{"id":827,"date":"2012-11-23T17:46:27","date_gmt":"2012-11-23T15:46:27","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.nibis.de\/stsgymh\/?page_id=827"},"modified":"2023-01-04T19:31:22","modified_gmt":"2023-01-04T17:31:22","slug":"die-seminarcharta","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/stsgymh\/ausbildung-ii\/grundsatze-ii\/die-seminarcharta\/","title":{"rendered":"Die Seminarcharta"},"content":{"rendered":"<p>Lernen im Vorbereitungsdienst ist vorrangig gepr\u00e4gt durch:<\/p>\n<p><strong>\u00a0Erweiterung des Lernens<\/strong><\/p>\n<p>Das Lernen in der Hochschule folgt weitgehend Spuren, die zu objektivierbaren Erkenntnissen in den Fachwissenschaften f\u00fchren. Im Vorbereitungsdienst wird eine Erweiterung und ein Paradigmenwechsel notwendig: Die wissenschaftsorientierte, objektivistische Weltbetrachtung wird in Richtung eines wahrnehmenden Auffassens komplexer p\u00e4dagogischer Prozesse und deren subjektive gedankliche und emotionale Verarbeitung erweitert. Mit der Vergegenw\u00e4rtigung und der analytischen Verfolgung eigener Entwicklungsspuren, die in der Lebensgeschichte und in ersten selbst\u00e4ndigen p\u00e4dagogischen Schritten geformt wurden, vollziehen sich Selbstreflexionen. Darin k\u00f6nnen eigene St\u00e4rken und Schw\u00e4chen erkannt werden, die zur Formulierung von selbstgesteuerten Entwicklungsaufgaben f\u00fchren.<\/p>\n<p>In einer Bildung, die nie \u201caus\u201c ist im Sinne von Ausbildung, sind auch die Seminar- und Fachleiter nicht allein als Lernhelfer, sondern auch als Vorbilder gefragt. Sie sollten ihr Suchen, ihre Entwicklungsaufgaben erkennen lassen. Wenn ein solches durch Kooperation gepr\u00e4gtes Lernen im Vorbereitungsdienst erfahrbar wird, bestehen gute M\u00f6glichkeiten der \u00dcbertragbarkeit auf das Sch\u00fcler &#8211; Lehrerverh\u00e4ltnis im Unterrichtsalltag. Lernen in Kooperation meint nicht, dass unterschiedliche Kenntnisse und F\u00e4higkeiten sowie Erfahrungswissen zu leugnen sind, sondern dass gerade durch die Verschiedenheiten das Lernen und Lehren optimiert werden kann.<\/p>\n<p><strong>Erkennen, Aushalten und Ausbalancieren von Ambivalenzen<\/strong><\/p>\n<p>Ambivalenzen im Vorbereitungsdienst ergeben sich<\/p>\n<p>\u2022 aus der Situation, gleichzeitig Lehrender und Lernender und gleicherma\u00dfen Beurteilender und Beurteilter zu sein<\/p>\n<p>\u2022 aus der Verantwortung f\u00fcr eigene Bildungsprozesse und die der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler<\/p>\n<p>\u2022 aus der Notwendigkeit, pragmatische L\u00f6sungen und Haltungen zur Ausf\u00fchrung eigenverantwortlichen Unterrichts m\u00f6glichst schnell zu finden, ohne sich dabei forschenden, vision\u00e4ren, verunsichernden Versuchen gegen\u00fcber zu verschlie\u00dfen<\/p>\n<p>\u2022 aus der Aufgabe, sich in eine jeweils vorgegebene Schulatmosph\u00e4re einzuf\u00fcgen und sich gleichzeitig in die gegenw\u00e4rtige Umgestaltung von Schule mitgestaltend einzubringen<\/p>\n<p>\u2022 aus der Seminarentwicklung, in welcher trotz der angestrebten Qualifikation zur Findung selbstbestimmter Entwicklungsaufgaben, Teilwiderspr\u00fcche durch fremdbestimmte Anforderungen nicht auszuschlie\u00dfen sind<\/p>\n<p>\u2022 aus dem Unterschied zwischen Planung von Unterricht und deren Anwendung. Denn \u00fcber alle vorausdenkenden theoretischen Konstruktionen hinaus ist Unterricht ein Ereignis, welches im Geschehen seine Eigendynamiken entwickelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Grunds\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p>Im Mittelpunkt aller Hilfen beim Lernen am Studienseminar Hannover II steht die Sicherung und Verbesserung der Qualit\u00e4t von Unterricht und Erziehung an den Schulen. Entsprechend ist die Vermittlung von p\u00e4dagogischer, didaktischer und methodischer Kompetenz eine f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu erbringende Dienstleistung.