Stichworte zu Didaktischen Modellen

  bildungs- theoretisch lern- theoretisch lernziel- orientiert kritisch kommunikativ
Klafki 1958 Didaktische Analyse X      
Heimann 1962 Berliner Modell   X    
Heimann, Otto, Schulz Berliner Modell 65   X    
Mager 71, Möller 72 lernzielorientierte Did.     X  
Schulz Hamburger Modell 80   X    
Offener Unterricht div. Autoren 79 – 84       X
Klafki 1985 kritisch konstruktive Didaktik X X X X

1. Didaktische Analyse
Wolfgang Klafki veröffentlichte erstmals 1958 die „Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung“. Für die Lehrergeneration Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre wurde die Didaktische Analyse zum bestimmenden Modell.
Kerngedanke ist ihr „bildungstheoretischer Hintergrund“ zu einer Zeit der geisteswissenschaftlich orientierten Didaktik mit dem „Primat der Inhalte“. Vorrangig und leitend ist die Bildung anhand von Inhalten.
Die Didaktische Analyse stellt 5 Fragen: 
1. Exemplarische Bedeutung, 
2. Gegenwartsbedeutung, 
3. Zukunftsbedeutung, 
4. Struktur des Inhalts, 
5. Unterrichtliche Zugänglichkeit

2. Lerntheoretische Didaktik
Paul Heimann begründete erstmals 1962 das erste lerntheoretische Modell. 1965 wurden neben Paul Heimann auch Wolfgang Schulz und Gunter Otto beteiligt. Als „Berliner Modell“ löste es im deutschen Sprachraum die Didaktische Analyse ab. Das Berliner Modell war ein Angriff auf die Didaktische Analyse. Es setzt offene gegen geschlossene Theorien, den Lernbegriff gegen den Bildungsbegriff, die These von der Interdependenz gegen die These vom Primat der Inhalte. 
Die These der Interdependenz sagt: sechs Elemente stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis zueinander.
Die sechs Elemente sind:
Bedingungsfelder 
1. anthropologisch – psychologische Voraussetzungen
2. sozial – kulturelle Voraussetzungen
Entscheidungsfelder
3. Intentionen
4. Inhalte
5. Methoden
6. Medien
Das Berliner Modell wurde zum Fundament der „lerntheoretischen Didaktik“. Das Berliner Modell wird in der Literatur als das offenste, weiteste und flexibelste Modell der Unterrichtsplanung gewürdigt.

Wolfgang Schulz entwickelt das Berliner Modell 1980 zum Hamburger Modell weiter. Es enthält sehr viel mehr Kategorien und Verzweigungen. Das Hamburger Modell kann das Berliner Modell nicht verdrängen. Nach Meinung von W. Peterßen (S.96) “ liegt das vor allem an der Schlichtheit und Plausibilität des Berliner Modells (…)“.

3. Lernzielorientierte Didaktik
Bei der lernzielorientierten Didaktik wird das Lernziel zum Fixpunkt. Die Planung von Unterricht orientiert sich also nicht am „Primat der Inhalte“, oder der „Interdependenzthese“ sondern an Lernzielen.
Ein Lernziel bezeichnet von außen gesetzte Ziele
Ein Lernziel bezeichnet ein Verhalten
Ein Lernziel bezeichnet das Verhalten von Lernenden
Ein Lernziel bezeichnet ein erwünschtes und in der Vorstellung vorweggenommenes Verhalten
Ein Lernziel bezeichnet die möglichst eindeutige Beschreibung von Verhalten
Die lernzielorientierten Didaktik orientiert sich einerseits an der lerntheoretischen Didaktik andererseits am Behaviorismus. Begriffe von Lernen und Verhalten, stammen aus dem Behaviorismus. Vor allem sichtbare und wahrnehmbare Verhaltensänderungen von Schülern zeigen der Lehrkraft, daß ein bestimmtes Lernziel erreicht ist.

