{"id":836,"date":"2012-11-23T18:30:29","date_gmt":"2012-11-23T16:30:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.nibis.de\/stsgymh\/?page_id=836"},"modified":"2023-01-04T19:31:01","modified_gmt":"2023-01-04T17:31:01","slug":"entwicklungsaufgabe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wordpress.nibis.de\/stsgymh\/ausbildung-ii\/grundsatze-ii\/entwicklungsaufgabe\/","title":{"rendered":"Das Referendariat als Entwicklungsaufgabe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Begriff der Entwicklungsaufgabe<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Begriff ist die Idee empirisch konkretisiert worden, dass im Lebenszyklus eines Menschen, zun\u00e4chst von seiner k\u00f6rperlichen Reifung ausgehend, dann zunehmend von der Gesellschaft bestimmt, ganz spezifische allgemeine Aufgaben an seine Entwicklung gestellt werden. Entwicklung ist nicht abgeschlossen mit der Ausformung der F\u00e4higkeit zum formalen Denken, sie wird weiter veranlasst vor allem durch die kulturspezifischen Aufgaben einer Gesellschaft. Bestehende Lebenszusammenh\u00e4nge werden von au\u00dfen durch die Anforderungen der Normalbiographie problematisiert und sie erfordern eine Erneuerung bzw. Erweiterung der Identit\u00e4tskonzepte im Kontext der aktuell zu bew\u00e4ltigenden Entwicklungsaufgaben. Der Prozess der Entscheidung zu einer Familiengr\u00fcndung, die positive Identifikation mit dem \u00bbGipfel\u00ab einer beruflichen Laufbahn (midlife crisis), der \u00dcbergang ins Pension\u00e4rsalter etc., all das sind nach dem Konzept \u00bbEntwicklungsaufgaben\u00ab, deren Bearbeitung dar\u00fcber entscheidet, ob sich ein Subjekt nicht nur weiter handlungsf\u00e4hig zeigt, sondern auch in seiner Pers\u00f6nlichkeit (Identit\u00e4t) und in seinen Handlungsm\u00f6glichkeiten (Kompetenz) entwickelt. Die Berufsentscheidung sowie die berufliche Ausbildung k\u00f6nnen als eine solche \u00fcbergreifende Entwicklungsaufgabe im Sinne Havighursts definiert werden.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet das konkret f\u00fcr die Ausbildung von LehrerInnen?<\/strong><\/p>\n<p>Den ReferendarInnen ist zu Beginn der Ausbildung Wesentliches vom Umfang der auf sie zukommenden Aufgabe, LehrerIn zu sein, bewusst.<br \/>\nW\u00fcrden sie sich zu Beginn der Ausbildung vornehmen, m\u00f6glichst alles, was sie an Anforderungen zu erkennen glauben, sich anzueignen, um entsprechende Kompetenzen zu entwickeln, dann w\u00fcrden sie sich \u00fcberfordern. In alles m\u00fcssten sie \u00bbhineinriechen\u00ab, nirgends k\u00f6nnten sie Erfahrungen sammeln und so verdichten, dass es zur Entwicklung von Kompetenz kommen kann. Denn kaum h\u00e4tten sie sich auf ein Problem eingelassen, w\u00fcrde ihnen deutlich, wie beschr\u00e4nkt die Aufgabendefinition ist und was alles mit der gestellten Aufgabe zusammenh\u00e4ngt.<br \/>\nRastlos w\u00fcrden sie ihre Aufmerksamkeit mal diesem, mal jenem zuwenden, ohne dass sie eine Fragestellung, oder pr\u00e4ziser: eine Entwicklungsaufgabe f\u00fcr ihre Ausbildung aufgebaut h\u00e4tten. Erst eine solche Entwicklungsaufgabe erm\u00f6glicht ihnen, die diffuse Vielfalt der Sachverhalte sinnvoll in einem Programm f\u00fcr die eigene Kompetenzentfaltung und Identit\u00e4tsbildung zu ordnen. Die ReferendarInnen merken etwas von der Gefahr der Verzettelung, der nicht orientierenden Anh\u00e4ufung toten Wissens. Sie suchen deswegen in der Ausbildung, ihrer Struktur