<\/p>\n<p>Ausbildung am Seminar ist Erwachsenenbildung. Sie kann nur erfolgreich sein, wenn die Ausbildenden und Auszubildenden sich in ihrer Identit\u00e4t akzeptieren und respektieren. Das schlie\u00dft z.B. \u201eMeisterlehre\u201c aus. Erwachsenenbildung schlie\u00dft nicht aus, Auszubildende zum Experimentieren i. S. der Erweiterung des Verhaltensrepertoires zu ermuntern und sie zu selbst gesetzten Entwicklungsaufgaben aufzufordern. Das ist mit der Hoffnung verbunden, dass eine selbstbewusste und reflexive zunehmende Professionalisierung in aller Regel im Diskurs verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Lernende und Lehrende begegnen einander mit Respekt. Gegenseitige konstruktive Kritik f\u00f6rdert die Ehrlichkeit des Umgangs miteinander. Eine so verstandene Kritik verbietet hierarchische Konfliktl\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Die Atmosph\u00e4re am Seminar ist von vertrauensvollem Umgang miteinander, durch Verl\u00e4sslichkeit und Transparenz bestimmt. Dies wird in Beratungs-, aber auch in Beurteilungssituationen deutlich. Beratung orientiert sich vorwiegend an den Bed\u00fcrfnissen und Entwicklungsaufgaben derjenigen, die Beratung einfordern; das schlie\u00dft nicht aus, dass Ratschl\u00e4ge aus Erfahrungsreichtum gegeben werden und dass vor allem ernsthaft geworben wird f\u00fcr einen sch\u00fcler- und problemorientierten Unterricht, in dem Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler potenziell Subjekte ihres Lernens sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Fachleiterinnen\/Fachleiter und Seminarleitung sind offen f\u00fcr Kritik. Sie sind sich dessen bewusst, dass die Institution Studienseminar hierarchisch strukturiert ist und die Gefahr besteht, Autoritarismus mit Autorit\u00e4t zu verwechseln. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass regelm\u00e4\u00dfig Evaluationen der Seminararbeit stattfinden und dass in den parit\u00e4tisch besetzten Seminarkonferenzen Probleme und Grunds\u00e4tze der Ausbildung diskutiert und verbindlich geregelt werden.<\/p>\n<p>Das Studienseminar Hannover II ist eingebunden in den Kreis vielf\u00e4ltiger Ausbildungs-einrichtungen. Seine Mitglieder halten und entwickeln Kooperationskontakte u. a. zu Universit\u00e4ten und Hochschulen, anderen Ausbildungsseminaren, anderen Schulformen und Institutionen der dritten Phase der Lehrerbildung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lernsituationen und Lernorte<\/strong><\/p>\n<p>In allen Lernsituationen gilt es sich an bestimmten Unterrichtsprinzipien zu orientieren. Neben der Aneignung von Wissen und der Kl\u00e4rung der Sachebene (Primat der Didaktik) spielen im Unterricht leitende Prinzipien wie selbstbestimmtes Lernen, Ausrichtung an den Erwartungen sowie den Erfahrungen der Auszubildenden, Selbstt\u00e4tigkeit, Anschaulichkeit, induktives Lernen, Problem- und Handlungsorientierung, Feedback, Metakommunikation und die Ausbildung von Vermittlungskompetenz eine zentrale Rolle. Ziel der Ausbildung ist, den Referendarinnen und Referendaren didaktische und methodische Handlungskompetenz f\u00fcr die Erziehung ihrer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu selbst\u00e4ndigem Denken zu vermitteln.