{"id":1768,"date":"2023-02-20T20:48:19","date_gmt":"2023-02-20T19:48:19","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/?p=1768"},"modified":"2023-03-07T20:48:06","modified_gmt":"2023-03-07T19:48:06","slug":"schaden-soziale-medien-unserer-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/schaden-soziale-medien-unserer-sprache\/","title":{"rendered":"Schaden soziale Medien unserer Sprache?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ausdr\u00fccke wie &#8222;emp\u00f6rend&#8220; oder &#8222;himmelsschreiend&#8220; sind l\u00e4ngst nicht mehr auf Schulfluren zu h\u00f6ren. Stattdessen dr\u00fccken Jugendliche ihren Frust mit &#8222;w\u00fcrd mir stinken&#8220; oder &#8222;richtig Hass auf den&#8220; aus. Sprache ver\u00e4ndert sich mit der Zeit, das best\u00e4tigen auch Sprachwissenschaftler. Doch inwieweit leidet unsere Standardsprache unter diesen Ver\u00e4nderungen? Und welche Rolle spielen dabei eigentlich die digitalen Medien?<\/strong><\/p>\n<p>Ein <strong>Kommentar<\/strong> von <strong>Milena D. H.<\/strong>, 10. Jahrgang<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sprachforscher sind besorgt: Jugendliche verbringen immer mehr Zeit in den sozialen Medien und das Resultat sei un\u00fcbersehbar. Der gro\u00dfe Sprachwandel sorge daf\u00fcr, dass korrekte Rechtschreibung, Grammatik und das klassische Hochdeutsch (Standardsprache) immer mehr an Bedeutung verlieren w\u00fcrden. Auch Deutschlehrer berichten dar\u00fcber. Gleichzeitig geben Linguisten aber auch Entwarnung: Die Entwicklung von neuen Vokabeln, Vermischungen von Sprachen und einfachere Satzstrukturen mache die deutsche Sprache vielf\u00e4ltiger und \u00f6konomischer. Au\u00dferdem seien Jugendliche durchaus in der Lage, je nach Ansprechpartner, den Sprachgebrauch zu wechseln. Code-Switching wird dieser Vorgang benannt, bei dem von einer Sprache in eine andere gewechselt wird. Beate Henn-Mememeister, Linguistik-Professorin an der Universit\u00e4t Mannheim best\u00e4tigt dies. Es k\u00f6nne sogar von einer gestiegenen Schriftkompetenz gesprochen werden, so Frau Henn-Mememeister, da sich Jugendliche mal weniger mal mehr regelkonform ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings muss man anmerken, dass sich in den sozialen Medien bereits eigene Schreibstile gebildet haben. Auff\u00e4llig ist dabei, dass es stilistische Unterschiede zwischen den verschiedenen Plattformen gibt. So differenziert sich die Ausdrucksweise bei Twitter z.B. stark von der auf Instagram. Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich sagen, das sich diese neue Schreibweise in dem Sinne ver\u00e4ndert hat, dass Nutzer nicht nur mit Worten, sondern auch mit Emojis oder anderen Zeichen kommunizieren: Das Ersetzen von Ausdr\u00fccken oder Formulierungen durch Emojis ist zum Alltag geworden. Georg Albert von der Universit\u00e4t Landau sieht diese &#8222;fehlende Verst\u00e4ndigungsebene&#8220; nicht eindeutig als Problem an. Vielmehr w\u00fcrden Emojis Aussagen best\u00e4rken und die Kreativit\u00e4t f\u00f6rdern \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Besonders spannend ist die Entwicklung im Hinblick auf den Einfluss anderer Sprachen und Kulturen: Anglizismen wie &#8222;cool&#8220;, &#8222;checken&#8220; oder &#8222;okay&#8220; geh\u00f6ren l\u00e4ngst zum herk\u00f6mmlichen Sprachgebrauch. Etwas gew\u00f6hnungbed\u00fcrftig hingegen ist vielleicht der neue Trend in eher t\u00fcrkisch gepr\u00e4gten Stadtvierteln Berlins und anderen Gro\u00dfst\u00e4dten, in denen Kiezdeutsch gesprochen wird: &#8222;<span class=\"Textstyled__InlineText-sc-14jlruk-1 iBNfsS\">Ich komm mit Fahrradmahrrad&#8220; oder &#8222;Ich bring Colamola&#8220;. Das lustig gemeinte Wiederholen eines Wortes mit einem &#8222;m&#8220; davor habe seinen Ursprung im T\u00fcrkischen, erkl\u00e4rt Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese.\u00a0 <\/span>Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf das Weglassen von Artikeln, die Vereinfachung bzw. Verk\u00fcrzung von S\u00e4tzen. Beate Henn-Mememeister beschreibt dieses Ph\u00e4nomen als zeit\u00f6konomische Sprachvariante, da nur die wirklich ausschlagegebende Information erw\u00e4hnt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hingegen auff\u00e4llig ist die problematische Rechtschreibung bei Sch\u00fclern. Auch als &#8222;Pisa-Schock&#8220; j\u00fcngst in den Medien betitelt. Ob ein Zusammenhang zu dem Ph\u00e4nomen besteht, dass das gew\u00e4hlte Ausdr\u00fccken immer seltener vorkommt und unser Gehirn z.B. durch die mangelnde Autokorrektur in den sozialen Medien nicht mehr gef\u00f6rdert wird, muss nun untersucht werden. Trotzdem ist der Sprachwandel nicht als Sprachverfall zu verteufeln, vielmehr kann die Kreativit\u00e4t, die mit dem Sprachwandel einhergeht, positiv hervorgehoben werden. Und eines steht sowieso fest: Durch die neue Jugendsprache hat die junge Generation wortw\u00f6rtlich das &#8222;System gedribbelt&#8220;.<\/p>\n<p>Verwendete Quellen:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: square\">\n<li>https:\/\/pixabay.com\/de\/illustrations\/m%c3%a4dchen-smartphone-internet-surfen-4592925\/ [20.02.2023].<\/li>\n<li>https:\/\/www.haz.de\/kultur\/regional\/der-trend-geht-zum-migrantendeutsch-A7QJ56N6NGLPIK25YLYVE44TIE.html [20.02.2023].<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausdr\u00fccke wie &#8222;emp\u00f6rend&#8220; oder &#8222;himmelsschreiend&#8220; sind l\u00e4ngst nicht mehr auf Schulfluren zu h\u00f6ren. Stattdessen dr\u00fccken Jugendliche ihren Frust mit &#8222;w\u00fcrd mir stinken&#8220; oder &#8222;richtig Hass auf den&#8220; aus. 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