{"id":972,"date":"2020-05-13T20:01:13","date_gmt":"2020-05-13T18:01:13","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/?p=972"},"modified":"2020-05-13T20:03:39","modified_gmt":"2020-05-13T18:03:39","slug":"warum-wir-uns-mit-epik-auseinandersetzen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/warum-wir-uns-mit-epik-auseinandersetzen-sollten\/","title":{"rendered":"Warum wir uns mit Epik auseinandersetzen (sollten)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Die Epik umfasst erz\u00e4hlende Literatur in Vers- oder Prosaform und geh\u00f6rt neben der Lyrik und Dramatik zu den literarischen Grundgattungen. Die Epik wird wegen ihres erz\u00e4hlenden Charakters auch \u201eErz\u00e4hlung\u201c genannt. Beispiele f\u00fcr epische Textsorten sind M\u00e4rchen, Fabeln, Kurzgeschichten, Sagen, Anekdoten, Kalendergeschichten, Schw\u00e4nke, Parabeln, Novellen und Romane. Die reine Wiedergabe von Fakten ist also grunds\u00e4tzlich kein Merkmal der Epik, da die real dargestellte Fiktion das Grundelement einer epischen Dichtung ist. Ein einzigartiges Sprachmittel hierbei ist jedoch der Erz\u00e4hler. Diese fiktive Instanz pr\u00e4sentiert die Geschichte. Genauer gesagt dient der Erz\u00e4hler als Vermittler zwischen Autor und Leser. Der Berichtende steht jedoch nicht im Mittelpunkt, sondern die Figuren, \u00fcber die er berichtet. Er kann aber Teil dieser erz\u00e4hlten Welt sein, wenn er uns als Ich-Erz\u00e4hler Einblick in die Geschichte gibt: Dann gebraucht er folglich die Ich-Form. Der Leser kann dadurch aber nur wahrnehmen, was der Ich-Erz\u00e4hler f\u00fchlt und sieht oder im Austausch mit anderen erf\u00e4hrt. W\u00e4hrend das Geschehen geschildert wird, erfolgt die Zeitgestaltung uneingeschr\u00e4nkt. Die erz\u00e4hlte Zeit ist also nicht an Raum und Zeit gebunden. Ebenfalls spielt die Handlung meistens in der Vergangenheit und wird deshalb im Pr\u00e4teritum geschrieben. Bei der Epik gibt es jedoch ein eigenes Pr\u00e4teritum (auch &#8222;episches Pr\u00e4teritum&#8220; genannt). Das bedeutet vereinfacht, dass auch die Zukunft in der Vergangenheitsform erz\u00e4hlt werden kann. Ein Beispielsatz w\u00e4re: \u201eMorgen war Ostern.&#8220; Ein Satz, der sich so wohl nur in der Literatur wiederfindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #3366ff\"><em>&#8222;Der Kerngedanke einer Interpretation ist, dass man sich fragt, warum der Autor einen Text auf diese besondere Art und Weise erzeugt und eine bestimmte Erz\u00e4hlweise kreiert hat und welche Wirkung letztendlich dieses Werk auf den Leser hat.&#8220;<\/em> <\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_977\" aria-describedby=\"caption-attachment-977\" style=\"width: 319px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-977 \" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/writing-828911_1920-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"319\" height=\"319\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/writing-828911_1920-300x300.jpg 300w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/writing-828911_1920-150x150.jpg 150w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/writing-828911_1920-160x160.jpg 160w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/writing-828911_1920-320x320.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-977\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Das analytische Schreiben folgt bestimmten Regeln, um fundierte Aussagen zu treffen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun wird manch einem m\u00f6glicherweise nicht sofort bewusst, wie komplex eine Erz\u00e4hlung aufgebaut sein kann. Um einen epischen Text zu verstehen, muss man diesen analysieren und anschlie\u00dfend interpretieren. Das klassische Schema von Einleitung, Hauptteil und Schluss wird auch hier beibehalten. Wie immer wird mit einem Einleitungssatz (Titel, Autor, Erscheinungsdatum, Literaturepoche, Textsorte, Thema) begonnen.