Das „Quadrat der Nachricht“

Dieses Kommunikationsmodell wurde von dem Hamburger Psychologen „Schulz von Thun“ 1977 und 1981 erstmals vorgestellt. Es geht darum, „was jemand von sich gibt bzw. das, was beim anderen ankommt„, so schreibt von Thun. Aussagen einer Person nennt v. Thun eine „Nachricht“. Diese Nachricht enthält vier verschiedene Aspekte oder vier verschiedene Seiten, die gleichzeitig seelisch wirksam sind.

Der Sender der Botschaft sendet also gleichzeitig auf vier Kanälen mit „vier Schnäbeln“.
Der Empfänger der Nachricht hört quasi gleichzeitig auf vier Kanälen mit „vier Ohren“.
1. Sachinhalt
Der Sachaspekt enthält die sachlichen Informationen über Dinge und Vorgänge, eben wie sie sind.

2. Selbstkundgabe
Durch den Selbstkundgabeaspekt teilt der Sender etwas über sich persönlich mit.

3. Beziehungshinweis
Durch den Beziehungshinweis gibt der Sender zu erkennen, was er vom Empfänger hält bzw. wie er die Beziehung sieht.

4. Appell
Durch den Appell möchte der Seder Einfluß in eine bestimmte Richtung nehmen. Der Empfänger möge in bestimmter Weise denken, fühlen oder handeln.

Das Modell ermöglicht die Sichtweise, daß ein und dieselbe Äußerung mehrere Botschaften gleichzeitig enthält, wobei meist nur der Sachinhalt ausgesprochen werden soll, während die drei anderen Aspekte zwischen den Zeilen stehen.

Schulz von Thun nennt folgendes Beispiel: In einem Auto fahren eine Frau (am Steuer) und ein Mann (als Beifahrer) auf eine Ampel zu. Der Mann sagt zur Frau: „Du, da vorne ist grün.“

Mit dem Sach-Ohr der Frau gehört, ist diese Nachricht einfach: „Die Ampel zeigt weder gelb noch rot, einfach grün.“
Mit dem Beziehungs-Ohr hört die Frau vielleicht zwischen den Zeilen: „Ich hab kein Zutrauen zu Deinen Fahrkünsten.“
Mit dem Appell-Ohr hört sie möglicherweise: „Gib Gas, noch ist grün, aber nicht mehr lange.“
Mit dem Selbstkundgabe-Ohr hört sie: „Mich macht die lange Grünphase ganz unruhig, ich habe Angst.“

Die Frau antwortet in dem Beispiel mit: „Fährst Du oder fahre ich?“ So hört sie wohl mit dem Beziehungsohr und wehrt sich mit ihrer Ablehnung gegen die Bevormundung. Gegen den Sachinhalt der Botschaft wird sie nichts haben.

Für Lehrkräfte ergeben sich alltäglich Situationen, in denen sie sich angegriffen fühlen, besonders wenn Nachrichten der Schüler mit dem Beziehungs-Ohr oder Appell-Ohr aufgenommen werden. Etwa ablehnende Schüleräußerungen wie: „So’n Scheiß mach ich nicht!“ „Schon wieder das gleiche.“ treffen besonders, wenn die Lehrkraft mit diesen Ohren hört. 
Oftmals hilft es, die Situation mit einem anderen Ohr zu erfassen, also frei nach dem Motto einer anderen Sichtweise:
Ist das Glas halb leer oder halb voll? Hört die Lehrkraft den ablehnenden Schüleräußerungen mit dem Selbstkundgabe-Ohr zu, besteht eine Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Schüler. Antworten der Lehrkraft im Sinne des aktiven Zuhörens, könnten ein Gespräch ermöglichen. Antworten wie: „Du hast heute gar keine Lust.“; „Du möchtest endlich etwas anderes machen.“; „Dir wird es zu viel.“ öffnen zur andere Sichtweise.

Arbeitsauftrag:
1. Bitte klären Sie für sich, welches für Sie die wichtigsten Personen sind, die an einer kritischen Situation beteiligt sind.
2. Überlegen Sie, mit welchen Ohren diese Personen vorwiegend hören, bzw. in der kritischen Situation hörten.
3. Was würde sich vielleicht ändern, wenn die Personen mit anderen Ohren hören könnten / würden?
4. Mit welchem Ohr hören Sie selbst in kritischen Situationen hauptsächlich?
5. Was würde sich vielleicht ändern, wenn Sie selbst mit einem anderen Ohr hören würden? Bitte spielen Sie alle Möglichkeiten durch.

Literatur: Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden, Band 1: Störungen und Klärungen

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