4. Offene Unterrichtsplanung
Beim Offenen Unterricht werden vor allem Schüler in die Planung von Unterricht mit einbezogen. Es wird auf ein strenges Baumuster für die Unterrichtsplanung verzichtet. 
Prinzipien:
Offenheit des Planes für notwendig werdene Veränderungen
Alternativen für vorgesehene Maßnahmen
Offenlegung der Entscheidungsvorgänge für die Schüler
Kooperation von Lehrer und Schülern
Personalität der Beteiligung rückt in den Vordergrund
„Offener Unterricht ist durch vier Merkmale gekennzeichnet:
1. durch die Beteiligung der Schüler an den unterrichtlichen Entscheidungen
2. durch die Einbeziehung der Erfahrungen, Fragen und Anliegen der Schüler,
3. durch die Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangslage der Schüler,
4. durch die Förderung der sozialen Beziehungen und des kooperativen Verhaltens.“
(aus Schittko 1980, S. 655 zitiert in Peterßen)

5. kritisch konstruktive Didaktik
Wolfgang Klafki veröffentlicht 1985 seine überarbeitete Position nun als Mischtheorie, bei der sich bewährtes durchsetzt.
Klafkis Standpunkt bleibt „bildungstheoretisch“ auf einem neuen, überarbeiteten Bildungsbegriff.
„explizite Bedingungsanalyse“ aus lerntheoretischem Modell
„Prozeß-Struktur“ aus Heimanns Strukturanalyse
„Didaktik im weiteren Sinne“ statt im „engeren“ entspricht der Würdigung Heimanns Kritik
„kritische und gesellschaftspolitische Aspekte,“ wie z.B. Emanzipation aus kritisch kommunikativer Didaktik
„Zielorientierung, Überprüfung, Hierarchisierung von Lernzielen“ aus lernzielorienterter Didaktik
Klafkis fünf Grundfragen von 1958 werden beibehalten, jedoch in einen umfassenden Zusammenhang eingeordnet. Aus diesem Strukturschema sind hier 7 Planungselemente entnommen, welche die 5 ursprünglichen Grundfragen erweitern. 
1. Gegenwartsbedeutung, 
2. Zukunftsbedeutung, 
3. exemplarische Bedeutung, 
4. thematische Struktur (einschl. Teillernziele) und soziale Lernziele,
5. Erweisbarkeit und Überprüfbarkeit, 
6. Zugänglichkeit bzw. Darstellbarkeit, 
7. Lehr-Lern-Prozeßstruktur einschl. Lernhilfen

6. neuere didaktische Konzepte
Im Rahmen neuerer didaktischer Konzepte wird hervorgehoben, dass Lernen Selbstkonstruktion des Lerners ist, das heißt: Lehren ist keinesfalls gleichbedeutend mit Lernen. (vgl. Kösel, Heursen und Pädagogik 7/8 von 1998)

Verweise:
Sehr anschaulich macht Alfred Riedl (Lehrstuhl für Pädagogik TU München) die bildungs- und lerntheoretische Didaktik mit folgenden Übersichten:
http://www.lrz-muenchen.de/%7Eriedlpublikationen/pdf/bildungstheoretischedidaktikriedl.pdf
http://www.lrz-muenchen.de/%7Eriedlpublikationen/pdf/lerntheoretischedidaktikriedl.pdf

(Aufruf Januar 2010)

Literatur: 
Wilhelm Peterßen, Handbuch Unterrichtsplanung, München, 1996
Kösel, E: Die Modellierung von Lernwelten. Subjektive Didaktik. Elztal-Dallau 1992
zweiter Themenschwerpunkt des Heftes 7/8 von PÄDAGOGIK 1998
Gerd Heursen: Ungewöhnliche Didaktiken. Hamburg: Bergmann und Helbig, 1997 (PB-Bücher 31)
Gudjons, Winkel (Hg.): Didaktische Theorien. Hamburg: Bergmann und Helbig, 19979 (PB-Bücher 01)

Arbeitsauftrag:
Günstig für die Bearbeitung der unten stehenden Fragen ist eine regionale Arbeitsgruppe. Die Gruppenmitglieder sollen sich gegenseitig unterstützen und in einem längeren Diskussionsprozess austauschen.

Bitte klären Sie für sich, welche Elemente für Ihre Unterrichtsplanungen hilfreich sind.
Auf welche didaktischen Auffassungen möchten Sie sich im Planungsprozeß beziehen. Warum?
Welche Positionen kommen Ihnen entgegen, welche Auffassungen lehnen sie ab?

Wie möchten Sie Ihren Unterrichtsentwurf aufgrund des Seminar-Minimalkonsenses gliedern?
Welche Inhalte gehören unbedingt in die von Ihnen entwickelten einzelnen Gliederungspunkte?
Wie möchten Sie eine Schwerpunktsetzung des Entwurfes für Ihre Fachrichtung bzw. Ihr Fach umsetzen?

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