\u00a0 Es folgt eine Deutungshypothese, welche als Bezugsrahmen f\u00fcr die bevorstehende Interpretation dient. Hier skizziert man in wenigen S\u00e4tzen, was die grunds\u00e4tzliche Aussage eines Textes sein k\u00f6nnte. Der darauffolgende Hauptteil besteht aus mehreren Schritten. In der Regel beginnt man mit einer kurzen Inhaltsangabe, die sich auf die Hauptaspekte der Handlung konzentriert. Wenn es sich um einen Auszug aus einem Werk handelt, folgt eine Einordnung der Textstelle in den Kontext des Gesamtwerkes, worauf sich in der folgenden Analyse bezogen werden kann. Nach der Beschreibung und Zusammenfassung der Thematik und des Inhaltes kommt es zur Analyse. Hier wird die Sprache des Textes hinsichtlich ihrer Besonderheiten in den Blick genommen. Es existieren verschiedene Kategorien, die man in Betracht ziehen sollte. Zum einen sollte der Textaufbau beachtet werden. Hier k\u00f6nnte man auf bestimmte Handlungsabschnitte, Ortswechsel, R\u00fcckblenden oder Vorausblicke, Erz\u00e4hlperspektiven oder das Auftreten neuer Figuren achten. Nat\u00fcrlich spielt in der Epik die Erz\u00e4hlperspektive ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle, aber auch das Zeitger\u00fcst ist ein wichtiger Aspekt. Diesbez\u00fcglich kann man \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Geschehnisse chronologisch verlaufen, oder ob R\u00fcckblenden oder Vorausblicke vorhanden sind. Auch das Zeittempo ist besonders wichtig in Erz\u00e4hlungen. Unterschieden wird hier zwischen der erz\u00e4hlten Zeit (fiktive Zeitspanne, die ein episches Werk beinhaltet) und der Erz\u00e4hlzeit (Zeit, die ein Leser tats\u00e4chlich zum Lesen des Werkes ben\u00f6tigt). Ist die erz\u00e4hlte Zeit l\u00e4nger als die Lesedauer, wird von einer Zeitraffung gesprochen. Bei gleicher L\u00e4nge spricht man von einer Zeitdeckung. Wenn sich die Erz\u00e4hlung \u00fcber mehrere Seiten zieht und dabei nur ein kurzer Moment geschildert wird, handelt es sich um eine Zeitdehnung. Auch die Sprache ist von Bedeutung. Rhetorische Stilmittel, Wortfelder und Wortarten, Satzbauweisen und der Schreibstil sind nur ein paar Beispiele, die man sich genauer anschauen sollte. Neben der Sprache sind ebenfalls die Figuren ein bedeutsamer Analysepunkt. Bei den Figuren bietet es sich an ihre Stimmung, Ver\u00e4nderungen, Entwicklungen, Beziehungen und Konflikte zu beschreiben. Man sollte bei der Figurenbeschreibung auf implizite (wenn der Charakter nicht ausdr\u00fccklich im Text erw\u00e4hnt wird, sondern sich durch die Situation ableiten l\u00e4sst) und explizite (wenn direkt \u00fcber Figuren und ihren Charakter gesprochen wird) Charakterhinweise achten. Da jede Textsorte f\u00fcr sich typische Merkmale beansprucht, sollte man auch \u00fcberpr\u00fcfen, ob der zu bearbeitende Text diese beachtet. Abweichungen haben immer hinweisenden Charakter.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #3366ff\"><em>&#8222;Schlie\u00dflich kann der Leser nicht viel mit einer Aufreihung von Stilmitteln anfangen, ohne zu wissen, was diese eigentlich bewirken.&#8220;<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">All diese Aspekte sollte man danach immer deuten. Der Kerngedanke einer Interpretation ist, dass man sich fragt, warum der Autor einen Text auf diese besondere Art und Weise erzeugt und eine bestimmte Erz\u00e4hlweise kreiert hat und welche Wirkung letztendlich dieses Werk auf den Leser hat. W\u00e4hrend eine Analyse eher objektiv ist, hat eine Interpretation eine gewisse eigene Komponente. Es besteht die M\u00f6glichkeit, die eigene Interpretation direkt an das analysierte Kriterium anzustellen. Wichtig ist jedoch, dass Analyse und Interpretation vorhanden sind und sinnvoll miteinander verbunden werden. Schlie\u00dflich kann der Leser nicht viel mit einer Aufreihung von Stilmitteln anfangen, ohne zu wissen, was diese eigentlich bewirken. Genauso wenig Sinn macht es, nur die eigenen Auffassungen aufzuschreiben, da der Leser sonst den Gedankenfluss des Verfassers nicht nachvollziehen kann. Die anf\u00e4ngliche Deutungshypothese wird hier wieder aufgegriffen und pr\u00e4zisiert oder korrigiert. Im Schlussteil werden schlie\u00dflich die Ergebnisse zusammengefasst. Diese m\u00fcnden in einem Fazit, das ausgehend von der aufgegriffenen Deutungshyptohese pr\u00e4zisiert oder korrigiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em><span style=\"color: #3366ff\">&#8222;Man lernt dadurch das Hineinversetzen in andere Figuren und kann somit m\u00f6glicherweise ein verbessertes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Menschen und ihre Handlungen oder Haltungen bekommen.