distanzieren. Sie werden stattdessen als Mittel zum Zweck genutzt.\u00a0 W\u00e4hrend man in Problemsituationen sehr auf ihre Hilfe und die gebotene Sicherheit angewiesen ist, befinden sie sich im Alltag, wenn es gut l\u00e4uft und der Mensch andere Bekanntschaften nutzen kann, um Spa\u00df zu haben, zu feiern und zu trinken, ein sorgenfreies, unbedachtes Leben zu genie\u00dfen und Adrenalin zu sp\u00fcren, im Hintergrund. Sie werden allein gelassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Dieses gesellschaftliche Ph\u00e4nomen, denke ich, l\u00e4sst sich schrittweise auch auf die Medienproblematik der Zeitung, sei es nun digital oder klassisch, \u00fcbertragen. Die Zeitung befasst sich, und dass sollte sie auch, in ihrem Alltag mit seri\u00f6sen Dingen. Sie ist nicht auf die erhofften Adrenalin-Kicks aus. Wenn die Menschen sich also von einem Problem eingesch\u00fcchtert f\u00fchlen, so erhalten sie die Informationen, die ihnen Ruhe und Klarheit und Sicherheit bringen, von den klassischen und etablierten Medien. So war es beispielsweise auch zu Beginn der Corona-Pandemie der Fall. Die Menschheit war pl\u00f6tzlich einem ganz neuem, unbekanntem und f\u00fcr viele auch furchteinfl\u00f6\u00dfendem Geschehen ausgesetzt. Im Alltag, wenn man ein Problem gekl\u00e4rt hat, kehrt der Faktor \u201eUnterhaltung\u201c an die erste Stelle zur\u00fcck. Instagram wird dann doch zum Favorit, den man w\u00e4hlt, wenn man zwischen dieser Plattform und beispielsweise der Tagesschau- App entscheidet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Genau aus diesem Ph\u00e4nomen, welches aus den \u00c4nderungen gesellschaftlicher Strukturen und Umst\u00e4nde sowie den Reaktionsweisen auf Informationen resultiert, ist abzuleiten, dass die Zeitung, egal ob digital oder nicht, eher unwahrscheinlich an einem Interessenzuwachs gewinnen wird. Dies bedeutet nicht, dass sie vollst\u00e4ndig untergehen wird. Sie wird f\u00fcr den Menschen trotzdem von notwendiger Bedeutung sein, jedoch nur sporadisch,<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">wenn der Interessent sich pers\u00f6nlich durch eine Situation gef\u00e4hrdet f\u00fchlt, oder ein spezifisches Anliegen hat, nicht jedoch tagt\u00e4glich. Die Zeitung als vielseitiges Medium nimmt somit ihre Rolle als unentbehrliches, aber letztes Mittel zum Zweck ein, wenn Probleme drohen und Anliegen bestehen. Das Ergebnis davon ist somit, dass die Zeitung nur einen minimalen Teil im Leben des Menschen einnimmt. Ob dieses Verhalten nun als kompletter Untergang oder aber als Weiterleben des Mediums am Existenzminimum bezeichnet werden sollte, ist unklar. Ein Untergang im Sinne des Relevanz-Verlustes ist jedoch klar und deutlich zu erkennen. Diese Ver\u00e4nderung wird zudem auch in der Zukunft Folgen haben. Man sollte hierbei vor allem die Auswirkungen auf die Demokratie Deutschlands im Blick behalten. Was wird mit dieser passieren? Ich m\u00f6chte es mir nicht vorstellen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorbehalte gegen\u00fcber der Zeitung, egal ob analog oder digital, sind auf den ersten Blick verst\u00e4ndlich. Wenn wir es jedoch richtig angehen, wird die Zeitung als seri\u00f6ses Informations- und Unterhaltungsmedium keinesfalls ihre Rolle einb\u00fc\u00dfen. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Zeitung, die den zuk\u00fcnftigen Herausforderungen in einer demokratischen Mediengesellschaft gerecht wird.\u00a0 Ein Essay von VERONIKA DUDZIK, 13. 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