{"id":1494,"date":"2022-07-02T15:56:27","date_gmt":"2022-07-02T13:56:27","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/?p=1494"},"modified":"2022-07-04T20:35:19","modified_gmt":"2022-07-04T18:35:19","slug":"5-orte-5-geschichten-5-menschen-ein-kriegsfluechtling-berichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/5-orte-5-geschichten-5-menschen-ein-kriegsfluechtling-berichtet\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Orte &#8211; F\u00fcnf Geschichten &#8211; F\u00fcnf Menschen: Ein Kriegsfl\u00fcchtling berichtet"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><strong>Manfred Tietz ist 81 Jahre alt und wohnt in Diepholz. Er ist w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) mit nur vier Jahren aus Ostpreu\u00dfen gefl\u00fcchtet. Im Interview erz\u00e4hlt er uns von seiner schwierigen Flucht.\u00a0<\/strong> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Herr Tietz, wieso sind Sie damals gefl\u00fcchtet?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1496\" aria-describedby=\"caption-attachment-1496\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1496 size-medium\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/D6CFC255-E18E-4A11-93D0-B693A265419C-300x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/D6CFC255-E18E-4A11-93D0-B693A265419C-300x300.jpeg 300w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/D6CFC255-E18E-4A11-93D0-B693A265419C-150x150.jpeg 150w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/D6CFC255-E18E-4A11-93D0-B693A265419C-80x80.jpeg 80w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/D6CFC255-E18E-4A11-93D0-B693A265419C-320x320.jpeg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1496\" class=\"wp-caption-text\">Ostpreu\u00dfen war die ehemalige Heimat von Manfred Tietz. Heute geh\u00f6rt dieser Teil zu Litauen und Polen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Die Russen hatten bereits den Landkreis Tilsit in Ostpreu\u00dfen bombardiert und zerst\u00f6rt. Meine Oma hat dadurch ihr ganzes Hab und Gut verloren und ist mit dem Handgep\u00e4ck, das sie mit in den Schutzbunker nehmen durfte, zu uns, also ihrer Tochter, meiner Schwester und mir, gefl\u00fcchtet. Ich kann mich erinnern, dass die Stra\u00dfenfront in der Kreisstadt Tilsit nur noch Schutt und Asche war. W\u00e4hrenddessen wurde bereits K\u00f6nigsberg bombardiert. Die Bomber der Roten Armee kamen \u00fcber die Ostsee direkt \u00fcber unseren Ort geflogen und bombardierten K\u00f6nigsberg Tag und Nacht. Daraufhin sind wir gefl\u00fcchtet. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Mit wem genau sind Sie damals gefl\u00fcchtet?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Ich bin mit meiner Oma, meiner Mutter und meiner Schwester Rosmarie gefl\u00fcchtet. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Wann sind Sie damals gefl\u00fcchtet?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Am 23.01.1945 sind wir aufgebrochen. Es war Winter und \u00fcberall lag Schnee. Wir hatten einen Schlitten mit dem ganzen Gep\u00e4ck gepackt. Auf diesen wurde ich oben drauf gesetzt und durch den tiefen Schnee gezogen. F\u00fcr mich als kleinen Jungen waren es riesengro\u00dfe Schneeh\u00fcgel.\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Gibt es Bilder von Ihrer Flucht?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Nein, uns wurde alles weggenommen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Wie genau sind Sie gefl\u00fcchtet? Wie sah Ihre Fluchtroute aus?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1495\" aria-describedby=\"caption-attachment-1495\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1495 size-medium\" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/BFC8A304-7F46-4F8E-9771-41D8941435F3-300x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/BFC8A304-7F46-4F8E-9771-41D8941435F3-300x300.jpeg 300w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/BFC8A304-7F46-4F8E-9771-41D8941435F3-150x150.jpeg 150w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/BFC8A304-7F46-4F8E-9771-41D8941435F3-80x80.jpeg 80w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2022\/07\/BFC8A304-7F46-4F8E-9771-41D8941435F3-320x320.jpeg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1495\" class=\"wp-caption-text\">Das Fl\u00fcchtlingsschiff Gotland.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Wir sind von Gro\u00df-Kuhren in Ostpreu\u00dfen mit dem bepackten Schlitten zu Fu\u00df durch den tiefen Schnee zum Bahnhof. Von dort sind wir mit der Bahn nach Pillau gefahren. Dort wurden wir auf die &#8222;Gotland&#8220;, das letzte Fl\u00fcchtlingsschiff, gebracht. Die &#8222;Gustlow&#8220;, ein Marine-Ausbildungsschiff f\u00fcr Sanit\u00e4ter, hatte auch Fl\u00fcchtlinge an Bord. Dieses Begleitschiff wartete bereits auf offener See auf uns. In der darauffolgenden Nacht wurde die Gustlow von einem russischen U-Boot mit Torpedos beschossen und versenkt. Es gab kaum \u00dcberlebende. Wir kamen mit unserem Schiff in Warnem\u00fcnde an. Mit dem Zug ging es weiter nach Malchin und dann Richtung Waren\/M\u00fcritz. Dort ging es schlie\u00dflich auf einen Gutshof mit Stallungen und Nebengeb\u00e4ude. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Was war das schlimmste Ereignis auf Ihrer Flucht?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Wir haben von der &#8222;Gotland&#8220; mit ansehen k\u00f6nnen, wie das Schiff &#8222;Gustlow&#8220;, mit meinem Onkel und meiner Tante darauf, untergegangen ist. Auch als russische Soldaten unsere Schutz-Unterst\u00e4nde beschossen haben. Wir wurden zusammengetrieben und gepl\u00fcndert. Au\u00dferdem mussten wir alle mit ansehen, wie haupts\u00e4chlich junge Frauen gequ\u00e4lt wurden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Und was war das schlimmste, was Sie zur\u00fccklassen mussten?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Mein damaliges Zuhause, meinen Vater. Und meine Kuscheltiere. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><em><strong>Haben Sie jemals \u00fcberlegt zur\u00fcck nach Ostpreu\u00dfen zu ziehen?<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Nein! Wir waren im Jahr 1992 einmal zu Besuch dort. Doch als wir ankamen, war alles kaputt und es gab kein Haus, keinen Hof mehr. Alles war platt und voll mit Wildwuchs. <\/span><\/p>\n<p><em><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Wie war der Beginn in der neuen Heimat?<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Wir waren nicht willkommen, aber wir wurden von vielen f\u00fcr Hilfst\u00e4tigkeiten ausgenutzt. <\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\"><strong>Vielen Dank f\u00fcr das interessante Interview.<\/strong> <\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 12pt;color: #000000\">Interview von Ben T., 8. Jahrgang, WPK Journalismus <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manfred Tietz ist 81 Jahre alt und wohnt in Diepholz. 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