&#8220;<\/span> <\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_975\" aria-describedby=\"caption-attachment-975\" style=\"width: 285px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-975 \" src=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/notebook-420011_1920-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/notebook-420011_1920-300x300.jpg 300w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/notebook-420011_1920-150x150.jpg 150w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/notebook-420011_1920-160x160.jpg 160w, https:\/\/wordpress.nibis.de\/leine85\/files\/2020\/05\/notebook-420011_1920-320x320.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-975\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt\">Abb. 2: Kompakte Wortp\u00e4ckchen, die uns Freude machen sollen. <br \/><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">In Anbetracht des Aufwandes stellt sich jedoch die Frage, welchen Sinn und Zweck diese Auseinandersetzung mit epischen Texten hat. Durch den Schulzwang und die Art und Weise der Vermittlung machen sich literarische Texte doch eher unbeliebt. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verstehen h\u00e4ufig nicht, was sie aus der investierten Zeit gewinnen sollen. Neben einer guten Note spielen jedoch auch andere Faktoren eine Rolle. Viele Menschen sehen den Wert von Analysen und Interpretationen erst nach der Schulzeit, wobei die freie Auswahl der Texte wom\u00f6glich einer der Hauptgr\u00fcnde ist. Wichtig ist, dass man lernt, sich mit etwas tiefgr\u00fcndiger auseinanderzusetzen und somit das richtige Lesen lernt. Nicht so selten kommt es vor, dass Texte \u00fcberflogen werden und dadurch die Wirkung des Textes verloren geht. Beim Lesen wird das grobe Verst\u00e4ndnis prim\u00e4r als Ziel gesetzt. Dadurch f\u00e4llt aber der Aspekt des Selbstdenkens und Hinterfragens meist weg. Jedoch sollte man sich auf epische (oder literarische) Texte einlassen. Wenn man in einen Text hineintaucht, entstehen automatisch grobe Gedanken und es ist interessant, herauszufinden, warum wir gerade <em>so<\/em> denken und f\u00fchlen. Durch die Analyse von epischen Texten wird ebenfalls der Wortschatz erweitert und man wird mit der literarischen Sprache vertrauter. Somit f\u00e4llt auch die zuk\u00fcnftige Auseinandersetzung mit weiteren literarischen Texten viel einfacher. Eine l\u00e4ngere Besch\u00e4ftigung mit epischen Texten bringt einem also bei, wie eine gewollte Wirkung durch verschiedene Mittel erreicht werden kann. Dies kann auch eine gro\u00dfe Inspiration und Hilfe sein, wenn das Schreiben eigener Texte geplant ist. Bei einer Analyse \u00fcberpr\u00fcft man auch das Verhalten einzelner Figuren. Man lernt dadurch das Hineinversetzen in andere Figuren und kann somit m\u00f6glicherweise ein allgemein verbessertes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Menschen und ihre Handlungen oder Haltungen bekommen. Ebenfalls kann durch eine tiefgr\u00fcndige Analyse herausgefunden werden, welches Ziel der Autor mit seinem Werk erreichen wollte. Meist ist alles sehr kompakt verpackt in rhetorischen Stilmitteln, wie beispielsweise in Metaphern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #3366ff\"><em>&#8222;Dieser Fakt kann sogar aufschlussreich sein, weil sich die eigene T\u00fcre gegen\u00fcber einer neuen Denkweise \u00f6ffnet.&#8220;<\/em> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jeder Mensch mag den gleichen Text etwas anders interpretieren. Solange aber alles verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt und belegt wird, stellen verschiedene Deutungsans\u00e4tze kein Problem dar. Im Gegenteil: Dieser Fakt kann sogar aufschlussreich sein, weil sich die eigene T\u00fcre gegen\u00fcber einer neuen Denkweise \u00f6ffnet. Es kann sehr interessant sein, zu sehen, was ein Text bei den unterschiedlichsten Menschen ausl\u00f6sen kann. Die deutsche Sprache ist besonders vielf\u00e4ltig und wir besitzen eine Menge M\u00f6glichkeiten, wie wir uns ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten und weiterhin gef\u00f6rdert werden!<\/p>\n<p>von Anastasia Sonnenfeld, 12. Jahrgang<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Epik umfasst erz\u00e4hlende Literatur in Vers- oder Prosaform und geh\u00f6rt neben der Lyrik und Dramatik zu den literarischen Grundgattungen. Die Epik wird wegen ihres erz\u00e4hlenden Charakters auch \u201eErz\u00e4hlung\u201c genannt. Beispiele f\u00fcr epische Textsorten sind M\u00e4rchen, Fabeln, Kurzgeschichten, Sagen, Anekdoten, Kalendergeschichten, Schw\u00e4nke, Parabeln, Novellen und Romane. 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