{"id":2824,"date":"2022-02-15T13:59:42","date_gmt":"2022-02-15T12:59:42","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/?p=2824"},"modified":"2022-02-22T14:15:35","modified_gmt":"2022-02-22T13:15:35","slug":"ein-interview-ueber-inklusion-mit-frau-luttmann-und-frau-brinkmeyer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/2022\/02\/15\/ein-interview-ueber-inklusion-mit-frau-luttmann-und-frau-brinkmeyer\/","title":{"rendered":"Ein Interview \u00fcber Inklusion mit Frau Luttmann und Frau Brinkmeyer"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Inklusion, was ist das eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann: <\/u><\/em>Inklusion bedeutet, dass alle Sch\u00fcler*innen egal ob mit oder ohne Unterst\u00fctzungsbedarf in die wohnortnahe Schule gehen. Da die F\u00f6rderschulen oft nicht wohnortnah sind, muss man sie meist mit dem Bus oder Taxi erreichen. Dadurch werden Kinder aus ihren gewohnten Freundschaften herausgerissen. Durch die Inklusion k\u00f6nnen aber alle Kinder in die wohnortnahe Schule gehen und hier dann nach ihren M\u00f6glichkeiten gef\u00f6rdert und gefordert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geh\u00f6ren Inklusion und Integration zusammen?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann<\/u><\/em><em><u>:<\/u><\/em> Die Inklusion ist die Weiterf\u00fchrung der Integration, diese geht nochmal einen Schritt weiter. Es gibt da ein ganz sch\u00f6nes Schaubild mit Kreisen. Bei der Integration sind in einem Kreis alle zusammen, hier aber dennoch in ihren eigenen kleinen Kreisen. In der Inklusion l\u00f6sen sich diese inneren Kreise und alle sind in einem gro\u00dfen Kreis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wo ist Inklusion an unserer Schule zu finden?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Wir haben fast in jeder Klasse Kinder mit Unterst\u00fctzungsbedarf. Insgesamt haben wir hier die Unterst\u00fctzungsbedarfe: H\u00f6ren, Lernen, ESE (emotional soziale Entwicklung), Sprache und auch KME (k\u00f6rperlich motorische Entwicklung).<\/p>\n<p><em><u>Frau Brinkmeyer:<\/u><\/em> Auch Autismus haben wir an der Schule, dieser geht dann in mehrere Bereiche \u00fcber wie in den emotionalen-sozialen Bereich aber ggf. auch in den k\u00f6rperlich motorischen Bereich.<\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Es gibt auch Sch\u00fcler oder Sch\u00fclerinnen mit mehreren Unterst\u00fctzungsbedarfen. Dann wird geschaut, welches der voranginge Unterst\u00fctzungsbedarf ist. Kinder mit Unterst\u00fctzungsbedarf im Bereich Lernen bekommen zum Beispiel andere Aufgaben, d.h. sie werden zieldifferent beschult. Die Kinder mit Unterst\u00fctzungsbedarf im Bereich ESE bekommen die gleichen Klassenarbeiten und bearbeiten auch den gleichen Stoff, erhalten dann aber z.B. mehr Pausen oder andere M\u00f6glichkeiten, sich zwischendurch zu entspannen oder auszupowern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet Inklusion f\u00fcr Sch\u00fcler*innen?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Inklusion kann f\u00fcr Sch\u00fcler*innen sehr unterschiedlich sein, zum einen k\u00f6nnen leistungsstarke Sch\u00fcler*innen durch Inklusion lernen, auf andere R\u00fccksicht zu nehmen und so auch ihre Sozialkompetenz verbessern. Zum Beispiel k\u00f6nnen die leistungsstarken Sch\u00fcler den schw\u00e4cheren helfen. So entlasten sie nat\u00fcrlich auch die Lehrkr\u00e4fte. Wenn man jedoch Kinder mit Unterst\u00fctzungsbedarf im Bereich ESE hat, die durch ihr auff\u00e4lliges Verhalten ganz viel Aufmerksamkeit vom Lehrer ziehen, ist das nat\u00fcrlich auch f\u00fcr viele Kinder von Nachteil, da diese Aufmerksamkeit den anderen Sch\u00fcler*innen fehlt.