{"id":44,"date":"2018-01-25T20:35:16","date_gmt":"2018-01-25T19:35:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/?p=44"},"modified":"2023-03-07T21:10:40","modified_gmt":"2023-03-07T20:10:40","slug":"der-nato-einsatz-in-afghanistan-ein-sicherheitspolitischer-erfolg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/der-nato-einsatz-in-afghanistan-ein-sicherheitspolitischer-erfolg\/","title":{"rendered":"Der NATO-Einsatz in Afghanistan \u2013 Ein sicherheitspolitischer Erfolg?"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium\">Die Frage, ob Afghanistan sicher ist, wurde in letzter Zeit nur in Verbindung mit Flucht und Migration diskutiert. Unter anderem hat die Bundesregierung Mitte 2017 das Land als <\/span><span style=\"font-size: medium\"><i>sicheres Herkunftsland<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium\"> betitelt und empfindet somit die Abschiebung von Fl\u00fcchtlingen und Migranten dorthin als zul\u00e4ssig. Vielleicht auch, um sich nicht das Scheitern der friedensstiftenden Mission ISAF der NATO von 2001 bis 2014 eingestehen zu m\u00fcssen.<br \/>\nNichtsdestotrotz muss etwas passieren, damit sich die wieder aufstrebenden radikalen Str\u00f6mungen im Land nicht etablieren k\u00f6nnen. Denn neben der Terrororganisation Taliban ist seit einigen Jahren auch der IS in Afghanistan vertreten. Tats\u00e4chlich scheint auch eine Kehrtwende bevorzustehen, da die NATO-Truppen Vorort mit insgesamt 20.000 Soldaten aufgestockt werden sollen. Dabei bleibt Deutschland wohl erstmal mit rund 980 Soldaten dabei, bis eine deutsche Regierung feststeht und eine Neuregelung den Bundestag passiert. Manch einer spricht hier von der versp\u00e4teten Einsicht, aber dass es so kommen w\u00fcrde, schien schon beim Gipfeltreffen der NATO-Staaten im November 2010 und dem Beschluss des Abzugs der Truppen im Jahr 2014 klar zu sein.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium\">Die Ziele der ISAF waren die Bildung einer stabilen afghanischen Regierung zu erm\u00f6glichen, einheimische Sicherheitskr\u00e4fte aufzubauen und die Verantwortung an diese zu \u00fcbergeben. Dar\u00fcber hinaus stand auch die aktive Terrorbek\u00e4mpfung im Fokus der Mission, da die Terroranschl\u00e4ge im September 2001 den haupts\u00e4chlichen Anlass f\u00fcr diesen Einsatz darstellen. Bei der Betrachtung jener anzustrebenden Ziele und der tats\u00e4chlichen Situation in Afghanistan lassen sich deutliche Differenzen aufzeigen. Zwar ist die Zahl der afghanischen Streitkr\u00e4fte stark angestiegen, das Vertrauen in diese scheint allerdings in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung zu fehlen. Nachvollziehbar, wenn man das Ranking der Korruption in Afghanistan betrachtet und erschrocken feststellt, dass das Land 2013 Platz 172 von 174 belegt. Diese Tendenz gab es im \u00dcbrigen bereits im Zeitraum der westlichen Intervention.<br \/>\nDie Erh\u00f6hung der Schlagkraft durch die Taliban und den IS wirft ebenso die Frage auf, welche sichtbaren Erfolge die vielen afghanischen Streitkr\u00e4fte denn vorzuweisen haben sollen und wurde der internationale Terrorismus wirksam bek\u00e4mpft? Ein fehlendes Sicherheitsgef\u00fchl, welches auf die zahlreichen Entf\u00fchrungen und Anschl\u00e4ge zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, schr\u00e4nkt das Leben in Afghanistan zudem massiv ein. Da helfen auch Schulen und die Wahl einer Regierung nicht weiter, wenn es ma\u00dfgeblich an wirtschaftlichen Strukturen und Perspektiven fehlt.<br \/>\nNur eine gezielte Recherche zeigt, dass die Sicherheitslage \u00e4u\u00dferst prek\u00e4r ist: w\u00f6chentliche Anschl\u00e4ge durch die Taliban und den IS. Jedoch wird Afghanistan als Krisengebiet in deutschen Medien gar nicht mehr genannt. Kurzzeitig thematisiert in deutschen Nachrichten wurde der Anschlag vor der deutschen Botschaft im Mai 2017, bei dem rund 150 Menschen starben. Dabei entstand aber keine Debatte dar\u00fcber, ob generell die Sicherheitslage in Afghanistan prek\u00e4r sei, sondern ob man Fl\u00fcchtlinge dorthin abschieben k\u00f6nne. Die Abschiebungen wurden von der Bundesregierung bis August 2017 ausgesetzt und seit September werden Abschiebungen nach Afghanistan in das <\/span><span style=\"font-size: medium\"><i>sichere Herkunftsland<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium\"> wieder durchgef\u00fchrt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium\">Zum Schluss bleibt die Frage: Was hat ISAF gebracht? Mit einem \u201enichts\u201c als Antwort macht man es sich zu einfach, aber man kann auch nicht von nachhaltigen und zukunftsorientierten Ma\u00dfnahmen sprechen. Qualitative Intervention sollte der k\u00fcnftige Ma\u00dfstab der NATO-Partner sein. Dazu geh\u00f6ren angemessene Zeitr\u00e4ume, in denen die eigenen Leistungen nicht \u00fcbersch\u00e4tzt, Ziele grundlegend eingehalten werden und auf Milit\u00e4rs ein St\u00fcckweit geh\u00f6rt werden w\u00fcrde, um die Akteure Vorort miteinzubeziehen. Die Hoffnung auf Besserung durch neue Truppen der NATO scheint vorerst auf Eis gelegt, da sich die NATO-Staaten beim Treffen in Br\u00fcssel Anfang November 2017 bei der Einteilung der Truppen nicht einig wurden.<br \/>\nKeine Einigung, keine Truppen, keine Einsicht auf das Scheitern der friedensstiftenden Mission ISAF, bleibt also vorerst alles beim Alten \u2013 hat doch auch sein Gutes.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium\">Cedric McCann, Klasse 12<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, ob Afghanistan sicher ist, wurde in letzter Zeit nur in Verbindung mit Flucht und Migration diskutiert. Unter anderem hat die Bundesregierung Mitte 2017 das Land als sicheres Herkunftsland betitelt und empfindet somit die Abschiebung von Fl\u00fcchtlingen und Migranten dorthin als zul\u00e4ssig. Vielleicht auch, um sich nicht das Scheitern der friedensstiftenden Mission ISAF der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9192496,"featured_media":53,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[276],"tags":[11,12],"class_list":["post-44","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reihe-politik-to-go","tag-nato","tag-schuelertext"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9192496"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":46,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44\/revisions\/46"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/media\/53"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}