wie in den ihm entgegengebrachten Verhaltenserwartungen, nach Aufgabenstellungen, die ihre Aufmerksamkeit sinnvoll zentrieren k\u00f6nnen. Diese <strong>versuchten sie so zu fassen, dass sie sie nach und nach bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/strong> Entwicklungsaufgaben helfen ihnen, Schritt f\u00fcr Schritt die Kompetenz aufzubauen, die sie f\u00fcr sich als unverzichtbar erachten und die gleichzeitig objektiv von ihnen erwartet werden. Sie identifizieren in der Ausbildung \u00fcbergreifende Aufgaben f\u00fcr ihre Entwicklung und pr\u00fcfen dabei, ob sie zu F\u00e4higkeiten f\u00fchren k\u00f6nnen, die sie in der Praxis zu zeigen haben. <strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit den Entwicklungsaufgaben strukturieren die ReferendarInnen die auf sie einstr\u00f6menden Anspr\u00fcche, und sie fragen, in welcher Weise sie sie als eigene akzeptieren k\u00f6nnen.<\/strong> Der <em>latente <\/em>Sinn, der den Aufbau der Anforderungen der Ausbildung strukturiert, interpretiert, standardisiert und verallgemeinert die verschiedenen Erwartungen und erlaubt, sie so zu gliedern, dass die ReferendarInnen mit ihrer Deutung als Entwicklungsaufgaben Sicherheit bekommt. Sie finden sich mit der Definition von Entwicklungsaufgaben in die \u00bbTradition\u00ab einer Lehrerausbildung ein. Vier Entwicklungsaufgaben sind es, die die Ausbildung von LehrerInnen und damit den Sozialisationsprozess \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich und erkl\u00e4rlich machen:<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\">Erste Entwicklungsaufgabe:<\/span> Formulierung einer Strategie f\u00fcr Professionalisierung in der Berufspraxis<br \/>\nAllgemeine L\u00f6sung: \u00bbAuch wenn ich zu Beginn der Berufspraxis nicht alles kann, was ich k\u00f6nnen m\u00fcsste, werde ich im Referendariat und im Beruf nicht untergehen, weil ich wei\u00df, wie ich noch lernen kann!\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\">Zweite Entwicklungsaufgabe:<\/span> Formulierung eines p\u00e4dagogischen Konzepts der Fremdwahrnehmung<br \/>\nVerallgemeinerbare L\u00f6sung: \u00bbIch finde p\u00e4dagogischen Kontakt zu Sch\u00fclerInnen, weil ich sie verstehen kann!\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\">Dritte Entwicklungsaufgabe:<\/span> Formulierung eines Konzepts p\u00e4dagogischen Handelns<br \/>\nVerallgemeinerbare L\u00f6sung: \u00bbMein Handeln mit Sch\u00fclerInnen basiert auf meiner Idee und einer objektiv sinnvollen Praxis!\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Vierte Entwicklungsaufgabe<\/strong><\/span><strong><span style=\"text-decoration: underline\">:<\/span> Formulierung eines erweiterten Berufsrollenverst\u00e4ndnisses<br \/>\nVerallgemeinerbare L\u00f6sung: Ich entwickle in dieser Ausbildung Identit\u00e4t, ein Berufsethos und Kompetenzen, die mir die L\u00f6sung weiterer Entwicklungsaufgaben in der Berufseingangsphase und in einer lebenslangen Berufst\u00e4tigkeit als zu bew\u00e4ltigen erscheinen lassen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff der Entwicklungsaufgabe In diesem Begriff ist die Idee empirisch konkretisiert worden, dass im Lebenszyklus eines Menschen, zun\u00e4chst von seiner k\u00f6rperlichen Reifung ausgehend, dann zunehmend von der Gesellschaft bestimmt, ganz spezifische allgemeine Aufgaben an seine Entwicklung gestellt werden. 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