Zeitmanagement im Lehrerberuf

Durch die Unterrichtsstunden ist nur ein Teil der Arbeitszeit von Lehrkräften bestimmt. Dies ist zumal auch der fremdbestimmte Teil. Weitaus schwieriger zu organisieren ist der Teil der außerhalb der Schultermine liegt: Unterrichtsvorbereitung, Familie / Privatleben und Freizeit wollen unter einen Hut gebracht werden.
Es steht Lehrkräften frei, sich nachmittags, abends, nachts oder am Wochenende vorzubereiten und diese Zeit mit Freizeit / Familienaktivitäten zu mischen. Viele Kolleginnen und Kollegen finden hier keinen Rhythmus. Die Vorbereitungszeit muss immer wieder neu erkämpft werden was Kraft kostet, wenn Freizeit, Vorbereitung und Haushalt ungünstig miteinander verknüpft sind. Aus Befragungen ist bekannt, dass sich die Vorbereitungsarbeit über die gesamte Woche – sonntags eingeschlossen – verteilt. Schlimm ist, dass Lehrkräfte häufig das Gefühl haben nie fertig zu sein.
– Lehrkräfte laufen Gefahr sich zu viel aufzuladen.
– Lehrkräfte neigen dazu die unterrichtsfreie Zeit immer stärker mit Unterrichtsvorbereitungen aus zu füllen.
– Viele Lehrkräfte schieben einen riesigen Pflichtkatalog vor sich her, finden nirgendwo einen richtigen Anfang.

Wenn sich  Freizeit, Hausarbeit und außerschulische Arbeitszeit miteinander vermischen und wenn
– Freizeit lustlos erlebt wird und,
– das Gefühl von Zufriedenheit über erfolgreiche Arbeit fehlt,
dann wird dies „verlorene Zeit“ genannt.

Abhilfe:
– häuslichen Arbeitsplatz zweckmäßig gestalten
– Arbeitsorganisation durchdenken
– bewusster Umgang mit verfügbarer Zeit (einschließlich Arbeits- und ERHOLUNGSPHASEN)

Arbeitsaufträge:
1. häuslichen Arbeitsplatz gestalten
Am häuslichen Arbeitsplatz verbringen Sie viel Zeit. Sie werden damit auch Geld verdienen. Es steht Ihnen zu den Raum ästhetisch befriedigend und mit sinnvoller Bürotechnik auszustatten.
Was möchten Sie verändern? Womit fangen Sie morgen an?

2. Arbeitsorganisation verbessern
Bearbeiten Sie die Anregungen für eine bessere Arbeitsorganisation

3. Bewusster Umgang mit Zeit
Machen Sie eine Bestandsaufnahme in einem Stundenplanformular:
ASU = Arbeit in Schule, für Schule und Unterricht
AA = Andere Arbeiten: Hausarbeit, Familienpflichten, Besorgungen, Nebentätigkeiten
ÖT = Öffentliche, gesellschaftliche Tätigkeiten (Politik, Verein, Kirche etc.)
R = Regeneration, Freizeit, Hobby, Sport, entspanntes Nichtstun, Schlafen, Partner/Familie
PM = Produktive Mischzeit (Erledigung verschiedener Arbeiten nach Bedarf)
VZ = Verlorene Zeit – lustloses Herumtrödeln, unzufriedenes Nichtstun, nicht den Anfang finden, unbefriedigende Vermischung von Aktivitäten
NR = Nachtruhe – notieren Sie wie viele Stunden Nachruhe haben

Auswertung:
Kommen die Buchstaben „R“ = Regeneration und „VZ“= Verlorene Zeit häufiger vor?
„NR“ = Schlafen Sie genug?

Umgang mit „verlorener Zeit“:
– Aktivitäten neu bewerten
Müssen Sie alle außerunterrichtliche Zeit in den Beruf investieren oder dürfen Sie sich auch Regeneration leisten? (z.B.: Beschäftigung mit eigenen Kindern mit schlechtem Gewissen)

– Weglassen
Müssen Sie alle außerunterrichtlichen Aktivitäten (Kirche, Politik, Verein) erledigen, oder können Sie einiges auch weglassen. Manchmal liegt die Weisheit im Verzicht. Stress ist nicht selten auch die Folge der Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen.

– Entmischen
Legen Sie fest, wann Sie Hausarbeit wann Unterrichtsvorbereitung erledigen. Normalerweise endet die Bürozeit der Angestellten um eine bestimmte Zeit. So brauchen Sie sich Vorbereitungszeiten nicht immer wieder neu zu erkämpfen (ob gegen sich selbst oder andere) – was Kraft kostet.

– Freizeit und Regeneration bewusst planen
Freizeitaktivitäten ergeben sich oft. In späteren Lebensabschnitten wird die Zeit von der Arbeit „aufgefressen“, die Initiative für „Privates“ sinkt. Auch in den Schulwochen kommt es darauf an Arbeit und Freizeit miteinander auszubalancieren. Statt „mal abwarten, was sich ergibt“ planen Sie bewusst ihre Freizeit.

Quelle: Rudolf Kretschmann (Hrsg.). Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer. Weinheim u. Basel 2000
vgl. auch: Rudolf Kretschmann: „Wie man vorbeugt, wie man sich schützt – Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer“, PÄDAGOGIK, 7-8 2002, S. 14 -20 unter: http://home.arcor.de/rudolf.kretschmann/Aufs/AufsStress/Stressreduzierende%20Ma%DFnahmen%20in%20Schule%20und%20Unterricht-Dateien/strsstxt/paedagogik.html

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