<\/p>\n<p>Die wichtigste Aufgabe eines Lehramtsstudiums ist demnach die Ausbildung von Fachkompetenz unter dem Primat p\u00e4dagogischer Kompetenz. (G.Otto)<\/p>\n<p>Auch unter lernpsychologischen Gesichtspunkten sollen die Fragen der Sch\u00fcler zu einem wichtigen Ausgangspunkt f\u00fcr das Lernen werden.<\/p>\n<p>Das Lernen findet an verschiedenen Lernorten statt:<\/p>\n<p>\u2022 Selbstausbildung erfolgt insbesondere im eigenverantwortlichen Unterricht. Vor dem Hintergrund des deutlich erweiterten Unterrichts in eigener Verantwortung m\u00fcssen die Referendarinnen und Referendare eine st\u00e4rkere Hilfestellung und Beratung erfahren.<\/p>\n<p>\u2022 Ausbildungsunterricht: Hier wird der Unterricht von der jeweiligen Fachlehrerin bzw. vom Fachlehrer geleitet und begleitet. Die Lehrkr\u00e4fte beraten die Referendarinnen und Referendare und erm\u00f6glichen ihnen reflektierte Praxiserfahrungen.<\/p>\n<p>\u2022 Unterrichtsbesuche und besondere Unterrichtsbesuche: F\u00fcr diese Stunden findet die Beratung durch die Fach- und Seminarleitung statt. Der konzeptionelle Ausgangspunkt f\u00fcr die Stundenbesprechungen ist die gegenseitige Bereitschaft etwas voneinander zu lernen sowie den Prozess des Lehren-Lernens konstruktiv und (selbst-)kritisch zu reflektieren. Strittige Aspekte sind in den Nachbesprechungen zwischen Auszubildenden und Ausbilderinnen bzw. Ausbildern auszuhandeln, m\u00f6glichst nicht prim\u00e4r hierarchisch zu entscheiden. Sinnvoll ist die Anwesenheit m\u00f6glichst vieler Auszubildenden in den Stundenbesprechungen, z. B. in den besonderen Unterrichtsbesuchen. W\u00fcnschenswert w\u00e4re auch die Teilnahme der Ausbilderinnen und Ausbilder an besonderen Unterrichtsbesuchen im anderen Fach der Auszubildenden.<\/p>\n<p>\u2022 Fach- und Seminarsitzungen: Wie f\u00fcr den Unterricht gilt auch f\u00fcr die Seminarsitzungen, dass schulrelevante Vermittlungsformen, verschiedene Lehrmethoden sowie neuere Unterrichtsformen \u2013 z.B. Team Teaching, Gruppenarbeit, handlungsorientierte Elemente, Moderationsmethode, Freiarbeit, projektorientiertes Lernen, Unterrichtssimulationen und Microteaching \u2013 einzu\u00fcben, zu erproben und zu reflektieren sind. Dieses geschieht mit der Perspektive der unterrichtlichen Anwendung und eines zu verbessernden Schulunterrichts.<\/p>\n<p>\u2022 Au\u00dferschulische Lernorte: In einer Projektphase mit gegenseitiger Unterrichtshospitation erhalten die Referendarinnen und Referendare Gelegenheit, neben der eigenen Schule auch andere Schulen bzw. Schulformen kennenzulernen. Dar\u00fcber hinaus gibt es Projekte an au\u00dferschulischen Lernorten wie z.B. Museumsp\u00e4dagogik im Fach Geschichte oder Kooperationsprojekte mit Studierenden der Musikhochschule im Fach Musik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lernen im Vorbereitungsdienst ist vorrangig gepr\u00e4gt durch: \u00a0Erweiterung des Lernens Das Lernen in der Hochschule folgt weitgehend Spuren, die zu objektivierbaren Erkenntnissen in den Fachwissenschaften f\u00fchren. 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