<\/p>\n<p><em><u>Frau Brinkmeyer:<\/u><\/em> Doch auch diese Kinder machen das nicht mit Absicht, weil sie den Lehrer bl\u00f6d finden, sondern weil es ihnen aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden schwerf\u00e4llt, sich auf den Unterricht einzulassen, sich zu konzentrieren, die eigenen Bed\u00fcrfnisse hinten anzustellen etc. Vielleicht muss man die Rahmenbedingungen f\u00fcr diese Kinder auch mehr anpassen wie z.B. durch mehr Pausen, viel handlungsorientiertes Arbeiten oder kleinere Gruppen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hat Inklusion Nachteile oder Vorteile?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann: <\/u><\/em>Als ich damals an der Teutoburger Wald Schule (F\u00f6rderschule mit dem Schwerpunkt Lernen) gearbeitet habe, kamen viele Kinder aus der Grundschule extrem gefrustet an. Ihr Selbstwertgef\u00fchl hatte sehr gelitten. Doch als diese Kinder in einer kleinen Gruppe waren, mit anderen Kindern, die ebenfalls mehr Zeit zum Lernen ben\u00f6tigen, machten sie tolle Fortschritte und merkten, dass sie doch auch etwas k\u00f6nnen. Es tat ihnen so gut, dass der Druck weg war und sie in ihrem Tempo die Aufgaben bearbeiteten konnten. So ist es sehr schade, dass die Primarstufe der F\u00f6rderschule Lernen abgeschafft wurde und auch Klasse 5-10 bald auslaufen soll. F\u00fcr manche Kinder ist eine kleine F\u00f6rderschule mit wenig Lehrerwechseln und hohem Praxisanteil genau das richtige, wohingegen andere sich auch in einem gr\u00f6\u00dferen System gut zurechtfinden und somit auch in der Inklusion gut zurechtkommen, obwohl sie da nat\u00fcrlich viel weniger Stunden von einer F\u00f6rderschullehrkraft unterrichtet werden. Es sollte f\u00fcr Eltern weiterhin die M\u00f6glichkeit geben, zwischen F\u00f6rderschule und Inklusion in der Regelschule entscheiden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em><u>Frau Brinkmeyer: <\/u><\/em>Ich sehe Vorteile in den F\u00f6rderschulen, da die Klassen kleiner sind und die Lehrer*innen dann mehr auf die Sch\u00fcler*innen eingehen k\u00f6nnen. F\u00fcr manche Kinder ist das genau richtig in der Inklusion zu sein, weil sie sich gut an anderen orientieren k\u00f6nnen. Doch f\u00fcr andere ist es auch frustrierend, weil sie nicht richtig mitkommen. Deswegen w\u00e4re es gut, eine Wahlm\u00f6glichkeit zwischen einer F\u00f6derschule und der inklusiven Beschulung zu haben.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was ist f\u00fcr Sie das Wichtigste an der Inklusion?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Das Wichtigste f\u00fcr mich sind die Sch\u00fcle*innen, dass es ihnen gut geht, dass auf sie und ihre speziellen Bed\u00fcrfnisse eingegangen wird, dass sie Freunde finden und schlie\u00dflich auch zu einem guten Abschluss kommen.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gibt es etwas was an unserer Schule, was noch besser werden kann?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Es w\u00e4re total sch\u00f6n, wenn man mehr R\u00e4ume f\u00fcr die Arbeit mit Kleingruppen zur Verf\u00fcgung h\u00e4tte. Ein Traum w\u00e4ren eigene R\u00e4ume f\u00fcr die Sonderp\u00e4dagogen, so dass man auch mal ungest\u00f6rt mit einzelnen Sch\u00fcler*innen arbeiten kann und die M\u00f6glichkeit h\u00e4tte, Material geb\u00fcndelt in der Schule zu haben.<\/p>\n<p><em><u>Frau Brinkmeyer:<\/u><\/em> Ja, ich w\u00fcrde mir auch mehr R\u00e4ume f\u00fcr das ungest\u00f6rte Arbeiten w\u00fcnschen, sowie mehr Zeit, weil man an zwei Schulen plus der Stammschule t\u00e4tig ist und so viel zu wenig Zeit f\u00fcr die einzelnen Sch\u00fcler*innen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie kamen Sie zum Beruf der F\u00f6rderlehrerin?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Brinkmeyer:<\/u><\/em> Ich wollte unbedingt etwas Soziales machen, meine \u00dcberlegungen waren dann zwischen Religionsp\u00e4dagogik oder Lehramt. Dann habe ich ein soziales Jahr in Belgien in einer Archengemeinschaft gemacht, wo Menschen mit einem Handicap zusammenleben. So bekam ich den Wunsch Sonderp\u00e4dagogik zu studieren.<\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Den Wunsch etwas Soziales zu machen hatte ich schon fr\u00fch. Urspr\u00fcnglich wollte ich Sozialp\u00e4dagogik studieren, doch nach einem Jahrespraktikum in einem Sprachheilkindergarten war mir klar, dass mich der Bereich Sprache und die Arbeit mit Kindern besonders interessiert. So schwenkte ich um auf Heilp\u00e4dagogik, doch da gab zu viele Bewerber auf zu wenige Pl\u00e4tze und es wurden die mit einer bereits abgeschlossenen Heilerzieherpflegeausbildung bevorzugt. So ging ich zur Berufsberatung, dort wurde mir empfohlen, Sonderp\u00e4dagogik zu studieren. Das habe ich dann auch in Hannover gemacht und muss sagen, dass das eine sehr gute Entscheidung war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was m\u00f6chten Sie noch unbedingt einmal machen?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Es gibt vieles, was ich noch machen m\u00f6chte. Zuerst m\u00f6chte ich, wenn sich die Corona Situation hoffentlich entspannt und Klassenfahrten wieder m\u00f6glich sind, mit dem Jahrgang 10 nach Berlin fahren. Darauf freue ich mich schon sehr.<\/p>\n<p><em><u>Frau Brinkmeyer:<\/u><\/em> Ich m\u00f6chte gerne noch mal au\u00dferhalb Europas reisen und schulisch m\u00f6chte ich auch mal wieder eine Klassenfahrt begleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was war<\/strong> <strong>f\u00fcr Sie fr\u00fcher das Sch\u00f6nste an der Schule?<\/strong><\/p>\n<p><em><u>Frau Brinkmeyer:<\/u><\/em> Freunde treffen oder schulische Veranstaltungen wie Feste oder Klassenfahrten waren f\u00fcr mich sch\u00f6ne Dinge an der Schule.<\/p>\n<p><em><u>Frau Luttmann:<\/u><\/em> Fr\u00fcher war Schule f\u00fcr mich ein Ort wo ich Freundinnen und Freunde getroffen habe. Ein Highlight war der Tanzkurs in Klasse 9. Das Lernen stand nicht immer an erster Stelle, aber passend zum Abitur passten dann auch die Noten wieder\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Interview f\u00fchrte M. M. Bosse und bedankt sich f\u00fcr ein nettes Interview.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inklusion, was ist das eigentlich?<\/p>\n<p>Frau Luttmann: Inklusion bedeutet, dass alle Sch\u00fcler*innen egal ob mit oder ohne Unterst\u00fctzungsbedarf&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":9193215,"featured_media":2827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2824","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news-startseite"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2824","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9193215"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2824"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2824\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2886,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2824\/revisions\/2886"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2824"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2824"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/obshilter\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2824"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}